Beigesellung

Die Liebe Gottes von Justin Lowery

Gott erschuf uns aus unbeschreiblicher Liebe

Gott erschuf uns Menschen aus unbeschreiblicher Liebe.

Wer liebt, möchte zurück geliebt werden, natürlich ohne Zwang und aus freien Stücken bzw. freiem Willen. Das ist etwas, was wir wissen und fühlen können. Diese Art der Liebe bedeutet, auch die völlige Absicht zu erlernen, sich aus Liebe hinzugeben in allem.

Durch Liebe erlauben wir alles. Diese Liebe ist dann wahrhaftig ohne Grenzen. Diese Liebe ist völliges Vertrauen, alles mit sich geschehen zu lassen: Sich für die Liebe opfern, alles geschehen lassen.

Wer Gott liebt, lässt alles zu, was in seinen geschriebenen Worten steht, die zusammengetragen wurden durch den Verkünder, seinen Propheten. Diese Worte dürfen nicht missverstanden werden. Der lebendige Sinn geht sonst verloren. Der Sinn ist das Verstehenwollen aus der damaligen und auch in der heutigen Zeit, auf alle Anwendungen im Leben, zu lernen und immer wieder neu zu lernen.

Das Leben ist vielfältig, dadurch findet sich ein vielfältiges Verstehen aus der Lesung wieder und ist immer wieder neu und lebendig. Gottes Wort ist lebendig. Es ist nicht monoton oder einseitig. Deswegen darf das Verstehen nicht einseitig sein oder von Menschen dazu gebracht werden durch Menschenworte, die Lesung so zu verstehen, wie sie es gerne hätten.

Die Liebe Gottes von Justin Lowery

Foto von Justin Lowery, CC-BY-ND 2.0

Tief gläubig kann nur der Forschende sein, nicht derjenige, der meint, viel zu wissen, sondern derjenige, der sagt, Gottes Worte sind immer lebendig und immer neu zu verstehen, um den Sinn auf alles im Leben zu erfassen. Denn Gottes Wort steht nicht still, sowie auch der Verstand nicht stillsteht – außer man will, dass der Verstand stillsteht. Dann kann das Wort Gottes für einen stillstehen und der lebendige Sinn schläft.

Das einfachste Prinzip, es bestmöglich immer so zu verstehen, ohne sich neue Gesetze zu machen, ohne neben Gott etwas beizugesellen, scheint unter den Gläubigen zu Gott sehr schwer zu sein.

Dort wo die Zeit stillsteht unter den Traditionen, ist Stillstand. Es ist keine Lebendigkeit zu erkennen, in ihren Worten, Handlungen und Gesetzen.

Ich bedauere es zutiefst, dass Gottes Wort verändert wurde. Nicht wegen der Menschen, die mein Mitleid haben, und Gott – allwissend – sieht auch das Verborgene in uns, denn einzig Gott, dem Allmächtigen, gebührt unsere Ehrfurcht, unsere Dankbarkeit und unsere Liebe.

Sie lieben und lehren lieber nach ihren von Menschenhand geschaffenen, erfundenen Gesetzen und dem Glauben, den sie sich selber beigebracht haben. Dieses tiefe Verständnis, Liebe zu erlernen, es zu wollen, diese größer werdende Ehrfurcht, es geschieht nur bei wachem Verstand und mit einem Herzen, das benutzt werden kann, ohne Unterbrechung, um nicht weggeleitet zu werden.

Es ist Mühe, harte Arbeit und auch Schmerz, religiöse Bildung aus dem Anfang geradeaus gestalten zu wollen, denn fast jeder will dich auf den Irrweg bringen, auch mit guten Absichten, die aber nur einen Irrweg darstellen, im Vergleich zu Gottes geschriebenem Wort.

Natürlich weiß es Gott besser.

Schlüssel zum Verständnis des Koran: Beispiel 4 – Buch und Weisheit: Eine Einheit

3:81 Und als Gott den Bund der Propheten annahm für das, was ich euch an Schrift und Weisheit brachte, kam darauf zu euch ein Gesandter, das bestätigend, was mit euch ist. So glaubt an ihn und helft ihm. Er sagte: Habt ihr zugestimmt und diesbezüglich meine Bürde angenommen? Sie sagten: Wir haben zugestimmt. Er sagte: So bezeugt und ich bin mit euch unter den Bezeugenden

 

Es ist leider so, dass ein erheblicher Großteil der Sunniten und Schiiten glaubt, dass einerseits mit „Schrift“ das Buch, also die Lesung selbst gemeint sei, andererseits die Weisheit etwas anderes sei, was wir erst durch die Aussprüche in den Ḥadīṯ-Büchern erfahren könnten. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn hier begründet sich die theologische Argumentation vieler klassisch-orthodoxer Sunniten oder Schiiten und ihren Anhängern, die damit der Tradition Gewicht verleihen möchten. Diese Tradition beinhaltet unter anderem auch die Steinigung, die Apostasie-Strafe für Abfällige von der Religion, die Sklaverei, die Unterdrückung der Frau und viele weitere Abscheulichkeiten. Deshalb müssen wir diesem Missbrauch der Verse aus der Lesung Einhalt gebieten.

Dass diese Idee, die Weisheit sei in der traditionellen Sunna, auf einem Fehlverständnis der Lesung beruht, werde ich im Anschluss gleich zeigen. Leider hat dies alles damit angefangen, dass ein mittelalterlicher Gelehrter, nämlich Asch-Schāfiʿī meinte, er müsse die auf Vermutungen, Lügen und Hörensagen begründeten Überlieferungen zu einer Offenbarung (waḥiy) erheben, um so der angeblich prophetischen Sunna Legitimität zuschreiben zu können. Diese Leute des Hadīṯ (ahlu-l-ḥadīṯ) waren dermaßen überzeugt von ihrer eigenen Ansicht und sehr aggressiv, dass sie diese Überlieferungen, welche dem Propheten angedichtet wurden, faktisch höher ansahen als die Lesung selbst. Zumindest wurde die Lesung nicht als kategorisch epistemologisch erhabener als ihrer Meinung nach zuverlässige Aussprüche angesehen. Es wird von ihnen auch folgender Spruch überliefert:

 

جاءت السنة قاضية على الكتاب وليس الكتاب قاضياً على السنة

dschā’at as-sunnatu qāḍiyatan ʿalá al-kitābi wa laysa al-kitābu qādiyan ʿalá as-sunnah

Die Sunna kam als Richtende über das Buch (die Lesung) und nicht das Buch als Richtender über die Sunna.118

 

Natürlich werden die heutigen Gelehrten diesen Satz relativieren und sagen, dass damit gemeint sei, die angeblich prophetische Sunna sei dazu da, um eine Erklärung für die in der Lesung „nicht erklärten“ Verse anzubieten. Den ersten Fehler, den sie hierbei begehen: Sie nehmen an, das Buch Gottes hätte nicht bereits die Erklärung in sich für diese Verse (siehe 25:33). Den zweiten Fehler, den sie begehen: Die meisten Aussprüche, selbst wenn sie in der Überliefererkette (Isnad) und im Inhalt oder Text (Matn) beide als authentisch (ṣaḥīḥ) gelten, sind und bleiben immer eine Vermutung und Gottes Lebensordnung kann nicht auf Vermutungen begründet werden. Die Lesung wird nicht durch Vermutungen begründet, sondern durch sich selbst, indem wir Verse im Lichte anderer Verse betrachten.

Die Wurzel ḥā-kāf-mīm (ح ك م), von welcher das arabische Wort für Weisheit abgeleitet ist, beherbergt als Grundbedeutung die Idee der „Weisheit“. Sie kommt in der Lesung in 189 Versen insgesamt 210 Mal vor.119 Aus diesem Grunde werden für Wörter wie „Richter“ oder „Urteil“ Ableitungen dieser Wurzel verwendet, da beispielsweise eine ausgebildete Richterin ohne die eigenen Gefühle ins Zentrum zu stellen bedacht, vernünftig und gerecht Urteile fällen muss. In anderen Worten muss sie weise handeln. Die in der Lesung verwendeten Wortformen sind:

  • 45 Mal als ersten Verbstamm ḥakama (حَكَمَ): urteilen/richten
  • 30 Mal als das Verbalnomen des ersten Verbstammes ḥukm (حُكْم): Urteil
  • Fünfmal als aktives Partizip des ersten Verbstammes ḥākimīn (حَٰكِمِين): Urteilende/Richtende
  • Zweimal als zweiten Verbstamm yuḥakkimu (يُحَكِّمُ): Jemanden zum Richter ernennen
  • Einmal als das aktive Partizip des dritten Verbstammes ḥukkām (حُكَّام): (strafrechtlich) Verfolgender / die rechtlich Zuständigen / Richter
  • Zweimal als vierten Verbstamm uḥkimat (أُحْكِمَتْ): stärken, etwas klar machen
  • Zweimal als passives Partizip des vierten Verbstammes muḥkamāt (مُّحْكَمَٰت) und muḥkamah (مُّحْكَمَة): klar gemacht
  • Einmal als sechsten Verbstamm yataḥākamu (يتََحَاكَمُ): sich gegenseitig vor den Richter bringen, Urteil verlangen
  • Zweimal als die Steigerungsform oder als Elativ aḥkam (أَحْكَم): weiser als / weisest. In der Lesung nominal verwendet als „der Weiseste“ (95:8)
  • Dreimal als das Nomen ḥakam (حَكَم): Schiedsrichter/Vermittler
  • 20 Mal als das Nomen ḥikma (حِكْمَة): Weisheit
  • 97 Mal als das Adjektiv bzw. das Nominal ḥakīm (حَكِيم): weise / der Weise

Wir werden in den nächsten Abschnitten sehen, dass in Tat und Wahrheit die Weisheit und das Buch eine Einheit bilden, die Weisheit also der Lesung innewohnt.

Es gibt viele Arten, wie diese Wurzel in der Lesung verwendet wird. Eins ist aber immer klar: Die Weisheit ist stets Gott und Seiner Offenbarung zu verdanken und die einzige Quelle der Weisheit ist Gott mit Seinem Wort und Wirken.

Wenn wir uns mit der Frage befassen, wie der Prophet urteilte und warum man in der Gottergebenheit nur mit der Offenbarung urteilen darf, so lesen wir:

 

5:48 Und Wir haben zu dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, das zu bestätigen, was von dem Buch vor ihm (offenbart) war, und als Wächter darüber. So urteile (uḥkum) zwischen ihnen nach dem, was Gott herabgesandt hat, und folge nicht ihren Neigungen entgegen dem, was dir von der Wahrheit zugekommen ist.

 

Hier ist es eindeutig, dass nur nach der Offenbarung zu urteilen erlaubt ist, dass es demnach nur eine Sunna geben kann, nämlich Gottes Sunna. Der Prophet urteilte also nach der Lesung (vgl. auch 7:203) und zwar nur nach dieser. Daraus können wir schließen, dass auch alle vorherigen abrahamitischen Religionen nach ihren jeweiligen Büchern zu urteilen hatten, denn laut der Lesung ist die Gottergebenheit keine neue Religion, sondern die Bestätigung der vorangegangenen Bücher. Bereits Abraham nannte sich und seine Mitgläubigen Gottergebene (22:78).

 

3:79–80 Nicht gebührt es einem Menschen, dass Gott ihm die Schrift, die Weisung (al-ḥukm) und die Prophetie zukommen lässt, und der danach zu den Leuten sagt: Seid mir Diener anstelle Gottes. Sondern: Seid ein Vorbild dabei, wie ihr die Schrift zu lehren und wie ihr zu studieren pflegtet. Und nicht befiehlt er euch, dass ihr die Engel und die Propheten als Herren nehmt. Befiehlt er euch etwa das Ableugnen, nachdem ihr Ergebene seid

 

Wir erinnern uns daran, dass ein „und“ in der Lesung nicht zwangsläufig bedeutet, dass hierbei unterschiedliche Einheiten in einer Aufzählung gemeint wären. Vielmehr sehen wir in diesem Vers auf deutliche Art und Weise, dass sie miteinander eng verbunden sind. Die Prophetie besteht darin, das Buch Gottes als Offenbarung zu erhalten und die darin innewohnende Weisheit den Menschen zu verkünden.

Die Verse 3:79–80 sind auch eine eindeutige Ansage, sich die Propheten nicht zu Herren zu nehmen und sich ganz auf Gott und Sein Wort zu konzentrieren – geradeaus direkt mit Gott die Verbindung aufzubauen, ohne Nebenwege einzuschlagen in religiösen Belangen! Sollten andere ins Zentrum gestellt werden, wo Gott doch die Quelle allen Heils ist? Würde Gott uns die Beigesellung und Ableugnung anordnen? Die einzige Autorität ist und bleibt Gott:

 

42:10 Und worüber ihr auch immer uneinig seid, das Urteil (al-ḥukm) darüber steht Gott zu. Dies ist doch Gott, mein Herr. Auf Ihn verlasse ich mich, und Ihm wende ich mich reuig zu.

 

Auch hier sehen wir wie eben dargelegt, dass das Urteil bei Uneinigkeiten in religiösen Dingen Gott allein obliegt, dass sich der Prophet nur auf Gott verlässt und sich Ihm in Reue zuwendet – sich also ganz auf Ihn einstellt. Ist nicht dies der Monotheismus in seiner schönsten Weise, von unseren Propheten vorgelebt? So folgen wir seinem prophetischen Beispiel und verlassen uns allein auf Gott.

 

4:105 Gewiss, Wir haben dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, damit du zwischen den Menschen richtest (litaḥkuma) auf Grund dessen, was Gott dir gezeigt hat. Sei kein Verfechter für die Verräter!

 

Gott gibt also dem Propheten das Buch, damit er zwischen den Menschen richte. Der Satzteil „was Gott dir gezeigt hat“ bezieht sich auf die in der Lesung vorhandenen moralischen, ethischen wie auch sozialen Prinzipien, die gemäß der Wahrheit offenbart wurden. Dies wird in der Betonung der Wahrheit im Vers sichtbar, die dem Buch innewohnt. Hier wird nochmals die Einheit Gottes ersichtlich, nämlich dass Gott in religiösen Angelegenheiten die einzige Autorität (6:114) und unser einziger Lehrer ist (55:1–2).

Die Lesung liegt uns heute vollständig vor und Gott hat uns dort  alle Urteile, die religiöse Belange betreffen, zu seiner Vollkommenheit mitgeteilt. Gott will im vorangegangenen Vers 4:105 dem Propheten nahelegen, nicht seinen Neigungen gemäß zu handeln. Denn das Buch und ihre Urteile sind eine Sache, die Durchführung und die damit verbundene Konsequenz eine andere. Der Prophet war nämlich nur ein Mensch (18:110) mit allen damit verbundenen Stärken und Schwächen. Denn der Vers 4:105 betont diese Haltung im letzten Satz: „Sei kein Verfechter für die Verräter!“

Und als nächstes muss man sich fragen, wie soll sich eine menschliche Sunna mit den oben behandelten Versen verstehen lassen, die nur der Offenbarung Platz einräumen? Und wieso wird in der Lesung nur Gottes Sunna erwähnt? Darüber hinaus muss die Quelle für die Religion rein und ohne Makel sein und wir finden in der Lesung selbst gleich mehrere Beispiele, die die Sünden des Propheten behandeln (47:19, 48:2). Die Offenbarung selbst wird hingegen als rein bezeichnet:

 

98:2 Ein Gesandter von Gott, der gereinigte Blätter vorliest

 

Wir sehen, eine Offenbarung muss ohne Makel sein und die traditionell gelehrte Sunna ist es nicht. Die traditionelle Sunna ist menschlichen Ursprungs, da bisher niemand behauptet hat, Buchārī oder Konsorten seien ebenso Gesandte Gottes, die in Seinem Namen gehandelt hätten. Allein diese Umstände verunmöglichen es, der traditionellen Sunna irgendeine religiöse Autorität zu verleihen.

Wir fassen das Bisherige zusammen:

  • Gott lehrte den Propheten die Lesung (55:2) und nur die Lesung.
  • Der Prophet wie auch alle Gläubigen dürfen nur dem Herabgesandten, also der Lesung folgen (7:3, 7:203).
  • Der Prophet selbst ist keine weitere Quelle, kein weiterer Herr, wie es 3:80 und 6:19 und auch weitere Verse klar machen.
  • Gott allein steht das Urteil zu (6:114, 5:44 usw.).

Es ist also sehr deutlich, dass der Prophet nur nach dem offenbarten Buch urteilte und keine andere Quelle benutzen durfte und dass nur Gott urteilen darf in religiösen Angelegenheiten. Der Vers 6:114 wird tiefgreifend mit dem Monotheismus verknüpft, denn der Vers sieht nur einen Schiedsrichter vor – Gott allein. Seine Gesetze sind im Buch, die ohne Sekundärquellen auskommen. Die Lesung wurde hier als „ausführlich dargelegt“ beschrieben, somit erübrigt sich die Frage, ob die Lesung Einzelheiten ausgelassen habe, die durch die traditionelle Sunna ergänzt werden müssten. Durch die rhetorische Frage des Verses wird jegliche Quelle außer Gott für überflüssig und auch ungültig erklärt.

 

6:114 Soll ich denn einen anderen Schiedsrichter (ḥakam) als Gott begehren, wo Er es doch ist, der das Buch, ausführlich dargelegt, zu euch herabgesandt hat?

 

Außerdem sagt Gott von der Lesung:

 

11:1 Alif-Lam-Ra. (Dies ist) ein Buch, dessen Zeichen eindeutig festgefügt und hierauf ausführlich dargelegt sind von Seiten eines Weisen und Kundigen.

41:3 Ein Buch, dessen Zeichen ausführlich dargelegt sind, als eine arabische Lesung, für Leute, die Bescheid wissen

 

Es lässt sich aber die Frage stellen, ob Gott denn Seine Befehlsgewalt weiter delegiert und sie in dem Sinne dann indirekt wirken lässt? Gibt es also noch andere Verse, die die Einheit und alleinige Autorität Gottes untermauern und somit die vorige Frage verneinen? Es folgen Verse, die besonders die alleinige Autorität Gottes hervorheben, indem gerade betont wird, dass Er seine Befehlsgewalt nicht aufteilt:

 

18:26 Sag: Gott weiß am besten, wie (lange) sie verweilten. Sein ist das Verborgene der Himmel und der Erde. Wie vorzüglich ist Er als Allsehender, und wie vorzüglich ist Er als Allhörender! Sie haben außer Ihm keinen Schutzherrn, und Er beteiligt an Seinem Urteil (ḥukmihi) niemanden.120

11:12 Vielleicht möchtest du einen Teil von dem, was dir offenbart wird, verlassen und deine Brust ist dadurch beklommen. Dies, weil sie sagen: „Wäre doch ein Schatz auf ihn herabgesandt worden oder ein Engel mit ihm gekommen!“ Du bist aber nur ein Warner. Und Gott ist Sachwalter über alles.

12:40 Anstelle seiner dient ihr nichts außer Namen, die ihr und eure Väter benanntet. Dafür ließ Gott keine Ermächtigung herabsenden. Gewiss, das Richten (al-ḥukm) ist nur Gottes. Er befahl, dass ihr keinem außer ihm dient. Dies ist die wertvolle Lebensordnung, doch die meisten Menschen wissen nicht

6:57 Sag: Ich halte mich an einen klaren Beweis von meinem Herrn, während ihr Ihn der Lüge bezichtigt. Ich verfüge nicht über das, was ihr zu beschleunigen wünscht. Das Urteil gehört allein Gott. Er berichtet die Wahrheit, und Er ist der Beste derer, die entscheiden.121

 

Die vier oben genannten Verse machen mit Aussagen wie „Das Urteil (al-ḥukm) ist allein Gottes“, „Und Er beteiligt an Seinem Urteil (ḥukmihi) niemanden“ oder „Und Gott ist Sachwalter über alles“ klar, dass weitere Quellen neben Gottes Worten keine Autorität haben können. Sie unterstreichen die alleinige Autorität Gottes und zeigen auf, dass es nur die Sunna Gottes gibt. Wenn wir uns die Frage stellen, welche Befugnisse der Gesandte durch Gottes Worte, also durch die Lesung erhält, so finden wir unter anderem folgende Verse dazu:

  • Dem Gesandten obliegt nur die Verkündigung. (5:92, 64:12)
  • Der Gesandte ist nur ein Warner. (88:21, 79:45, 13:7, 11:12)
  • Der Gesandte hat die Botschaft klar zu übermitteln. (16:44)

Es gibt noch viele weitere Verse, die die alleinige Autorität Gottes hervorheben, ich will hier nur mit drei Versen diese Angelegenheit ein letztes Mal verdeutlichen:

 

12:67 … Gewiss, das Richten (al-ḥukm) ist nur Gottes. Auf Ihn vertraue ich und auf Ihn sollen sich die Vertrauensvollen verlassen.

25:2 Er, Dem das Königreich der Himmel und der Erde gehört, Der Sich kein Kind nahm und Der keinen Teilhaber an der Herrschaft hatte und alles erschuf und ihm sein Maß wohlbemessen gegeben hat.

28:70 Und Er ist Gott. Es gibt keine Gottheit außer Ihm. Ihm gehört das Lob im Ersten und im Letzten. Ihm gehört das Urteil, und zu Ihm werdet ihr zurückgebracht.

 

Nach diesen und anderen Versen ist es schwer eine Gewaltenteilung vorzunehmen, dass auf der einen Seite die Lesung stünde und auf der anderen Seite die menschliche Sunna (entgegen der göttlichen Sunna). Gott, „der keinen Teilhaber an der Herrschaft hat“, und von sich aus sagt, dass das Urteil (ḥukm) allein Seines ist und Ihm das Richten gehört, reicht den Gläubigen aus.

 

12:80 Als sie es bei ihm aufgegeben haben, gingen sie gerettet davon. Der Älteste von ihnen sagte: Wisst ihr nicht, dass euer Vater von euch, auch bevor ihr euch von Josef entledigt habt ein verbindliches Versprechen vor Gott entgegengenommen hat. Ich werde das Land nicht verlassen, bis mein Vater es mir erlaubt oder Gott richtet (yaḥkum Allāh), und er ist der beste der Richtenden (al-ḥākimīn).

95:8 Ist Gott nicht der Weiseste der Richtenden (bi-aḥkami al-ḥākimīn)?

5:50 Erstreben sie etwa das Urteil (al-ḥukm) der Ignoranz? Wer ist ein besserer Richter (ḥukm) als Gott für ein Volk, das überzeugt ist?

