Gott

Mein Weg zur Gottergebenheit #7 – „Vielleicht bin ich im Herzen Muslimin?“

Kerstin, 54 Jahre alt – „Vielleicht bin ich im Herzen Muslimin?“

Ich bin getauft unter der katholischen Kirche, also Christin. Leider, oder Gott sei Dank, wurde ich nie wirklich in die katholische Religion eingeführt, da meine Mutter Atheistin ist.

Im Religionsunterricht war ich immer leicht irritiert durch die Lehren, obwohl es ein wirklich liberaler Lehrer war, der damals schon erklärte, dass Jesus nicht der Sohn Gottes im herkömmlichen Sinn ist. Alles andere, was ich sonst von den Katholiken hörte, war mir zu fern von dem, was mein Hirn erfassen konnte. Ich dachte, ich wäre zu blöd, um das zu verstehen, weil sich mein Verstand keinerlei Mühe gab, es verstehen zu wollen.

Einige Jahre lang war Gott kein Gegenstand meines Bewusstseins. Dann gab es eine sehr schlechte Zeit in meinem Leben, von Hunger bis Mittellosigkeit war da alles dabei. Ich wandte mich an die katholische Kirche und bat um Hilfe, sie wurde mir aber verwehrt. Da fing ich an mich mit dem Glauben auseinanderzusetzen und fand heraus, dass der katholische Glaube absolut gegen meine Überzeugung geht. Schließlich bin ich aus der Kirche ausgetreten und spendete einen Teil meiner ehemaligen Kirchensteuer an den Tierschutz.

Dass es Gott gibt, war aber nie eine Frage. Durch meine regelmäßigen Besuche in Ägypten und die freundliche, herzliche Art der Einwohner fing ich an mich mit dem Koran zu befassen. Nun werfen auch Koranübersetzungen mehr Fragen als Antworten auf und ich fragte Muslime, zu den mir unverständlichen Absätzen. Hadithe waren nie ein Thema bei meiner Suche und ich war immer schon verwundert, dass ich diese nirgendwo im Koran fand, bis mir einer mal erklärte was Hadithe sind. Wenig begeistert fragte ich, warum es die überhaupt gibt, wenn doch der Koran alles beinhaltet? Die Antworten waren noch verwunderlicher, also schmiss ich das Thema Hadithe gleich wieder über Bord.

Gott hatte schon immer einen festen Bestand in meinem Leben, da ich viele Erfahrungen machen durfte, die es mir beweisen. Heute gehöre ich keiner Buchreligion an, aber sehe den Koran als Unterstützung. Mir wurde bei meiner Suche bewusst, dass Gott in mir und um mich herum existiert. Das wenn mein Inneres mich warnt, es Gott ist, der mich warnt.

Ich spüre ihn im Herzen und er beantwortet mir sehr oft meine Fragen, nicht alle, aber doch sehr viele. Was mich abhält mich einer Buchreligion voll und ganz hin zu geben, sind die Menschen, die sie schlecht machen.

Dank alrahman.de bin ich aber näher an einer Buchreligion als bisher. Das kann ich verstehen, das öffnet mir das Herz und das ergibt für mich Sinn. Vielleicht bin ich im Herzen mehr Muslimin, als ich mir selbst eingestehen will?

Cover Schlüssel zum Verständnis des Koran

Schlüssel zum Verständnis des Koran: 7. Geduldig sein und Gott um Hilfe und Rat bitten

Selbst mit all den Fähigkeiten und dem Wissen, die wir besitzen könnten, ist das Studium der Schrift stets fehlerhaft, wenn Gott nicht um Unterstützung gebeten wird. Letzten Endes ist Er der ultimative Lehrer der Menschheit. Er ist der Lehrer von Allem, insbesondere Seiner Schrift (55:1–2).

 

16:98–100 Und wenn du den Koran liest, so suche bei Gott Zuflucht vor Satan, dem Verfluchten. Wahrlich, er hat keine Macht über die, welche glauben und auf ihren Herrn vertrauen. Siehe, seine Macht erstreckt sich nur auf jene, die bei ihm Beistand suchen und die (Gott) Götter zur Seite stellen.59

20:114 Hoch über allem ist Gott, Der König, die Wahrheit. Beeile dich nicht mit der Lesung, bis ihre Inspiration abgeschlossen ist, sondern sprich: „Gott, gewähre mir mehr Wissen!“

 

Wir sollen nicht erschrocken, verängstigt oder verwirrt sein, wenn die Ergebnisse oder das eigene Verständnis nicht mit dem übereinstimmen, was andere Gelehrte, Araber oder allgemein Menschen sagen. Die Wahrheit braucht nicht die Mehrheit, um wahr zu sein.

 

6:116 Und wenn du den meisten derer auf der Erde gehorchst, werden sie dich von Gottes Weg irreführen. Sie folgen nur Vermutungen, und sie raten nur.60

 

Als Letztes erinnere man sich immer daran, dass wir hier auf diesem Planeten sind, um Gott zu dienen (51:56) und uns zu bemühen, auf Seinem Wege zu gehen (9:20, 5:35, 64:16). Wir sind nicht hier, um uns selbst oder unseren eigenen Ansichten oder Ego zu dienen. Und so rufen wir Gott an:

 

1:5 Dir dienen wir und dich ersuchen wir

 

Demzufolge sollte der Auslegende also stets bestrebt sein, das Wohl der Menschen bei gleichzeitiger Einhaltung der göttlichen Vorgaben zu verbessern. Dies erscheint heutzutage vielen wie ein unauflösbarer Widerspruch oder zumindest wie ein Dilemma zwischen Vernunft und der Offenbarung, jedoch wird der Student der Lesung ziemlich schnell sehen können, dass dem überhaupt nicht so ist.

Nun sollten alle nötigen „Werkzeuge“ zugänglich gemacht worden sein, um sich selber gemäß dem System der Lesung auszubilden. Versuchen Sie es zu einer Gewohnheit werden zu lassen, die Antworten auf eigene Faust zu suchen, nebst der Bitte an Gott für Führung und Unterstützung (20:114). Zögern Sie nicht andere Wissende über die Bedeutung eines bestimmten Verses zu befragen (16:43), aber versuchen Sie trotzdem die Bindung mit Gott direkt herzustellen. Es ist nur durch dieses Selbstbewusstsein möglich, dass man einen defensiven Mechanismus gegen Fehlinformationen und Ignoranz hat, welche nun bereits über mehrere Generationen hinweg gelehrt wurden.

Wir sollten versuchen anzustreben, dass Gott der Fokus unserer Handlungen und unseres Lebens wird. Lassen wir Seine Worte unsere Führung sein, um Erfolg in diesem und im nächsten Leben zu haben. Es ist unbedeutend, wie viel Wohlstand wir erreichen oder wie mächtig wir werden, sondern bedeutender ist wie wir diesen Wohlstand nutzen, um anderen zu helfen und wie wir unsere Macht und Position ausnutzen, um der Menschheit zu helfen, damit die Welt besser wird.

 

63:9–11 O ihr, die ihr glaubt, euer Vermögen und eure Kinder sollen euch nicht vom Gedenken Gottes ablenken. Diejenigen, die dies tun, das sind die Verlierer. Und spendet von dem, was Wir euch beschert haben, bevor der Tod einen von euch ereilt und er dann sagt: »Mein Herr, könntest Du mich doch auf eine kurze Frist zurückstellen! Ich würde Almosen geben und einer der Rechtschaffenen sein.« Gott wird aber niemanden zurückstellen, wenn seine Frist kommt. Und Gott hat Kenntnis von dem, was ihr tut.61

 

Ich bin mir sicher, dass die / der Studierende der Schrift mehr als erwartet finden kann, wenn die Lesung aufmerksam gelesen und studiert wird. Obwohl die Schrift in ihrer Form von Wörtern und Seiten begrenzt ist, ist sie bezüglich dem Wissen und den Lehren innerhalb dieser materiellen Form „unbegrenzt“.

Das Thema des Monats Februar 2015: Achtsamkeit

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Der Frieden sei mit euch liebe Leserinnen und liebe Leser, und Gottes Barmherzigkeit wie sein Segen!

So Gott will werden wir jeden Monat ein ausgewähltes Thema unseren Lesern zum Kommentieren anbieten. Damit möchten wir unseren Lesern die Möglichkeit geben, Einblicke zu erhalten, wie unterschiedlich die Menschen zum selben Thema denken können. Ähnlich einer Pinnwand, an der wir unsere Gedanken “pinnen” können, soll hier stichwortartig oder auch in mehreren Sätzen der eigene Gedanke verewigt werden. Einfach am besten spontan antworten!

Das Thema des Monats Februar 2015: Achtsamkeit

Das Wort „Achtsamkeit“ ist immer häufiger in aller Munde und es werden verschiedene Vorstellungen mit diesem Wort verbunden.
Auch im Koran wird die Achtsamkeit /das Achtsamsein sehr häufig erwähnt. So zum Beispiel gleich im 2. Vers der Sure 2

2:2 Jene ist die Schrift, kein Zweifel in ihr, eine Rechtleitung für die Achtsamen

Die Schrift ist eine Rechtleitung für die Achtsamen steht hier. Wer ist nun aber laut Koran achtsam und was bedeutet es achtsam zu sein? Hierüber finden wir meiner Meinung nach besonders in den nachfolgenden Versen eine Antwort:

2:21 Ihr Menschen, dient eurem Herrn, der euch erschuf und diejenigen vor euch, auf dass ihr achtsam seid

Wir sollen Gott dienen, auf dass wir achtsam sind. Gott zu dienen, Gottes achtsam zu sein bedeutet zum einen natürlich auf Gottes Wort zu hören, aufmerksam und mit Gott verbunden zu sein. Gottes achtsam zu sein beinhaltet meines Erachtens aber auch, dass wir achtsam mit Gottes Schöpfung umgehen und auch, dass wir füreinander achtsam sind, wie es im Vers nachfolgenden 2:177 erwähnt wird:

2:177 Aufrichtigkeit ist nicht, wenn ihr eure Gesichter in Richtung des Ostens oder des Westens kehrt, sondern Aufrichtigkeit ist, wenn man an Gott, an den letzten Tag, an die Engel, an die Schrift und an die Propheten glaubte und das Geld, obwohl man es liebt, den Nahen, den Waisen, den Bedürftigen, dem Obdachlosen, den Fragenden und den Unfreien zukommen ließ und den Kontakt aufrechterhielt und zur Verbesserung beisteuerte. Die ihre Vereinbarung einhalten, wenn sie vereinbarten, und die in der Not, im Leid und wenn es schlimm zugeht, geduldig sind, das sind die Wahrhaftigen und das sind die Achtsamen

Wir sollen nicht nur für uns leben oder nur nach uns schauen, sondern auch einen Blick für unsere Mitmenschen haben, uns gegenseitig wahrnehmen, unterstützen und unsere Vereinbarungen einhalten.
Desweiteren wird in diesem Vers aber auch noch die Geduld erwähnt. Achtsam sind die, „die in der Not, im Leid und wenn es schlimm zugeht geduldig sind“. Wenn ich geduldig bin, erkenne ich an, dass jedes Ding und jede Veränderung seine Zeit braucht zum Wachsen und Reifen und dass sich nichts beschleunigen lässt. Dieses Anerkennen erfordert Achtsamkeit und Vertrauen. Durch Ungeduld ändern wir nichts, sondern machen viele Dinge noch schlimmer.

Achtsamkeit hat auch mit Demut zu tun, denn nur in der Demut kann ich mich Gott ergeben, habe ich Mut zum Dienen, Mut zur Einsicht und Mut zur Menschlichkeit.  (Siehe hierzu auch unseren Artikel zur Demut )

3:200 Ihr, die ihr glaubtet, seid geduldig, duldsam, bleibt verbunden und seid Gottes achtsam, auf dass ihr erfolgreich seid

In der Achtsamkeit fühle ich mich verbunden mit Gott, mit seiner Schöpfung und mit meinen Mitmenschen. Das Wissen, dass alles mit allem verbunden ist, wird sich auf mein Handeln, auf meine innere und äußere Haltung und auf meine Wahrnehmung auswirken und – um noch einmal auf Vers 2:2 zurückzukommen – wenn ich mit dieser Haltung der Achtsamkeit die Schrift lese, wird sie eine Rechtleitung für mich sein.

Was sind eure Gedanken zu diesem Thema? Wie definiert ihr für euch Achtsamkeit und was verbindet ihr damit?

Schlüssel zum Verständnis des Koran: Gott rechnet anders

Wenn wir nach Beispielen wie etwa Geschichten oder Verse in der Lesung suchen, um eine Auslegung zu überprüfen, müssen wir uns an etwas erinnern: Das in der Lesung vorgeschlagene Wertesystem wird nicht in allen Belangen, sei es soziologisch, kulturell, politisch oder auch wissenschaftlich mit der unsrigen jetzigen Zeit und vor allem unseren eigenen Empfindungen übereinstimmen. Die Offenbarung Gottes wurde in einer menschlichen, also beschränkten Sprache verkündet. Insofern ist es also nur naturgemäß, dass eine Kluft entsteht zwischen dem heutigen Empfinden von Moral, Ethik und Recht, und den Ideen in der Art und Weise, wie sie in der Lesung vermittelt wurden. Diese Kluft hat die oder der Gottergebene dadurch zu überbrücken, indem sie oder er nach bestem Gewissen und Wissen die Lesung studiert, in ihr oder sich aufsaugt, am weltlichen Leben teilnimmt und dann die Ideen der Lesung in die jetzige Zeit überträgt auf der Suche nach dem besten Verständnis und dem, was Gott näher ist (39:18). Ein Professor, der die Lesung auswendig kann, aber am alltäglichen Leben kaum teilgenommen hat, nützt uns genauso wenig wie der erfahrenste Mensch, der das Buch nicht kennt und das Verständnis dessen deshalb mit Traditionen und Kultur vermischt, welche sich als seine eigenen Neigungen zusammenfassen lassen. Nach Beispielen in der Lesung zu suchen bedeutet auch, die Weisheit zu erkennen, sie im Leben selbst zu erblicken und auch die Notwendigkeit zu erkennen, aktuelle Zustände nicht als absolut endgültig anzunehmen. Diese Menschen, die sich selbst von jeglichen gedanklichen und äußerlichen Zwängen befreien, indem sie „Keine Gottheit außer dem Gott“ bezeugen, also nichts Absolutes anerkennen außer den einzigen Absoluten, den Schöpfer, werden in der Lesung als Achtsame (muttaqī) beschrieben, die Achtsamkeit (taqwá) gegenüber Gott üben.

Wir Menschen sind soziale Individuen, die ihre Meinungen mit der Zeit ändern. Doch laut der Lesung ändert sich Gottes Vorgehen nie und ist demnach in irgendeiner uns zugänglichen Form universell.87 Einige Meinungen aber bleiben in uns angeblich wie in Stein gemeißelt in der eigenen Geisteshaltung. Der wichtigste Schritt beim Verstehen der Lesung ist es deshalb, die eigene Meinung nicht Gott überzustülpen und stets bereit zu sein, sich selbst erneut vollends Gott hinzugeben. Schließlich handelt es sich hierbei um die Worte Gottes. Dies liest sich leichter, als dass man es sich bewusst sein mag. Eine Stütze kann der folgende Gedanke bieten: Ich weiß ja bereits, wie ich denke, doch sollte ich vielmehr daran interessiert sein in Erfahrung zu bringen, was Gott von mir will, dass ich denke, fühle und lebe. Wenn ich dann einfach auf Teufel komm raus meine eigene Sicht bestätigt sehen will, so werde ich auch fündig werden und in Ermangelung der Ergebung in Gott denken, Gott wolle dies oder jenes, obwohl es nur meine eigene Sicht ist.

Die Lesung Gottes ist wie ein Spiegel: schaut ein Affe rein, so schaut ein Affe zurück, weil Gott höchstpersönlich die Hochmütigen und Achtlosen vom Verstehen der Lesung abhält (17:45–46, 18:57). Hört jemand der Lesung auch wirklich zu und ändert sich und seinen eigenen Zustand nach der Lebensordnung (dīn), die Gott für uns in der Lesung beschrieb, und stellt sicher, dass er in diesem geänderten Zustand bleibt, so erlangt dieser eher die Barmherzigkeit von Gott (7:204, 13:11, 8:53).

Ich möchte die Überschrift dieses Kapitels mit einem relativ einfachen Beispiel aus dem Evangelium erläutern:

 

Matthäus 20:1-16, Die Arbeiter im Weinberg

„Ich möchte euch ein Gleichnis erzählen“, sagte Jesus. „Ein Weinbauer ging früh morgens Arbeiter für seinen Weinberg anwerben. Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und ließ sie in seinem Weinberg arbeiten. Ein paar Stunden später ging er noch einmal über den Marktplatz und sah dort Leute herumstehen, die arbeitslos waren. Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen angemessenen Lohn. Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er noch mehr Arbeiter ein. Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, sah er wieder ein paar Leute untätig herumstehen. Er fragte sie: „Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?“ „Uns wollte niemand haben“, antworteten sie. „Geht doch und arbeitet auch noch in meinem Weinberg!“ forderte er sie auf.

Am Abend beauftragte er seinen Verwalter: „Ruf die Leute zusammen und zahle ihnen den Lohn aus! Beginne damit beim Letzten und höre beim Ersten auf!“ Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten, und jeder von ihnen bekam den vollen Tageslohn.

Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber sie bekamen alle nur den vereinbarten Tageslohn. Da fingen sie an zu schimpfen: „Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!“ „Mein Freund“, entgegnete der Weinbauer, „dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt?

Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genausoviel zahlen wie dir. Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?“ Ebenso werden die Letzten einmal die Ersten sein, und die Ersten die Letzten.“88

 

Das finden wir ungerecht! Das ist ungerecht, mag es auch rechtmäßig zugehen – weltlich gesehen.

Gott ergeben zu sein ist wie eine schwere Arbeit. Wir müssen für die Gerechtigkeit, Liebe, Toleranz, Koexistenz und das Wissen kämpfen, wir müssen also für die Liebe Dschihad üben (uns bemühen).

Was nun im Gleichnis angeprangert wird, ist nicht der Umstand, wie viel effektiv gearbeitet wird, sondern ab wann. Hier ist natürlich zu berücksichtigen, dass ein Arbeiter, der zu einem späteren Zeitpunkt beginnt, unter Umständen effizienter arbeiten könnte als ein anderer, der früher begann. Wir haben jedoch immer die Chance zu Gott zu finden, und dann spielt es keine Rolle, ob wir bei den Ersten oder bei den Letzten sind. Es spielt für Gott keine Rolle, wann wir den Glauben annehmen, solange wir direkt Seinem Ruf, Seiner Einladung folgen. Gott rechnet anders als wir, was den Glauben angeht. Wenn wir also die Möglichkeit haben, sollten wir sie ergreifen und der Lohn steht uns zu, ganz gleich, in welchem Alter wir sind. Im Gleichnis die Arbeitswelt als Metapher zu verwenden ist wirklich trefflich.

Es ist von entscheidender Bedeutung, im richtigen Moment ein Gottergebener zu werden, falls Gott und Seine Botschaft erkannt wurden, und ebenso als einer zu sterben. Denn, wie kann Gott die Menschen bestrafen, die zuvor noch keinen wahrhaftigen Zeichen Gottes begegnet sind? Nein, Gott vergibt denjenigen, die sich im entscheidenden Moment, auch wenn kurz vor dem Tod, Gott ergeben. Dies finden wir auch in der Lesung bestätigt bei den Illusionisten aus der Zeit Pharaos, die erst kurz vor ihrem Tod Gottergebene wurden und als solche dann starben, weil Pharao sie hinrichten ließ für ihre Untreue an ihm:

 

7:118-126 Bewiesen war die Wahrheit, und ihr Trugwerk war entlarvt. So wurden sie dort besiegt und kehrten danach erniedrigt um. Und die Zauberer trieb es, in Anbetung niederzufallen. Sie sprachen: „Wir glauben an Gott, den Herrn der Welten, den Herrn von Moses und Aaron…“ Pharao sprach: „Glaubt ihr wirklich an Ihn, bevor ich es euch erlaube? Das ist eine Verschwörung, die ihr in der Stadt geschmiedet habt, um ihre Bewohner zu vertreiben. Ihr werdet bald wissen, wie ich eure Untat bestrafen werde. Ich werde eure Hände und Füße wechselseitig abhacken und euch alle zusammen kreuzigen.“ Sie sagten: „Wir werden (sowieso) zu unserem Herrn zurückkehren. Du nimmst uns nur übel, dass wir an die Zeichen Gottes, unseres Herrn, glaubten, als sie uns erreichten. Gott, unser Herr, gewähre uns viel Geduld und nimm uns als Gottergebene zu Dir!“

 

"In Gott vertraue ich und handle treu" (König Wilhelm I. von Württemberg)

Foto: Michael Molthagen , CC BY-NC-SA 2.0

Einige der LeserInnen mögen an dieser Stelle einwenden, dass sie ja dann tun und lassen können, was sie wollen, über die Schnur hauen, jeglicher Moral keines Blickes würdigen und allen Menschen im Umfeld Unrecht tun – und wenn sie dann alt seien, würden sie fromm und tiefgläubig werden. Wenn ich sage: Morgen ändere ich mein Leben – dann habe ich heute schon verloren. Woher weiß ich, ob es mich morgen noch gibt? Was, wenn ich morgen die Steine nicht mehr aus dem Weg räumen kann?

Wir erhalten mindestens das, was wir verdienen, doch im Grunde gewinnen wir mehr, als es unser Verdienst uns erlauben würde. Gott lässt Gnade vor Recht ergehen – bei uns allen. Denn würde Gott Recht vor Gnade walten lassen, würde Folgendes geschehen:

 

16:61 Und wenn Gott die Menschen wegen ihrer Frevelhaftigkeit belangen würde, würde er auf der Erde kein Lebewesen übriglassen. Aber er gewährt ihnen auf eine bestimmte Frist Aufschub. Kommt das festgesetzte Ende, kann niemand es weder vorverlegen noch aufschieben.

35:45 Und wollte Gott die Menschen strafen für alles, was sie tun, Er würde nicht ein Lebewesen auf der Oberfläche (der Erde) übrig lassen. Doch Er gewährt ihnen Aufschub bis zu einer bestimmten Frist. Und wenn ihre Frist eingetroffen ist, so ist Gott doch immer Seinen Dienern gegenüber sehend.

 

Insofern sehen wir ein, dass unser Empfinden nicht der Moral der Lesung entspricht und Gott eben anders rechnet als wir.89 Sind wir also geistig faul und träge und denken, die Wahrheit würde sich uns anpassen, statt dass wir uns der Wahrheit anzupassen haben, so werden wir aufgrund der selbstverschuldeten Achtlosigkeit die Rechtleitung verpassen und können uns zu den Verlierern zählen, die lediglich meinten, sie seien rechtgeleitet (18:103–104). Als Gottergebene müssen wir gegenüber uns selbst ständig Ehrlichkeit üben, um nicht anders zu rechnen als Gott es tut; wir haben stets an etwas zu knabbern – kurz gesagt: Es gibt immer einen Dschihad, also eine Anstrengung.

 

Römer 9:18-21 So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. Nun sagst du zu mir: Warum beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so? Hat nicht ein Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen?

Koran 6:88 Dies ist die Rechtleitung Gottes, damit leitet ER recht, wen ER will von Seinen Dienern.

2. Thessalonicher 2:11-12 Darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, so dass sie der Lüge glauben, damit gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern Lust hatten an der Ungerechtigkeit.

Koran 6:112-113 Wir haben den Feinden – die Satane (aus den Reihen) der Menschen und der Djinn – von jedem Propheten erlaubt, zum Trug eingebildete Wörter zu gebrauchen. Und hätte dein HERR es gewollt, hätten sie es nicht getan. Also lass ab von ihnen und ihren Erfindungen. Und das Herz derer, die nicht ans Jenseits glauben, sollen solchen Erfindungen zuhören und sie akzeptieren, damit ihre wahren Überzeugungen aufgedeckt werden.

Jeremia 18:3-6 Und ich ging hinab in des Töpfers Haus, und siehe, er arbeitete eben auf der Scheibe. Und der Topf, den er aus dem Ton machte, missriet ihm unter den Händen. Da machte er einen andern Topf daraus, wie es ihm gefiel. Da geschah des HERRN Wort zu mir: „Kann ich nicht ebenso mit euch umgehen, ihr vom Hause Israel, wie dieser Töpfer?“ spricht der HERR. Siehe, wie der Ton in des Töpfers Hand, so seid auch ihr vom Hause Israel in meiner Hand.

Koran 45:23 Hast du den gesehen, der sich seine eigene Neigung zum Gott nimmt und den Gott auf Grund (Seines) Wissens zum Irrenden erklärt und dem Er Ohren und Herz versiegelt und auf dessen Augen Er einen Schleier gelegt hat? Wer sollte ihn außer Gott wohl richtig führen? Wollt ihr euch da nicht ermahnen lassen?

Koran 18:57 Und wer ist ungerechter als der, der an die Zeichen seines Herrn gemahnt wurde, er wandte sich aber ab von ihnen und vergaß, was seine Hände vorausgeschickt hatten? Wahrlich, Wir haben Schleier über ihre Herzen gelegt, so daß sie es nicht begreifen, und Taubheit in ihre Ohren. Und selbst wenn du sie zum rechten Weg rufst, werden sie nie den rechten Weg einschlagen.

Jesaja 29:16 Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!

Jesaja 45:9-12 Weh dem, der mit seinem Schöpfer hadert, eine Scherbe unter irdenen Scherben! Spricht denn der Ton zu seinem Töpfer: Was machst du? und sein Werk: Du hast keine Hände! Weh dem, der zum Vater sagt: Warum zeugst du? und zum Weibe: Warum gebierst du? So spricht der HERR, der Heilige Israels und sein Schöpfer: Wollt ihr mich zur Rede stellen wegen meiner Söhne? Und wollt ihr mir Befehl geben wegen des Werkes meiner Hände? Ich habe die Erde gemacht und den Menschen auf ihr geschaffen. Ich bin’s, dessen Hände den Himmel ausgebreitet haben und der seinem ganzen Heer geboten hat.