 

Wir sehen also überaus deutlich, dass die Weisheit und die daraus abgeleiteten Urteilssprüche Gott allein gehören. Es gibt auch klare Aussagen in der Lesung, dass die Lesung selbst die Weisheit darstellt. Wie etwa in Kapitel 17, in welchem beginnend ab Vers 22 ethische Prinzipien und Gesetze erklärt werden, welche ein Gläubiger umzusetzen hat. Dies geht weiter bis Vers 38 und im darauffolgenden Vers lesen wir:

 

17:39 Diese sind von dem, was dein Herr dir von der Weisheit offenbarte. Und setze zu Gott keine andere Gottheit, sonst wirst du in die Hölle geworfen, verschmäht und verstoßen sein

 

Die vorhergehenden Verse werden also direkt als Teil der Weisheit des Herrn beschrieben. Insofern sehen wir in diesem Beispiel, dass die Verse ein Teil der Weisheit Gottes sind. Im nächsten Schritt werde ich aufzeigen, dass diese laut der Lesung eine Einheit sein müssen. Das Prinzip der Einheit von Buch und Weisheit wird also auch von der anderen Richtung her aufgezeigt.

 

2:231 … So nehmt euch Gottes Zeichen nicht zum Spott und gedenkt Gottes Gunst an euch und dessen, was Er aus der Schrift und der Weisheit (al-ḥikmah) auf euch herabsandte, euch damit zu belehren. Und seid Gottes achtsam und wisst, dass Gott in allen Dingen wissend ist.

 

Auf Arabisch heißt es:

 

ولا تتخذوا ءايت الله هزوا واذكروا نعمت الله عليكم وما أنزل عليكم من الكتب والحكمة يعظكم به واتقوا الله واعلموا أن الله بكل شىء عليم

Transliteration:
wa lā tattachiḏū ʾāyāti-llāhi huzuwān waḏkurū niʿmāta-llāhi ʿalaykum wa mā ʾanzala ʿalaykum min al-kitābi wal-ḥikmati yaʿiẓukum bihi wa-ttaqū-llāha wa ʾaʿlamū ʾanna-llāha bikulli schayʾin ʿalīmun

 

Das große fette Wort im Arabischen wird in der Übersetzung als „damit“ wiedergeben und transliteriert „bihi“ ausgesprochen. Wären nun die Schrift und die Weisheit zwei verschiedene Dinge, müsste für den Bezug auf diese beiden verschiedenen Dinge die Dualform benutzt werden, nämlich bihimā (بهما) oder zumindest der Plural bihim (بهم). Der im Vers verwendete Bezug ist aber singular! Somit sind die Schrift und die Weisheit eine Sache, oder anders gesagt: Die Weisheit wird als der Schrift innewohnend angenommen.

Alles in allem kann bekräftigt werden, dass die traditionelle Aufteilung in Buch als die Lesung und Weisheit als die angebliche prophetische Sunna auf einem missglückten, geradezu peinlichem Fehlverständnis des Begriffs „Weisheit“ und der Wurzel selbst beruht, wobei ich hier etliche Verse zitierte, die Gott allein Autorität zusprechen und die Gott allein als Quelle der Weisheit klarstellen.

Schlüssel zum Verständnis des Koran: Die Bezeugung als Heilmittel

Den aufmerksamen Studenten der Lesung stellt sich die Frage naturgemäß früh, wie man sich aus dem Zustand der Beigesellung befreien kann, wenn die Beigesellung eine unverzeihliche Sünde darstellt (4:48). Welches sind die ersten notwendigen Schritte? Was muss ich beachten, um nicht nach der Befreiung von der Beigesellung wieder erneut in diese Falle der Beigesellung zu tappen?

Es erscheint plausibel, dass wenn die Beigesellung unter anderem solches Übel wie zuvor beschrieben verursachen kann, das Gegenteil der Beigesellung, also die Vereinheitlichung der Autorität und die Akzeptanz der Einheit Gottes in jeglichen Belangen die Heilung mit sich bringen wird. In der Tat ist auch der erste Schritt zum Glauben, sich vollends Gott zu ergeben (aslama). Denn wie uns in den Versen 49:14–15 mitgeteilt wird, kommt vor der inneren Sicherheit, einem überzeugten Glauben (Īmān) die Ergebung, die Gottergebenheit (Islām). Der Glaube ist hierbei die gesicherte Überzeugung der Gegenwart Gottes in uns und um uns herum, also die Sicherheit im Herzen für sich selbst als auch die Sicherheit vor den Einflüssen der Satane. Wieso beschreibe ich den Glauben als gesicherte Überzeugung? Anders als üblicherweise so auf Deutsch wahrgenommen bedeutet Glaube (Īmān) nicht blindes Vertrauen. Vielmehr handelt es sich bei diesem Wort um eine gefestigte, gesicherte Überzeugung sowohl aufgrund persönlicher Erfahrungen (subjektive Beweise) als auch aufgrund langen Studiums und wissenschaftlich gestützter Erkenntnisse (objektive Beweise) in der Wirkung und Wahrhaftigkeit der Worte und Zeichen Gottes in der Lesung wie auch in der Natur. Die Wurzel von ʾĪmān ist alif-mīm-nūn (ا م ن), was stets mit einer Sicherheit in der Grundbedeutung der Wurzel zu tun hat.75 Aus diesem Grund darf „Glaube“ in dem Sinne, wie es in der Lesung verwendet wird, nicht verwechselt werden mit der gemeinhin wahrgenommenen, deutschen Bedeutung von „Glaube“. Der gottergebene (islamische) Glaube ist eine auf Vernunft und Erfahrung aufbauende Sicherheit im Herzen und kein blindes Vertrauen. Diese Überzeugung dringt erst später in die Herzen ein (49:14–15), nämlich erst nach der Ergebung (Islām), also erst nachdem man ein Gottergebener (Muslim) wurde.

Erst muss man sich komplett lossagen von jeglichem Bezug zu dieser Welt und sich allein Gott dem Erlöser ergeben, Ihn allein als Quelle allen Heils akzeptieren. In dieser Ergebung ist die bewusste Bezeugung (schahādah) der Einheit Gottes (tawḥīd) als die zentrale Botschaft in jeglicher Hinsicht des Monotheismus zu verstehen. Man legt sein Seelenheil und sein Herz vollständig und allein in die Hand Gottes.

Die Bezeugung der Ergebung ist der folgende Ausdruck:

Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer dem Gott gibt.

Dies ist die vollständige Bezeugung der Ergebung. Kein weiterer Satz ist laut der Lesung nötig, um sich als Gottergebener (Muslim) zu identifizieren (3:18–19, 6:19). Dieser Satz und seine Bedeutung beherbergen das Heilmittel gegen den Virus der Beigesellung.

Die als erste Säule der Gottergebenheit bekannte Bezeugung (schahādah) dient dazu, sich zum Glauben zu bekennen, dass es keine andere Gottheit außer dem einen Gott gibt. Die arabische Entsprechung der Bezeugung lā ilāha illa-llāh und ihre Variationen davon76 kommen in der Lesung in 35 Versen 36 Mal vor und wird nirgends mit einem anderen Namen zusammen erwähnt bzw. ergänzt. Sich mit dieser Bezeugung nicht zu begnügen, während wir uns zum Glauben des einzigen Gottes bekennen, Gott allein nicht für ausreichend zu empfinden und neben Seinem Namen irgendwelche andere Namen zu erwähnen, stellt eine Form der Beigesellung dar. Als ob dieser Zustand nicht ausreicht, ist derjenige Vers, der die Bezeugung für alle Gottergebenen festlegt, der einzige Vers (3:18), der diese Bezeugung im selben Vers wiederholt, um die klare Botschaft zu vermitteln, dass kein Name irgendeines Gesandten erwähnt werden muss.

 

3:18 Gott bezeugte, dass es keine Gottheit gibt außer ihm, auch die Engel und die im Wissen Herausragenden, stehend für die Gerechtigkeit. Es gibt keine Gottheit außer ihm, dem Ehrenvollen, dem Weisen.

 

Jahre nach dem Ableben des Propheten Mohammed wurde dem gemeinsamen Spruch aller göttlichen Religionen „Es gibt keine Gottheit außer dem Gott“77 der Name Mohammed beigefügt. Mit dieser Handlung haben jene, die seinen Namen hinzugefügt haben, gegen viele Grundsätze der Lesung verstoßen, allen voran aber sich der Beigesellung schuldig gemacht. In gewissen Moscheen wurden neben Gottes Namen (nebst dem Namen Mohammeds) die Namen wie Abu Bakr, ʿUmar, Uṯman, ʿAli, Ḥasan und Ḥussein und andere idolisierte Namen beigesellt. Die Schiiten haben eine andere Form der Götzenkollektion und haben ihre Moscheen mit den entsprechenden Namen ihrer „Lieblinge“ versehen. Es gibt in der gesamten Lesung nur vier Verse, welche Mohammeds Namen beinhalten. Es kann Einwände geben, ob es denn falsch sei, diese Verse an die Wand der Moschee zu hängen. Wie wäre es, wenn man die Verse über die Hölle an die Wand hängt? Was ist mit den Versen über Jesus oder Moses? Was ist mit den Versen über die Heuchler und Lügner? Wenn die Wände der Gebetsstätten mit der ganzen Lesung verziert wären, gäbe es kein Problem. Aber wenn gewisse Verse ausgewählt werden, dann kommt es darauf an, welche Absicht dahintersteckt, um sicher zu sein, dass man nicht beigesellt. Wenn aus der Lesung Verse ausgewählt werden sollen, sollten wir nur die Verse nehmen, die allein über Gott berichten, wie zum Beispiel 39:44–45 oder 39:11–12. Nebenbei: Es gibt keine Pflicht, Verse an die Wand von Moscheen zu hängen!

 

2:285 Der Gesandte glaubt an das, was von seinem Herrn zu ihm herabgesandt worden ist, und (mit ihm) die Gläubigen. Alle glauben an Gott, seine Engel, seine Schriften und seine Gesandten: „Wir machen bei keinem von seinen Gesandten (den anderen gegenüber) einen Unterschied.“ Und sie sagen: „Wir hören und gehorchen, (dies ist) Deine Vergebung, Herr! Bei dir wird es (schließlich alles) enden.“

 

So wie bereits schon einige Christen haben viele sogenannte „Gottergebene“ (Muslime) die Gesandten unterschiedlich bewertet und stellten der Lesung widersprechende Behauptungen auf. Es wurden Hunderte von Aussprüchen (Aḥādīṯ) und Wundergeschichten erfunden, um den Propheten Mohammed über alle anderen Propheten zu erheben. Beispielsweise wurde das Geschwätz des „heiligen Ausspruchs“ (Ḥadīṯ qudsī), welcher besagt, dass das gesamte Universum nur wegen Mohammed erschaffen worden sei, Gott zugeschrieben:

 

law lāka law lāka lamā chalaqtu-l-ʾaflāka

In etwa wörtlich: Wärst du nicht gewesen, wärst du nicht gewesen, hätte ich die Universen nicht erschaffen!

 

Andererseits existieren zahlreiche Aussprüche, die Mohammed als Sex-Psychopathen darstellen. Allen voran ist das Buch von Buchārī voll mit abscheulichen Übertreibungen über das sexuelle Privatleben des Propheten. Diese sind heute dorthin zu verbannen, wo sie hingehören: in die Geschichte. All diese Erfindungen wurden dem Propheten aus unterschiedlichen Gründen angedichtet, etwa um religiöse Macht auszuüben, die eigenen sexuellen Triebe zu rechtfertigen und um die Massen in Schach halten zu können. Die verherrlichten Gelehrten, die ihre eigenen Sexfantasien dem Propheten Mohammed zugeschoben haben, werden ihre Taten zu rechtfertigen haben (6:112).

 

39:45 Wenn Gott ALLEIN genannt wird, schrecken die Herzen derjenigen, die nicht ans Jenseits glauben, zusammen in Abstoßung. Aber werden Idole neben Ihm genannt, beginnen sie sich wieder zu freuen.

 

Die große Mehrheit der „Muslime“ beharrt trotz der in Vers 3:18 mitgeteilten Bezeugung der Gottergebenheit darauf, Mohammeds Namen in der Bezeugung miteinzuschließen. Dieses Kriterium aus 39:45 stellt klar, dass diejenigen, die sich nicht daran erfreuen können, dass Gottes Name allein erwähnt wird, und auf jeden Fall Mohammeds Namen (oder auch irgendeinen anderen Namen) äußern möchten, in Wahrheit nicht ans Jenseits glauben, da sie sich nicht bewusst sind, dass sie gerade in dieser Angelegenheit geprüft und vor Gott gebracht werden. Jene, die nicht wirklich ans Jenseits glauben, sagen aus, dass die Lesung zum Verstehen zu schwer sei, und sie selbst dürfen laut 17:46 die Lesung nicht verstehen.

Einige Leserinnen und Leser fragen sich sicher auch, was es mit dem folgenden Vers auf sich habe, ob er nicht bestätige, dass wir Mohammeds Gesandtschaft zu bezeugen hätten.

 

3:86 Wie soll Gott ein Volk rechtleiten, das ableugnete, nachdem es glaubte und bezeugte, dass der Gesandte rechtmäßig ist, und zu ihnen kamen ja die Klarheiten. Doch Gott leitet das Volk der Ungerechten nicht recht.

 

Es steht in der Tat eine Ableitung der Wurzel sch-h-d (ش ه د) im Vers, die allgemein fürs Bezeugen von etwas steht. Betrachten wir die 160 Stellen in den 123 Versen78, in welchen Ableitungen dieser Wurzel vorkommen, so verstehen wir, dass diese Wurzel in unterschiedlichen Nebenbedeutungen verwendet wird.

„Bezeugen“ bedeutet in der Lesung nebst der offensichtlich wörtlichen Bedeutung auch

  • am Leben zu sein und den Monat Ramadan zu bezeugen (2:185) oder auch am Jüngsten Tag den Tag selbst erst nach dem Tod zu erleben (19:37),
  • eine Sache oder Angelegenheit, die für sich selbst offenbar ist (9:94, 9:105, 13:9),
  • durch Schlussfolgern und Gebrauch des Verstandes eine Angelegenheit im Hier und Jetzt nachzuvollziehen (12:26),
  • die Wahrheit im Hier und Jetzt zu erkennen (5:83, 22:28),
  • dass man nicht Zeuge sein kann, wie und wann Gott etwas offenbarte (6:144), da man dabei nicht anwesend sein kann,
  • die Anwesenheit von Engeln, die uns im Hier und Jetzt wahrnehmen (z.B. 17:78),
  • im Hier und Jetzt sich zu beraten und auszutauschen (27:32).

Insbesondere Verse wie 28:44, 37:150 oder 2:133 legen die Bedeutung dieser Wurzel fest, dass man stets im Hier und Jetzt etwas bezeugen kann. Insofern erhält dieser Vers auch eine besondere Betonung, wenn die Zeugen nach den Propheten noch einmal für sich erwähnt werden.

 

39:69 Die Erde wird im Licht ihres Herrn erstrahlen. Die Schrift (mit allen Angaben über die Taten der Menschen) wird hervorgeholt werden. Die Propheten und die Zeugen werden vorgeladen. Über die Menschen werden die Urteile gefällt, und niemandem soll Unrecht geschehen.79

 

Wir sehen also, dass die Propheten nicht immer Zeugen sein können, sondern höchstens für ihr eigenes Volk. Dadurch ergeben Verse wie 25:30 Sinn, dass der Prophet Mohammed erst am Jüngsten Tag begreifen wird, dass diejenigen, die sich „Gottergebene“ nennen, die Lesung verlassen haben! Erst am Jüngsten Tag bezeugt er dies, weil er erst dann den Umstand wahrnimmt und erkennt.

Die Art von Bezeugung, von der in 3:86 also die Rede ist, bezweckt eine andersartige, nicht wörtlich ausgesprochene Bezeugung. Es geht mehr um eine zeitlich bedingte Überzeugung, nämlich dass man überzeugt ist, dass Mohammed ein Gesandter war aufgrund seiner Botschaft, die er übermittelt hat. Das Volk war zugegen, wir aber nicht. Wir können also keine direkten Zeugen sein. Doch mit „Gesandter“ ist darüber hinaus nicht nur die Person Mohammeds gemeint, sondern auch die Lesung selbst, die ja zu uns durch den Gesandten übermittelt wurde, uns also auch zugesandt wurde. In dem Sinne kann man sagen, dass man zuerst zu bezeugen hat, dass die Lesung wahrhaftig ist, um überhaupt ein Gottergebener sein zu können. Wir können den Gesandten, also die Lesung, im Hier und Jetzt bezeugen. Den verstorbenen Menschen Mohammed, der nur einer unter vielen Gesandten ist, können wir nicht mehr bezeugen. Es geht hierbei um die innere Einstellung der Sache gegenüber, nicht, dass man irgendwelche Sätze in Form von Formeln über die Lippen bringt. Diese Glaubensformel, die Bezeugung der Ergebung, wurde nämlich bereits in 3:18–19 unabänderlich festgelegt.

Ich sage nicht, dass es eine Beigesellung darstellt, den Propheten Gottes als Diener und Gesandter anzusehen (mit dem Herzen zu bezeugen). Vielmehr besteht die Beigesellung darin, ihn oder irgendjemanden in der ausgesprochenen Bezeugung zu erwähnen, die nur Gott alleine gebührt (39:45, 3:18–19). Die Bezeugung, das erste Gebot Gottes, soll der ganzen Welt sagen, dass es nur einen Gott gibt, der immer existierte und für immer bleibt. Gott erwähnte ja den Propheten in der Lesung als Seinen Diener und als Seinen Gesandten. Deshalb glauben wir ohne Zweifel an diese Worte, die von Gott direkt kommen. Doch die Gesandtschaft des Menschen Mohammed bezeugen im Sinne einer aktiven Erfahrung können weder Sie noch ich, denn der einzige Zeuge, der es mit Sicherheit weiß, ist GOTT alleine.

 

2:133 Oder wart ihr Zeugen, als Jakob dem Tod nahe war? Da sagte er zu seinen Kindern: Was dient ihr nach mir. Sie sagten: Wir dienen deinem Gott, dem Gott deiner Väter Abram, Ismael und Isaak, einem einzigen Gott und ihm sind wir ergeben.

 

Hier antworten wir: Nein Gott, wir waren nicht Zeuge, aber wir glauben an sämtliche Deiner Worte, da wir unbedingtes Vertrauen in Dich haben und weil wir uns vollends Dir ergaben. Zwischen der Überzeugung, dass etwas geschehen ist, und dem Bezeugen einer Angelegenheit liegt ein großer Unterschied, der im soeben zitierten Vers angesprochen wird. Das Zeugnis Gottes entnehmen wir aus der Lesung, denn das ist die richtige Lehre ohne Zufügung oder Verminderung. Wer ist dann wahrhaftiger als Gott und Seine Lehren?

 

3:18 Gott bezeugte, dass es keine Gottheit gibt außer ihm, auch die Engel und die im Wissen Herausragenden, stehend für die Gerechtigkeit. Es gibt keine Gottheit außer ihm, dem Ehrenvollen, dem Weisen.

 

So bezeugen es Gott, die Engel und die Wissenden. Doch die, die nicht wissen, fügen Mohammed oder sonst irgendwelche ihrer Vorfahren diesem allerwichtigsten Satz hinzu.

Es ist leider oft so, dass Menschen blind das wiederholen, was sie von ihren Vätern gelernt haben. Das ist aber nicht der Sinn des Lebens. Denn sonst hätten wir genauso gut in irgendeiner anderen Gemeinde aufwachsen können und hätten dieselben Sätze wiederholt, die von dieser Gemeinde vorgegeben werden, ohne dabei nachzudenken, was richtig oder falsch ist. Der Grundsatz der Bezeugung ist hier im Vers deutlich zu sehen:

 

7:172 Und als dein Herr aus den Kindern Adams, aus ihren Rücken, ihre Nachkommenschaft nahm und sie gegen sich selbst zeugen ließ: „Bin Ich nicht euer Herr?“ Sie sagten: „Doch, wir bezeugen (es)!“ (Dies,) damit ihr nicht am Tag der Auferstehung sagt: „Wir waren dessen unachtsam“80

 

Der Glaube an Mohammed als den letzten Propheten und als ein Gesandter Gottes (33:40) sowie der Glaube an alle Propheten und Gesandten (2:285) ist der Grundsatz unserer Lebensordnung (dīn) und darf nicht fehlen, doch die ausgesprochene Bezeugung gebührt Gott alleine, denn Er hat ja die Welt erschaffen, und weder Mohammed noch irgendein Engel haben etwas mit der Bezeugung zu tun.

Der Irrglaube, man müsse Mohammed in der Bezeugung erwähnen, stammt von den Aussprüchen (Aḥādīṯ) ab. Aussprüche hin oder her. Die Religion ist Gottes und nicht in den Geschichten der Ahnen, die fälschlicherweise dem Propheten angedichtet wurden. Wenn wir etwas über Mohammed oder einen anderen Propheten wissen wollen, dann entnehmen wir das entsprechende Wissen aus einer sicheren Quelle: Die vom Schöpfergott offenbarte Lesung. Vermutungen können die Wahrheit niemals ersetzen.

 

10:36 Und die meisten von ihnen folgen bloß einer Vermutung; doch Vermutung nützt nichts gegenüber der Wahrheit. Siehe, Allah weiß recht wohl, was sie tun.81

 

Solche Vermutungen wie die Überlieferungen, die über einem Jahrhundert nach dem Tode des Propheten entstanden sind, enthalten leider viel Beigesellung (schirk). Ich will auch nicht die Lebensordnung Gottes nach meiner Vorstellung definieren, ich fordere nur dazu auf, Gottes Buch zu öffnen und mit mehr Verstand zu lesen. Denn nur so kann jeder wissen, ob das menschliche Gerede in den Aussprüchen (Aḥādīṯ) und auch sonst wo der Wahrheit entspricht oder nicht. Und nur so erlangt man die Freiheit des Denkens und der Selbstbestimmung. Denn jede Seele ist für sich verantwortlich. Die Gelehrten werden niemanden von der Hölle fernhalten können.

 

53:23 Es sind nichts außer Namen, die ihr und eure Väter benanntet, und für die Gott keine Ermächtigung herabsandte. Denn sie folgen nichts außer der Vermutung und dem, wozu die Seelen neigen, obwohl ihnen von ihrem Herrn die Rechtleitung zukam.