Hiob 40:2 Mit mir dem Mächtigen willst du dich streiten? Willst du mich tadeln oder gibst du auf?

Koran 6:39 Die aber Unsere Zeichen leugnen, sind taub und stumm in Finsternissen. Gott führt, wen Er will, in die Irre, und wen Er will, den führt Er auf einen geraden Weg.

Koran 6:110 Wir lassen ihre Herzen und ihren Verstand hin und her schwanken, weil sie schon beim ersten Mal nicht glauben wollten. So verharren sie in der Ableugnung, und schlagen sich so weiter im Irrtum herum.

2. Mose 33:19 Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.

Thema des Monats September 2013: Lies!

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Der Frieden sei mit euch liebe Leserinnen und liebe Leser, und Gottes Barmherzigkeit wie sein Segen!

So Gott will werden wir jeden Monat ein ausgewähltes Thema unseren Lesern zum Kommentieren anbieten. Damit möchten wir unseren Lesern die Möglichkeit geben, Einblicke zu erhalten, wie unterschiedlich die Menschen zum selben Thema denken können. Ähnlich einer Pinnwand, an der wir unsere Gedanken “pinnen” können, soll hier stichwortartig oder auch in mehreren Sätzen der eigene Gedanke verewigt werden. Einfach am besten spontan antworten!

Das Thema des Monats September 2013: Lies!

96:1 Lies im Namen deines Herrn, der erschuf


Lies! Gleich im ersten Vers der Sura 96 werden wir aufgefordert zu lesen. Jedoch bezieht sich dieses “Lies“ nicht nur darauf, den Koran zu lesen, sondern Gottes Zeichen allgemein. Diese finden wir nicht nur im Koran oder den Schriften, sondern Gottes Zeichen können wir überall in seiner gesamten Schöpfung lesen. Somit kann jeder Gottes Zeichen erkennen, selbst Analphabeten oder diejenigen, die keine Schriften besitzen. Lesen kann man zum Beispiel in der Natur, durch Beobachten des Jahreskreislaufs, der Pflanzen- und Tierwelt, oder der Planeten und Sterne. Überall finden wir Beispiele für Gottes Wirken, wenn wir nur genau schauen und nachdenken. So steht zum Beispiel auch in Sure 16:

16:10-17 Er ist es, der vom Himmel Wasser hat herabkommen lassen. Davon habt ihr etwas zu trinken, und davon wachsen Sträucher, in denen ihr weiden lassen könnt. Er lässt euch dadurch Getreide sprießen, und Ölbäume, Palmen, Weinstöcke und allerlei Früchte. Darin ist ein Zeichen für Leute, die nachdenken. Und Er hat euch die Nacht und den Tag, die Sonne und den Mond dienstbar gemacht. Auch die Sterne sind durch seinen Befehl dienstbar gemacht worden. Darin sind Zeichen für Leute, die verständig sind. Und auch, was Er euch auf der Erde in verschiedenen Arten geschaffen hat. Darin ist ein Zeichen für Leute, die es bedenken. Und Er ist es, der euch das Meer dienstbar gemacht hat, damit ihr frisches Fleisch daraus esst und Schmuck aus ihm herausholt, um ihn anzulegen. Und du siehst die Schiffe es durchspalten, ja, damit ihr nach etwas von seiner Huld strebt, auf dass ihr dankbar werdet. Und Er hat auf der Erde festgegründete Berge gelegt, dass sie nicht mit euch schwanke, und Flüsse und Wege — auf dass ihr der Rechtleitung folgt – und Wegzeichen. Und mit Hilfe der Sterne finden sie die Richtung. Ist denn der, der erschafft, wie der, der nicht erschafft? Wollt ihr es nicht bedenken?


Es gibt noch viele weitere Verse im Koran, in welchen Gott uns auffordert zu schauen und nachzudenken, dann werden wir auch seine Zeichen erkennen und uns Wissen aneignen. Abraham ist hier ein gutes Beispiel für uns, der allein durch Beobachten der Natur Gott erkannt hat.

Wie ist es bei Ihnen? Wo außerhalb des Koran oder Schriften können oder konnten Sie Gott (schon) entdecken?

10 einleitende Fragen und ihre Antworten zum Islam

Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Teufel,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

10 Leserfragen und ihre Antworten zum Islam:

1. Muslime beten zu „Allah“. Ist Allah derselbe Gott wie der von Christen und Juden?

Ja, Allah ist Gott, der Schöpfer, also derselbe Gott wie der von Christen und Juden.[1] Allah ist lediglich das arabische Wort für Gott und symbolisiert/bezeichnet keine andere Gottheit. Wenn arabische oder arabischsprechende Christen oder Juden Gott anbeten wollen, sagen sie „Allah“. Es gibt Muslime, die es ablehnen, das Wort Gott zu gebrauchen. Dies kann gewiss einen Eindruck vermitteln, dass „Allah“ eine komplett andere Gottheit sei. Ihre Beharrlichkeit ist ein Fehler, da der Koran uns dazu ermutigt: „Nennt Ihn GOTT oder nennt Ihn den Gnädigsten; welchen Namen ihr auch braucht, Ihm gehören die schönsten Namen.“[2]

2. Glaubt ihr, dass Nichtmuslime in den Himmel gehen?

Ja, Gott versichert uns, dass es Gläubige in allen verschiedenen Gruppen gibt, die in den Himmel gelangen. Die Worte Islam und Muslim sind mehr als nur Eigennamen/Bezeichnungen. Sie sind die Beschreibung für die vollständige Hingabe zu Gott allein. Der deutsche Begriff für Islam ist Hingabe/Ergebung, was von einem Ergebenen zu Gott allein praktiziert wird.[3] Es gibt Ergebene, die aus christlichem, jüdischem, buddhistischem, hinduistischem oder aus einem anderen Hintergrund abstammen. Alle Ergebenen, die sich Gott allein widmen, ohne jegliche Idole aufzustellen, werden von Gott rein gewaschen, erlöst.[4] Deshalb sagt uns die Schrift Gottes, der Koran, dass Seine ergebenen Anbeter, ganz gleich wie sie sich nennen mögen, in den Himmel gehen. Jede Person, gleichgültig welcher Religion sie auch angehören mag, wird als ein Gottergebener betrachtet, der sich Gott allein ergibt, an den Tag des Gerichts glaubt und ein rechtschaffenes Leben führt, also Frieden fördert. Viele der Christen und Juden fallen in diese Kategorie.

3. Wie ist das Wesen des Teufels zu verstehen? Ist er etwa ein Dämon?

Der Teufel ist laut Koran keine Person oder kein fixes Wesen außerhalb von uns. Er steht eher für den Mangel an Gutem in uns; er ist unsere schlechte Seite, die schlecht zu uns redet. Der Teufel unterliegt jedoch der Kontrolle Gottes, wenn wir also mit reinem Herzen an Gott und an Seine Barmherzigkeit glauben, müssen wir den Teufel nicht fürchten.[5] Der Koran zeigt uns, dass wir Zuflucht bei Gott suchen sollen vor dem Teufel, also vor den eigenen Mängeln, die wir wegen dem „Teufel in uns“ (und auch um uns) haben – damit z. B. eine Arbeit nicht von diesen Einflüssen belastet wird, um möglichst objektiv zu sein. Der Teufel ist das Abgleiten vom Weg des Lichts – die Versuchung dem Materiellen zu erliegen, statt sich auf Gott zu konzentrieren. Deshalb suchen wir Zuflucht vor dem Teufel, damit unser Herz möglichst rein ist.[6] Die Schöpfung von Satan (im Koran „Iblis“ genannt) wird im Koran metaphorisch beschrieben, dass er aus „Feuer“ erschaffen wurde.

4. Wieso müssen muslimische Frauen Kopftücher tragen?

Nirgends im Koran wird befohlen, dass sie ihre Haare, Arme etc. bedecken sollen. Die religiöse Vorschrift des Kopftuchs, oder Hijab (sprich: Hi-dschab), kommen von außerkoranischen Quellen; hauptsächlich von den Verordnungen der Religionsgelehrten und Hadith.[7] Nichtsdestotrotz ist es nicht falsch, Kopftücher wegen kultureller Tradition zu tragen. Es sollte also nicht ausgesagt werden, dass Kopftücher nicht getragen werden dürften. Die Kleidungsgebote des Koran lauten wie folgt:

  1. Die beste Bekleidung ist die Bekleidung der Rechtschaffenheit; für Männer und Frauen.
  2. Frauen sollten ihre Brüste bedecken und nur das zum Vorschein bringen, was nötig ist (Sittsamkeit implizierend).
  3. Frauen können ihre Bekleidung verlängern, um als rechtschaffen erkannt zu werden.
  4. Frauen UND Männer sollen ihre Blicke unterdrücken und ihre Keuschheit/Reinheit bewahren.[8]

5. Was sagt der Islam über Selbstmordattentate, Flugzeugentführer und Terrorismus im Allgemeinen?

Gott sagt uns im Koran, dass wir uns nicht selbst töten sollen[9], dass das Leben heilig ist[10] und dass wir nicht überschreiten sollen[11]. Wenn jemand uns angreift und bekämpft, können wir uns selbst verteidigen, aber wir haben keine Erlaubnis mehr zum Kampf, wenn sie sich entscheiden den Krieg zu unterlassen.[12] Wir dürfen auch keinen Gläubigen töten; bevor wir also zurückschlagen, müssen wir absolut sicher sein. Die Meinungs- und Religionsfreiheit ist des Weiteren eines der Hauptprinzipien des Koranischen Islam. Die Menschen können aufgrund ihres Glaubens nicht bestraft oder zu irgendetwas gezwungen werden. [13] Alles in allem bedeutet das, dass Selbstmordattentate, Flugzeugentführungen und Terrorismus anti-islamisch sind.

6. Was sind die verschiedenen Richtungen im Islam und wie unterscheiden sich ihre Glaubensauffassungen?

Laut Schrift unterstützt Gott es nicht, sich in Gruppen zu spalten. Eigentlich rät Er davon ab, Seine Religion zu teilen.[14] Einige der Gruppen heißen: Sunniten, Schiiten, Ismailiten, Ahmadiyas, Sufis, Wahhabiten, Aleviten, Kharidschiten etc. Diese Parteien entstanden entweder durch politische Differenzen oder wurden von Führern gegründet, die entschieden haben, dass ihre religiöse Interpretationen die rechtgeleitetsten seien. Dadurch wurden die Anhänger dazu verpflichtet, sich von der breiteren und allgemeineren religiösen, im Koran vorgeschriebenen Praxis abzuwenden.[15] Aufgrund dieser Sachverhalte bildete sich eine Gruppe, die zu den Ursprüngen zurückkehren und sich Gott allein hingeben will, statt falschen Führern.[16]

7. Was sind die prinzipiellen Unterschiede zwischen Islam und den anderen zwei Hauptreligionen des Monotheismus, Christentum und Judentum?

Die monotheistischen Religionen hatten Propheten und Gesandte, welche dieselbe Botschaft brachten: dass sich Gläubige Gottes allein Ihm hingeben, Ihn allein lieben sollen. Diese Proklamation wurde von Abraham, Jakob, Moses und allen Propheten Gottes verkündet.[17] Deshalb glauben Muslime an alle Propheten und an das, was durch sie überliefert wurde.[18] Einigen Gesandten wurde auferlegt, einige kleinere Aspekte der von Gott autorisierten Religion zu entfernen oder hinzuzufügen[19], jedoch bewirkten diese von Gott erlaubten Änderungen nicht eine vollständig andere Religion.[20] Es sind die menschengemachten Verordnungen, die solch große Unterschiede zwischen den monotheistischen Religionen erzeugen.[21] Gewiss, würden die unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften Gottes Gesetze und Schrift allein einhalten, würden sie nur minimale unterscheidende Merkmale und stattdessen mehr Gemeinsamkeiten aufweisen.[22]

8. Ist der Islam nicht die Religion, dessen Buch die Anhänger dazu anstiftet, die Christen zu töten? Wie kann ich glauben, dass der Islam eine Religion von Barmherzigkeit und Frieden ist, wenn sie offensichtlich nicht barmherzig und friedfertig gegenüber Frauen ist? Wenn sie wirklich so sein würde, wieso wird dann den Frauen in den Ländern des Mittleren Ostens nicht erlaubt, kurzärmelige Kleidung zu tragen, in die Schule zu gehen oder Spiele zu spielen, was den Männern ja erlaubt ist?

Den Muslimen wird auf keinen Fall und nirgends im Koran auferlegt, Christen zu töten. Gottes gerechtes System erlaubt das gesetzmäßige Töten nur für die Selbstverteidigung, wenn auch einige selbsternannte Muslime die Verse missbrauchen, welche die Selbstverteidigung ansprechen. Sie haben die Bedeutungen verfälscht um nach Belieben zu verletzen, zu unterdrücken oder zu töten. Der Koran kritisiert Aggression ohne Grund[23] und zieht die friedliche Koexistenz mit anderen vor.[24] Deshalb verstehen wir, dass diese Verse nur für Kriegssituationen bestimmt sind, wenn ein Angriff stattgefunden hat[25], während zur selben Zeit Aggression und Unterdrückung aufs Schärfste verurteilt werden [26]. Gegenwärtige Muslime, die dem Koran folgen, werden wissen, dass es deutsche Gläubige gibt. Des Weiteren denken sie, dass das europäische System mit den vielen gewährleisteten Freiheiten und keinem Zwang in der Religion die angemessene Einhaltung von Gottes Gesetzen ist.[27]

Die unterdrückenden Verordnungen in einigen Ländern des Mittleren Ostens gehen gegen die Gesetze Gottes.[28] Nicht nur Gott spezifiziert im Koran, dass Frauen und Männer gleich zueinander sind, sondern auch die Diener Gottes müssen miteinander höflich umgehen. Unterdrückung ist absolut inakzeptabel.[29]

9. Ich habe davon gelesen, dass es gewisse Säulen des Islam gibt. Was sind diese Säulen des Islam? Sind sie besondere Rituale?

Die „Säulen“ des Islam sind die religiösen Hauptpraktiken, die durch Abraham eingeführt wurden, lange vor dem Koran und Mohammed.[30] Diese fünf religiösen Praktiken sind die Kernpraktiken des Islam und werden von den Gottergebenen mit Gottvertrauen verrichtet.[31] Diese Praktiken sind:

  1. Das Glaubensbekenntnis zu Gott (auf arabisch: Schahadah). Diese Erklärung lautet: „Es gibt keine Gottheit außer Gott.“[32]
  2. Drei Kontaktgebete (arabisch: Salât) pro Tag.[33] Ein Versammlungsgebet wird zusätzlich anstelle eines einmaligen Mittaggebets angeordnet.[34]
  3. Die Wohltätigkeit, Almosen (ar.: Zakat).[35]
  4. Die Einhaltung des Fastenmonats (Ramadan).[36]
  5. Die einmalige Pilgerfahrt im Leben eines Ergebenen (Hadsch).[37]

Anmerkung: Um die Übersichtlichkeit für den Leser zu gewährleisten, haben wir uns an das traditionelle Schema der „5 Säulen“ gehalten. Diese sind ein wichtiger Bestandteil des Islam im Koran, jedoch wurde ihre Bedeutung dahingehend verzerrt, dass man ein Gottergebener (Muslim) sei, wenn man sich an die fünf Säulen hielte. Wir finden im Koran etliche Verse, die die Charaktereigenschaften und das Verhalten eines Muslim beschreiben, welche nicht in „Säulen“ zusammengefasst werden und auch der Status „Gottergebener“ definiert sich nicht an diesen. Die Anforderung an uns Gottergebene besteht vielmehr darin dem „geraden Weg“ zu folgen, welcher von Abraham begründet und von allen Propheten gelehrt wurde. Die Grundlagen dieses Weges finden wir in 6:151-153. Vielleicht werden Sie bei der Lektüre des Koran und mit Hilfe unserer Webseite feststellen, dass Sie selbst bereits ein Gottergebener (Muslim) sind?

Der Hadith (Aussagen, die fälschlicherweise dem Propheten Mohammed zugeschrieben werden), aus welchem die Annahme, der Islam bestehe aus 5 Säulen, herrührt, lautet wie folgt:

Von Abu ‚Abdu-r-Rahmán ‚Abdullah, dem Sohn von ‚Umar Ibn Al-Hattáb […]: Ich hörte den Gesandten Gottes […] sagen: „Der Islam wurde auf fünf (Pfeilern) errichtet: dem Zeugnis, daß kein Gott da ist außer Gott, und daß Muhammad der Gesandte Gottes ist, dem Verrichten des Gebetes, dem Entrichten der Zakah (Almosen), der Pilgerfahrt zum Hause und dem Fasten im Ramadan.“

10. Was bedeutet „Nur-Koran“? Wird damit gemeint, dass nur ihr den Wahrheitsanspruch hättet? Werden andere Religionen pauschal für nicht wahr gehalten?


Dem ist nicht so. Die Antwort zur zweiten Frage könnte hier auch nochmals stehen. Die Formulierung „Nur-Koran“ bezieht sich in erster Linie auf die Handhabung der Religionsquellen. Für das Verständnis und die Einhaltung der Religion reicht Gottes Schrift, in unserem Fall der Koran, aus. Da in der mislamischen Geschichte und auch heute noch weit verbreitet im Mislam andere Beiwerke, so genannte „Hadith-Bücher“ (arabisch: Aussage, Worte; plural: Ahadith), fälschlicherweise im Namen des Propheten als autoritäre Religionsquellen verwendet wurden und werden, beziehen sich die Aussagen wie „Koran allein“, „Nur-Koran“, „Gottes Buch allein“ etc. auf diesen spezifischen Sachverhalt. Des Weiteren wird im Koran von den Muslimen gefordert, an die Wahrheit vergangener, von Gott offenbarten Schriften zu glauben.[38] Für die Gottergebenen gilt der Koran als letzte offenbarte Schrift[39] und alleinige Religionsquelle.[40] Des Weiteren hat „nur“ auch auf Arabisch eine Bedeutung, nämlich „Licht“, das wir als Beschreibung des Koran ansehen.


Referenzen:

Die Koranversangaben werden wie folgt angegeben: Surenlaufnummer: Verslaufnummer. Beispiel: 17:36 bedeutet Kapitel 17, Vers 36.

[1] 2:135, 4:125, 22:78, 16:123;

[2] 17:110, 7:180, siehe auch Gottes Namen im Koran;

[3] 2:207-208, 3:19, 10:28-29;

[4] 2:62, 5:69, 3:84-85, 2:94, 2:111, siehe zu den „Ungläubigen“: Die Eigenschaften der Kafir

[5] 7:16-17, 16:98-99;

[6] 23:97-98, 114:4, 102:1-2, 7:12;

[7] 12:111, 31:6, 39:23, 39:29, 45:6, 52:34; siehe auch Kapitel 22: Kopftuch und Verschleierung aus dem Buch Die erfundene Religion und die Koranische Religion

[8] 7:26, 24:30-31, 33:59, siehe auch Appendix 18 und Appendix 19 der Koranübersetzung von R. Khalifa und ebenso Frauen im Koran und in der erfundenen Religion

[9] 4:29-30, 2:195; siehe auch Selbstmordverbot – auch in spiritueller Hinsicht

[10] 6:151, 17:33;

[11] 7:33;

[12] 4:90;

[13] 4:92-94, 18:29, 2:256, 10:99, 25:57, 50:45, 60:8-9, 73:19, 74:37, 76:29, 78:39, 80:12, 88:22, 109:6, siehe auch Die Rhetorik von Terror und Cihad

[14] 42:13-16, 21:92-93, 23:52-54;

[15] 14:21, 33:67, 9:34, 2:272, 4:88, 6:125;

[16] 3:102-105, siehe auch Abspaltungen, Madhabs (Rechtsschulen) und Sekten auch Sekten

[17] 2:136;

[18] 3:84, 22:30;

[19] 5:5, 2:187, 3:49-50, 4:160-161, 6:145-146, 7:157, 16:118, 4:21-22, 33:52;

[20] 3:64, 2:83, 2:87, 3:93-94;

[21] 6:112-114, 2:97, 3:19, 2:146, 5:87, 6:140, 7:32;

[22] 6:154-157,5:48, 6:52, 2:91, siehe auch Introduction of the Quran translation by R. Khalifa (englisch) und Bibel vs. Koran – Gemeinsamkeiten

[23] 2:190, 2:193, 42:42;

[24] 60:8-9;

[25] 8:12-13, 47:4;

[26] 2:191, 2:217, 4:75-76, 4:89-91, 5:87, 7:33, 8:39;

[27] 49:13, 2:62, 2:256, 64:9, siehe auch Anweisungen IM Krieg;

[28] 49:13, 3:195, 4:25, 2:193, 4:75;

[29] 2:191, 9:71, 33:35, 5:54, 48:29, 52:26, 4:128;

[30] 22:78, 16:123, 21:73;

[31] 15:98-99;

[32] 3:18, 63:1, 2:285, 72:18, siehe auch Appendix 13 der Koranübersetzung von R. Khalifa;

[33] 23:9, 29:45, 2:43, 2:45, 11:114, 24:58, 17:78, 2:238, siehe auch Glaube, Gebet;

[34] 62:9;

[35] 2:110, 6:141, 2:215, 7:156-157, siehe auch Almosen;

[36] 2:183-187, siehe auch Fasten;

[37] 2:125, 2:197;

[38] 5:43-48, 42:13, 2:136, 3:84, 42:15;

[39] 33:40;

[40] 7:3, 6:19, 6:38, 6:112-116.

Hinweise auf den Autor des Koran

Ich suche Zuflucht bei Gott, vor dem verfluchten Teufel
Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Wer schrieb den Koran? Die Antwort der Nicht-Muslime auf diese wichtige Frage lautet üblicherweise wie folgt: „Der Koran wurde von einem Menschen verfasst; es ist keine wörtliche Offenbarung Gottes. Es ist ein Buch, das durch menschliche Intelligenz geschaffen wurde, so wie jedes andere Buch. Es wurde, als eine historische Tatsache, von Mohammed im siebten Jahrhundert n. Chr. geschrieben.“

Falls dies Ihre Sicht sein sollte, dann seien Sie versichert, dass Sie viele in dieser Hinsicht unterstützen! Dennoch sollten Sie auch wissen, dass diese Sicht der Dinge nicht ohne weitere Schwierigkeiten angenommen werden kann. Um daran zu glauben, was oben geschrieben wurde, müssen Sie auch glauben, dass Mohammed…

… wusste, dass die Erde und die Himmelskörper vorher ein einziger Punkt waren und getrennt wurden (21:30)

Was mehr…

Wenn Sie nicht glauben, dass er Zugriff auf spezielles Wissen hatte, welches es ihm möglich machte, die moderne Big Bang Theorie zu prophezeien – eine Theorie, die den Arabern des 7. Jahrhunderts vollkommen unbekannt war – dann müssen Sie schlussfolgern, dass 21:30 des Koran bloß ein verblüffender Zufall ist, etwas zufällig richtig zu erhalten. Vielleicht ist diese Passage wirklich nur ein verblüffender Zufall. Wenn es so sein sollte, ist es nicht der einzige. Dieser Mann, der angebliche „Autor“ des Koran, müsste ebenfalls…

… gewusst haben, dass die Zeit relativ ist (22:47; 23:112-114; 70:4), ein Thema, dass den Arabern dieser Zeit gleicherweise unbekannt war.

Entweder besaß er eine außergewöhnliche Quelle des Wissens, die es ihm erlaubte dieses Thema vor fast 1400 Jahren vor Einstein zu besprechen oder wir betrachten ein weiteres Mal einen verblüffenden Zufall.

Was ist es?

Die meisten Nicht-Muslime werden bei diesen Zeilen instinktiv antworten: „Sogar wenn dies bedeutet, dass der Text des Korans eine zweite, erstaunliche, zufällige Eigenschaft besitzt, so ist die naheliegende Erklärung, dass beide Passagen lediglich Beispiele der zufälligen Ereignisse sind.“

Und doch…
Bedenken Sie, dass der gleiche Autor des Korans es ebenso…

… wusste, dass das Universum expandiert (51:47).

… wusste, dass Materie in Paaren geschaffen ist (36:36). (Übrigens: diese Entdeckung ließ den Wissenschaftler Paul Dirac den Nobelpreis in 1933 gewinnen.)

… wusste, dass die moderne, biologische Wissenschaft es wissen wird, dass die Gründung des Lebens auf der Erde auf Wasser basiert (21:30).

… wusste, dass das Eisen nicht auf der Erde heimisch war, sondern von einer außerirdischen Quelle entstammt (57:25).

… wusste, dass der Planet Erde eine Umlaufbahn verfolgt (27:88; 21:33).

… wusste, dass ebenfalls die Sonne eine Bahn verfolgt (36:38; 55:5), wie es in der Tat durch moderne Astronomie bewiesen wurde.

… wusste, dass die Atmosphäre der Erde wie ein schützendes Schild für lebende Kreaturen ist (21:32).

… wusste, dass die Abschnitte der menschlichen Entwicklung in der Gebärmutter sich in einer spezifischen, beschreibbaren Sequenz ergeben (23:14), die durch Experten der modernen Embryologie bestätigt wurde.

… wusste, dass die Wurzeln der Gebirge tief bis in die Erde greifen und Stöße abfangen bzw. vorbeugen können (21:31).

… wusste, wie die Einzelheiten des Regenszyklusses der Erde funktionieren, was bis ins 20. Jahrhundert ein Mysterium für viele Wissenschaftler war (30:48).