 

Edip Yüksels Kommentar zu diesem Vers:

 

„Die Beigeseller Mekkas besaßen eine abstrakte Auffassung des Polytheismus, der Beigesellung. Zu Zeiten Abrahams, in denen die Anbetung von Statuen weit verbreitet war, wurden die Formen der Beigesellung zwangsweise auf Grund der Bemühungen Abrahams verändert. Die Beigeseller, die glaubten, sie würden dem Weg Abrahams folgen, dachten, dass sie Monotheisten seien (6:23; 16:35), während sie die Namen der verstorbenen „Heiligen“ und der Engel, von denen sie glaubten, dass sie Gott nahe stünden, zwecks Fürsprache gedachten (39:3). Die Beigeseller haben nach Mohammed behauptet, dass die mekkanischen Beigeseller Statuen anbeteten, um die Ähnlichkeit zwischen ihnen und den mekkanischen Beigesellern zu vertuschen. Sie gedenken auf ähnliche Art und Weise der Namen von Mohammed, seinen Gefährten und von „Heiligen“ erneut zwecks Fürsprache. Laut Koran fasteten, pilgerten und beteten die Götzendiener Mekkas (8:35; 9:19,45,54; 2:199).“

 

Etwas Wichtiges möchte ich an dieser Stelle deutlich betonen:

Ein bloßes Aussprechen dieses Satzes der Bezeugung ist keinerlei Garantie für eine sofortige Heilung. Bezeugen mit den Lippen ist einfach und im schlimmsten Fall eine Selbsttäuschung (2:8–9). Erst das Verstehen, Fühlen und Umsetzen, also das Ausleben und das Bezeugen dieses Satzes im Herzen und mit jeder Faser des Körpers führt dazu, dass man sich von der Ignoranz befreit (48:11, 49:3). Erst, wenn wir Gott gegenüber die nötige Ehrfurcht empfinden, wie es Ihm gebührt, werden wir uns und unsere Seelen befreien können (39:67, 36:60, 39:17).

Eine kurze Auflistung der wichtigsten Überzeugungen, welche die Einheit Gottes ausmachen:
Die Weisheit und die Befehlsgewalt sind bei Gott allein. (12:40, 13:41, 4:174–175, 4:65, 33:36, 69:44–46, 6:14, Sura 114, 27:60–64, 21:22) Die Befreiung des eigenen Selbst wie auch von anderen von jeglichen Fesseln ist die ständige Aufgabe des Gottergebenen: Gott ist das einzige Ziel, der Dienst ist in erster Linie nur Ihm gegenüber (1:5, 3:64, 51:56), wobei keine intellektuelle, spirituelle, kulturelle, ökonomische oder sonstige Quelle, in menschlicher oder schriftlicher Form, als nicht hinterfragbar gelten kann. Gott allein ist der Absolute im Zentrum, und Gott allein ist die nicht hinterfragbare Autorität. Dies bedeutet beispielsweise als direkte Konsequenz, dass keine Form von Sklaverei Bestand haben kann, da Sklaverei bedeutet, Menschen als „Herren“ über andere zu erheben. Zur Sklaverei komme ich im zweiten Teil des Buches zurück. Dies bedeutet auch die Herausforderung der herrschenden Klasse, weil keine Regierung unbedingtes Vertrauen genießen kann.82

Der Gottergebene hat fernzubleiben von der Ableugnung Gottes und von der Ablehnung Seiner Zeichen in der Natur, den Himmeln und der Erde und in den Menschen. Dies bedeutet das eigene Bewusstsein dahingehend zu schulen, dass die Psychologie, die Mentalität der Ableugnung (kufr) bereits früh erkannt und abgelehnt wird.83 Auch die Ableugnung wird im zweiten Teil behandelt.

Es gilt das Prinzip: Keine Übertreibung (ghulū – غلو) im eigenen Glauben, indem wir uns ein Beispiel an den Leuten der Schrift nehmen. (4:171, 5:77 – Dies sind sämtliche Verse der Wurzel von ġulū.)

Es gibt laut Gottes Wort nur Gottes Sunna (tawḥīdu sunnatillah): mit „Sunna“ ist hier dasselbe Wort gemeint wie bei der dem Propheten nachträglich zugeschobenen „prophetischen Sunna“ (sunna nabawiyya). Sunna bedeutet hierbei „Weg“ oder „Gesetz“. Die Lesung verwendet dieses Wort nur in Bezug auf Gott und lässt uns unmissverständlich verstehen, dass Gottes Gesetz und Weg allein maßgebend sind und Sein Gesandter nichts Weiteres verkünden durfte. Gottes Weg allein ist die Sunna, das Gesetz. Dies betrifft nicht nur Sein an uns offenbartes Buch, sondern sämtliche Aspekte des Lebens, wie etwa Seine Naturgesetze, Sein Willen, Seine Barmherzigkeit usw. Das heißt, dass wir diesbezüglich keinen Kompromiss eingehen dürfen und zum Beispiel auch die Pflicht haben, eine gesunde, langfristig orientierte Einheit mit der Natur herzustellen. Jeder andere Weg als Gottes Sunna ist zum Scheitern verurteilt. (23:84–85, 19:93, 2:116, 39:67, 4:79, 34:28, 2:85, 2:44, 3:83, 22:18, 34:3, 2:29, 16:10–14, 57:3, 28:88)

Eine weitere Pflicht einer Gottergebenen oder eines Gottergebenen ist das Lesen und Studieren der Zeichen Gottes in der Lesung und in der Natur, um nicht dieselben Fehler unserer Vorfahren zu begehen (55:5, 10:5, 3:137, 6:11, 12:109, 16:36, 27:69, 29:20, 30:9, 42, 35:44, 40:21, 40:82, 47:10, 96:1, 22:46, 55:1 ff.). Sie haben dabei ihren Verstand zu gebrauchen und ihre Sinne optimal einzusetzen (10:100, 8:22, 17:36, 39:18, 10:38 – 39, 74:30, 2:269, 3:7, 13:19, 38:29). Wissenschaftliche Disziplinen wie Mathematik oder Physik, Biologie oder Chemie müssen bis zur Exzellenz vorangetrieben werden, um den Glauben mit tiefer Überzeugung sichern zu können. Siehe hierzu allgemein die 49 Verse und den Kontext dieser Verse, in denen die Wurzel zu „Verstand“ vorkommt: 2:44, 2:73, 2:75, 2:76, 2:164, 2:170, 2:171, 2:242, 3:65, 3:118, 5:58, 5:103, 6:32, 6:151, 7:169, 8:22, 10:16, 10:42, 10:100, 11:51, 12:2, 12:109, 13:4, 16:12, 16:67, 21:10, 21:67, 22:46, 23:80, 24:61, 25:44, 26:28, 28:60, 29:35, 29:43, 29:63, 30:24, 30:28, 36:62, 36:68, 37:138, 39:43, 40:67, 43:3, 45:5, 49:4, 57:17, 59:14, 67:10.

Es darf kein Stammestum, kein Rassismus, keinerlei Bevorzugung aufgrund irgendwelcher Zugehörigkeit oder gewissen Eigenschaften vorherrschen. Wir sind sozusagen als eine große Familie mit unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und Hautfarben anzusehen. (49:13, 21:94, 4:1, 11:61, 16:5–7, 16:9, 16:22, 30:22)

Der Gottergebene hütet sich davor, seine eigenen Wertvorstellungen Gott aufzuerlegen. Beispiel: Er hütet sich vor der Illusion, dass nur weil eine Minderheit einer gewissen Meinung ist, diese Meinung nicht die Wahrheit sein kann, da Gott es angeblich nicht zulassen würde, dass so viele Menschen in die Irre gehen. Hier wird der Fehler gemacht, dass man das eigene Empfinden zu einem universalen, ja Gott angedichtetem Gesetz erklärt. Die Wahrheit braucht nicht die Mehrheit, um die Wahrheit zu sein. Gott ist nicht auf die Mehrheit angewiesen.

Insofern ist es zwar keine Garantie, immerhin aber ein positives Zeichen, dass die wahren Gläubigen in der Minderheit sind. Die Geisteshaltung, sich aufgrund der eigenen Mehrheit zu brüsten, wird von Gott scharf kritisiert (72:24). Der Mehrheit anzugehören ist kein positives Zeichen, wie den Versen der Lesung deutlich zu entnehmen ist:

  • Man geht in die Irre, wenn man der Mehrheit folgt. (6:116)
  • Die Mehrheit weiß nicht, dass Gott Zeichen herabsenden kann. (6:37)
  • Die Mehrheit weiß nicht, dass Gott den Lebensunterhalt beschert und Er der Versorger ist. (34:36)
  • Die meisten der Menschen sind Ableugner oder Beigeseller. (12:103,106; 16:83; 17:89; 30:42)
  • Die Mehrheit besteht aus Frevlern. (5:49,81; 9:8; 57:16,27)
  • Die Mehrheit glaubt nicht und hat keine Sicherheit im Herzen. (2:100, 11:17, 13:1)
  • Die meisten Menschen sind unachtsam und beachtungslos. (10:92)
  • Die meisten Menschen sind nicht dankbar. (2:243, 10:60, 12:38)
  • Die Mehrheit folgt nur der Vermutung. (10:36)
  • Die Mehrheit ist stur in der Ableugnung. (25:50)
  • Die meisten der Menschen sind Lügner. (26:223)
  • Die Mehrheit verabscheut die unangenehmen Wahrheiten. (43:78, 23:66)
  • Die meisten wenden sich von der Lesung ab. (41:4 – Und nicht etwa von der Sunna, den Aussprüchen oder sonstigen Zweitquellen)
  • Die meisten Ableugner verwenden ihre Vernunft nicht, sie setzen ihren Verstand nicht ein. (5:103)
  • Die meisten der Menschen wissen nicht, dass Gott die Toten auferwecken und dass der Tag der Auferstehung kommen wird. (16:38, 23:59, 45:32)
  • Die Mehrheit weiß nicht, dass die aufrechte Lebensordnung die Ergebenheit und der Monotheismus ist. (30:30, 3:19, 12:40)
  • Die meisten Menschen wissen nicht, wann der Tag des Gerichts eintreffen wird. (7:187)

Anders betrachtet sind die wertvollen Angelegenheiten, Menschen und Dinge öfters wenig oder in der Minderheit (ein Beispiel für eine Ausnahme wäre Vers 9:38, wonach das diesseitige Leben wenig ist im Vergleich zum Letzten):

  • Dankbar zu sein für die Gaben ist sehr wertvoll, doch es gibt nur wenige Dankbare. Dankbarkeit ist ein Zeichen der Gottergebenheit. (2:243, 10:60, 12:38, 34:13, 7:10, 40:61, 23:78, 27:73, 32:9, 67:23)
  • Diejenigen, die an Noah glaubten und von Gott errettet wurden, waren nur sehr wenige. (11:40)
  • Die Menschen sind im Verlust bis auf die wenigen, die glauben, Gutes tun und zur Wahrheit und Geduld ermahnen. (Kapitel 103, 38:24)
  • Obwohl das nachfolgende Volk von Moses beteuerte, dass sie selbstverständlich für Gott kämpfen würden, nahmen danach nur sehr wenige am Kampf teil. (2:246, 2:249)

Einfach gesagt:

Die Wahrheit ist, weil sie ist. (10:36, 6:116)

 

21:18 Doch wir schleudern die Wahrheit gegen das Falsche, und da zerschmettert sie es, und sogleich vergeht es. Und wehe euch wegen dessen, was ihr da schildert!

Schlüssel zum Verständnis des Koran: Beigesellung (Schirk): Nicht nur Statuen sind Götzen

Millionen von Gottergebenen (Muslimen) glauben heute eine monotheistische Religion zu leben, die aber eher der Beigesellung des Quraisch-Stammes vor der Prophetie Mohammeds ähnelt. Millionen von Menschen von Ägypten bis nach Iran, von Indien bis in die Türkei und in vielen anderen Ländern beten in den Moscheen eindeutig für Gott. Doch nach ihrem Gebet gehen sie über zu den Grabstätten ihrer „Heiligen“ oder gehen zu ihrem Scheich und bitten diesen um Gesundheit, Wohlstand oder Kinder, oder dass diese für sie bei Gott um diese Dinge bitten mögen. Gleichermaßen gibt es Millionen von „Gottergebenen“, die glauben, der Prophet Mohammed könne sie vor Gottes Urteil schützen. So beten sie in ihrem Gebet in der Rezitation des eröffnenden Kapitels zu Gott und versichern ihm, dass sie nur Ihm dienen und nur Ihn um Hilfe erflehen werden (1:5). Als ob sie dieses täglich mehrfach wiederholte Versprechen nie ausgesprochen hätten, bitten sie am selben Tag Mohammed, dass er für sie Fürbitte bei Gott einlegen möge! Wenn man sie auf diesen Widerspruch hinweist, meinen sie, dass sie Mohammed ja Gott nicht beigesellten, obwohl sie wissen müssten, dass der Prophet Mohammed nicht mal die Menschen retten kann, die er liebte (28:56)! Er konnte lediglich zu seinen Lebzeiten (!) nur diejenigen ermahnen, die bereits an Gott geglaubt und sich Ihm ergeben hatten (30:52–53). Nein im Gegenteil, denken diese Leute etwa, Mohammed könnte sie auch jetzt noch hören oder sehen, wobei uns in der Lesung mitgeteilt wird, wie überrascht er sein wird und sich bei Gott über sein eigenes Volk beklagt, dass diese die Lesung verlassen haben (46:9, 7:188, 25:30)?! Solange man ein Beigeseller (Muschrik) ist, wird man nie und nimmer errettet:

 

9:113 Nicht gebührt es den Propheten und denjenigen, die glaubten, dass sie für die Beigeseller um Vergebung bitten, auch wenn sie Nahverwandte wären, nachdem ihnen klar wurde, dass diese die Angehörigen des Infernos sind

 

Nein, sie wollen es auch dann nicht wahrhaben, dass sie in Tat und Wahrheit Mohammed zu Gott beigesellen und sich somit der Beigesellung schuldig machen, wenn ihnen folgender Vers ans Herz gelegt wird:

 

9:80 Ob du für sie um Verzeihung oder nicht um Verzeihung bittest, oder ob du siebzigmal für sie um Verzeihung bittest, Gott wird ihnen niemals verzeihen. Deshalb, weil sie nicht an Gott und Seinen Gesandten glaubten. Und Gott weist den frevelhaften Leuten nicht den Weg.

 

Sie verstricken sich danach in weitere Widersprüche und es ist klar, dass sie Mohammed zum Götzen, zum Beigesellten erhoben haben, ohne dass sie sich dessen bewusst sind oder bewusst sein wollen (10:18). Sie gehören zu jener Gruppe, die Mohammed am Jüngsten Tag ablehnen wird und seine „Fürsprache“ wird daraus bestehen, sie abzulehnen, weil sie entgegen der von ihm überlieferten Lesung ihn idolisierten, ihn zum Götzen erhoben und sich nicht allein auf Gott verlassen haben. Ähnlich werden viele Christen und Juden am Jüngsten Tag überrascht sein, dass sie von Gott als „Beigeseller“ verurteilt werden. Die sogenannten „Gottergebenen“ (Muslime), die von Mohammed Fürsprache erhoffen, sind was die Geisteshaltung betrifft nicht anders als diejenigen Christen, die ihr „Vater unser“ beten und danach hoffen, dass Jesus sie erlösen möge.74 Diese gesellen also Jesus Gott bei. Oder sie sind sogar noch weiter von der Wahrheit entfernt, wenn sie Jesus als Gott ansehen (5: 72, 22: 8), also zu Gottes Wesen etwas beigesellen, was selbst den evangelischen Lehren widerspricht (Markus 10: 18, Lukas 18: 19). Dabei ist es ganz einfach:

 

65:3 … Wer sich auf Gott verlässt, dem genügt Er. …

39:6 Genügt Gott Seinem Diener etwa nicht? …

 

Diese sogenannten „Gottergebenen“ gehören zu jenen, die die Botschaft der Lesung nicht verstanden haben und auch nicht verstehen werden, solange sie ihren Irrtum nicht als Irrtum akzeptieren – oder anders gesagt nicht bereit sind, ihr komplettes Weltbild, ihre gesamte Identität aufzugeben, was im Endeffekt nichts anderes ist als sich Gott zu ergeben und dem Irrglauben ein Ende zu setzen, man sei bereits rechtgeleitet.

Es ist hierbei wichtig zu verstehen, dass die Beigeseller vom Stamme Quraisch die Gebete genauso verrichteten wie wir heute, doch sie hatten damals ihre Götzen Allat, Al-‘Uzzah, Manat und weitere Beigesellte, um für Gesundheit, Wohlstand, Fürsprache oder Kinder zu bitten. Die Beigesellung ist im Prinzip gleich geblieben, nur die Beigesellten, die Götzen sind verschieden. Anders gesagt sind nur die Namen der Beigesellten neu.

 

12:106 Die meisten unter ihnen, die an Gott glauben, gesellen Ihm (andere) bei.

 

Es ist deshalb von äußerster Bedeutsamkeit, die Wahrheit zu verinnerlichen, dass nicht nur Statuen Götzen sein können, die Gott beigesellt werden, sondern beispielsweise auch:

  • Ihre Kinder (7: 190),
  • Ihre Eltern, Geschwister, Verwandten oder Ihr Ehepartner (9: 24),
  • Ihr Geschäft bzw. Ihre Arbeit (18: 35) und
  • Ihr Ego (25: 43).

Zu glauben, dass Gott der Schöpfer der Himmel und der Erde ist, schützt einen nicht vor der Beigesellung, dem Virus des Denkens, der sich in uns einnistet und unsere Gedanken verdreht (12:106), sodass in Tat und Wahrheit unser „Gott“ das ist, was uns am meisten beschäftigt. Merken Sie sich diesen Satz:

 

Ihr Gott ist wer oder was auch immer Ihre Gedanken die meiste Zeit beschäftigt.

– Rashad Khalifa

 

Gott weist uns in der Lesung selbst an, wie wir uns davor schützen können und ich möchte dies nur kurz anschneiden, da man auch dazu ein eigenes Buch verfassen könnte: Wir müssen Gottes häufig gedenken (33:41–42), wie zum Beispiel vor dem Essen (6:121) oder wenn wir über die Zukunft reden (18:23–24) oder allgemein unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen wollen. Es ist auch nicht von ungefähr, dass wir die Kontaktgebete (ṣalāh) regelmäßig verrichten müssen, da eine ständige, bewusste, richtig aufgebaute und tief empfundene Verbindung mit Gott, also in wirklichem Kontakt zu stehen mit Gott, von den Schändlichkeiten dieser Welt abhalten wird (29:45). Das Kontaktgebet (aṣ-ṣalāh) wird neben anderen zentralen Begriffen wie Läuterung (zakāh), Gerechtigkeit (qisṭ), Debatte (ḥadsch) oder Fasten (ṣawm) mit Gottes Erlaubnis in einem zweiten Buch näher betrachtet.

 

20:14 Wahrlich, Ich bin Gott. Es ist keine Gottheit außer Mir; darum diene Mir und verrichte das Kontaktgebet zu Meinem Gedenken.

 

Gelehrten, die politisches Kalkül betreiben

Schlüssel zum Verständnis des Koran: Beigesellung (Schirk) – Der Virus des Denkens

Bevor ich zur eigentlichen Anwendung unserer Auslegungsmethodik übergehe, müssen noch einige wichtige Themen angesprochen werden, damit von vornherein viele Fehler vermieden werden können. Ich werde auch in den nächsten Abschnitten die soeben vorgestellte Methodik nur teilweise anwenden, um den Rahmen dieses Buches nicht zu sprengen. Das Thema der Beigesellung (schirk) könnte man ohnehin in einem eigenen Buch behandeln.

Gelehrten, die politisches Kalkül betreiben

Dies ist ein dunkles Kapitel in Anbetracht der jetzigen Situation, wie sehr sich die „Muslime“ die an sie offenbarte Lesung zu Herzen genommen haben. Denn die Lebensordnung der Gottergebenheit (Islām) wurde durch die Mutmaßungen, Dogmen, Doktrinen und Hinzufügungen über die Jahrhunderte hinweg dermaßen verzerrt, dass es mit der Hingabe, der Gottergebenheit, den der Prophet Mohammed durch die Lesung (Koran) verkündete, nichts mehr zu tun hat. Die so genannten Religionsgelehrten haben im Namen der Religion Hunderte von Gesetzen und Verboten erfunden und somit Gottes Religion, die Gottergebenheit, durch eine verwirrende und nicht praktizierbare Religion ersetzt. Diese erfundene Religion nenne ich seit fast einem Jahrzehnt schon den Mainstream-Islām oder Menschen-Islām: Mislām. Die Religionsgelehrten haben für die Verirrung vieler Muslime gesorgt, indem sie diese Menschen glauben ließen, dass der Mislam die Gottergebenheit (Islām) darstelle. Sie haben sie hinters Licht geführt, indem sie sie im Irrtum ließen, dass das, was sie ausleben, die Lebensordung (dīn) sei, die Gott für uns vorsah. Doch die Außenstehenden seien ebenso gewarnt: Das Problem ist um einiges komplexer, als es hier angerissen wird. Ich möchte an dieser Stelle die Nichtgottergebenen dazu ermuntern, sich mit uns auf eine Reise zu begeben, mit dem Ziel, dass wir gemeinsam das Bestreben teilen, die beste verfügbare Lösung für ein gegebenes gesellschaftliches Problem zu finden (39:18, 13:11). Die Probleme sind schwierig, aber nicht unüberwindbar und erfordern von allen den nötigen gegenseitigen Respekt, damit eine gemeinsame Arbeit erst ermöglicht wird.

Es darf deshalb nicht sein, dass der Nichtgottergebene vorschnell über äußerliche Missstände urteilt und dabei das wahre Übel verkennt. Dies ist leider schon ein altes Problem. Um es mit den Worten des Orientalisten Max Horten aus dem Jahre 1916 zu sagen, der im Vorwort seiner Übersetzung „Muhammedanische Glaubenslehre – Die Katechismen des Fudali und Sanusi“ folgendes schrieb:

 

„Manche Europäer brüsten sich mit einigen Kenntnissen äußerer Formen des Islam und treten dann dem Orientalen mit dem Selbstbewusstsein gegenüber, Sinn und Geist seiner Religion verstanden zu haben. In diesem Gebaren mancher Europäer liegt eine schwere Verletzung des Ehrgefühls und des religiösen Bewusstseins des Muslim. Er, wenn er auch nur ein Halbgebildeter ist, hat ein tieferes Verständnis der Lehre (Dogmatik und Moral seiner Religion), als der oberflächlich gebildete Europäer auch nur zu begreifen imstande ist. Er empfindet, dass der Europäer von den vielfach so großzügigen Gedanken der islamischen Religion auch nicht den Schatten eines Verständnisses hat und in Ermangelung eines solchen glaubt, der Islam bestehe aus nichts anderem als kultischen Äußerlichkeiten und Ähnlichem.“

 

Herr Hortens Worte sind leider auch heute noch aktuell. In Europa ansässige Muslime leben häufig mit dem Bewusstsein, nicht verstanden worden zu sein und auch nicht verstanden werden zu wollen.