… wusste, was die modernen Ozeanographen nun gelernt haben, nämlich dass die angrenzenden Ozeane aufeinandertreffen, aber sich nicht miteinander vermischen (55:19-20).

… wusste, dass die Ozeane komplexe, unterirdische Wellenstrukturen besitzen (24:40).

… wusste, dass in Honigbienen-Gesellschaften die Arbeiter nur weiblich sind (16:68-69). (Die arabische Verbform kann nur mit weiblichen Wesen assoziiert werden).

… wusste, sieben Jahre bevor es eintraf, dass die erniedrigte, byzantinische Armee seiner Tage sich regenerieren und einen größeren Sieg für sich sichern würde, welches in der Tat schließlich gegen die Perser eintraf (30:1-4).

… zwei Jahre vorher bereits wusste, dass Mohammed Mekka siegreich betreten würde (48:27).

… wusste, dass der Körper bzw. die Leiche Pharaos, der sich gegen Moses aufstellte, für die nachkommenden Generationen konserviert sein würde (10:91-92) – heute ist sie im „Royal Mummies Chamber of the Egyptian Museum“ zur Ansicht bereitgestellt.

… wusste, den ägyptischen Herrscher zur Zeit Josefs als König (aziz-malik) und nicht als Pharao zu bezeichnen (12:54), was aber im Buch Genesis irrtümlicherweise gemacht wird.

… wusste, dass die arabische, verlorene Stadt Iram (89:6-8), dessen historische Existenz von Archäologen erst in 1990 bestätigt wurde, eine historische Wahrheit war.

… wusste, dass die ehemalige Flut, welche die südlichen Araber von Saba von ihrem Staudammsystem entriss (34:15-17), gleicherweise von moderner Archäologie bestätigt, eine historische Wahrheit war.

… den Namen von Haman wusste (28:38), eine historische Persönlichkeit nahe dem Pharao zur Zeit Moses… trotz den Problemen, dass a) der Name Haman nicht in der Tora-Version der Geschichte vorkommt und b) dass die Möglichkeit, das hieroglyphische Sprachensystem der Ägypter zu entschlüsseln, für mehrere Jahrhunderte verloren gegangen war, als der Koran offenbart wurde, und bis ins Jahr 1799 verloren blieb. Nach der Entdeckung in diesem Jahr des „Steins von Rosette“ wurde es für die Gelehrten möglich, die Mysterien der Hieroglyphen zu entschlüsseln. Dadurch wurde bestätigt, dass es in der Tat einen Haman gab, der in den hebräischen Schriften aber nicht erwähnt wird, der dem Pharao seiner Zeit nahe stand und der in der Konstruktion involviert war, so wie es der Koran sagt.

Wenn wir glauben, dass eine menschliche Autorschaft die einzige mögliche Erklärung für den Ursprung des Korans ist, so müssen wir es annehmen, dass entweder Mohammed irgendwie Zugriff zu diesen Informationen hatte oder wir müssen daran glauben, dass diese Passagen wieder weitere und bemerkenswerte lange Serien von zufälligen, verblüffenden Ereignissen ist.

Wie viele Zufälle brauchen wir, um die Botschaft zu erhalten?

Die Botschaft ist einfach: keine menschliche Intelligenz ist in der Lage, dieses Buch im siebten Jahrhundert zu erstellen.

Bitte halten Sie sich in Gedanken, dass viele, viele mehrere solcher Zufälle existieren. Ich habe hier nur diejenigen aufgelistet, die kein tiefes Wissen in Themen wie Arabisch, Mathematik, islamische Geschichte oder klassische poetische Formen benötigen. Sogar mit dieser kurzen Liste lieferte ich, glaube ich, einen Punkt, wo man verpflichtet ist, die Botschaft des Korans näher zu betrachten und hochachtungsvoll zu evaluieren. Diese angeblichen Zufälle sind, so glaube ich, klare Zeichen für die Menschheit, dass die Botschaft des Korans eine spezielle Qualität aufweist und nicht ignoriert werden darf.

Nur die wiederholte Bloßstellung des individuellen, menschlichen Herzens der Botschaft des Korans gegenüber kann solch eine wichtige Frage wie „Wer schrieb den Koran?“ stellen. Wenn Sie eine Person sind, die glaubt, dass es nichts derartiges gibt wie eine göttlich inspirierte Offenbarung, so stellt sich die Frage: Wie viele Zufälle braucht es, damit Sie es in Betracht ziehen können, dass solch eine Offenbarung der Menschheit gegenüber möglich sein kann?

Wenn Sie eine Person sind, die daran glaubt, dass es solcherart Dinge geben kann, so lautet die Frage: Wie viele Zufälle wollen Sie ignorieren, bevor Sie es in Betracht ziehen können, dass ein bestimmter Text solch eine Offenbarung darstellt?

Sie sollen wissen, dass ich NICHT daran interessiert bin, eine Debatte über die Möglichkeit abzuhalten, dass EINE dieser Versen, die ich zitiert habe, nur ein Zufall ist oder aus anderen Gründen für Sie nicht überzeugend ist. Die wahre, bemerkenswerte Sache ist, dass ALL diese Eigenschaften sich in einem Text repräsentieren, die angeblich durch menschliche Intelligenz hergestellt wurde – und die profunde Unwahrscheinlichkeit der verblüffenden Zufälligkeit ist es, das ich besprechen will.

Nachdem Sie nun all diese angeblichen Zufälle gesehen haben, werden Sie ehrlicherweise immer noch daran glauben, dass der Koran ein Produkt menschlicher Intelligenz sein soll, wie jedes andere Buch? Oder wird es anders sein?

Gepriesen sei der Herrscher der Welten, der Schöpfer, der Bildner!

übersetzt von Kerem A.

Die Pluralformen „Uns“ und „Wir“

Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Teufel,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

In einer Welt, in der die Doktrin der Trinität verbreitet ist, sind einige Leute von Gottes Gebrauch der Pluralformen im Koran fasziniert. Die überwältigende Botschaft des Koran, bei welcher es absolut keinen Kompromiss gibt, ist die Botschaft:

GOTT IST EINER
(2:133, 163; 4:171 5:73; 6:19; 9:31; 12:39; 13:16; 14:48, 52; 16:22, 51; 18:110; 21:108; 22:34; 37:4; 38:65; 39:4; 40:16; 41:6; 112:1).

Wenn die erste Person Plural vom Allmächtigen gebraucht wird, deutet dies ausnahmslos eine Teilnahme anderer Wesenheiten an, wie z.B. den Engeln. Beispiel: die Offenbarung dieses Korans involvierte die Teilnahme des Engels Gabriel und des Propheten Mohammed. Daher der Gebrauch der Pluralform in 15:9: Wir haben diese Ermahnung herabgesandt, und Wir werden ihr Hüter sein.“ Die Pluralform reflektiert hier die einfache Tatsache, dass der Engel Gabriel und der Prophet Mohammed im Prozess der Überlieferung des Koran teilgenommen haben.

Ein weiteres Beispiel befasst sich mit dem Einhauchen des Lebenshauches in Adam und Jesus. Die Schöpfung Adams fand im Himmel statt und Gott blies ihm direkt das Hauch des Lebens ein. Also wird konsequenterweise die erste Person Singularform gebraucht: „und ihm Meinen Geist eingehaucht habe“ (15:29, 38:72).

Wenn wir den Koran aufmerksam lesen, werden wir so Gott will verstehen können, dass die Engel im Prozess der Erschaffung mitgewirkt haben auf Gottes Befehl. Da Gottes physikalische Energie „zu groß“ ist (7:143), dass diese Welt sie ertragen könnte, griff Gott direkt ein, sind es Engel, die als Boten Gottes das bewerkstelligen, was ihnen befohlen wurde. Es ist auch aus diesem Grund, dass wir Feinde Gottes werden können, indem wir schon allein uns als Feinde der Engel verhalten würden – sprich als Feind der Natur und der Lehre, die durch die Engel überbracht wird im Ungesehenen (2:98).

Die Aufgaben der Engel sind unterschiedlicher und vielfältiger Natur. Sie können Naturkräfte sein, aber auch Gesandte, die in Menschenform auf der Erde das verrichten, was sie machen müssen. Als Beispiel hierfür dienen die zwei Gesandten, die zu Abraham kamen und ihm mitteilten, dass sie zu einem ungerechten Volk kamen. Aus dieser Geschichte ist auch zu erkennen, dass die Engel Naturgewalten sein können.
Oder auch der Gesandte, den Moses für eine Weile begleitete. Weitere Beispiele: So sind über das Höllenfeuer Engel als Wächter gesetzt (66:6). Es gibt einen Engel des Todes, der nicht namentlich erwähnt wird (32:11), sowie Engel, die den Toten ihre Seelen entnehmen (6:93).

Die Schöpfung von Jesus andererseits geschah auf Erden und Gabriel übertrug Gottes „Wort“ zu Maria. Die Pluralform wird konsequenterweise gebraucht, wenn die Schöpfung Jesu in Betracht gezogen wird (21:91, 66:12). Als Gott zu Moses direkt sprach, ohne die Vermittlung der Engel, sehen wir, dass Gott exklusiv in der Singularform spricht: „Wahrlich, Ich bin Gott. Es ist kein Gott außer Mir; darum diene Mir und verrichte das Gebet zu Meinem Gedenken.“ (20:14).

Jedes Mal, wenn die Anbetung Gottes gemeint wird, wird die Singularform gebraucht (51:56).

Kind springt zum Vater

Wer oder was ist dein Gott?

Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Teufel,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Die meisten Leute sind empört über diese Frage. Sie fragen: „Was meinst du mit ‚Wer oder was ist dein Gott?'“ und antworten: „Mein Gott ist der Schöpfer der Himmel und der Erde.“ Und die meisten dieser Leute werden schockiert sein, wenn sie herausfinden, dass ihre Proklamation, dass ihr Gott der Schöpfer der Himmel und der Erde sei, nichts anderes als Lippenbekenntnis ist und dass sie in Wahrheit für die Hölle vorbestimmt sind (12:106).

Ihr Gott ist wer oder was auch immer Ihre Gedanken die meiste Zeit beschäftigt.

Ihr Gott können Ihre Kinder sein (7:190), Ihr Ehepartner (9:24), Ihr Geschäft bzw. Ihre Arbeit (18:35) oder Ihr Ego (25:43). Dies ist der Grund wieso es uns auffällt, weswegen das wichtigste und meist wiederholte Gebot im Koran folgender ist:

33:41-42 O ihr Gläubigen, gedenkt Gottes häufig und lobpreist Ihn Tag und Nacht!

Um dieses Gebot in die Praxis umzusetzen, müssen wir uns gewisse Angewohnheiten aneignen, bei denen wir es garantieren können, dass Gott unsere Gedanken mehr beschäftigt als alles andere. Der Koran hilft uns, solche seelenrettende Angewohnheiten zu etablieren:

1, Die Kontaktgebete (Salat):

Jene, die ihre täglichen Gebete verrichten, kommen einen erheblichen und bedeutenden Schritt näher, Gott bedeutsam zu gedenken. Die Gebete helfen uns nicht nur Gott während den wenigen Minuten zu gedenken, sondern auch während der der Zeit der Erwartung (der Gebete). Um 11:00 Uhr kann jemand auf seiner Uhr nachsehen, ob das Mittagsgebet bereits fällig ist. Diese Handlung verursacht das Gedenken Gottes, und dies wird dementsprechend gutgeschrieben (20:14).

2. Das Gedenken Gottes vor dem Essen:

Vers 6:121 ermahnt uns, Gottes Namen auszusprechen, bevor wir essen:

Und esst nicht von dem, worüber Gottes Name nicht ausgesprochen wurde.

3. So Gott will (IN SHAA ALLAH):

18:23-24 Und sprich nie von einer Sache: „Ich werde dies oder jenes morgen tun“, es sei denn (du fügst hinzu): „So Gott will“ (insha’Allah). Und gedenke deines Herrn, wenn du dies vergessen hast, und sprich: „Ich hoffe, mein Herr wird mich noch näher als diesmal zum rechten Wege führen.“

Dies ist ein direkter Befehl, den wir ausführen müssen, ungeachtet dessen, mit wem wir sprechen.

4. Gottes Geschenk (MAA SHAA ALLAH):

Um Gottes Schutz für unsere geliebten Objekte – unsere Kinder, unsere Autos, unsere Häuser etc. – anzuflehen, werden wir in 18:39 ermahnt „Maa shaa Allah“ zu sagen (Dies ist Gottes Geschenk) [Anm. d. Übers.: eigentlich wörtl. ‚was Gott wollte‘].

5. Lobpreise Gott Tag und Nacht:

Wenn wir etwas essen, sollten wir nicht wie die Tiere sein; wir müssen über die Schöpfung Gottes nachdenken, wenn wir etwas essen – Geschmack, Genuss, den wir dank unserer Sinne, die Gott uns gegeben hat, empfinden, die perfekte Verpackung der Banane oder der Orange, die Verschiedenheiten der Meeresnahrungen etc. – und Ihn lobpreisen, wenn wir Seine Versorgungen verzehren. Wenn wir eine schöne Blume, schöne Tiere oder wunderbare Sonnenuntergänge sehen, dann müssen wir Gott lobpreisen. Wir müssen jede mögliche Situation ausnützen, um Gott zu gedenken und Ihn zu lobpreisen, sodass Gott unser Gott wird.

6. Die Erste Äußerung:
Machen Sie es sich zur Gewohnheit, jeden Morgen im Moment des Erwachens

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen. Es gibt keine Gottheit außer Gott.

zu sagen. Wenn Sie sich dieses Verhalten angewöhnen, so ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie am Tag der Auferstehung als erstes das Gleiche sagen werden, so Gott will.


12:106 Die meisten unter ihnen, die an Gott glauben, stellen Ihm gleichzeitig Götzen zur Seite.

7:190 Wenn ihnen das gesunde Kind geboren wird, gesellen sie Gott, der allein ihnen die Gabe beschert hat, andere Gottheiten bei. Erhaben ist Gott über alles, was man Ihm beigesellt.

9:24 Sprich: „Wenn euch eure Eltern, Kinder, Geschwister, Ehepartner, Verwandten und das von euch erworbene Vermögen und der Handel, um dessen Rückgang ihr bangt, und die Wohnstätten, die ihr gern habt, euch lieber sind als Gott, Sein Gesandter und die Anstrengung auf dem Wege Gottes, dann wartet Gottes schwerwiegendes Urteil ab!“ Gott leitet die Frevler nicht zum rechten Pfad.

18:35 Und er betrat seinen Garten, während er sündig gegen die eigene Seele war. Er sprach: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser je zugrunde gehen wird.“

25:43 Hast du den gesehen, der seine persönliche Neigung zu seinem Gott macht?

20:14 Wahrlich, Ich bin Gott. Es ist kein Gott außer Mir; darum diene Mir und verrichte das Gebet zu Meinem Gedenken.

übersetzt von Kerem A.

Schlüssel zum Verständnis des Koran

Dieser Artikel ist veraltet und wird inhaltlich nicht weiter gepflegt. Er ist nur noch zu Archivzwecken online verfügbar. Der Artikel wurde überarbeitet und ist nun aktuell im Buch „Schlüssel zum Verständnis des Koran“ von Kerem Adıgüzel zu finden.

Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Teufel,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Sind Sie jemand unter denjenigen, die Wissen über den Koran suchen oder Sie wünschen Ihr Wissen über die Schrift zu verbessern? Dann haben wir hier für Sie sieben Prinzipien, welche unermesslich für jeden Student der Schrift sein können. Diese Punkte werden bei der Lektüre sehr offensichtlich erscheinen, dennoch zeigen sie gewisse Fallen auf, in die man tappen könnte. An diese Prinzipien erinnert zu werden kann so Gott will allen etwas nützen.

 

1. Sprache ist kein Hindernis

Der erste Punkt im Studium des Koran ist verständlicherweise die Sprache. Die meisten der Muslime, die an der Schrift festhalten wollen, wurden unterrichtet, dass der Koran nur auf Arabisch verstanden und vorgelesen werden und dass keine Übersetzung je die exakte Bedeutung wiedergeben könne. Es ist wirklich amüsant, dass die gleichen selbsternannten Gelehrten den Arabern sagen werden, dass der Koran „zu schwer“ für sie zum Verstehen sei und dass sie das Verständnis den „Experten“ überlassen sollten! Es sieht so aus, als ob Galileo Galilei solch eine Erfahrung ebenfalls gemacht habe, denn er sagte einst:

Ich fühle mich nicht zu dem Glauben verpflichtet, dass derselbe Gott, der uns mit Sinnen, Vernunft und Verstand ausgestattet hat, von uns verlangt, dieselben nicht zu benutzen.

Natürlich sagt der Koran selber, dass die Sprache kein Hindernis darstellt um ihn zu verstehen, da Gott Derjenige ist, Der ihn den Menschen erklärt, die ihr Herz Ihm gegenüber öffnen. In unzähligen Versen spricht uns Gott mit „Oh ihr, die ihr glaubt…“ an und nicht mit „Oh ihr, die ihr Arabisch sprecht…“

41:44 Hätten Wir ihn als einen Koran in fremder Sprache abgefasst, hätten sie gesagt: „Wären Seine Verse doch nur klar gemacht worden?“ Arabisch oder fremdsprachig, sprich: „Er ist eine Führung und eine Heilung für die Gläubigen.“ Doch diejenigen, die nicht glauben – ihre Ohren sind taub, und sie sind blind; diese werden wie von einem weit entfernten Ort angerufen.

Gottes Buch ist anders als jedes andere Buch auf Erden, da es Seinem System und Seinen Gesetzen unterliegt. Das Verständnis wird an der Ehrlichkeit/Reinheit der Leute gemessen (und nicht an der Sprache oder an den Qualifikationen oder am Fachwissen des Lesers):

56:77-80 Dass dies wahrlich ein edler Koran ist. In einer wohl aufbewahrten Urschrift. Keiner kann sie berühren, außer den (im Herzen) Reinen. Eine Offenbarung vom Herrn der Welten.

Natürlich ist jegliches Fachwissen wie auch jegliches Können von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Das Verständnis zum Beispiel des Wortes „Hadith“ im Koran lässt sich auch mittels Transliterationen und weiteren Hilfsmitteln erarbeiten.

 

2. Den Vers vollständig durchlesen

Verse aus ihrem Kontext zu reißen ist bislang der größte Fehler, welchen sogar die Schüler der Schrift wiederholen. Diese Zitier-Methode kann gebraucht werden, um jeden Wunsch und um jede Sicht zu legitimieren, egal wie ungöttlich sie auch erscheinen mag.

Als Beispiel ein Topfavorit, welches von vielen Gruppen ausgewählt wird um zu behaupten, dass der Koran das Töten und die Gewalt fördere: „Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt.“ (2:191).

Sobald wir jedoch die Methode der Berücksichtigung des Kontexts gebrauchen, eröffnet sich ein völlig neuer Sinn und es erscheint ein neues Bild:

2:191 Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben; Denn die Verfolgung ist schlimmer als Töten. Und kämpft nicht gegen sie bei der heiligen Moschee, bis sie dort gegen euch kämpfen. Wenn sie aber gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ableugner.

Hier beschäftigen wir uns mit einer Kriegssituation; den Menschen, die ausgetrieben wurden, wird die Erlaubnis zum Rückschlag erteilt. Ein Weltenunterschied zum sporadischen Töten, welches angedeutet wird, wenn nicht aus dem Kontext heraus zitiert wird.

 

3. Umliegende Verse nicht vergessen

Ein weiterer ausschlaggebender Punkt beim gründlichen Studium des Koran: die umliegenden Verse eines bestimmten Verses zu einer speziellen Geschichte. Ein Beispiel eines falschen Verständnisses, wenn die umliegenden Verse in Vergessenheit geraten, könnte wie folgt aussehen:

2:54 Und da sagte Moses zu seinen Leuten: „O meine Leute! Ihr habt auf euch selbst eine schwere Schuld geladen, indem ihr euch das Kalb nahmt; so kehrt reumütig zu eurem Schöpfer zurück und tötet euch selbst. Dies ist für euch besser bei eurem Schöpfer.“ Alsdann vergab Er euch; wahrlich, Er ist der Allvergebende, der Barmherzige.

Dieser allein stehende Vers erschafft ein Mysterium, dass Moses seinen Leuten Selbstmord vorgeschrieben haben soll, während es gemäß Gottes Gesetz verboten ist Selbstmord zu begehen und mit der Hölle bestraft werden kann (4:29-30). Wenn wir jedoch das „breitere“ Bild zu Gemüte ziehen, welches in den Versen vor und nach diesem Vers erscheint, nimmt die Geschichte einen völlig anderen Verlauf:

2:51-57 Und denkt daran, dass Wir Uns mit Moses vierzig Nächte verabredeten, als ihr dann hinter seinem Rücken das Kalb nahmt und ihr unrechtmäßig wart. Alsdann vergaben Wir euch, auf dass ihr dankbar sein möget. Und denkt daran, dass Wir Moses das Buch gaben, sowie die Unterscheidung, auf dass ihr rechtgeleitet werden möget. Und da sagte Moses zu seinen Leuten: „O meine Leute! Ihr habt auf euch selbst eine schwere Schuld geladen, indem ihr euch das Kalb nahmt; so kehrt reumütig zu eurem Schöpfer zurück und tötet euch selbst. Dies ist für euch besser bei eurem Schöpfer.“ Alsdann vergab Er euch; wahrlich, Er ist der Allvergebende, der Barmherzige. Und ihr sagtet: „O Moses! Wir werden dir gewiss nicht glauben, bis wir Gott unverhüllt sehen“, da traf euch der Blitzschlag, während ihr zuschautet. Dann erweckten Wir euch wieder nach eurem Tode, auf dass ihr dankbar sein möget. Und Wir ließen die Wolken über euch Schatten werfen und sandten euch Manna und Wachteln herab: „Esst von den guten Dingen, die Wir euch gegeben haben“; sie schadeten Uns aber nicht; vielmehr schadeten sie sich selbst.

Ob nun symbolisch oder wörtlich gemeinter Tod: Es war das Design des Allmächtigen, diese bestimmte Gruppe von den Kindern Israels wiederbeleben zu lassen um Seine Zeichen zu manifestieren. So wird das Paradoxon entfernt, da Gott der Einzige ist, der Leben nimmt, weil es auch Sein an uns gegebenes Geschenk ist.

 

4. Mehrdeutige Wörter beachten

Einige arabische Wörter, genauso wie in der deutschen Sprache, können mehr als eine einzelne Bedeutung in sich tragen. Dadurch kann die zugeschriebene Bedeutung manchmal Widersprüche zwischen den Versen der Schrift oder ein merkwürdiges Verständnis des Themas verursachen. Ist es in solchen Fällen ratsam der besten Bedeutung, die abgeleitet werden kann, zu folgen?

39:18 Jene, die jedem Wort zuhören und dem besten von ihm folgen sind es, denen Gott den Weg gewiesen hat, und sie sind es, die Verstand besitzen.

Ein klares Beispiel von dem, was ein mehrdeutiges Wort und seine inkorrekte Anwendung an seriösen Problemen verursachen kann, ist das Wort „Daraba“, welches in 4:34 vorkommt und von den meisten Übersetzern primär mit „schlagen“ übersetzt wird.

4:34 Die Männer haben die Frauen zu unterstützen; Angesichts der vielfältigen Gaben, die Gott ihnen gegenseitig geschenkt hat, und angesichts des Reichtums, den sie in Umlauf bringen. Aufrechte Frauen, die achtsam über ihre Privatsphäre sind, bewahren das Verborgene im dem Sinn, wie Gott es vorsieht. Die Frauen aber, deren Verlassenheit ihr befürchtet, gebt ihnen gute Ratschläge und vermeidet sie in den Betträumen und ‚Idriboohun‘. Wenn sie aber eure Argumente einsehen, dann sucht keinen Vorwand sie zu ärgern. Gott ist erhaben und groß.

Die Wahl von „schlagen/prügeln“ in diesem Beispiel erzeugt eine bizarre Bedeutung, da der Vers über einen Streit zwischen den Ehegatten handelt. Der Vers schlägt eine Lösung vor, wie schrittweise vorzugehen ist, um die Ehe zu retten; dass der letzte Schritt seine Frau zu „schlagen“ wäre, beendet die Ehe mit Sicherheit, statt sie zu retten! Das Wort ‚Daraba‘ hat mindestens 6 Bedeutungen im arabischen und alle werden im Koran gebraucht:

4:94 O ihr, die ihr glaubt, wenn ihr auszieht (darabtum) auf dem Weg Gottes, so stellt erst gehörig Nachforschungen an und sagt zu keinem, der euch den Friedensgruß bietet: „Du bist kein Gläubiger.“ Ihr trachtet nach den Gütern des irdischen Lebens, doch bei Gott ist des Guten Fülle. So wart ihr einst, dann aber hat Gott euch Seine Huld erwiesen; darum stellt erst gehörig Nachforschungen an. Seht, Gott ist eures Tuns wohl kundig.

47:27 Was aber, wenn (die) Engel sie abberufen und sie ins Gesicht und auf den Rücken schlagen? (Yadriboona)

18:11 Sodann versiegelten (darabna) Wir in der Höhle ihre Ohren für eine Anzahl von Jahren.

43:5 Sollen Wir da die Ermahnung von euch abwenden (na’drib), weil ihr ein zügelloses Volk seid?

14:24 Siehst du nicht, wie Gott das Gleichnis eines guten Wortes prägt (daraba)? (Es ist) wie ein guter Baum, dessen Wurzeln fest sind und dessen Zweige bis zum Himmel (ragen).

2:273 Für die Armen, die auf dem Weg Gottes gehindert werden, sich frei im Land zu bewegen (daraba). Der Unwissende hält sie für reich wegen (ihrer) Zurückhaltung. Du aber erkennst sie an ihrem Auftreten. Sie betteln die Menschen nicht aufdringlich an. Und was immer ihr an Gutem spendet, wahrlich, Gott weiß es.