Nichtsdestotrotz ist der Zustand der sich als muslimisch bezeichnenden Welt in weiten Teilen leider katastrophal. Der Grund, wieso diese Völker in politischer, sozialer, wissenschaftlicher und ökonomischer Hinsicht derart zurückgeblieben sind, wurzelt in den polytheistischen Religionsgelehrten und den Politikern, die wissen, wie diese Gelehrten auszunutzen und einzusetzen sind. Sie haben die Religion kaltblütig und berechnend als Opium für die Massen eingesetzt und werden alles daran setzen, die Massen weiterhin unter ständigem Einsatz ihres giftigen, geistigen Opiums unter Schach zu halten. Sie werden versuchen die Gottergebenen daran zu hindern, die Offenbarung Gottes und Seine an uns übermittelte Lebensordnung wirklich zu verstehen (41:26). Denn sie wissen genau, dass die Lesung eine immense geistige Befreiung mit sich bringt und ihre künstliche Autorität für ungültig erklärt (9:31). Jene sind nämlich die menschlichen Satane, vor denen wir in der Lesung gewarnt werden (6:112). Der Begriff Gottergebenheit (Islām) stellt nämlich, anders als wir gelehrt wurden, keine besondere Bezeichnung dar, sondern ist vielmehr seit Beginn der menschlichen Geschichte das Paradigma aller Gottesergebenen. Die Lebensordnung der Gottergebenheit ist universell (3:83), bewirkt die Vereinigung der Rassen (49:13), wirkt friedensstiftend zwischen den Völkern (2:62; 2:135–136, 2:208, 30:20), spricht jedem die Gerechtigkeit zu (5:8), erfordert nebst dem Empirismus auch die möglichst objektiven Beweise (3:86; 2:111; 21:24; 74:30; 4:82) und hat ein geschütztes und mathematisch kodiertes Buch (15:9; 2:23; 74:30; 83:9,20). Darüber hinaus vertritt sie den generellen Frieden und die Realität (60:8–9), kennt keine Mittler und keinen Klerus (2:48; 9:31,34), fordert die Aufteilung der Reichtümer (59:7), zeigt keine Toleranz gegenüber produktionsloser Ökonomie (5:90; 3:130), sieht für die Bewältigung gesellschaftlicher Aufgaben die gemeinschaftliche Beratung vor (42:38), gibt dem Individuum einen großen Wert (5:32), gibt der Frau mehr Wert, als die meisten es sich eingestehen wollen (3:195; 4:124; 16:97) und will von uns, dass wir mit der Natur und der Umgebung in Harmonie leben (30:41, 42:30-31, 4:79). Von den Gelehrten verlangt die Lebensordnung der Gottergebenheit, dass diese die Irrungen und Korruptionen innerhalb der Gesellschaft aufdecken (5:63).

Allein aufgrund dieser Verse und ihrer Neuformulierung in unsere heutige Sprache sehen wir, wie verfehlt die Ansichten selbst vieler Gottergebener sind, was die Lesung betrifft. Es ist demzufolge einfach einzusehen, dass sich der Prophet Mohammed am Jüngsten Tag beklagen wird, dass seine eigenen Anhänger die Lesung, den von ihm klar übermittelten Koran verlassen haben, denn der Gesandte wird sagen: Herr, mein Volk hat gewiss diesen Koran verlassen! (25:30)

Deshalb ist es wichtig, dass wir dieses Kapitel über „Schirk“ (Beigesellung, Polytheismus) tiefgreifend verstehen, wenn wir auch nicht die Bedeutung des Wortes total ausschöpfen werden.

Die wichtigste Botschaft, die ich mitteilen will, kann in folgendem Prinzip zusammengefasst werden:

Alles oder jeder außer Gott kann zum falschen Idol, zum Götzen, zur falschen Autorität oder Gottheit werden. Dies kann ideell, geistig, physisch oder materiell ausgeprägt sein. Dann ist es aufgrund der selbstverschuldeten Achtlosigkeit, diese Idole, Götzen, Autoritäten oder Gottheiten zum Zentrum des eigenen Lebens werden zu lassen, dass man sich selbst vor der Rechtleitung Gottes ver- und ausschließt.

Gott macht uns in der Lesung unmissverständlich klar, dass mit der Beigesellung (schirk) nicht zu spaßen ist, denn:

 

4:48 Gott vergibt nicht, daß Ihm beigesellt wird, und Er vergibt, was darunter liegt, wem Er will. Und wer Gott (andere) beigesellt, hat eine gewaltige Sünde erdichtet.62

 

Die sprachliche und kontextuelle Bedeutung von Beigesellung (schirk)

Das Wort „Schirk“ (شرك) stammt von der Wurzel schīn-rā-kāf (ش ر ك) ab und hat stets mit der Grundform gesellen zu tun. Von der Bedeutung her lässt es sich gut vorstellen als eine Partnerschaft zweier vorher getrennter Dinge oder Personen. So wird das Verb scharika (شَرِكَ) als teilnehmen verstanden, sich also einer Sache anzuschließen, sich jemandem oder etwas dazugesellen. Nicht von ungefähr entspricht dann auch das Wort „Gesellschaft“ dem arabischen Wort scharika (شَرِكَة). In der Lesung werden folgende Ableitungen dieser Wurzel verwendet:

  1. Fünfmal als das Nomen schirk (شِرْك) in 31:13, 34:22, 35:14, 35:40 und 46:4: Beigesellung
  2. 40 Mal63 als das Nomen scharīk/schurakāʾ (شَرِيك – شُرَكَاء): Beigesellte(r), Partner, Teilhaber
  3. Einmal als Verb des dritten Verbstammes schārik (شَارِكْ) in 17:64: geselle bei (Imperativ)
  4. 71 Mal64 als das Verb des vierten Verbstammes aschraka (أَشْرَكَ): beigesellen
  5. 49 Mal65 als das aktive Partizip des vierten Verbstammes in männlicher oder weiblicher und in singularer oder pluraler Form als muschrik (مُشْرِك), muschrika (مُشْرِكَة), muschrikūn (مُشْرِكُونَ) und muschrikāt (مُشْرِكَٰت): Grundform „Beigesellender“ als Bezeichnung für den, der beigesellt
  6. Zweimal als das aktive Partizip des achten Verbstammes muschtarikūn (مُشْتَرِكُون) in 37:33 und 43:49: sich beigesellend

Im religiösen Sinne, also in der Bedeutung, wie das Wort in der Lesung verwendet wird, heißt dies, dass der Souveränität, Einheit und Autorität Gottes, dem Schöpfer allen Seins, etwas oder jemand beigesellt wird, sodass er/sie oder es ganz oder teilweise die Eigenschaften übernimmt, die in Wahrheit allein Gott zustehen. Dieses etwas oder dieser jemand kann bewusst oder unbewusst Gott beigesellt werden. In allen Fällen bedeutet dies, dass man Gott den Erschaffer nicht als alleinigen Gesetzgeber, alleinigen Gott oder alleinige Quelle allen Heils betrachtet. Man mag zwar durch Lippenbekenntnis Gottes Einheit bekennen, wie dies in der sogenannten Bezeugung (schahādah) geschieht, doch in Tat und Wahrheit werden Gott ein oder mehrere Teilhaber oder Partner zugesprochen. Dies betrifft jegliche Form der göttlichen Autorität, jegliche Aspekte, die laut der Lesung Gott allein zustehen, sei es nun was die Anbetungswürdigkeit oder auch die Hoffnung auf Vergebung betrifft.

Aber wieso sollte es für uns schlecht sein, wenn wir über Gott falsch denken? Welchen Schaden sollte die Beigesellung bei Gott schon anrichten können, wo Er der Absolute ist? Und wieso ist es gerade diese Form der Sünde, welche in der Lesung eine immense theologische Bedeutung erhält? Leider sind die wenigsten der Gottergebenen dieser Frage nachgegangen und wenn sie solche Fragen stellten, wurden sie zu großem Bedauern im Kindesalter im Keim erstickt durch soziale Einschüchterung oder gar durch Gewalt in den Moscheen. Es ist nun an der Zeit, dass wir als Gemeinschaft beginnen, diese zentralen Fragen erneut zu stellen mit dem Bewusstsein, dass wir nicht Gott hinterfragen, sondern versuchen besser zu verstehen, wieso das, was Gott in der Lesung offenbarte, auch wirklich gut für uns ist.

Gott hat den Gottergebenen versprochen, dass Er ihnen in jeglicher Lage beistehen und helfen wird. Er versprach den Gottergebenen, dass sie reichlich mit der Gunst und den Gaben Gottes beschenkt würden, folgten sie nur aufrichtig und getreu Seinem Wort. Dies ist nicht zuletzt auch im weltlichen Sinne zu verstehen: Folgten die Menschen, die sich „Muslime“ nennen, aufrichtig und getreu Gottes Wort in der Lesung, so wären sie nicht in der jetzigen politischen, sozialen, ökonomischen und wissenschaftlichen Situation.

 

40:51 Wahrlich, helfen werden wir unseren Gesandten und denen, die gläubig sind, im diesseitigen Leben und an dem Tage der Auferstehung.66

 

Der Schirk ist eine dermaßen tiefgreifende Angelegenheit, dass man von jeglicher göttlicher Leitung ausgeschlossen wird, wenn man sich mit diesem Virus des Denkens und Fühlens ansteckt und in diesem Zustand verbleibt, bis man wieder aus Eigeninitiative heraus die eigene Ausgangslage ändert (13:11, 5:105, 8:53). Dieser Zustand hat nicht nur zur Folge, dass man in weltlichen Angelegenheiten zurückbleibt, sondern gleichzeitig auch im Verständnis der Schrift Gottes keinen Zugang zur göttlichen Wahrheit erhält.

 

17:45–46 Und wenn du den Koran vorträgst, legen Wir zwischen dich und jene, die nicht an das Jenseits glauben, einen verborgenen Schleier; Und Wir legen Hüllen auf ihre Herzen, so daß sie ihn nicht verstehen, und in ihre Ohren Taubheit. Und wenn du im Koran deinen Herrn nennst, Ihn allein, so wenden sie ihre Rücken in Widerwillen.67

18:57 Und wer ist ungerechter als der, der an die Verse seines Herrn gemahnt wurde, sich aber von ihnen abwandte und vergaß sich seiner Sünde bewusst zu sein? Wahrlich, Wir haben Schleier über ihre Herzen gelegt, so dass sie ihn (den Qur’an) nicht begreifen, und Taubheit in ihre Ohren. Und selbst wenn du sie zum rechten Weg rufst, werden sie nie den rechten Weg einschlagen.

20:124–127 Und dem, der sich jedoch von meiner Ermahnung abkehrt, wird ein Leben in Drangsal beschieden sein, und am Tage der Auferstehung werden Wir ihn blind vor Uns führen.“ Er wird sagen: „Mein Herr, warum hast Du mich blind (vor Dich) geführt, obwohl ich sehen konnte?“ Er wird sprechen: „Es sind ja Unsere Zeichen zu dir gekommen, und du hast sie missachtet – also wirst heute nun du missachtet sein!“ Und ebenso belohnen Wir auch den, der maßlos ist und nicht an die Zeichen seines Herrn glaubt; und die Strafe des Jenseits ist wahrlich strenger und nachhaltiger.68

 

Das Wohlergehen einer Gesellschaft und auch des Individuums – geistig wie auch materiell – hängt also davon ab, ob man sich erfolgreich in weltlichen und jenseitigen Angelegenheiten von der Beigesellung fernhält. Jeder Mensch, der Gottes Wort befolgt, ob es nun bewusst oder unbewusst geschehen mag, wird in dieser Welt die Belohnung dafür erhalten, dass er Gottes Wort einhielt. Gottes Worte einzuhalten bedeutet in anderen Worten, dass abhängig davon, in welchem Lebensbereich sie im Leben umgesetzt werden, dieser Lebensbereich Gottes Segen erhält. Wir wissen auch aus der Lesung, dass sich Gottes Vorgehen niemals ändert.69 Gott wird also keinen Unterschied zwischen Ableugnern und Gläubigen in dieser Welt machen (20:127,131). Ein Ableugner wird weltlich genauso belohnt wie ein Gläubiger, wenn er Wissenschaft betreibt, er also zu denen gehört, die das Wissen schaffen. Wer wissenschaftlich aktiv ist, wird einen Vorteil haben und darüber hinaus Gottes Offenbarungen und Zeichen tiefgreifender verstehen können, welche sowohl in der Natur als auch in der Lesung vorhanden sind.70 Dies erklärt teilweise die zurzeit vorhandene materielle und wissenschaftliche Überlegenheit Europas und Amerikas.71 Solange also keine Zentren aufgebaut und gepflegt werden für mathematische, geisteswissenschaftliche und naturwissenschaftliche Institute, werden diese Länder immer zurückbleiben, mögen sie auch noch so gläubig und fromm erscheinen, weil Frömmigkeit auch bedeutet, Wissen voranzutreiben. Ohne Wissenschaft ist kein Glaube möglich.

Das verheerende Problem ist ja gerade, dass die meisten der Gottgläubigen selbst nicht wissen, dass sie der Beigesellung zum Opfer gefallen sind. Sie sind sich dessen in diesem Leben nicht bewusst, dass sie Götzendiener sind. Selbst am Jüngsten Tag werden sie überrascht sein.

 

6:22–24 Und am Tage, an dem wir sie alle versammeln werden, werden wir zu denen, die Götzen anbeten, sprechen: „Wo sind nun eure Götter, die ihr wähntet?“ Dann werden sie keine andere Ausrede haben als zu sagen: „Bei Gott, unserem Herrn, wir waren keine Götzendiener.“ Schau wie sie sich selbst belügen und das, was sie sich ausdachten, sie im Stich lässt.

12:103 Und die meisten Menschen werden nicht glauben, wenn du es auch noch so eifrig wünschst.

12:106 Und die meisten von ihnen glauben nicht an Gott, ohne dass sie Beigeseller sind.

18:103–104 Die schlimmsten sind diejenigen, die sich abwenden, und dann meinen, sie seien rechtgeleitet.72

 

Sie werden also aufgrund ihrer selbstverschuldeten Verirrung in der Beigesellung meinen, sie seien diejenigen, die die Wahrheit besitzen. Nichts kann schlimmer sein als die Verharrung im Irrglauben, man folge der Wahrheit, wo die Wahrheit ganz woanders zu finden ist. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, eine innere Haltung zu entwickeln, die andere Meinungen nicht von vorneherein als „falsch“ ansieht, weil es nicht mit dem eigenen Weltbild übereinstimmt, denn die Wahrheit ist ein Wandelgestirn und wer mürrisch auf seinem Standpunkt verharrt, von dem wird sich die Wahrheit Gottes entfernen.

 

10:39 Nein, sondern sie verleugneten das, dessen Wissen sie sich nicht aneigneten und dessen Exegese ihnen noch nicht zuteil wurde. Solcherart haben diejenigen vor ihnen geleugnet. So siehe, wie das Anschließende der Unrecht-Begehenden war.73

 

Es gehört also selbstredend zum guten Ton eines Gottergebenen, sich gegenüber jeder Meinung aufgeschlossen zu zeigen (39:18) und Geduld zu entwickeln, um keine voreilige Meinung zu bilden (10:39). Nur das, was aus Geduld und reiflicher Überlegung entsteht, kann wachsen und zu etwas Fruchtbarem gedeihen.

Halal Fleisch im Islam – Gibt es halal Fleisch laut Koran?

Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verworfenen Satan
Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

Frieden liebe Geschwister!

Wir wissen alle, dass für uns Gottergebene (Muslime) in der friedlichen Gottergebenheit (Islām) das Schweinefleisch und bezüglich des Schweines nur das Schweinefleisch verboten ist. Gelatine oder andere Teile des Schweins sind also erlaubt (ḥalāl). Doch wie steht es um die allgemeine Schlachtung der Tiere? Man hat doch mal was vom Schächten gehört und dass es rigide Vorschriften gäbe, wie etwa dass das Tier nach Mekka, genau genommen nach der sogenannten Qibla gerichtet werden müsse? Und wie steht es um das von Christen und Juden geschlachtete Fleisch? Gibt es so etwas wie halal Fleisch überhaupt?

Die wichtigste Frage ist jedoch, wie wir herausfinden können, was überhaupt erlaubt und verboten (ḥarām) sein kann. Es gibt eine einfache Art in der Lesung (deutsch für Koran oder „al-qurʾān“), wie man etwas als erlaubt oder verboten bezeichnen kann. In der Lesung gibt es nämlich einen Vers, der folgendes aussagt:

 

6:114 Wen außer den Gott soll ich als Richter suchen, wo er es doch ist, der die Schrift detailliert zu euch herab sandte? Diejenigen, denen wir das Buch zukommen ließen, wissen, dass es von deinem Herrn mit der Wahrheit herabgesandt wurde. So sei nicht unter den Zweiflern.

 

In einem anderen Vers lernen wir, dass die Lesung für die Gottergebenen genügt (29:51). Wenn man die Lesung kennt, so ist es in Wahrheit noch schwerwiegender. Es gilt nur das, was Gott offenbarte. Alles, was Er nicht offenbarte und offen ließ, ist unserem Ermessen überlassen (5:101). Wir dürfen im Namen der Religion keine Falschheiten verbreiten und etwas für verboten erklären, das Gott nicht verboten hat. Denn dadurch würde man sich als weiteren Gesetzgeber und weiteren Richter neben Gott behaupten und sich so seiner Souveränität und Autorität beigesellen. Und die Beigesellung (schirk) ist die Kapitalsünde schlechthin (4:48) in der Lebensweise (dīn), die Gott für uns vorsah. Wir dürfen also nichts Falsches behaupten (16:116) und dürfen nur das wiederholen, was Gott offenbarte:

 

10:59 Sage: „Was meint ihr, dass ihr das für verboten und erlaubt erklärt, was der Gott für euch an Versorgung herabsenden ließ?!“ Sage: „Hat euch dies der Gott erlaubt oder erfindet ihr etwas über den Gott?“

5:87 O ihr, die ihr glaubt, verbietet nicht die guten Dinge, die der Gott euch erlaubte, und übertretet nicht. Gewiss liebt der Gott nicht die Übertretenden.

 

Es ist für uns also verboten, etwas anderes zu behaupten als das, was der Schöpfergott uns herabsandte in seiner Lesung. Nein, es ist nicht nur für uns verboten, sondern darüber hinaus deutlich auch unserem geliebten Propheten Mohammed, etwas Neues zu erfinden (66:1), wonach der Prophet getadelt wird von Gott, etwas Neues hinzugedichtet zu haben, um seinen Partnerinnen zu gefallen, indem er etwas Erlaubtes verboten hat! Dieses Beispiel unseres Propheten zeigt uns klar, dass in Bezug auf das Essbare nur das als wahr gilt, was unser Gott in der Lesung offenbarte. Nur Blut, Totes, Schweinefleisch und das, was anderen Wesen oder Menschen als Gott gewidmet wurde, ist verboten und sonst nichts (2:173, 5:3, 6:145, 16:115)! Erfindungen wie die Richtung beim Schlachten der Tiere oder das angebliche Schächten kommt in der Lesung Gottes nicht vor und sind somit als Lügen und Unwahrheiten abzulehnen.

Doch wenn außer diesen vier Nahrungsmitteln nichts verboten und die meisten Regeln für das „halal Schlachten“ erfunden sind, wie verhält es sich dann mit der Erwähnung des Gottesnamens bei der Schlachtung? Sind wir nicht dazu verpflichtet, Ihn zu erwähnen? Betrachten wir hierzu erst einmal eine klassische Übersetzung des folgenden Verses:

 

6:118 Eßt von dem, worüber der Name Gottes ausgesprochen worden ist, so ihr an seine Zeichen glaubt. (Übersetzung von Khoury)
Transliteration: Fakulū Mimmā Ḏukira Asmu Allāhi `Alayhi ‚In Kuntum Bi’āyātihi Mu’minīna

 

Fast alle Übersetzer geben diesen Vers und verwandte Ausdrücke (z.B. in 5:4, 6:119, 6:121, 6:138, 22:28, 22:34, 22:36, 22:40) auf diese oder ähnliche Art wieder. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie im Vers die entsprechende Formulierung als „worüber Gottes Name ausgesprochen wurde“ interpretieren. Dies wird als Beleg verwendet, dass man doch den Namen Gottes erwähnen müsse beim Schlachten. Jedoch begeht man hier einen folgenschweren Fehler, wenn man dieser falschen Annahme folgt. Die Begründung ist einfach: „Worüber Gottes Name ausgerufen wurde“ bedeutet nämlich nicht dasselbe wie „worüber beim Schlachten Gottes Name ausgerufen wurde“ und darüber hinaus wurde das Essen der Schriftbesitzer, also das Essen der Christen und Juden für erlaubt erklärt:

 

5:5 Heute sind euch die guten Dinge erlaubt. Das Essen derer, denen das Buch zugekommen ist, ist euch erlaubt, und euer Essen ist ihnen erlaubt. …

 

Foto: Luca Rossato, CC BY-NC-ND 2.0

Die eigene Interpretation ist also fehleranfällig, wenn wir Vers 5:5 der Lesung außer Acht lassen. Wir müssen also genau formulieren: Die Aussage „nur das ist erlaubt, worüber Gottes Name ausgesprochen wurde beim Schlachten“ ist als Erfindung und somit als Lüge über den einen Gott zu werten. Es wird von uns nirgends verlangt, das Schlachten der Tiere durch die Schriftbesitzer zu beobachten und nachzuprüfen. Wenn wir aber wissen, dass Gottes Geschöpfe gemäß einer Lebensordnung (dīn) geschlachtet wurden, die fälschlicherweise Gott oder einer anderen Gottheit gewidmet ist, so dürfen wir das Essen nicht konsumieren, da wir ansonsten diese Blasphemie bestätigen. Durch den Vers 5:5 aus der Lesung wird jedoch das Essen von denen, die sich nicht als Gottergebene bezeichnen, für erlaubt erklärt. Wir können also grob gesagt ruhigen Gewissens das Essen verzehren, das in fremden Küchen gekocht oder in uns unbekannten Metzgereien geschlachtet wurde. Betrachten wir jedoch auch die anderen Verse, die ich oben in Klammern erwähnte, so wird folgendes klar:

 

  1. Uns sind die guten Dinge erlaubt und wir haben Gottes Namen zu gedenken, mindestens beim Verzehr. (5:4, 6:118-119, 22:28)
  2. Jede Gemeinschaft hat einen eigenen Ritus, welcher den Namen Gottes in irgendeiner Form beinhaltet (22:34). Dies wäre im Allgemeinen unmöglich, wenn der Name Gottes ausgesprochen werden müsste und geht nur, wenn wir das Verb gedenken angemessen berücksichtigen, was unter anderem sowohl das Aussprechen als auch ein im Herz gesprochener Gedanke bedeuten kann.
  3. Wir als Gottergebene müssen, wenn wir selbst schlachten, des Namen des einen Gottes gedenken. (22:36)
  4. Wenn wir als Gottergebene etwas schlachten oder auch schlachten lassen, so müssen wir einen Teil den bedürftigen Menschen abgeben. (22:28, 22:36)
  5. Die Tiere sind nicht nur zum Verzehr da, sondern bieten uns vielfältigen Nutzen an. (22:28)
  6. Das Schlachten an sich stellt keinen Gottesdienst dar. (22:37)

 

Genauso wenig bedeutet ausgerufen oder ausgesprochen nicht dasselbe wie das in Vers 6:118 verwendete Wort gedenken (ḏukira). Auch in allen anderen, ähnlichen Versen wird dieses Verb gedenken verwendet. Wir sollen also Gottes Namen gedenken, wenn wir essen. Dies kann auch erst beim Essen am Tisch geschehen und kann genau genommen auch nur im Herzen und in Gedanken erfolgen. Nochmals wiederholt: Des Namen Gottes muss mindestens vor dem Essen gedenkt werden, egal wer das Tier wie geschlachtet hat. Nur wenn wir erfahren, dass bewusst der Name Gottes ausgelassen wurde (6:121) oder das Essen einem anderen Wesen als dem Gott oder einem Menschen gewidmet wird, ist es uns verboten (2:173, 5:3, 6:145, 16:115). Doch lesen wir 6:121 einmal genauer:

 

6:121 Und esst nicht von dem, worüber des Namens Gottes nicht gedacht wurde. Das ist wahrlich ein Frevel. Die Satane geben gewiss ihren Verbündeten ein, damit sie mit euch streiten. Wenn ihr ihnen gehorcht, seid ihr gewiss Beigeseller.