Die beste Bedeutung kann dann erlangt werden, wenn nach einer logischen und konsistenten Bedeutung gesucht wird. In diesem Falle, wenn die Bedeutung auf „lassen/trennen“ gesetzt wird:

4:34 Die Männer haben die Frauen zu unterstützen; Angesichts der vielfältigen Gaben, die Gott ihnen gegenseitig geschenkt hat, und angesichts des Reichtums, den sie in Umlauf bringen. Aufrechte Frauen, die achtsam über ihre Privatsphäre sind, bewahren das Verborgene im dem Sinn, wie Gott es vorsieht. Die Frauen aber, deren Verlassenheit ihr befürchtet, gebt ihnen guten Rat, und vermeidet sie in den Betträumen und hinterlasst sie sich selbst. Wenn sie aber eure Argumente einsehen, dann sucht keinen Vorwand sie zu ärgern. Gott ist erhaben und groß.

Natürlich sollten bei diesem Schritt möglichst viele Wurzel-Lexikone aufgeschlagen werden. In alQuran.eu lesen wir z.B. im Wurzellexikon über Daraba:

Nom.
ضرب [d´arb] Schlagen, Multiplizieren,
جدول الضرب [jadwal ald´arb] Einmaleins,
[d´oroub] Gattung, Art,
ضربة [d´arbah] Schlag, Stoß,
ضِراب [d´iraab] Paarung,
ضريبة [d´aribah] Steuer,
إضراب [id´rab] Streik,
مِضرب [med´rab] Schlaginstrument, Schläger, Schlegel,
مضرب [mud´rib] Streikender,
مضاربة [mud´aarabah] Spekulation,
إضطراب [id´t´iraab] Unruhe, Schwankung,

V.
ضرب [d´araba] (ab-)schlagen, (mit Plagen, Schmach, Elend) treffen lassen, (Erdbeben) einschlagen, (Belagerung) einschließen, (mit Kugeln) beschießen, (Musikinstrument) spielen, (Schreibmaschine) schreiben, (Glocke) läuten, (Zelt) aufschlagen, (Beispiel) anführen, (Math.) multiplizieren, (durch Länder) umherziehen, (durch-)reisen, (Wunde) schmerzen, (Tiere) sich paaren, (Münz) prägen, (2 Sachen) zusammenmischen, (Rekord) brechen,
أضرب [ad´raba] sich abwenden, streiken,
تضارب [tad´aaraba] sich gegenseitig schlagen, Meinungsverschiedenheit haben, kollidieren,
إضطرب [id´t´araba] unruhig sein, erregt sein,

Adj.
ضربي [d´arby] multiplizierend, schlagend,
مضروب [mad´roub] geschlagen, multipliziert,
مضطرب [mod´t´areb] unruhig,
ضريبي [d´arieby] steuerlich

Auf diese Weise wird nicht nur ersichtlich, wieso dieser Vers von den gängigsten Übersetzern mit „schlagen“ übersetzt wurde, sondern ebenso auch, dass eben gerade rein sprachlich kein Zwang besteht, dieses Wort als „schlagen“ zu verstehen. Insbesondere mit dem Hintergrundwissen, dass diese Gelehrten oft aus einer patriarchalisch geprägten Kultur entstammen und ebenso die patriarchalisch durchsetzten Ahadith verwenden, wird klar, wieso diese sogenannten Gelehrten heute noch wider besseren Wissens dieses Wort als „schlagen“ übersetzen anstelle der konsistenteren Wahl der „Trennung“.

 

5. Verse gleichen Themas zusammenstellen

Der Punkt, welcher bei Muslimen seit mehreren Jahrhunderten gefehlt hat, ist die Fähigkeit, die koranischen Verse gemäß ihrem Thema zusammenzustellen um seine Bedeutung zu suchen. Der Koran spricht selber darüber: Wir sollen eine Zusammenstellung machen; unter dem Befehl „Ratil“:

73:2-4 Verbringe die Nacht stehend bis auf weniges. Die Hälfte von ihr, oder ein weniger davon. Oder ein bisschen mehr; und trage (ratil) den Qur’an in seiner Zusammenstellung zusammen.

‚Ratil‘ ist ein arabisches Wort, welches ‚ähnliches miteinander zusammenstellen‘ bedeutet. Beispiel: Eine Serie von Tanks in einer Linie zusammengestellt wird ‚Ratil Dababat‘ genannt. Wir würden „ratil“ nicht erwähnen, wenn die Dinge nicht ähnlich wären (wenn z. B. die Serie Autos, Flugzeuge und Tanks beinhaltete, so könnte das Wort „Ratil“ nicht gebraucht werden). Deswegen müssen wir, wenn wir irgendein Thema in seiner Tiefe studieren wollen, alle Verse, die dieses Thema behandeln und über das Buch hinweggestreut sind, finden und sie „zusammenstellen“ (Tarteel).

Der nächste Punkt, nachdem wir alle Verse, die über ein spezifisches Thema handeln, zusammengestellt haben, ist die „Relativierung der Bedeutung“.

73:20 Dein Herr weiß wahrlich, dass du weniger als zwei Drittel der Nacht aufstehst und eine Hälfte oder ein Drittel davon, und auch vom Teil derer, die mit dir sind. Und Gott bestimmt das Maß der Nacht und des Tages. Er weiß, dass ihr nicht durchhalten könnt. Darum hat Er Sich euch mit Nachsicht zugewandt. So studiert (iqr’a) denn so viel vom Koran, wie es (euch) leicht fällt. Er weiß, dass einige unter euch sein werden, die krank sind, und andere, die im Lande umherreisen – nach Gottes Gnadenfülle strebend -, und wieder andere, die für Gottes Sache kämpfen. So studiert (iqr’a) davon, was (euch) leicht fällt, und verrichtet das Gebet und entrichtet die Almosen und gebt Gott ein gutes Darlehen. Und das, was ihr an Gutem für eure Seelen vorausschickt, werdet ihr bei Gott als besseren und größeren Lohn finden. Und bittet Gott um Vergebung. Wahrlich, Gott ist Allvergebend, Barmherzig.

Das Wort ‚Iqra‘ bedeutet: ‚relativieren/verstehend lesen/studieren‘. Das Wort „Ratil“ wurde in seiner Gebräuchlichkeit vermindert zu „vortragen/rezitieren“. Beispiel: Wenn eine Person die Nachrichten von einem Blatt Papier oder einem Teleprompter liest, „yatlu“ diese Person die Nachricht (nicht Qar’a oder Iqr’a). Wenn ein Lehrer jedoch das Konzept der Relativität in Physik seinen Schülern beibringt, so „yaqra“ (erklärt/relativiert) er die Bedeutung, ähnlich wie bei einer Vorlesung.

 

Beispiel einer Zusammenstellung ähnlicher Verse

Wenn wir das Thema „Scheidung“ untersuchen, so sehen wir, dass das Thema über drei verschiedene Kapitel verteilt ist (Kapitel 2, 33 und 65), welche erst miteinander kombiniert ein komplettes Bild der Prozeduren und den Gesetzen bzgl. Scheidung liefern.

2:226 Jene, die sich von ihren Frauen scheiden wollen, sollen (für eine gereifte Entscheidung) vier Monate warten.[i] Wenn sie sich aussöhnen: Gott ist der Allvergebende, der Allbarmherzige.
2:227 Doch wenn sie den festen Entschluss zur Scheidung gefasst haben, dann ist Gott Allhörend, Allwissend.
2:228 Geschiedene Frauen sollen selbst drei Menstruationszyklen abwarten (bevor sie mit einem anderen Mann heiraten) und es ist ihnen nicht erlaubt, zu verbergen, was Gott in ihrer Gebärmutter erschaffen hat, wenn sie an Gott und an den Jüngsten Tag glauben. Und ihren Gatten steht es am ehesten (von allen Männern) zu, sie dann (im Falle einer Schwangerschaft) zurückzunehmen, wenn sie eine Aussöhnung herbeiführen wollen. So wie die Männer Rechte über die Frauen haben, so haben auch die Frauen die gleichen Rechte über die Männer.[ii] (Im Falle einer Schwangerschaft) haben die Männer eine größere Stufe über ihnen. Gott ist Allmächtig, Allweise.
2:229 Die Scheidung ist zweimal.[iii] Die geschiedenen Frauen sind gerecht unterzubringen oder auf geziemende Weise zu entlassen.[iv] Und es ist euch nicht erlaubt, irgend etwas von dem zurückzunehmen, was ihr ihnen gegeben habt, es sei denn, beide (Mann und Frau) befürchten, die Schranken Gottes nicht einhalten zu können. Wenn ihr befürchtet, die Schranken Gottes nicht einhalten zu können, dann ist es kein Vergehen, wenn die Frau die Gaben zurückgeben will. Dies sind die Schranken Gottes, so übertretet sie nicht. Und wer die Schranken Gottes übertritt – das sind diejenigen, die Unrecht tun.
2:230 Hat ein Mann seine Ehefrau wieder (zum dritten Mal) verstoßen, darf er sie nicht wieder heiraten.[v] Es sei denn, dass sie einen anderen heiratet und von ihm geschieden wird. Dann ist es keine Sünde für sie, wenn sie sich aussprechen und eine neue Ehe eingehen. Dabei müssen sie fester Absicht sein, die Grenzen Gottes einzuhalten. Das sind Gottes Gebote und Verbote, die Er für die Menschen klar stellt, die sich um Wissen bemühen.
2:231 Und wenn ihr euch von den Frauen scheidet und sie die Wartezeit (drei Menstruationszyklen) erfüllt haben, dann behaltet sie in gütiger Weise oder entlasst sie in gütiger Weise. Doch behaltet sie nicht (aus Abneigung), um sie zu schikanieren; das wäre eine Übertretung. Und wer dies tut, der fügt sich selbst Unrecht zu. Nehmt die Zeichen (ayat) Gottes nicht leicht. Gedenkt der Gnade Gottes, die Er euch erwiesen hat und dessen, was Er euch vom Buch und der Weisheit herabgesandt hat, um euch damit zu ermahnen. Hört auf Gott und wisst, dass Gott der Allwissende ist.
2:232 Wenn die Frauen nach ausgesprochener Scheidung und verstrichener Wartezeit eine neue Ehe mit dem gleichen Mann eingehen wollen, so dürfen sie nicht daran gehindert werden, wenn beide Partner eine Versöhnung im Guten erzielt haben. Dies ist eine Ermahnung für diejenigen unter euch, die an Gott und an den Jüngsten Tag glauben. Für euch ist dies segensreicher und reiner. Gott weiß alles, während ihr es nicht wisst.

33:49 O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr gläubige Frauen heiratet und euch dann von ihnen scheiden lasst, ehe ihr Geschlechtsverkehr mit ihnen gehabt habt, so besteht keine Wartefrist von ihnen euch gegenüber, die eingehalten werden muss. Darum beschenkt sie und entlasst sie auf geziemende Weise.

65:1 O Prophet! Wenn ihr euch von den Frauen scheidet, beachtet die Wartezeit, die ihr genau berechnen sollt! Hört auf Gott, euren Herrn. Treibt sie nicht aus ihren Häusern, noch lasst sie hinausgehen, es sei denn, sie hätten eine bewiesene Unzucht begangen. Das sind die Rechtsbestimmungen Gottes. Wer Gottes Rechtsbestimmungen übertritt, hat sich selbst unrecht getan. Du weißt nicht, vielleicht lässt Gott nach der Scheidung etwas Unerwartetes geschehen.
65:2 Wenn die Frist um ist, behaltet sie entweder in Güte oder trennt euch in Güte von ihnen und ruft dazu zwei rechtschaffene Leute aus eurer Mitte zu Zeugen; und macht das Zeugnis um Gottes Willen! Dies ist eine Ermahnung für diejenigen, die an Gott und an den Jüngsten Tag glauben; und dem, der auf Gott hört, verschafft Er ihm eine Lösung.
65:3 und versorgt ihn in der Art und Weise, mit der er nicht rechnet. Und wer auf Gott vertraut – für den reicht Er aus. Wahrlich, Gottes Befehl wird durchgeführt. Für alles hat Gott ein Maß bestimmt.
65:4 Für die Frauen, die in der Menopause sind, beträgt die Wartezeit drei Monate, wenn ihr Zweifel hegt. Die Wartezeit für Frauen, die keine Menstruation haben und schwanger sind, endet mit der Entbindung.[vi] Wer auf Gott hört, dem erleichtert Gott seine Angelegenheiten.
65:5 Das ist Gottes Vorschrift, die Er euch herabgesandt hat. Wer auf Gott hört, dem tilgt Gott die schlimmen Taten, und dem erhöht Er den Lohn.
65:6 Lasst sie wohnen, wo ihr wohnt, gemäß euren Mitteln. Und tut ihnen nichts zuleide in der Absicht, die Trennung herbeizuführen. Wenn sie schwanger sind, kommt ihr für ihren Unterhalt auf, bis sie gebären. Und wenn sie das Kind für euch stillen, (dann) zahlt für ihre Bemühungen. Geht gütig miteinander um; Wenn ihr euch aber nicht einigen könnt, so soll eine andere Frau das Kind stillen.

Hier ist eine Zusammenfassung dieser Regeln für die Scheidung, erhalten durch die Zusammenstellung der ähnlichen Verse:

  • Eine Periode der ‚Abkühlung‘ von vier Monaten wird benötigt, bevor eine Scheidung beginnen kann. (2:226)
  • Wenn immer noch auf die Scheidung bestanden wird, so muss die Ehefrau und der Ehemann während der „zwischenzeitlichen Periode“ (Wartefrist) im gleichen Haus zusammenbleiben. (65:1)
  • Wenn sich das Paar versöhnt, lässt sich die Scheidung widerrufen und die Wartefrist wird unterbrochen. (2:229)
  • Die Scheidung wird automatisch widerrufen, wenn die Partner während der Wartefrist geschlechtlichen Verkehr miteinander hatten. (2:226, 65:1)
  • Die benötigte Wartefrist beträgt drei Menstruationszyklen. Die Wartefrist für Frauen, die keine Menstruation mehr haben, beträgt drei Monate. Die Zeit für schwangere Frauen beträgt solange, bis sie ihr Kind bekommen. (2:228, 65:4)
  • Es kann keine Wartefrist geben (bzw. es wird keine benötigt), wenn noch nie ein geschlechtlicher Kontakt stattfand. Es kann also wieder geheiratet werden. (33:49)
  • Wenn das Paar immer noch wünscht, die Scheidung nach der Wartefrist zu vollziehen, so werden zwei Zeugen gebraucht, um die Prozedur zu vervollständigen. (65:2)
  • Ist dies die 3. Scheidung, so kann das Paar nicht mehr miteinander heiraten, bis die Frau mit einem anderen Mann verheiratet war und sich geschieden hat. (2:230)

Wie in diesem Beispiel der Scheidung gezeigt wird, erbringt der simple Schritt der Untersuchung aller relevanten Verse eine sehr detaillierte Beschreibung der Scheidungsschritte, welche in jeder modernen und zivilen Gesellschaft angewandt werden können.

 

6. Nach Beispielen im Koran suchen

Sobald eine Bedeutung abgeleitet wurde, besteht der letzte Fehlerfreiheitstest bzw. Genauigkeitsüberprüfung solch einer Bedeutung darin, einen Vergleich mit den Geschichten, die im Koran erzählt werden, zu machen, falls solch eine Geschichte überhaupt gefunden werden kann. Der Grund hierfür ist, dass die Geschichten im Koran „lebendige“ Beispiele sind, von denen wir lernen und die Situationen vergleichen können. Die Geschichten sind nicht umsonst erklärt worden oder nicht nur für unsere Unterhaltung bestimmt.

12:3 Wir erklären dir die schönsten der Geschichten, indem Wir dir diesen Koran offenbaren, obwohl du zuvor unter denen warst, die keine Kenntnis besaßen.

Einer der klarsten Beispiele für das Benutzen dieser Methode ist das Behandeln des Themas „Dieb“. Es gibt einen Vers, welcher das Gesetz für Diebe angibt und seine Interpretation kann sehr stark variieren, je nach dem, welche Bedeutung den arabischen Wörtern zugeschrieben wird:

5:38 Dem Dieb und der Diebin sollen die Hände / Ressourcen (Einnahmen) / Macht / Besitzeigentümer / Güter (Aydiyahum) abgeschnitten / geschnitten / aufgelöst / abgetrennt (Iqta) werden als Vergeltung für das, was sie begangen haben und als abschreckende Strafe von Gott. Und Gott ist Allmächtig, Allweise.

Die heutigen Gelehrten und die der Vergangenheit haben sich alle für die Bedeutung „Hand abschneiden“ entschieden und so werden wir heutzutage Zeugen von Amputationen in Ländern, wo behauptet wird, dem Koran zu folgen. Hätten sie im Koran nach Beispielen gesucht, um die Anwendung dieses Gesetzes zu lernen, so kämen sie zu einer unterschiedlichen Schlussfolgerung – fern von Amputationen. Die Geschichte von Josef mit seinen Brüdern liefert uns das klarste und simpelste Beispiel, wie mit dem Thema „Dieb“ umzugehen ist.

12:73-75 Sie sagten: „Bei Gott, ihr wisst doch, dass wir nicht gekommen sind, um Unheil im Land zu stiften, und wir sind keine Diebe.“ Er sagte: „Was soll dann die Strafe dafür sein, wenn ihr Lügner seid?“ Sie sagten: „Die Strafe dafür sei: Der, in dessen Satteltaschen (der geklaute Goldbecher) gefunden wird, soll es selbst sein. So bestrafen wir die Übeltäter.

Also wird die Bedeutung des Verses wie folgt übersetzt:

5:38 Dem Dieb und der Diebin sollen die Einnahmen (Aydiyahum) geschnitten (iqtau) werden, als Vergeltung für das, was sie begangen haben, und als abschreckende Strafe von Gott. Und Gott ist Allmächtig, Allweise.

Solch eine Bedeutung bestätigt auch die allgemeinen Gesetze der koranischen Gerechtigkeit bzw. Gesetzmäßigkeit: Die Strafe soll nicht die Tat an Maß überschreiten (16:126).

 

7. Geduldig sein und Gott um Hilfe bitten

Selbst mit all den Fähigkeiten und dem Wissen, die wir besitzen könnten, ist das Studium der Schrift stets fehlerhaft, wenn Gott nicht um Hilfe und Unterstützung gebeten wird. Letzten Endes ist Er der ultimative Lehrer der Menschheit. Er ist der Lehrer von Allem, insbesondere Seiner Schrift (55:1-2).

16:98-100 Und wenn du den Koran liest, so suche bei Gott Zuflucht vor Satan, dem Verfluchten. Wahrlich, er hat keine Macht über die, welche glauben und auf ihren Herrn vertrauen. Siehe, seine Macht erstreckt sich nur auf jene, die bei ihm Beistand suchen und die (Gott) Götter zur Seite stellen.

Wir sollen nicht erschrocken, verängstigt oder verwirrt sein, wenn die Ergebnisse oder das eigene Verständnis nicht mit dem übereinstimmt, was andere Gelehrten/Araber etc. sagen. Die Wahrheit braucht nicht die Mehrheit, um die Wahrheit zu sein.

6:116 Und wenn du den meisten derer auf der Erde gehorchst, werden sie dich von Gottes Weg irreführen. Sie folgen nur Vermutungen, und sie raten nur.

Als letztes erinnere man sich immer daran, dass wir hier auf diesem Planeten sind, um Gott zu dienen und uns bemühen, auf Seinem Wege zu gehen. Wir sind nicht hier um uns selbst oder unseren eigenen Ansichten oder Ego zu dienen: „Dir allein dienen wir und Dich allein bitten wir um Hilfe.(1:5)

 

Schlussfolgerung

Jetzt sollten alle nötigen „Werkzeuge“ zugänglich gemacht worden sein, um sich selber gemäß dem System des Korans auszubilden. Versuchen Sie es zu einer Gewohnheit werden zu lassen, die Antworten auf eigene Faust zu suchen, nebst der Bitte an Gott für Führung und Unterstützung. Zögern Sie nicht andere über die Bedeutung eines bestimmten Verses zu befragen, aber versuchen Sie trotzdem die Bindung mit Gott direkt herzustellen. Es ist nur durch diese Selbstbewusstheit möglich, dass Leute einen defensiven Mechanismus gegen Fehlinformationen und Ignoranz haben, welche nun bereits über mehrere Generationen hinweg gelehrt wurden.

Wir sollten versuchen es anzustreben, dass Gott der Fokus unserer Handlungen und unseres Lebens wird. Lassen wir Seine Worte unsere Führung sein, um Erfolg in diesem und im nächsten Leben zu haben… Es ist unbedeutend, wie viel Wohlstand wir erreichen oder wie mächtig wir werden, sondern bedeutender ist wie wir diesen Wohlstand nutzen, um anderen zu helfen und wie wir unsere Macht und Position ausnützen, um der Menschheit zu helfen, damit die Welt besser wird.

63:9-11 O ihr, die ihr glaubt, lasst euch durch euer Vermögen und eure Kinder nicht vom Gedenken an Gott abhalten. Und wer das tut – das sind die Verlierenden. Und spendet von dem, was Wir euch gegeben haben, bevor einen von euch der Tod ereilt und er sagt: „Mein Herr! Wenn Du mir nur Aufschub für eine kurze Frist gewähren würdest, dann würde ich Almosen geben und einer der Rechtschaffenen sein.“ Und nie wird Gott jemandem Aufschub gewähren, wenn seine Frist um ist; und Gott ist dessen wohl kundig, was ihr tut.

Wir sind sicher, dass der/die Studierende/Schüler/in der Schrift mehr als erwartet finden kann, wenn der Koran gelesen und studiert wird. Obwohl die Schrift in seiner Form von Wörtern und Seiten „begrenzt“ ist, ist es bezüglich dem Wissen und den Lehren innerhalb dieser physikalischen Form „unbegrenzt“.


Fußnoten

[i] 2:226 Jene, die die nach dem Propheten erfundenen Lehren Hadith und Sunna dem Koran beigesellen, haben durch die verschiedenen Scheidungsgesetze innerhalb ihrer Rechtsschulen unzählige Familien auseinander gezerrt und ein Gesetz für gültig erklärt, sodass der Mann, wenn er die bestimmten Worte der Scheidung ausspricht, sich von seiner Frau für ewig geschieden hat. Jene, die aus Versehen oder aus Wut diese Worte ausgesprochen und sich unwiderruflich geschieden haben und nach einer Möglichkeit einer erneuten Heirat suchten, sahen sich gezwungen, Fatwas durch Mullahs einzuholen, die für ihre Leistungen Geld verlangten. Siehe 2:229 und 9:34-35.

[ii] 2:228 Dieser Vers, der über die Scheidung handelt, teilt mit, dass die Frauen die gleichen Rechte wie die Männer haben. Die Mentalität, welche die so genannten Hadith und Sunnah, Kollektionen von zahlreicher Vermutungen und Lügen, dem Koran beigesellt oder gar vorzieht, hat der Frau das Recht der Scheidung entzogen und hat sie der Tyrannei der Männer überlassen und sie somit in eine Position ähnlich der Sklaverei gestellt.

[iii] 2:229 Die Scheidung ist ein Vorgang, der Monate lang andauert; Nicht wie es die Folger von Hadith und Sunna behaupten, ein kurzer Moment gewisser Worte, die aus dem Mund des Mannes entspringen. Drei Mal „Ich scheide dich“ zu sagen bedeutet nicht, dass die Frau drei Mal geschieden wurde. Um sich drei Mal scheiden zu lassen werden auch drei vollbrachte Heiratsprozeduren benötigt. Das von Gott gegebene Recht der Wiederheirat nach zweimaligem Scheiden wird angeblich von einigen, erfundenen Gerüchten (Ahadith) aufgehoben. So z.B. meint die Hanafi-Rechtsschule, dass der Mann sogar dann nicht mehr erneut die gleiche Frau heiraten kann, wenn er sich von seiner Frau unter Bedrohungen scheiden lassen musste. Die Folger der Rechtsschulen haben Familienkatastrophen verursacht, welche durch die drei Worte der Scheidung entstanden sind, und schreckliche „Lösungen“ erbracht, wie z.B. die so genannte „Hulla“, bei der in einer einzelnen Nacht geheiratet wird, um Geschlechtsverkehr zu erlauben, um sie später wieder aufzulösen und dass der Mann, der die Hulla begangen hat, im Stande sei, die Frau zwangsweise zu scheiden, wenn er sie nicht mehr scheiden könnte. Siehe außerdem 33:49. Und wenn wir schon dabei sind, wie die Hanefi-Rechtsschule die Koranverse aufheben lässt, so wollen wir auch gleich weitere Verse nennen, die gemäß (so die Meinung der Hanefi) den Ahadith keine Gültigkeit mehr haben sollten: 2:180,240; 4:11-12,15,23-24; 5:106; 6:145

[iv] 2:229 Das Haus und den Unterhalt der geschiedenen Frau übernimmt als generelle Regel der Mann (2:241).

[v] 2:230 Religionsgelehrte haben diesen Vers missbraucht, um eine Unzucht für eine einzelne Nacht, Hulla genannt, zu ermöglichen.

[vi] 65:4 Durch eine schreckliche, falsche, hadithische Verzerrung dieses Verses wird in fast allen Übersetzungen die Wartezeit für Frauen, die noch keine Menstruation hatten, d. h. Kinder, ebenfalls beschrieben! Es ist bekannt, dass die Sunna Ahadith enthält, die den Propheten Mohammed mit Pädophilie beleidigen. Solchen Heuchlern und schrecklichen Missetätern und Ableugnern erinnern wir die Verse 6:112-116 und ebenso Psalm 37!