 

Auf jeden Fall gehört die Achtsamkeit (at-taqwá) gegenüber Gott und Seiner Schöpfung zu den Tugenden der Gottergebenen.Dieser Vers darf nun nicht missverstanden werden nach all dem, was bisher geschrieben wurde. Bevor man voreilig zu Schlüssen gelangt, sollte man sich folgendes vor Augen führen: Der Vers beginnt mit einer allgemeinen Aussage und gilt nicht nur für Fleisch. Wenn wir uns also auf Vers 6:121 beziehen, gilt dies für sämtliche Nahrungsmittel und überall, wo man etwas essen kann. Das gilt sowohl für die heimische Küche als auch für andere Orte wie Restaurants, Cafes, Kantinen, Mensas, Take Aways und sonstigen Ständen. Des Weiteren müsste man die Schriftbesitzer immer danach fragen, ob sie bei der Zubereitung ihres Essens Gottes Namen gedacht haben, um zu wissen, ob ihr Fleisch auch erlaubt ist. Doch das stünde dem Vers 5:5 entgegen, der uns das Essen der Schriftbesitzer pauschal erlaubt bis auf das bereits Verbotene. Also kann das Gedenken des Gottesnamens nicht allgemein gemeint sein in 6:121, da man ansonsten so gut wie nichts mehr essen dürfte und nicht nur Fleisch damit gemeint ist.

Wie ist der Vers aber nun zu verstehen?

Dafür müssen wir die Verse 6:119, 22:37 und die Verse um 6:138 herum berücksichtigen. Allgemein handelt das sechste Kapitel ab Vers 114 von den Nahrungsmitteln, der Botschaft und den Zeichen Gottes. Dieser Bereich des sechsten Kapitels macht uns deutlich, dass es nur jemanden gibt, der das Essen für erlaubt oder verboten erklären kann und darf: Gott allein. Die Verse 6:136-138 geben uns zu verstehen, dass die Beigeseller ihre eigenen Regeln in Bezug auf die Versorgung Gottes aufstellen und diese erfundenen Regeln Gott zudichten und den Menschen als Lebensordnung Gottes auferlegen (vgl. auch 42:21). In Zusammenhang mit Vers 22:37 wird also klar, dass hiermit eine erfundene Tradition abgelehnt wird: Die Beigeseller erwähnten Gottes Namen bewusst nicht und die Gottergebenen müssen diese Nahrungsmittel vergehen lassen – Gott zuliebe (6:121). Die Gottergebenen wissen nämlich, dass Gott allein der Versorger ist und diese Wahrheit niemals vergessen gehen darf. Es ist also eine spirituelle Rebellion gegenüber dem Fehlverhalten der Beigeseller, eine religiöse Botschaft der Wahrheit.

Bevor ich zum Ende des Artikels gelange, möchte ich noch einen weiteren Gedanken anregen in Bezug auf den fünften Punkt aus der obigen Liste: Gott sagt in der Lesung über die Tiere, dass sie Völker wären wie wir es sind. Damit ist meines Erachtens gemeint, dass sie genau wie wir lebende, fühlende Wesen sind.

 

6:38 Und es gibt kein Tier auf der Erde und keinen Vogel, der mit seinen Flügeln fliegt, ohne dass es Gemeinschaften wären gleich euch. Wir haben im Buch nichts ausgelassen. Danach werden sie zu ihrem Herrn versammelt.

 

Neben diesem Vers wird uns beispielsweise in 5:88 geboten, das zu essen, was erlaubt und gut ist (in gewissen Übersetzungen steht ‚köstlich‘ anstelle von gut). Wir müssen uns demnach die Frage stellen, ob dieses Gebot nach dem Verzehr des Guten nicht direkt auch bedeutet, dass die fühlenden, lebenden Tiere selbst gut behandelt werden müssen. Wenn es ihnen nicht gut geht, wie kann das Fleisch dieser Tiere dann ethisch gesehen gut sein? Siehe hierzu auch die Verse 5:5, 8:69, 7:157, 16:114 und 20:81. Wir müssen uns weiter fragen, ob wir weiteren gedankenlosen Traditionen nachfolgen wie zum Beispiel dem Opferfest.

Auf jeden Fall gehört die Achtsamkeit (at-taqwá) gegenüber Gott und Seiner Schöpfung zu den Tugenden der Gottergebenen.

Gepriesen sei Gott und Dank sei Ihm für all Seine unzählbaren Versorgungen!
Mögen wir als Gottergebene gegenüber Gott und Seiner Schöpfung achtsamer werden.

Thema des Monats März 2014: Autoritäten – wer kontrolliert Ihre Gedanken?

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Der Frieden sei mit euch liebe Leserinnen und liebe Leser, und Gottes Barmherzigkeit wie sein Segen!

So Gott will werden wir jeden Monat ein ausgewähltes Thema unseren Lesern zum Kommentieren anbieten. Damit möchten wir unseren Lesern die Möglichkeit geben, Einblicke zu erhalten, wie unterschiedlich die Menschen zum selben Thema denken können. Ähnlich einer Pinnwand, an der wir unsere Gedanken “pinnen” können. Einfach am besten spontan antworten!

 

Thema des Monats März 2014: Autoritäten – wer kontrolliert Ihre Gedanken?

Es gibt eine Krankheit, besonders bei einer überwältigenden Mehrheit der Mainstream-Muslime, die bewusst oder unbewusst, direkt oder indirekt die Vernunft nur soweit akzeptieren, wie sie ihre Weltsicht nicht gefährdet. So gibt es die Redewendung bei traditionalistischen Muslimen, die das selbständige Denken kritisieren, welche „die Überlieferung ist höher als die Vernunft“ lautet (an-naql ‚ala al-aql). Dieser Spruch besagt, dass die Vernunft an sich nicht die Wahrheiten erkennen könne, die doch schon bereits in der Tradition (Überlieferung) vorgedacht (vorgekaut) und niedergeschrieben wurden. So werden die früheren Gelehrten und ihre Werke zu Autoritäten erhoben, die bewusst oder unbewusst als Quellen der Weisheit fungieren und stellvertretend für uns denken.

 

9:31 Sie nahmen sich ihre Gelehrten und ihre Mönche als Herren anstelle Gottes, auch den Messias, den Sohn Marias. Und ihnen wurde nichts befohlen, außer einem einzigen Gott zu dienen. Kein Gott außer ihm. Gepriesen ist er über das, was sie beigesellen

 

Um diesen Einfluss loszuwerden, müssen wir zuerst den Irrglauben über den Haufen werfen, dass der Mensch stets jemand anderen bräuchte, der ihm die Angelegenheit X erklären muss, weil er selbst nicht dieselben „Fähigkeiten“, dieselbe „Intelligenz“ oder „Erfahrung“, dasselbe „Wissen“ oder dergleichen besitze. Um sich gedanklich zu befreien von solchen auferlegten Zwängen gibt es eine einfache Lösung: es gibt nur eine absolute, unhinterfragbare Autorität, nämlich Gott, weshalb das Glaubensbekenntnis, die Shahadah „la ilaha illa Allah“ auch wie folgt verstanden werden sollte:

Keine Autorität außer dem Gott

Widersprechen wir dieser Sichtweise, akzeptieren wir unbewusst oder auch bewusst andere Wesen neben Gott als Autoritäten über uns.

Jemand anderes kann Ihr Denken kontrollieren, wenn Sie nicht selbst das Steuerrad Ihres Denkens in der Hand halten. Woher und wieso akzeptieren wir eigentlich hervorgebrachte Definitionen von Wörtern wie „Terror“, „Demokratie“, „Freiheit“. Vieles von dem, was wir glauben, ist doch nur eine übergestülpte Ansicht der Meinungen von anderen, die wir nicht durch tiefere Einsicht gewonnen haben, oder etwa doch? Aufmerksamkeit und Bewusstsein sind die Stichworte, um diesem Effekt entgegenzutreten. Es gibt nämlich nicht nur „das“ Verständnis einer Sache, sondern ein Verständnis unter vielen, welches sich zusätzlich über Zeit noch ändern wird.

 

17:36 Und geh nicht einer Sache nach, von der du kein Wissen hast! Gehör, Augenlicht und Verstand, – für all das wird Rechenschaft verlangt.

 

Es ist doch tatsächlich so, dass das eigenständige Denken zu besseren Lösungen führt, das Auferzwingen von Meinungen im besten Falle verschwinden lässt und mehr zu einem „miteinander“ anleitet – ein sowohl-als auch statt einem entweder-oder. Wie befreit ihr euren Geist und eure Vernunft?

Vogel, dieser Vogel

Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Teufel,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Frieden wünsche ich,

Dieser Artikel sollte dazu dienen, sich mit einigen Äußerungen eines gewissen sunnitischen Predigers auseinanderzusetzen. Die „Predigt“ gibt es in zwei Videoteilen von Pierre Vogel alias Abu Hamza. Auch dieser Artikel teilt die Antwort in zwei Bereiche auf, je eine zum entsprechenden Video. Ich kann verstehen, wieso gewisse Menschen, vor allem Sunniten, Pierre Vogel Glauben schenken könnten, weil dieser rhetorische Mittel gebraucht, ohne wirkliche Argumente zu verwenden. Seine junge Art, seine Sprache, seine angeblichen „Bibelkenntnisse“, seine Vergangenheit als Boxer machen ihn für die Jugendlichen zum greifbaren Menschen, was natürlich dabei hilft, Menschen zu überzeugen, die kein Wissen haben. Doch ich möchte hier nicht auf seine Bibelverzerrungen eingehen, sondern auf zwei bestimmte Videos.

Der innersunnitische Hype um Pierre Vogel (kurz PV), der in einem ziemlich unsympathischen und unseriösen Ton eine Salafi-Propaganda durchzieht, dürfte wohl erst der Anfang sein. Solche Missionen sind mehr profaner und machtideologischer als spiritueller Natur. Menschen, die nach Idolen, Helden und Mittler denn Gott suchen, werden sich eher in solchen irrationalen und widerwärtigen Wegen verirren. Schade nur, dass solche Opfer selbst bei den diffusesten Sekten-Geboten wie „Denken ist vom Teufel“ nicht skeptisch werden.

Es ist nicht Zufall, dass gerade im Hochburg der Salafisten (Saudi-Arabien) die sogenannten religiösen Meinungen, Rechtsprechungen (Fatwas) und Richtlinien (natürlich im Namen Allahs und Muhammeds) erst den ökonomischen dann den politisch-diktatorischen Interessen dienen. Geistliche bilden einen Klerus und außer ihnen hat selbstverständlich mangels Intelligenz und Wissensvermögen der Menschheit niemand Zugang zu den Quellen. Das kennen wir bereits aus anderen Epochen und anderen Gemeinschaften. Geschichte wiederholt sich tagtäglich und dennoch ist der Einzelne vor Gott verantwortlich, seine Sinne im Dienste der Wahrheit zu nutzen. Möge Gott den Suchenden und Wahrheitsliebenden beistehen!

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Erhaltung der Sunnah

Videolink: Erhaltung der Sunnah (ca. 40 Minuten)

Ich werde auf möglichst einfache Art zeigen, dass seine Schlussfolgerung gegen Ende dieses Films ohne jegliche Grundlage und Basis ist. Damit diejenigen, die die Argumente meinerseits mit denen von Vogel vergleichen wollen, leichter überprüfen können, gebe ich die Zeitangabe des Films ungefähr an. Das Format ist Minuten:Sekunden.

Let’s get ready to rumble

Um 2:30 zitiert Vogel einen angeblichen Hadith des Propheten mit dem folgenden Inhalt: „Ich habe euch Gottes Buch und die Sunna hinterlassen!“ Dabei verschweigt er natürlich die anderen zwei Versionen dieses Hadiths. Ich bitte die LeserInnen, den siebten Punkt des fünften Abschnitts des Artikels Zuverlässigkeit der Ahadith auf dieser Seite zu lesen.

In den weiteren Minuten gebraucht er eine einleitende Rhetorik mit dem Begriff „Satans Weg“. Damit soll der Eindruck entstehen, dass der Koran UND die Sunna den EINZIGEN wahren Weg darstellen würden. Nebst dieser Rhetorik verrät Vogel etwas Entscheidendes: Er kritisiert Leute, die für sich das auswählen, was ihnen aus der Sunna passe. Wohlgemerkt, die sunnitischen Gelehrten tun in der Verkleidung der „Gelehrtheit“ genau dasselbe, wenn sie nach eigenem Gutdünken meinen, Ahadith bewerten und einstufen zu können. Der Koran kritisiert die Menschen, die in außerkoranischen Schriften das finden, was ihnen passt. Lassen wir einmal die Hadith-Sammlung der Schiiten aus, so ist es auch innerhalb der vier Rechtsschulen (Madhabs) des Sunnismus so, dass alle vier ihre häufig unterschiedliche Meinungen aus den Ahadith entnehmen (eine Darstellung dieser Unterschiede lässt sich im Buch „Die erfundene Religion und die Koranische Religion“ finden).

68:36-38 Was ist los mit euch, wie urteilt ihr denn?! Oder habt ihr etwa ein Buch, in dem ihr studiert? Worin ihr alles findet, was ihr euch wünscht?


Um etwa 7:30 gibt es in der Logik von P. Vogel einen Fehler. Die Frage, die gestellt werden kann: Wieso werden „erfundene Ahadith“ überhaupt überliefert, wenn diese seiner Meinung nach gar nicht erwähnt werden dürfen? Ist der Idschma’u-sabaha (Konsens der Sahaba) bzw. sind „die ersten drei Generationen“ weitere Religionsquellen neben Gott? Im Laufe des Films wurde diese Frage indirekt mit „Ja“ beantwortet, was nichts anderes als Beigesellung (shirk) bedeutet.

6:114 Soll ich etwa jemand anderen als Gesetzesgeber suchen als Gott, wenn Er doch euch dieses Buch vollständig detailliert offenbart hat?


Im Vortrag wird des Weiteren betont, dass wir so glauben sollen, wie die Gläubigen zur Zeit des Propheten geglaubt haben. Die Frage lautet also: Wie haben die Gläubigen zur Zeit des Propheten geglaubt? Die ganz simple, einfache und logische Antwort: So wie es im Koran steht, wie denn sonst?

Zu 10:10 gibt es Folgendes zu sagen: die einzige Pflicht des Gesandten besteht darin, die ihm zuteil gewordene Offenbarung zu verkünden (vgl. Koranverse 5:92, 5:99, 16:35, 16:82, 24:54, 29:18, 42:48 und 64:12). Es ist die Aufgabe Gottes höchstpersönlich, den Koran Seinen ergebenen gläubigen Dienern richtig zu erklären (vgl. Koranverse 55:1-2, 75:16-19 und 20:114). Gleich im Anschluss (um 10:29) wird ein Vers aus dem Koran falsch übersetzt wiedergegeben. Der besagte Vers lautet:

16:64 Und Wir haben dir das Buch nur deshalb herabgesandt, auf dass du ihnen das verkündest (litubeyyine), worüber sie uneinig sind, und (ebenso) als Führung und Barmherzigkeit für die Leute, die glauben.


Diejenigen, die die Ahadith und die Sunna der Weisheit Gottes beigesellen, verzerren die Bedeutung des Wortes „litubeyyine“ im Vers. So wie das Wort „Erklärung“ im Deutschen zwei Bedeutungen haben kann, verhält es sich mit diesem Ausdruck. Jene, die die Bedeutung wählen, welche den deutlichen Koranversen widerspricht, werden in Vers 3:7 erwähnt. Für ähnliche Formulierungen können die Koranverse 2:159-160 oder 16:44 nachgeschlagen werden. Das Merkwürdige dabei ist, dass die heutigen Araber die richtige Bedeutung immer noch wissen, dass dieses Verb SICHTBAR bedeutet, wenn es im anderen Kontext verwendet wird. Sura 98 besitzt einen von derselben Wurzel abgeleiteten Titel: al-bayyinah. Im Koran gibt es einen Vers, welcher dies deutlicher macht:

Transliteration 3:187 waez açaza Allaho meyßaqa Allazeyna owtow Alketaba latobayyenonnaho lelnnase wala taktomownaho fanabazowho wara žohowrehem waƒtaraw behe ßamanan qaleylan fabeysa ma yaƒtarowna

Paret 3:187 Und (damals) als Allah die Verpflichtung derer, die die Schrift erhalten haben, entgegennahm (des Inhalts): Ihr müßt sie den Leuten klarmachen (bayyan) und dürft sie nicht (vor ihnen) verborgen (katam) halten! Hierauf warfen sie sie achtlos hinter sich und verschacherten sie. Ein schlechter Handel (auf den sie sich eingelassen haben)!

Azhar 3:187 Einst hat Gott mit den Schriftbesitzern einen Bund geschlossen, durch den Er sie verpflichtete, den Menschen die Schrift bekannt zu machen (bayyan) und diese nicht zu verbergen (katam). Sie haben dem Bund aber den Rücken gekehrt und ihn für einen geringen Preis verkauft. Welch schlechter Handel!

Zaidan 3:187 Und (erinnere daran), als ALLAH das Gelöbnis derjenigen entgegennahm, denen die Schrift zuteil wurde: ‚Ihr werdet sie doch den Menschen erläutern (bayyan) und sie nicht verbergen (katam).‘ Dann haben sie ihr (der Schrift) jedoch den Rücken gekehrt und sie gegen Minderwertiges eingetauscht. Und erbärmlich ist das, was sie eingetauscht haben.


Wir haben das arabische Wort als Transliteration in Klammern gesetzt. Demnach ist es klar, dass dieser Vers zwei gegensätzliche Verben beinhaltet:

  1. bayyan: proklamieren, sichtbar machen, zeigen, etc…
  2. katam: verbergen, unsichtbar machen, verstecken, etc…

Das nicht genug, auch in der türkischen Sprache ist das aus dem Arabischen entlehnte Wort beyyine bekannt:

beyan: Angabe [die], Anmeldung [die], Kundgebung [die],
beyan etmek: anzeigen, aussprechen, bekunden, feststellen, kundgeben, proklamieren,
Quelle: http://www.sozluk.web.tr/


Für gewöhnlich wissen alle Araber was „bayan“ heißt, nur schalten sie plötzlich den Verstand ab, wenn sie bei der Lektüre zu diesem Vers gelangen! Unglaublich aber wahr. Es gibt sogar einen modernen ägyptischen Film, der heißt: dscha’ana albayan altaly (Es ist zu uns folgende Verkündigung angekommen). In den Medien wird ‚bayan‘ ebenso als Verkündigung verwendet. Für diejenigen, die das überprüfen wollen, haben wir folgenden Vorschlag: Suchen Sie Araber aus, die nichts mit dem Thema zu tun haben. Im Internet lassen sich die leicht finden. Stellen Sie ihnen die einfache Frage, was die folgenden zwei Wörter bedeuten: ezhar we baan (اظهر وبان). Das wird so Gott will eine ausreichende Bestätigung sein, dass Araber unter dem Wort „baana“ ‚komm raus‘, ’sei sichtbar‘ usw. verstehen. Fragen Sie außerdem, ob der Ausdruck verbreitet ist oder nicht.

Um 11:00 spricht er kurz vom Kopftuch. Seiner Meinung nach sei diese Sache klar, dass das Kopftuch erwähnt wird. Doch die entsprechenden Koranverse sprechen nicht das Kopftuch an. Kopftuch wird nicht mal im Koran als solches erwähnt. Es fehlen jegliche Beweise für seine Aussage.

Bis 13:50 werden auf rhetorische Weise die „Gelehrten“ von Bukhary bis Abu Hanifa als solche dargestellt, die sehr viel Wissen hätten. Es grenzt schon fast daran, dass sie wegen ihrem Wissen idolisiert werden, dass sie sich auf keinen Fall geirrt haben könnten, da sie sich ja „solche Mühe“ gegeben hätten, sich Wissen anzueignen usw.

Um 14:00 kommt aus dem Munde Vogels eine Meinung, die fast das eigenständige Denken verbietet. Der Koran ist NICHT nach der Interpretation des Propheten zu interpretieren, das wäre eine Denkhaltung, die metaphorisch einem Papagei ähnelt. Der Prophet hat nicht dasselbe Wissen über den Koran. Was die Koranischen Wunder angeht, so war der Prophet selbst unwissend. Also kann seine Interpretation (die übrigens definitiv NICHT in den außerkoranischen Büchern des Sunnismus zu finden sind) gar nicht diejenige sein, die als Quelle dient. Der Prophet hatte einen anderen Zugang zum Koran, und er hat sicherlich auch danach gelebt. Aber nie hätte der Prophet selbst von uns verlangt, gerade weil er nach dem Koran lebte, dass wir blind seinen eigenen Interpretationen folgen sollten, die er übrigens nicht im Namen des Islam lehren durfte. Dies widerspräche den Koranversen 17:36, 69:43-47 und einigen anderen.

Etwa 20 Sekunden später sagt Pierre: „Die Wahrheit, um den rechten Weg vom falschen zu unterscheiden“ sei das Verständnis derjenigen, die zur Zeit des Propheten gelebt hätten. Das ist Götzentum. Menschen als Quelle und Wahrheit neben dem Buch Gottes anzusehen ist nichts anderes als Polytheismus bzw. Personenkult. Nicht Menschen sind es, sondern der Koran selbst, der das Rechte vom Falschen unterscheidet. Einer der Namen des Koran lautet auch nicht zuletzt deshalb Al-Furqan (der Unterscheider, das Maß).

Um 17:34 wird die Betonung dermaßen auf die so genannte Sunna gelegt, dass hinterfragt werden kann, ob Vogel den Koran überhaupt aufmerksam liest. Im Koran ist nie von der Sunna des Propheten die Rede. Laut Koran ist die Sunna Gottes die einzige Sunna (vgl. Koranverse 33:62, 35:43, 48:23 – um das Wort Sunna in den Versen zu entdecken, sollten Transliterationen beigezogen werden).

Ein weiterer falscher Punkt: die Propheten seien masuum (fehlerfrei). Im Koran wird von 6 Fehlern des Propheten Mohammeds berichtet (diese sechs Fehler werden im Buch „Die erfundene Religion und die Koranische Religion“ erwähnt und kommentiert). Ohne diese Aussage klarzustellen (rhetorischer Trick), geht er weiter zur Aussage, dass damit die Verkündung der Botschaft gemeint ist. (Das Bild der fehlerlosen Propheten hängt aber immer noch nach.) Was die Verkündung der Botschaft angeht, bin ich fast gleicher Meinung. Die Überlieferung des Koran wurde vollbracht, das beweist der Code 19 eindeutig (zu dem er ja eine ablehnende Haltung hat; eigentlich überrascht es uns nicht, denn der Code 19 erfordert kritisches, skeptisches, rationales Denken, das Vogel wohl zu fehlen scheint). Die vollständige Überlieferung der Botschaft bedeutet aber nicht, dass damit verbunden auch das Leben des Propheten fehlerfrei sei. Durch das Zitat des Koranverses gebraucht er eine feine, nicht dumme Rhetorik, um den Propheten selbst als sündenlos darzustellen.

Der „zweite Punkt“: Der zitierte Vers bezieht sich auf den Koran, nicht auf außerkoranische Taten und Aussprüche des Propheten. Allein die Offenbarung wird mit dem Vers angesprochen, nicht der Prophet und seine Taten, Handlungen, Wege und Aussprüche selbst.

Um 22:20 kann ich meinen Ohren fast nicht trauen: ein direkter Widerspruch zum Koran. Im Koran wird Mohammed direkt von Gott getadelt, weil er in spiritueller Hinsicht (!) falsch gehandelt hat. Im Koran wird deutlich ausgesagt, dass Mohammed sich abgewandt hat. Es steht nichts davon, dass er „gerade beschäftigt gewesen sei“ oder ähnliches. Der Prophet Mohammed hat sich aktiv abgewandt, was jeder selbst nachlesen kann. Ich finde es schändlich, dass Vogel Koranverse abschwächen will, um die Sunna als legitim dastehen zu lassen.

Um 23:38 wird etwas Altbekanntes erwähnt. Der Gesandte Mohammed sei ein Beispiel für die Gläubigen. Die Beispiele der Gesandten Gottes (Plural!) sind IM Koran. Sowohl Mohammed als auch Abraham werden im Koran als Beispiele genannt (auch dies wird im zuvor erwähnten Buch unter die Lupe genommen). Bei ca. 25:20 spricht er vom „Iman (Glaube) an den Gesandten“, wohlbemerkt nicht an Mohammed! Der Gesandte verkündet die Botschaft, die er von Gott als Offenbarung erhält. Wenn wir dem Gesandten gehorchen, wenn er im Namen Gottes spricht, dann glauben wir der überlieferten Botschaft. Etwa um 26:40 zitiert er einen Koranvers (4:113) und meint, dass der Vers aussage, dass es zwei Offenbarungen gäbe: Buch und Weisheit. Jedoch kann soviel gesagt werden: Die Weisheit ist IM BUCH. Das „wa“ bedeutet normalerweise „und“ in den Sprachen, aber auf Klassischarabisch besitzt das „wa“ nicht dieselbe Bedeutung. Damit verliert die Interpretation von „zwei Offenbarungen“ an Gültigkeit. Beispiele mit 33:7 und 55:68:

33:7 waez açazna mena Alnnabeyyeyna meyßaqahom wamenka wamen nnowhen waebraheyma wamowsa waåeysa abne maryama waaçazna menhom mmeyßaqan galeyžan


Men alnabeyeen = von den propheten; men = von; wa men ka = und von dir. Obwohl derjenige, der mit „dir“ gemeint ist, auch ein Prophet ist, und obwohl auch Noah, auch Abraham, auch der Sohn der Maria Jesus, auch Moses, obwohl alle Propheten sind, werden diese mit WA verknüpft.

55:68 feyhema fakehaton wanaçlon warommanon
In ihnen gibt es Obst und (Datteln-)Palmen und Granatäpfel.


Der Granatapfel oder Grenadine (Punica granatum) ist eine Laubbaumart, […] deren rote Frucht als Obst gegessen wird. Datteln sind auch Früchte.

Ein weitaus kräftigeres Argument ist aus folgendem Vers zu entnehmen:

2:231 … Und gedenkt der Gnade, die Gott euch erwiesen, und der Schrift und der Weisheit (hikma), die er auf euch herabgesandt hat, um euch damit zu ermahnen! Und achtet Gott! Ihr müsst wissen, dass er über alles Bescheid weiß.


Auf Arabisch heißt es:

وَاذْكُرُوا نِعْمَتَ اللَّهِ عَلَيْكُمْ وَمَا أَنزَلَ عَلَيْكُم مِّنَ الْكِتَابِ وَالْحِكْمَةِ يَعِظُكُم بِهِ وَاتَّقُوا اللَّهَ وَاعْلَمُوا أَنَّ اللَّهَ بِكُلِّ شَيْءٍ عَلِيمٌ


Das große rote Wort im Arabischen wird in der Übersetzung als „damit“ wiedergeben und transliteriert „bihi“ ausgesprochen. Wären nun die Schrift und die Weisheit zwei verschiedene Dinge, müsste für den Bezug auf diese beiden verschiedenen Dinge die Dualform benutzt werden, nämlich „bihima“ (بهما) oder zumindest der Plural „bihim“ (بهم). Der im Vers verwendete Bezug ist aber Singular! Somit ist die Schrift und die Weisheit eine Sache, oder anders gesagt: die Weisheit wird als der Schrift innewohnend angenommen! Dies ist etwas, was den Hadith-Anhängern stets entgeht, weil sie den Koran nicht gründlich studieren und lieber blind ihren Vorfahren folgen.

Um 28:10 wird wieder mal etwas Ähnliches erwähnt: gehorcht Gott und gehorcht dem Gesandten (oder: wer dem Gesandten gehorcht, gehorcht Gott). Wohlgemerkt, im Koran steht nicht „gehorcht Mohammed“, sondern „gehorcht dem Gesandten“. Der Gesandte überliefert die Botschaft, und wenn er die Botschaft verkündet, sollen wir dem gehorchen, was der Gesandte sagt. Wir müssen also der verkündeten Botschaft, die aus dem Munde des Gesandten kommt, gehorchen. Wer der Botschaft des Gesandten gehorcht (die im Koran vorliegt), hat Gott gehorcht. Bei ca. 29:44 wird Sure 4, Vers 65 zitiert. Auch dieses Thema wird im Buch „Die erfundene Religion und die Koranische Religion“ erklärt. Dem, was der GESANDTE sagt, muss gehorcht werden und was Mohammed ALS GESANDTER entscheidet, dem muss Folge geleistet werden. Mohammed ALS GESANDTER ist der Richter, nicht Mohammed als Mensch. Mohammed war auch ein gewöhnlicher Mensch, der seiner Arbeit nachging und Fehler beging. Pierre Vogel bestätigt und beweist durch seine Aussagen mitunter die Idolisierung Mohammeds im Sunnismus.

Die Aussage, die um 31:20 erfolgt, kann so erklärt werden: Folgt dem Koran, um dem Propheten zu folgen. Denn, wenn wir dem Koran nicht folgen, folgen wir auch nicht dem Weg, den der Prophet beschritten hat. Der Prophet wird sich beschweren, dass SEIN VOLK den KORAN und nicht die Sunna verlassen hat (vgl. Koranvers 25:30)! Anschließend die Sunna mit Zitaten aus der Sunna zu beweisen, das ist ein Zirkelschluss – d. h. argumentativ und aus logischer Sicht wertlos.

Pierre Vogel zeigt seine Unwissenheit (oder Ignoranz?) um 34:40. Gebet, Pilgerfahrt (Hadsch), Almosen werden im Koran beschrieben, ausführlich und verständlich für diejenigen, die nachdenken (sh. Kapitel 36 im Buch „Die erfundene Religion und die Koranische Religion“). Erneute Unwissenheit von PV um 36:30: er soll mal sein Wissen überprüfen. Rashad Khalifa hat sich nicht als Propheten angesehen. Zudem wird im Koran die Funktion der 19 in 74:31 beschrieben.

Die Aussage von Pierre Vogel um 38:30 ist völlig ohne Grundlage. Gott hat nicht versprochen, die Sunna zu schützen, sondern die OFFENBARUNG selbst, also den Koran.

 

Autorität der Sunnah

Videolink: Autorität der Sunnah von Pierre Vogel (ca. 38 Minuten; der Link ist nicht mehr verfügbar, dennoch lass ich den Text hier stehen)

In den ersten 4 Minuten stellt Vogel die Frage: Wieso werden Ahadith zitiert, um Hadith-Bücher zu widerlegen?

Deshalb sollte gleich zu Beginn erwähnt werden: Der Koran reicht vollkommen aus, dafür brauchen wir keine Ahadith, um die Ahadith abzulehnen. Es gibt mehrere Koranverse, die diese Haltung erfordern. Der aussagekräftigste Vers ist wohl:

7:3 Folgt dem, was zu euch von eurem Herrn herabgesandt wurde, und folgt keinen anderen Beschützern/Freunden (awliya) außer Ihm. Wie wenig beherzigt ihr dies!


Sollen wir Mohammed als Beschützer/Freund (awliya) neben unserem Herrn folgen?

PV geht nicht auf den Hadith selbst ein, wieso der Prophet überhaupt gesagt haben soll, nichts außer dem Koran aufzuschreiben! Des Weiteren gibt es ebenso angebliche Ahadith, die davon berichten, dass die Gefährten (Sahaba) des Propheten Ahadith gesammelt haben sollten, um sie zu VERNICHTEN. Wieso vernichtet Abu Bakr angeblich Ahadith des Propheten, obwohl er doch ein Gefährte des Propheten war und es besser hätte wissen müssen?

Um 6:00: die Argumentation mit der „Anfangszeit“ ist bekannt und nicht überzeugend. Wieso sollte der Prophet die Wahrheit verbergen? Weiß PV nicht selbst, dass der Prophet die Wahrheit verkünden muss und sie nicht verbergen darf? Weshalb hat er die Wahrheit versteckt, wo sie ihm doch bekannt war? Die ersten größeren Hadith-Dokumentationen sind etwa zwei Jahrhunderte später zusammengestellt worden. Es gibt keinen Beweis bzw. kein Dokument für die Hadith-Niederschrift für die Zeit vom Ableben des Propheten bis zu Muwatta. Es gibt nur Behauptungen darüber oder eben Ahadith.

Bis um 9:00: Sind wir etwa auf die Fähigkeit der Menschen aus der früh-islamischen Zeit angewiesen, die die Ahadith auswendig gelernt haben? Es ist bekannt, dass kurz nach dem Ableben des Propheten der erste Koran bereits zusammengestellt war. Dies gilt nicht für Ahadith. Gott verlässt sich also bei der sogenannten Sunna auf die Fähigkeit der Menschen, auswendig lernen zu können? Was für eine Religion ist das? Außerdem scheint Vogel die Argumentation mit der Stillen Post nicht verstanden zu haben. Gewöhnliche Menschen, selbst wenn sie etwas auswendig gelernt haben, können einzelne Wörter vergessen und das haben sie auch, weswegen es mehrere verschiedene Versionen vom ein und desselben Hadith gibt (es sei denn, die Ahadith wurden bewusst von Bukhary und Konsorten fabriziert: Abu Huraira beispielsweise ist bekannt für seine Lügen). Eben weil die sunnitischen Gelehrten und PV wissen, dass gewöhnliche Menschen leicht vergesslich sind, wiederholen sie die Behauptung, dass eben genau diese Hadith-Überlieferer ein enormes Erinnerungsvermögen hätten. Da wir diese Behauptungen nicht überprüfen können, weil diese Menschen nicht leben, können wir daran glauben oder nicht. Doch die Behauptungen sind realitätsfern und sind nur Vermutungen. Vogel gebraucht die suggerierende Rhetorik „je mehr ich eine Behauptung wiederhole, desto wahrer wird sie in den Köpfen“. Eine Vermutung wird nicht wahrer, je öfter man sie wiederholt. Zumal der Koran äußerst negative Aussagen über Vermutungen anstellt. Noch was zum Erinnerungsvermögen aus sunnitischer Sicht; soviel zu seiner Aussage, Prophet, Sahaba und Überlieferer seien alles Menschen mit unglaublichem Erinnerungsvermögen gewesen, die nie etwas vergaßen:

Bukhary Kapitel 79, Nummer 14
Asch-Schaibanyy berichtete: „Ich stellte ‚Abdullah Ibn Abi Aufa folgende Frage: ‚Hat der Gesandte Allahs die Steinigungsstrafe angewendet?‘ Und er entgegnete: ‚Ja!‘ Ich fragte ihn weiter: ‚War das vor der Offenbarung der Sura An-Nur (Nr. 24) oder danach?‘ Er sagte: ‚Ich kann mich nicht erinnern!'“

Kapitel 22, Nummer 1
‚Abdullah Ibn Buhaina berichtete: „Der Gesandte Allahs leitete für uns das Mittagsgebet, und nach den beiden ersten Rak’a stand er auf und setzte sich nicht (wie es sonst üblich ist) und die Leute blieben ebenfalls mit ihm stehen. Als er das Gebet beendet hatte, und die Leute auf den Taslim warteten, sprach er den Takbir vor dem Taslim, vollzog dann zwei Niederwerfungen im Sitzen und sprach abschließend den Taslim.“ (Das Sitzen nach den ersten zwei Rak’a hatte der Prophet vergessen. Die beiden geleisteten Niederwerfungen wegen der Vergesslichkeit (Sadschdatyy as-Sahwi) vor dem Taslim beheben das Fehlverhalten und sind so gut wie eine Entschuldigung anzusehen.)

Kapitel 26, Nummer 2
Ibn ‚Abbas berichtete: „Der Gesandte Allahs sagte zu einer Frau von den Ansar, deren Namen Ibn ‚Abbas erwähnte und von mir vergessen worden: ‚Was hinderte dich daran, den Hadschdsch mit uns zu vollziehen?‘ Die Frau antwortete: ‚Wir besitzen ein Kamel, auf dem mein Mann und sein (mein) Sohn ritten, und ein anderes Kamel, auf dem das Wasser herbeigeschafft wird.‘ Der Prophet sagte zu ihr: ‚Wenn Ramadan kommt, vollziehe in ihm die ‚Umra, denn eine ‚Umra im Ramadan ist ein Hadschdsch!‘ … „

Riyad-us-sahilin: Yazid ibn Habban erzählte: Husain ibn Sabra, Amru ibn Muslim und ich gingen zu Zaid ibn Arqam (r). Als wir bei ihm saßen, fragte ihn Husain: „Oh Zaid! Du hast eine beträchtliche Menge guter Dinge erlebt: Du hast den Gesandten Allahs (s) gesehen, seine Worte gehört, mit ihm zusammen (gegen die Feinde) gekämpft, und du hast hinter ihm das Gebet verrichtet. Gewiss hast du viel Tugend erworben. Also lass uns bitte wissen, was du von dem Gesandten Allahs (s) gehört hast!“ Er sagte: „Lieber Neffe (im Islam), ich bin alt geworden, und ich habe Einiges, was ich von Allahs Gesandtem gelernt habe, vergessen. So nehmt bitte an, was ich zu erzählen weiß, und ich zwinge mich nicht, mich an das zu erinnern, was ich vergessen habe. …

Muslim, Kapitel 20, Nr. 772:
Â’ischa (r) sagte: Allâhs Gesandter (s) hat gesagt: „Zehnerlei gehört zur Natur des Menschen:

    1) Schneiden des Schnurrbartes,
    2) den Bart wachsen lassen,
    3) die Zähne reinigen,
    4) die Nase mit Wasser reinigen,
    5) die Nägel schneiden,
    6) die Fingergelenke reinwaschen,
    7) die Haare unter den Achselhöhlen entfernen,
    8) die Schamhaare scheren und
    9) Wasser für die Reinigung (nach Verrichten der Notdurft) verwenden …“

(Der Überlieferer) sagte: „Das zehnte habe ich vergessen, wenn es nicht das Ausspülen des Mundes war.“

Auch interessant, von wem die Aussage mit dem Bittgebet stammt, dass Abu Huraira keinen Hadith mehr vergisst…

Kapitel 3, Nummer 25
Abu Huraira berichtete: „Ich sagte: ‚O Gesandter Allahs, ich höre viele Hadithe von dir, doch vergesse ich sie.‘ Er sagte:’Breite dein Gewand aus.‘ Ich habe dies getan, und er machte mit seinen Händen eine Bewegung, als füllte er etwas in mein Gewand, dann sagte er: ‚Nun lege seine Enden übereinander.‘ Das tat ich, und seither habe ich nie mehr etwas vergessen.“*

(* Demnach gehört Abu Huraira tatsächlich zu denjenigen Gefährten des Propheten, die eine große Zahl von Hadithen überliefert haben)


Es gibt noch mehr, doch die meisten sind sehr lang. Und man muss sich das auch nicht unbedingt antun.

Um etwa 10:00 gebraucht Vogel eine Rhetorik, die wirklich nicht schlecht ist. Jedoch: selbst die Anwälte, die mathematische Formel gebrauchen müssen, vergessen mit der Zeit (es könnte auch sein, dass sie es überhaupt nicht wussten), WOFÜR die Formel steht. Das ist traurige Realität. Die Ignoranz gegenüber Mathematik, obwohl sie für sie selbst doch so wichtig ist, ist heute immer noch existent. Einige Sekunden später sagt Vogel: „Ich war eh eine Null in Mathematik, ich hab alles vergessen.“ Was fällt dem Vogel dann überhaupt ein, sich ein Urteil über den Code 19 erlauben zu wollen? Vogel sollte sich selbst an der Nase ziehen und sich schön an Koranvers 17:36 halten, wenn er Gott folgen will, und gegenüber Code 19 neutral bleiben, bei seinen von ihm selbst zugegebenen schwachen mathematischen Fähigkeiten. Heute gilt es mittlerweile durchaus als schick und kann ohne Beschädigung des eigenen Ansehens geschehen, mit seiner völligen Ignoranz auf mathematischem Gebiet zu kokettieren. Mehr noch, ‚oute‘ ich mich gar als mathematisch unbegabt, so habe ich im Handumdrehen eine Mehrheit auf meiner Seite. Der populistische Effekt macht die Sache deshalb interessant. Würde man etwa auf dem Gebiet der Musik, üblicherweise zu den ‚Herzensdingen‘ gerechnet, allenfalls zugeben, dass ein Instrument nicht oder nicht gut gespielt wird, so doch wohl kaum, dass man kein Ohr für die Musik hat, die andere machen …? Doch am Bild der Kompetenz von PV wird deutlich gekratzt.

Bis 10:30 geht es weiter mit der Fähigkeit der Menschen, auswendig zu lernen. Sie hätten diskutiert, praktiziert und die Ahadith auswendig gelernt. Wenn dem so ist, wieso wurde dann der Koran niedergeschrieben und die Ahadith nicht? Wieso wurde beim Koran nicht ebenso auf die Fähigkeit, auswendig zu lernen, vertraut? Waren die Menschen doch nicht aussergewöhnlich und zu dumm, einen Unterschied zu machen? Konnten sie sich nicht einen Satz ausdenken, den sie vor jedem Hadith hätten auswendig lernen können, wie etwa: Dies ist ein Hadith und kein Koranvers.

Um 10:49 spricht er von „zig Manuskripten von damals, die bereits Hadith geschrieben haben“. Diese Manuskripte soll er mal veröffentlichen (natürlich sollten sie nicht aus der Sunna selbst und überprüfbar sein). Um 11:33 meint er zum zeitlichen Abstand zwischen dem Propheten und Muwatta von „Imam“ Malik: „Guck mal, das ist gar nicht so weit“. Das sind, laut seiner Aussage, mindestens 120 Jahre!!! Wo 10 Jahre schon ausreichen, um massive Lügen zu verbreiten.

Um 12:30 spricht er von „Hunderten von persönlichen Manuskripten“ als Beweise aus dem Buch „Studies in Early Hadith Literature“. Es wäre schön, wenn diese Aussage zumindest im Vortrag nicht rhetorisch hängen bleiben würde, sondern er das Buch dabei hätte und mindestens einen Beweis oder zwei Beweise vorlesen könnte. In den nächsten Minuten (12:50-13:50) spricht er von einem im letzten Jahrhundert gefundenen Manuskript von einem Schüler von Abu Huraira (!), dem Lügner schlechthin. Wie können wir diesem Schüler glauben, wenn Abu Huraira selbst unglaubwürdig ist?

Bis um 17:30 wird eine kleine sunnitische Lektion über Sunnah geliefert. Es gibt erneut einen Fehler in der Logik von PV. Er behauptet, die Leute seien dazu in der Lage gewesen, auswendig zu lernen. Wenn dies der Fall ist, wieso werden dann überhaupt „schwache Ahadith“ überliefert? War die Fähigkeit etwa auch „schwach“? Wieso existieren überhaupt schwache Ahadith bei der „enormen Fähigkeit“ der Menschen, auswendig lernen, diskutieren und praktizieren zu können? Dies zeigt die Argumentationsschwäche der Grundlage, auf die Vogel aufbaut. Außerdem beweist dies die Widersprüchlichkeit seiner Aussage.

Bei etwa 18:32 verrät er die Schwäche von Bukhary und Muslim. Laut Pierre Vogel haben Bukhary und Muslim (die beide „sahih“ Bücher überliefert haben sollen) deswegen nicht alle „sahih“ Ahadith in ihre Bücher übernommen, da ansonsten das Buch „zu groß und zu schwer“ (sic!) wäre für die Menschen. Wird also die Wahrheit ausgelassen oder gekürzt, um Bequemlichkeit zu fördern? Ist das die Absicht von Bukhary und Muslim? Ist das die Wichtigkeit der Religion, die Wahrheit auszulassen, um Bequemlichkeit zu fördern? Das allein beweist die Unzuverlässigkeit von Bukhary und Muslim, wenn Vogel Recht haben sollte, was er da behauptet.

Die nächsten Minuten sind voller Behauptungen, entweder unbewiesen oder übertrieben (z.B. das so genannte „Erinnerungsvermögen“ von Shafi). selbst wenn Abu Huraira nur auf das Lernen der Ahadith und das Leben des Propheten fixiert sei, dann ist er immer noch unglaubwürdig, was die Qualität (weswegen er primär angegriffen wird) seiner unter seinem Namen überlieferten Ahadith angeht. Die Quantität ist eigentlich nur Nebensache, obwohl die Behauptungen von Vogel über Abu Huraira selbst recht unglaubwürdig sind. Selbst die angeblichen Ahadith zeigen ein anderes Bild von Abu Huraira, als das, was Vogel behauptet.

Um 28:00 wird indirekt die Rhetorik gebraucht, dass Bukhary und Muslim jederzeit mehr Wissen als die Muslime hätten. Das ist Idolisierung von Menschen. In den weiteren Minuten auch nur pure Rhetorik bzw. Dinge, die nichts zur Sache beitragen. (Den Beweis über den Hadith mit der Fliege soll er mal bringen, so dass er empirisch überprüft werden kann. So als einfache Aussage nützt es uns nichts. Auch ich kann von einem Arzt sprechen, der eben genau das Gegenteil bewiesen hat.)

36:30 Die Argumentation „Stille Post“ wird kritisiert. Vogel scheint die Argumentation nicht zu kennen. Diese geht nämlich direkt auf die Hadith-Überlieferung ein! Nämlich besagt folgendes Zitat:

Auch moralische Wahrheiten sind sterblich. Jahrhundert auf Jahrhundert sagen die Leute: „Dies ist falsch“ und wiederholen die tiefempfundenen, genau belegten Überzeugungen von Generationen vor ihnen, als wären sie alle genetisch konditioniert, das zu glauben. Dann sagt jemand: „Ist es falsch?“, und ein anderer: „Es ist nicht falsch.“ Vielleicht wird er gesteinigt oder verbrannt. Die Gläubigen meinen, eher würde ein Berg niederfallen als ein Ketzer recht haben. Aber eines Tages sagt jemand: „Es ist nicht falsch“, und ein paar stimmen zu, dann viele. Später sagt jemand: „Es ist richtig.“ Und fast alle anderen sagen: „Natürlich. Wer könnte das bezweifeln?“


Peter de Rosa – Jesus-Mythos: Über die Krise des christlichen Glaubens, Seite 57f.



Dabei ist zu beachten, dass in dieser Argumentation ein Schritt weiter gegangen wurde, wo die „genau belegten“ Überzeugungen vorausgesetzt werden. Sunna und Hadith, so wie sie uns von den Sunniten gelehrt werden, sind auf keinen Fall genau belegt, geschweige denn ansatzweise.

In den weiteren Minuten versucht er mit unwahren Behauptungen das Bild derjenigen zu diskreditieren, die Bukharys Sammlungsmethode kritisieren. Wieso ist der Isnad (die Überliefererkette) primär? Ist nicht der Inhalt (matn) wichtiger (und damit der Vergleich zum Koran)? Da ein Vergleich zum Koran die Ungültigkeit des Hadith-Korpus beweist (vgl. Koranverse 7:3, 6:38, 6:114 uvm.), wird die Wichtigkeit auf den Isnad gelegt, um davon abzulenken.

Um 43:50 frage ich mich, wieso erfundene oder schwache Ahadith von bekannten Sündern oder Lügnern überhaupt überliefert werden? Deren Zeugnis würde im Gericht nicht angenommen werden. Wieso wurden ihre Ahadith aber in den Büchern aufgenommen? Ab 45:30 wird erneut eine „Geschichte“ erzählt, deren Überprüfung heute unmöglich ist. Wie kann ich ein persönliches Ereignis eines Menschen überprüfen? Deshalb ist das Rhetorik, ohne wirkliche argumentative Aussagekraft.

Ich will mal an dieser Stelle auf die enorme Schwäche der Grundlage eingehen, auf die Vogel aufbaut. Aufgrund des Wissens, dass gewöhnliche Menschen die Ahadith nicht exakt überliefern können (Stille Post), sehen sich die Gelehrten gezwungen, die Fähigkeit dieser Menschen, die die Ahadith überliefern, als überdurchschnittlich zu beschreiben, ohne jegliche Beweise natürlich. Die übermäßige Betonung auf das „enorme Erinnerungsvermögen“ derjenigen, die Ahadith überliefern, zeigt, dass der Inhalt der überlieferten Ahadith alleine nicht ausreichen kann, um diese zu legitimieren.

Einen ganz wichtigen Punkt hatten wir bereits angesprochen. Die Schwäche aller Ahadith lässt sich an einem Hadith beweisen: Der Hadith von der Abschiedspilgerfahrt unseres geliebten Propheten. Wie können wir den Hadith-Büchern, in denen die meisten Ahadith von weniger als zehn Menschen bezeugt und überliefert wurden, Vertrauen schenken, wenn diese dazu unfähig sind, ein Ereignis akkurat aufzuzeichnen, dass laut Behauptung von Sage und Schreibe 10’000 Menschen bezeugt wird??!!! Dies macht in der Tat die Zuverlässigkeit des gesamten Korpus der Ahadith äußerst zweifelhaft, wenn nicht zunichte.

Schiitische „Gelehrte“ und sunnitische „Gelehrte“ besitzen in etwa das gleiche Wissen über den Korpus der Ahadith, aber dennoch widersprechen sie sich extrem. Dies liegt nicht daran, dass sie ein unterschiedliches Verständnis derselben Ahadith hätten, sondern, weil sie bestimmte (mehr oder weniger sahih) Ahadith aufgrund anderer (mehr oder weniger sahih) Ahadith ablehnen. Gegen Schluss des Films sagt Pierre Vogel: „Du kannst gar nicht alles praktizieren, was in Bukhary und Muslim“ vorkommt. Diese Aussage widerspricht deutlich diesen Koranversen, wenn es um die Praktikabilität der Religion geht:

2:185 Gott wünscht für euch Erleichterung und nicht Erschwernis.

4:28 Gott will eure Bürde erleichtern, denn der Mensch ist schwach erschaffen.

22:78 Er hat euch erwählt und legt euch nichts Beschwerliches in der Religion auf.

54:17,22,32,40 Und wir haben gewiss den Koran leicht zu verstehen gemacht: gibt es denn jemanden, der sich ermahnen lässt?

5:6 Gott will euch keine Bürde auferlegen, sondern Er will euch reinigen und seine Gnade an euch vollenden, auf dass ihr dankbar seid.

87:8 Wir werden dich auf den leichten Weg führen.


Gott sei aller unendlicher Dank, dass der Islam des Koran ein Islam der Bildung, der Meinungsfreiheit und des Wissens ist. Gott sei aller unendlicher Dank, dass der Islam des Koran einfach und vollkommen, komplett und ausführlich genug ist.

Gepriesen sei der Herrscher der Welten, die einzige Quelle der Wahrheit!

Schlüssel zum Verständnis des Koran: Beispiel 2 – Kāfir: Der Mensch als Ableugner

Wer ungläubig scheint,
kann in Wahrheit gläubig sein.

Dieser Satz fasst das Ergebnis dieses Beispiels zusammen. Der Begriff Kāfir (كافر) wird in den gängigen Übersetzungen oft mit „Ungläubiger“ übersetzt. Leider wird in anderen, durchaus bekannten, sich als muslimisch ausgebenden Plattformen dieser Begriff offen und in voll abwertender Bedeutung auf alles „nichtmuslimische“ angewandt. Dieser Zustand ist höchst bedauerlich. Daraus resultieren auch manchmal verständliche empörte Reaktionen derjenigen, die an keinen Gott glauben wollen, weil sie glauben, dass diese (rassistische) Haltung allgemein aus der Lesung abgeleitet wird. Die von bestimmten Gruppierungen übliche pauschale Betitelung eines Nichtmuslims als „Kāfir“ wirkt in der Tat mittlerweile wie ein rotes Tuch. Aber auch „muslimische Abweichler“ vom sog. „rechten Glauben“ (und das scheint die Mehrheit zu sein) werden in bestimmten Kreisen geradezu mit Wonne und inflationär den Kāfirūn oder Kuffār (كفّار , plural von Kāfir) zugerechnet. Deshalb ist bei der Beschreibung der Kāfirūn geboten, sich Folgendes zu merken: Ein Ablehner oder Ableugner zu sein, hat nicht zwingend allein mit einem Glaubensbekenntnis zu tun, sondern mit bestimmten Wesenszügen. Hierbei stehen immer die inneren Werte im Vordergrund und nicht, wie viele glauben, das Aussprechen eines Bekenntnisses. Denn laut der Lesung ist das bloße Aussprechen eines Bekenntnisses kein Zeichen wahren Glaubens (2:8–10).

Die nachfolgende Liste soll deutlich machen, dass ein Ableugner nicht lediglich jemand ist, der sich nicht zum gottergebenen (muslimischen) Glauben bekennt, sondern auch ein offizieller Gottergebener sein kann, der beispielsweise gewisse Regeln der Gottergebenheit zu seinem eigenen Vorteil auszulegen versucht. Einem Menschen steht es nicht wirklich zu, andere Menschen als Ableugner im von Gott verurteilten Sinne zu betiteln; dieser Urteilsspruch steht am Jüngsten Tag allein Gott dem Allweisen und Allwissenden zu. Deshalb sollte folgende Liste nicht dazu dienen, die Fehler bei anderen zu suchen, sondern wohl eher dazu, dass wir uns selbst an der eigenen Nase fassen und an uns arbeiten, damit unsere Seele im Positiven gedeihen kann! Kurz gesagt: Diese Liste dient für die Selbstüberprüfung und nicht für die Verurteilung anderer Menschen. Im Gegenteil, die Lesung Gottes mahnt uns, dass wir ihnen stattdessen mit Vergebung entgegentreten sollen:

 

45:14–15 Sprich zu denen, die glauben, sie mögen denen vergeben, die nicht mit den Tagen Gottes rechnen, auf dass Er die Leute für das belohne, was sie verdienen. Wer Gutes tut, tut es zu seinem eigenen Vorteil. Und wer Böses tut, tut es zu seinem eigenen Schaden. Zu eurem Herrn werdet ihr dann zurückgebracht.

45:18–19 Dann brachten Wir dich auf einen klaren Pfad in der Sache des Glaubens: So befolge ihn, und folge nicht den Launen derer, die nichts wissen. Sie können dir vor Gott nichts nützen. Diejenigen, die Unrecht tun, sind einander verbündet. Gott aber ist der Verbündete der Rechtschaffenen.

 

Ayman Teryaki, mein werter Freund, schrieb zu diesem Vers den folgenden Satz, dem ich nichts hinzuzufügen habe:

 

Dass Gott uns aus Seiner Barmherzigkeit Sein Wissen gab, heißt nicht, dass wir Anderen gegenüber überheblich sein dürfen. Andere zu verurteilen, gilt sicher nicht als Pluspunkt bei unserem Herrn. Nur wer rechtschaffen handelt und sich unter Gottes Willen verbündet, kann von Gott Beistand erhalten.

 

Außerdem tauchen dermaßen viele verschiedene Faktoren auf, dass Sie sie sicherlich nicht alle bei einem einzigen Menschen finden werden. Die meisten der genannten „Eigenschaften der Ableugner“ könnten sowohl auf Gottergebene als auch auf solche zutreffen, die nicht Gott ergeben sind.

Es darf natürlich nicht vergessen werden, und das ist bei solch einer Auflistung schlichtweg unmöglich darzustellen, dass die Eigenschaften auch in der Lesung nochmals verschieden bewertet werden. Beispielsweise ist die einzig unverzeihliche Eigenschaft des Menschen das Ableugnen der Einheit Gottes – damit verbunden auch die Ableugnung des Jüngsten Tages, wenn sie unveränderlich bis zum Tod beibehalten wird. Dies ist uns aus den vorigen Kapiteln als Beigesellung bekannt. Alles andere ist verzeihlich. Doch nur Gott kann verzeihen, weswegen wir stets um Vergebung bitten müssen. Niemand ist ohne Sünde, so dass er ohne Vergebung auskäme (35:45, 16:61). Die Mindestkriterien zum Erlangen des Seelenheils und um in die Barmherzigkeit Gottes auch am Jüngsten Tag aufgenommen zu werden sind, dass ein Mensch, ob er sich „Muslim“ nennt oder nicht, an Gott und an das Konzept der Verantwortlichkeit für die eigenen Taten (also an das Jüngste Gericht) glaubt und gute Werke vollbringt (2:62, 5:69).

 

2:64 … Ohne die Huld Gottes gegen euch und seine Barmherzigkeit wärt ihr gewiss unter den Verlierern.

 

Gelobt sei der Herr aller Welten und jeglicher Dank gebührt Gott für seine großzügige, allumfassende Barmherzigkeit.

Menschen können nicht in die Herzen ihrer Mitmenschen blicken. Wir sollten deshalb auch nicht urteilen. Wer ungläubig scheint, kann in Wahrheit gläubig sein. Viele hungern und dürsten im geistigen Sinn, aber sie finden keinen Ausweg und hängen sich deshalb an vergängliche, meist irdische Dinge, obwohl wir uns und unser Herz zuerst an Gott hängen sollten. Ein Fehler ist der, dass die „Gläubigen“ sich anmaßen fromm und besser als die „Ungläubigen“ zu sein. Das ist eine Sünde, denn:

 

Lukas 14:11 Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

 

Vor Gott zählt der Mensch mit seinen rechtschaffenen Taten und nicht der Status (49:13).

 

Verwendung des Wortes „Kufr“ in der Lesung

Wenn wir das Verbalnomen „Ableugnung“ (kufr) betrachten, so werden wir in der Lesung sehen, dass damit nicht nur der spirituelle Aspekt gemeint ist, also nicht nur „Unglauben an eine Gottheit“. Beispielsweise werden in 57:20 die Säleute als „kuffār“ bezeichnet: Arbeiter auf dem Feld, die den Boden bestellen. In dieser Verwendung der Wurzel kāf-fā-rā sehen wir bereits die Grundbedeutung: Das „Verbergen“ oder „Bedecken“ irgendeiner Sache oder Angelegenheit, in 57:20 also das Verbergen des Samens in der Erde.

In vielen Fällen wird das Wort „kufr“ im Sinne einer „Undankbarkeit“ verwendet.106 Meistens aber wird das Wort als Gegenteil von Glaube (Īmān) verwendet. Daher erhält dieses Wort auch die Nebenbedeutung von „jemand, der nicht an Gott glaubt“ oder auch jemand, der „ständig alles anzweifelt und die Wahrheit innerlich oder äußerlich ableugnet“ (ich erinnere an die vorigen Kapitel, in denen ich erklärte, dass Īmān mit einer gesicherten Überzeugung zu tun hat). Ich hatte in unserer Methodik die semantische Ebene betont. Das heißt, wenn ein Wort als klares Gegenwort zu einem anderen Wort steht, erhält es beträchtlichen semantischen Wert als das Gegenwort. Nichtsdestotrotz ist dies nur eine Nebenbedeutung, der in der Lesung am meisten Gewicht verliehen wurde. Im Versuch, ein all diese Kategorien von kufr umfassendes Wort zu finden, entschieden wir uns in unserer Ḥanif-Übersetzung für „Ableugnung“ und dementsprechend ist ein Kāfir also ein Ableugner.

Die Ableugung ist jedoch keine rein dogmatische Kategorie, die sich am Fehlen und am Ableugnen der Glaubensbezeugung (schahādah) erkennen ließe, sondern stellt eine Lebenshaltung dar, die aktiv und bewusst auftritt. Dies ist besonders daran zu erkennen, dass die Ableugnung immer wieder im Sinne einer Undankbarkeit verwendet wird, denn in Undankbarkeit verbirgt man die Gaben und die Gunst Gottes und allgemein betrachtet verbirgt man also wissentlich die Wahrheit. Dieses Ableugnen findet meist als aktive Zurückweisung statt. Nicht von ungefähr werden dann in der Lesung mit diesem Wort Haltungen verknüpft, die als aktiv arrogant und unterdrückerisch beschrieben werden.

Wer ungläubig scheint, kann in Wahrheit gläubig sein.Ableugnung darf infolgedessen nicht mit der rein religiösen oder weltanschaulichen Ablehnung des Monotheismus in Verbindung gebracht werden. Es ist äußerst interessant, wenn wir sehen, dass ein solcher Ableugner laut der Lesung früher gar das Vorhandensein einer solchen Gottheit anerkannte (2:61–63; 31:25; 33:9,78), aber keine Konsequenzen daraus zog, wie etwa sich selbst und seine eigene Lebensweise auf politischer, soziologischer und kultureller Ebene zu ändern (9:34,35; 13:18).

Die 525 Stellen in der Lesung, welche die Wurzel kāf-fā-rā (ك ف ر) betreffen, kommen in insgesamt 465 Versen vor. Dabei werden die nachfolgend aufgeführten Formen der Wurzel verwendet, wobei ich hierbei daran erinnern möchte, dass die klassisch-arabischen und nicht die modernen Bedeutungen des heutigen Standardarabisch untersucht werden.

  • 289 Mal als das Verb des ersten Verbstammes: ableugnen (kafara – كَفَرَ)
  • 53 Mal als das Verbalnomen des ersten Verbstammes: Ableugnung (kufr – كُفْر; kufrān – كُفْرَان; kufūr – كُفُور; kafūr – كَفُور, letzteres im Sinne von Undankbarkeit)
  • 157 Mal als das aktive Partizip als Singular oder Plural des ersten Verbstammes: Ableugnende/ableugnend (kāfirūn – كَٰفِرُون und kuffār – كُفَّارٌ ; synonym dazu fünfmal kaffār – كَفَّار als Adjektiv oder Nomen), ableugnend (kāfira – كَافِرَة) und Ableugnender/Ableugner (kāfir – كَافِر)
  • 14 Mal als das Verb des zweiten Verbstammes: verbergen/entfernen/zurückweisen (kaffara – كَفَّرَ), auch im Sinne von wiedergutmachen oder Sühne
  • Viermal als Nomen abgeleitet vom zweiten Verbstamm: „Sühne“ (kaffāra – كَفَّٰرَة)
  • Einmal als das Verb des vierten Verbstammes: Ableugnung veranlassen, undankbar sein (ʾakfara – أَكْفَرَ)
  • Einmal je nach Sichtweise als das Nomen Kampfer oder als das Adjektiv entlastend (kāfūr – كَافُور) und einmal als das Nomen „Ableugnende“ (kawāfir – كَوَافِر)

Wir sehen also deutlich, dass die Grundbedeutung eher im „Verbergen“ liegt und sowohl negativ (in Bezug auf die Ableugner und Undankbaren) als auch positiv (das Verbergen von Sünden: Die Sühne) verwendet werden kann. Die Lesung zeigt uns vor allem auf, dass das „Ableugnen“ immer auch ein Bezugssystem braucht, man also je nach Kontext ein „erwünschter Ableugner“ oder „unerwünschter Ableugner“ sein kann. So etwa, wenn Abraham zu seinem Volk sagt, dass er sie ableugnet im Sinne von Ablehnung der Falschheiten. Insofern war Abraham ein Ableugner, nur in einem anderen Kontext! (60:4)

Ein Beigeseller (muschrik) ist des Weiteren per Definition auch ein Ableugner (kāfir), da er mindestens dem Prinzip der absoluten Einheit Gottes (tawḥīd) widerspricht, indem er beispielsweise die absolute, alleinige Autorität Gottes in der Religion nicht in vollem Umfang akzeptiert, sondern in anderen Worten diese Wahrheit vor sich selbst oder anderen verbirgt. Er lehnt das Prinzip ab, leugnet es also in seinen Grundzügen. Ein Ableugner hingegen verbirgt die Wahrheit, um sein eigenes Ego, sein Selbst (nafs) zu schützen, weshalb er sich selbst Gott beigesellt, statt sich allein Gott zu ergeben.

Die Begriffe Ableugner und Beigeseller sind zwar unterschiedliche Worte, doch es gibt keinen Ableugner, der kein Beigeseller ist und umgekehrt genauso. Die beiden Begrifflichkeiten beschreiben verschiedene Aspekte desselben Zustands, in dem sich der Mensch befindet. Leugnet man die Wahrheit ab, so gesellt man eine Unwahrheit bei und folgt seinen eigenen Neigungen. Die eigene Neigung wird also beigesellt. Gesellt man Gott etwas bei, so wird die Wahrheit der Einheit Gottes abgeleugnet, man ist also ein Ableugner.

Weitere wesentliche Merkmale von Ableugnern:

  • Halten sich nicht an Friedensverträge, die sie unterschrieben haben, kooperieren mit den Feinden. (9:4)
  • Geben keine Acht auf die Rechte der Anderen, wie Freiheit, Sicherheit und Wohlstand der Gesellschaft. (9:7, 9:45–49)
  • Sie würden sogar Profites wegen die Beziehungen der Verwandten trennen. (9:8)
  • Sind äußerst aggressiv und tätlich. (9:12-13, 2:191)
  • Treiben Menschen aus dem Land fort und beginnen mit fadenscheinigen Gründen einen Krieg. (9:13, 60:7-9)
  • Die Bestimmungen der Gesellschaft bewerten sie nach ihrem eigenen Interesse, und führen sie nach eigenem Interesse aus. (9:37)
  • Wollen nicht, dass andere es besser haben als sie selbst, prahlen mit ihren Erfolgen. (9:50)
  • Leben ihre Religion, der sie angehören, nicht angemessen und nur oberflächlich aus und wollen lediglich gesehen werden. Sie geben die Spenden nicht von Herzen und sind in Wahrheit Heuchler. (9:52–54, 9:63–66, 107:4)
  • Befolgen ihre eigene Meinung, Ideologie oder Religion nicht, alles bleibt beim Wörtlichen. (62:5)
  • Provozieren Streit und Missverständnisse in der Gesellschaft durch Täuschung. (9:56-59)
  • Geben ihren Freunden ein falsches Vertrauen und lügen; wenn die Situation ernst wird, lassen sie sie im Stich, stehen nicht zu ihrem Wort. (59:11–20, 9:56–57, 96:16)
  • Sind gierig, äußerst geizig und gehen dem Geld nach; ordnen sich ihren eigenen Gelüsten unter. (9:58–59, 9:76–77)
  • Spornen einander nicht zu rechtschaffenen Eigenschaften an. (9:67–68)
  • Haben keine Interessensgebiete außer Besitz, Anwesen und Kindern. (9:69)
  • Ermorden oder versuchen Gottes Propheten und diejenigen zu ermorden, die für die Gerechtigkeit kämpfen. (4:155; 5:70; 8:30)
  • Sehen in den guten Taten der Menschen stets das Lückenhafte, sehen auf jene herab, die keine Hilfe anbieten können aufgrund der fehlenden nötigen Mittel. (9:79)
  • Teilen die Menschheit in einander feindlich gesinnte Gruppen und stiften Unfrieden. (9:107, 3:103-105, 85:10, 42:13)
  • Bei Hilfeleistungen stehen sie im Weg, statt zu helfen. (107:7)
  • Denken stets, dass jemand sie angreifen will, und haben das Bedürfnis sich zu verteidigen. (63:4)
  • Stellen sich über andere und versklaven die Menschen. (79:24; 12:39–42)
  • Solange Andersdenkende ihre Gedanken/Ideen nicht für den Vorteil der Ableugner ändern, gehen sie mit ihnen nicht geziemend um. (68:9)
  • Schwören, demütigen und rügen andauernd, halten sich nicht an ihre Worte, sind Tyrannen (Despoten) und respektlos, verhindern die Wohltat. (68:10–13)
  • Möchten die Gesetze zu ihrem Vorteil anwenden. (36:41)
  • Nähern sich keiner Idee gelassen oder sachlich, welche nicht mit ihren Gedanken übereinstimmt, sondern wollen regelrecht den Eigentümer dieser Idee mit großer Respektlosigkeit angreifen. Glauben nur dem, das ihrem Ego, ihren Begierden und ihrer Neigung passt, hinterfragen nicht, was die Wahrheit ist. (53:23, 68:51, 74:16–25)
  • Trotz der Gaben, schönen Kinder, Güter, Reichtümer und ihrer unzähligen Möglichkeiten sind sie unersättlich. (74:11–16)
  • Streiten sinnlos über die Verse Gottes und Gott selbst. Statt dass sie sich vom Buch ermahnen lassen, hängen sie an bildlichen Formulierungen fest, verzeichnen keinerlei ethischen/moralischen Fortschritt. (2:139, 3:7, 40:4, 74:31)
  • Obwohl sie keine Veranlagung dazu haben, die Wahrheit sehen zu können, warten sie darauf, dass sie sogar Offenbarungen erhalten, um glauben zu können. (74:52)
  • Sind (im Herzen) unselig und elend. Werden auf eine allegorische Weise mit den Toten verglichen. (35:22, 6:122; 27:80; 30:52, 87:11–13)
  • Schreiben weltlichen Gelüsten eine große Wichtigkeit zu. (87:16–17)
  • Spenden den Waisen nicht, behandeln sie schlecht und sättigen die Armen nicht. Sie kennen keine Testamentsgrenzen und verzehren (das Erbgut) auf verbotene Weise. Sie lieben materielle Güter sehr. Weigern sich allgemein, von ihrem Wohlstand etwas für die Armen abzugeben. (2:254, 3:179, 9:34–35, 41:7, 89:17–20, 107:2-3)
  • Möchten wenig geben, aber viel nehmen. Obwohl sie wenig Wissen besitzen, möchten sie in jedem Thema die Bestimmungen festlegen. (53:33–35)
  • Sind dazu geneigt, das kleinste bis zum größten Lebewesen zu ermorden, sind barbarisch/erbarmungslos. (91:11–14)
  • Sie dienen falschen Göttern. (21:98)
  • Verschwören sich und planen Ränke gegen die Gottergebenen und versuchen sie auf hinterlistigste Art zu bekämpfen. (8:30, 4:101–102)
  • Hängen dem Stammestum und Elitendenken an, sind generell rassistisch. (7:48; 9:79; 19:77, 42:42, 48:26)
  • Verachten die Anrufung Gottes. (40:14)
  • Machen sich über die Propheten lustig und schikanieren und verfolgen sie. (14:13, 21:36)
  • Betrachten die Lesung als eine Lüge, Hexerei und Zauberei und dementieren die göttliche Natur der Offenbarung. (6:25, 46:7, 34:43)
  • Spotten über die Vorstellung der Stunde (Tag des Gerichts) und lehnen die Existenz des Jenseits ab. (34:3,7; 64:7; 50:2,12; 27:67)
  • Lehnen alle Schriften Gottes ab. und beharren spöttisch darauf, die Wahrheit abzulehnen (34:31, 85:19, 4:140)
  • Disputieren mit sinnlosen Argumenten, um die Wahrheit abzuschwächen. (18:56)
  • Feiern ihre „Eigen-Herrlichkeit“ und ihren Separatismus. (38:2)
  • Sind fehlgeleitet, aber meinen, es nicht zu sein. (2:78, 3:154, 6:116, 6:148, 10:36, 10:66, 18:103-105, 28:85, 41:23, 48:12, 53:23)
  • Verlangen ein Entgelt für Almosen und verrichten gute Taten nicht aus Selbstlosigkeit. (92:19)
  • Meinen, dass Jesus Gott sei und sprechen ohne Wissen über Gott. (5:72, 22:8)
  • Verharren in ihrem Nichtglauben und selbst wenn sie glauben, verharren sie lieber in ihren traditionellen, götzendienerischen Denkmustern. (2:170, 12:103, 12:106)
  • Begehen Beigesellung (schirk), eine der Gefahren des Ableugnens, wie etwa die Macht und die Quelle der Lebensordnung bei anderen Wesenheiten als Gott zu suchen. Gesellen beispielsweise Gott auch ihre Kinder bei. (6:100, 7:189–190, 16:86, 30:13, 34:40)
  • Nehmen die Aussagen von Gelehrten, Theologen, Priestern, Predigern, Scheichs usw., als ob sie die Religion und das Wort Gottes darstellten. (9:31)
  • Töten ihre eigenen Kinder. (6:137)
  • Führen den Kampf auf dem Wege des Bösen. (4:76)
  • Sie glauben sporadisch an die Macht und Einheit Gottes, geben sich geistig aber mehreren Herrschern und Beigesellten hin. (30:28, 39:29, 29:65)
  • Sie vergöttern sich selbst und ihr Besitztum. (2:258, 18:32–42, 6:136)
  • Unterdrücken die Schwachen. (4:168, 14:13, 4:75-76, 8:26, 28:4)
  • Gründen ihre Meinungen lediglich auf Vermutungen, Schätzungen und Gedankenspielereien. (10:66, 24:15)
  • Zeigen Eigenschaften wie Hochnäsigkeit oder Hochmut ähnlich wie Iblis. (38:76, 28:76–82)
  • Schweigen angesichts von Unterdrückung. (5:63, 5:79)
  • Bemühen sich unter anderem auch finanziell darum, die Menschen von Gott und der Gerechtigkeit abzubringen. (6:26, 7:45, 8:36, 8:73, 96:9–10)
  • Verachten die Gottergebenheit und verspotten die Gottergeben regelmäßig. (10:79, 15:11, 18:106)

Und natürlich viele weitere Verse…

Möge Gott die Gläubigen vor den Gefahren der Ableugnung beschützen, so Gott will.

Die Shahadah: Das Glaubensbekenntnis der Ergebenen

Kapitel 22 aus dem Buch ‚My Journey from the Christianity of Ahlul Sunnah Wal Jamaah to the Islam of the Prophet‘ von Saim Bakar, übersetzt aus dem Englischen und mit einem Kommentar von Kerem A.

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Die Shahadah

Die falsche Kalimah Shahada von Abu Huraira und der Ehli-Sunna

Wir haben gesehen, wie sich der Islam von der Perfektion hin, welcher immer noch in den Seiten des Korans wiederzufinden ist, zu einem arabischen Heidentum der mittelalterlichen Wüste entwickelt hat – welches eigentlich ein Plagiat der christlichen Bibel ist. In diesem Kapitel des Buches werden wir ein Beispiel der Ehli-Sunna wal Jamaah und der Schiiten besprechen, welches wieder einmal in Widerspruch zum Koran steht.

Die falsche Shahadah

Um ihren Glauben in ihrer Religion zu bekennen, gebrauchen Sunniten und Schiiten folgende Aussage: „Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist.“ (Arabische Transliteration: „Ash hadu an laa ilaaha illallaahu wa ash hadu anna muhammadun rasulallah“). Die Schiiten fügen teilweise folgende Wörter hinzu: ‚wa Ali Waliullah‘ (und Ali ist der Statthalter Gottes).

Dieses Zeugnis wird Shahadah genannt und gemäß sunnitischem Glauben muss es von jedem Sunniten als eine Beglaubigung ihrer Loyalität zu ihrer Religion rezitiert werden. Infolgedessen wird jede Person, welche nicht „bezeugt“, von ihnen nicht als Sunnit akzeptiert.

Jedoch wurde dieses Zeugnis nicht von den wahren Lehren des Propheten, welche im Koran wiedergefunden werden, dem wahrhaftigen Wort Gottes, sanktioniert.

Die Sunniten mögen erstaunt über diese Stellungnahme sein, insbesondere deshalb, da die Shahadah als das Fundament des sunnitischen Glaubens betrachtet wird. Dies ist der Grund, wieso es wichtig ist, eine gründliche und kritische Analyse durchzunehmen, bevor irgendwelche impulsive Schlussfolgerungen gemacht werden.

Für die Sunniten ist der Zweck der Shahadah vielerlei. Zum Beispiel betrachten die Sunniten das rituelle Gebet (für Gott) für ungültig, wenn die Shahadah nicht rezitiert wurde. Auch bevor ein Neuling in der sunnitischen Religion akzeptiert wird, muss eine öffentliche Aussage gemacht werden, indem er/sie die Shahadah vor Zeugen rezitiert. In einigen Ländern werden Konvertiten „Zertifikate“ ausgestellt, nachdem die Shahadah ausgesprochen wurde, um zu bestätigen, dass sie in die sunnitische Gemeinde „aufgenommen“ wurden. Allerdings ist es unbekannt ob solche „Zertifikate“ auch ehrenamtliche Pässe ins Paradies sind!

Jemanden oder etwas neben Gott teilhaben zu lassen ist als „shirk“ bekannt, die höchste Art von Blasphemie, welche Gott nicht vergibt. Dies wird in Kapitel 4 Vers 48 klar gemacht.

4:48 Wahrlich, Gott wird es nicht vergeben, dass Ihm etwas zur Seite gestellt wird; doch Er vergibt das, was geringer ist als dies, wem Er will. Und wer Gott Götter zur Seite stellt, der hat wahrhaftig eine gewaltige Sünde begangen.

Der Koran legt ebenso fest, dass Gottergebene (ar.: Muslime) den Glauben an den Einen Gott bezeugen müssen und niemanden anderen als Gott zu rufen. Der Koran ist sehr deutlich über diesen Sachverhalt:

39:45 Wenn Gott ALLEIN genannt wird, schrecken die Herzen derjenigen, die nicht ans Jenseits glauben, zusammen in Abstoßung.  Aber werden Idole neben Ihm genannt, beginnen sie sich wieder zu freuen.

Dieser Vers beschreibt die Sunniten am genauesten. Wenn den Sunniten ‚Bitte erwähne Gottes Namen allein‘ gesagt wird, werden viele von ihnen unkontrollierbar wütend. Wütend genug, um Sie umbringen zu wollen. Dies ist deswegen so, weil sie nicht an Gott glauben. Aber sagt man den Sunniten ‚Na gut, erwähnen wir auch Mohammeds Namen‘, so beginnen sie sich sofort wieder zu freuen.

Die sunnitische Shahadah kann also nicht die korrekte Art sein, den Glauben zu bestätigen, weil neben Gottes Name der Name Mohammed in diesem Zeugnis und auch im sunnitischen, rituellen Gebet erwähnt wird. Die Sunniten entgegnen, dass sie Gott anbeten und nicht Mohammed anbeten, aber dass sie lediglich Mohammed Respekt erweisen, indem sie seinen Namen im rituellen Gebet und in ihrer Shahadah erwähnen. Aber gleichzeitig sagen sie auch, dass wenn der Name Mohammed nicht erwähnt wird, ihre rituelle Anbetung Gottes und auch ihr Bezeugnis des Glaubens für nichtig erklärt wird. Es ist offensichtlich, dass der Schlüssel zu ihrem Glauben die Erwähnung des Namens Mohammed ist. Wenn der Name Mohammeds nicht erwähnt wird, ist für sie alles ungültig. Dies ist „shirk“ oder Partner neben Gott teilhaben zu lassen.

Menschen, welche blind ihrer Ulema folgen, ohne nachzudenken oder sie herauszufordern, sind die Ursache falscher Glaubensarten. Die Akzeptanz der [sunnitischen] Shahadah ist kein Unterschied. Würden die Leute den Koran nur lesen und verstehen, so realisierten sie, dass Gott folgenden Vers Seinem Gesandten offenbart hat, welcher heute für uns immer noch gültig ist wie damals für ihn:

17:36 Und verfolge nicht das, wovon du keine Kenntnis hast. Wahrlich, das Ohr und das Auge und das Herz – sie alle sollen zur Rechenschaft gezogen werden.

Gott will, dass wir unseren Glauben begründen – und wir sollten Seinem Ratschlag folgen.

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Abu Huraira

Die Bezeugung, welche von den Sunniten rezitiert wird, leitet sich von einer fiktiven Person namens Abu Huraira ab und ist in einem falschen ‚Hadith‘ aufgezeichnet. Der folgende Hadith ist aus „Mishkat-ul-Masabih“, translation by Maulana Fazlul Karim, Volume 1, Chapter 1, no.27. (veröffentlicht durch The Book House, Lahore, Pakistan.) Da es mehrere Versionen dieses Hadiths gibt, sollten die Sammlungen von Tirmidhi auch gelesen werden. Der falsche Hadith bezüglich der Shahadah sagt:

One day Abu Hurairah went to the people and told them that the Messenger had authorized him to go and tell them to recite the Shahadah „ash hadu anlaa ilaha illallhu wa ash hadu anna muhammadar-rasulullah“. Another version reads „muhammadan abduhu wa rasuluhu“. The first person Abu Hurairah came across to give the Shahadah was Saidina Omar (later the second caliph). When Omar heard it he promptly punched Abu Hurairah in the chest and knocked him to the ground. Then Omar put his foot on Abu Hurairah’s neck and asked him how dare he utter such a blasphemy.

Abu Hurairah (who is recorded in the hadith as having received quite a few beatings from Omar during his lifetime) then cried out and named the Messenger as his authority. When again challenged by Saidina Omar, Abu Hurairah pulled out a pair of leather slippers and showed them to Omar. The slippers, he said, were given to him by the Prophet, as proof of what he was saying. Recognizing the prophet’s slippers, Omar simmered down. Everyone then happily started reciting the shahadah.


Eines Tages ging Abu Huraira zu den Leuten und sagte ihnen, dass der Gesandte ihn autorisiert hätte, ihnen die Shahadah „ash hadu anlaa ilaha illallhu wa ash h adu anna muhammadar-rasulullah“ vorzutragen. Eine weitere Art besagt „muhammadan abduhu wa rasuluhu“. Die erste Person, die Abu Huraira traf, um die Shahadah zu überbringen, war Saidina Omar (später der zweite Kalif). Als Omar sie hörte, schlug er sofort Abu Huraira in die Brust und schlug ihn zu Boden. Dann setzte Omar seinen Fuß auf Abu Hurairas Nacken und fragte ihn, wie er es wagen könnte, solch eine Blasphemie zu äußern.

Abu Huraira (welcher in den Ahadith als jemand beschrieben wird, der zu Lebzeiten mehrere Schläge von Omar einstecken musste) schrie dann auf und nannte den Gesandten als seine Autorität. Als er erneut von Saidina Omar herausgefordert wurde, zog Abu Huraira ein Paar Lederlatschen heraus und zeigte sie Omar. Die Latschen, sagte er, seien ihm vom Propheten gegeben worden, als Beweis für das, was er sagte. Als Omar die Latschen des Propheten erkannte, beruhigte er sich. Dann begannen alle glücklich die Shahadah zu rezitieren.

Diese unglaubliche Geschichte ist der Hintergrund der Shahadah von Abu Huraira, welches nun von Millionen von Sunniten adoptiert wird. Verständlicherweise begannen einige sunnitische Ulema plötzlich diesen falschen Hadith von Abu Huraira anzuzweifeln, nachdem die Fälschlichkeit der sunnitischen Shahadah nun einige Jahre zuvor entblößt wurde. Einige von ihnen sagten, dass die Authentizität dieses falschen Hadiths fraglich ist. Dies ist so typisch für die Ulema. Wenn es ihnen nicht passt, sagen sie, dass ihr eigener falscher Hadith nicht zuverlässig ist. Wenn ihnen die Gelegenheit dienlich ist, wird der falsche Hadith akzeptiert. Dies ist der Latsch der Ulema.

Im Koran sagt Gott: „Die Gläubigen sind nett zueinander und streng mit den Ableugnern…“ (5:54). Die Bücher der ‚falschen Ahadith‘ sind voll mit unglaublichen Geschichten, wie die großen Freunde und Gefährten des Propheten (bekannt als „Sahaba“) waren und die Liebe und Sympathie zueinander zeigten.

Seit vierzehn Jahrhunderten begrüßen sich tabligh Leute (sunnitische Missionare) einander mit Umarmungen und Küssen, vermutlich um die brüderlichen Sahaba nachzuahmen. Aber in diesem einzelnen ‚falschen Hadith‘, haben wir hier einen Sahaba, der einen anderen zu Boden schlägt, weil etwas dermaßen wichtiges wie die Shahadah überbracht wurde!

In einem anderen Bericht der gleichen Episode fordert Omar den Gesandten selbst heraus, ob er Abu Huraira wirklich mit seinen Pantoffeln gesandt hat um die Shahadah zu rezitieren. Als der Gesandte bejahte, war Omar nicht einer Meinung mit ihm und sagte, dass die Shahadah die Leute „faul“ machen würde! Die Logik dieses falschen Hadiths kann nichtsdestotrotz den Verfechtern des falschen Hadiths überlassen werden, sie zu erklären. Und wieder einmal ist der Erzähler dieser Erfindung Abu Huraira.

Über die Gläubigen und die Gefährten des Propheten sagt der Koran:

24:51 Doch die Rede der Gläubigen, wenn sie zu Gott und Seinem Gesandten gerufen werden, damit Er zwischen ihnen richten möge, ist nichts anderes als: „Wir hören und wir gehorchen.“ Und sie sind es, die Erfolg haben werden.

Abu Hurairas lächerliche Fabel widerspricht nicht nur dem obigen Vers, sondern widerspricht auch dem Vers 6:51, in welcher Gott dem Gesandten, den Gefährten und wen auch immer der Koran erreicht, sagt:

6:51 Und warne hiermit diejenigen, die da fürchten, dass sie vor ihrem Herrn versammelt werden, wo sie außer Ihm keinen Beschützer noch Fürsprecher haben werden, auf dass sie doch gottesfürchtig werden mögen.

Stattdessen sagte Abu Huraira, dass der Prophet seine Pantoffeln händigte und ihm sagte, mit den Pantoffeln als Beweis der Authentizität zu predigen. Bei seiner Beichte wurde Abu Huraira von Omar geschlagen, welcher mit dem Propheten diskutierte und sagte, dass die Shahadah unweise wäre. Beruht sich die „Basis des Glaubens“ auf solch einer absurden Geschichte?

Es scheint niemand die korrekte Identität von Abu Huraira zu wissen. Sogar Gelehrte können sich heute noch nicht über seinen wahren Namen einigen. Trotz eines falschen Hadiths (ebenfalls Abu Huraira zugeschrieben), dass wir Personen nicht mit Spitznamen anrufen sollen, ist Abu Huraira selbst ein Spitzname, welcher „Vater der Katzen“ bedeutet. Also war der Begründer der sunnitischen Shahadah ein unbekannter Mann, der von einem Gefährten des Gesandten angegriffen wurde! Es ist jetzt sichtbar, dass es bedeutsame Beweise gibt, welche zeigen, dass das Bekenntnis der sunnitischen Leute einen sehr unseriösen/dubiosen Hintergrund hat, basierend auf irrsinnigen Ahadith, welche fälschlicherweise dem Propheten zugeschrieben werden, von dem sie behaupten, ihn zu lieben!

Wie widerspricht sich die Shahadah Abu Hurairas mit den wahren Lehren des Propheten? Der Koran wurde von Gott dem Propheten offenbart, welcher dann diese Botschaft verkündete/weitergab; zuerst den Gefährten und dann dem Rest der Leute. Außer dass es Gottes eigene Offenbarung ist, repräsentiert der Koran das, was wirklich vom Propheten gesagt wurde. Irgendjemand, der diese einfache Tatsache ablehnt, kann überhaupt nicht behaupten, ein Muslim zu sein. Was ordnete also Gott dem Gesandten an, uns zu sagen?

72:18 Und wahrlich, die Gebetsstätten sind Gottes; so ruft niemanden neben Gott.

Jedoch nennen die Sunniten in der Shahadah von Abu Huraira den Gesandten genauso wie Gott. Die sunnitischen Gelehrten werden bestreiten, dass die Erwähnung des Namen des Gesandten nur aus Respekt geschieht. Aber im gleichen Atemzug werden sie darauf bestehen, dass ihre fünf Tagesgebete für den Allmächtigen Gott nicht gelten, wenn Mohammed nicht in der Shahadah während der rituellen Gebete erwähnt wird. Dies ist gleichwertig zu Götzentum wie auch einen anderen (Menschen) neben Gott teilhaben zu lassen – ’shirk‘: die unverzeihbare Sünde.

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Gott ALLEIN

Der Mensch hat eine große Schwäche. Er empfindet es als schwer, an einen unsichtbaren Gott zu glauben. Sogar der Prophet Moses hatte dieses Problem.

7:143 Und als Moses zu Unserem Termin gekommen war und sein Herr zu ihm gesprochen hatte, sagte er: „Mein Herr, zeige (Dich) mir, auf dass ich Dich schauen mag.“ Er sprach: „Du wirst Mich nicht sehen…

Der Mensch schaut nach etwas Handfestem/Greifbarem, daher erhöhten die Christen Jesus zu einem Sohn Gottes und dann zum Status von Gott höchstpersönlich! Die Hindus beten Menschen wie Rama und Krishna an, die von sich behaupten, Gott zu sein. Die Sunniten haben gleichermaßen Mohammed idolisiert und haben ihm einen göttlichen Status gegeben, indem sie seinen Namen der Bezeugung hinzugefügt haben. Am angemessensten müssten die Sunniten „Mohammedaner“ genannt werden.

Ihnen diese Verrücktheit/Torheit in Erinnerung zu rufen wird nur ihren Ärger mehren. Vielleicht wissen sie nicht, dass der Prophet selbst folgendes gelehrt hat:

39:45 Wenn Gott ALLEIN genannt wird, schrecken die Herzen derjenigen, die nicht ans Jenseits glauben, zusammen in Abstoßung. Aber werden Idole neben Ihm genannt, beginnen sie sich wieder zu freuen.

Mohammedaner werden sehr wütend, wenn Gott allein genannt wird. Ihre Wut nimmt nur ab, wenn man einwilligt „Mohammed“ als die zweite Hälfte der Shahadah Abu Hurairas hinzuzufügen – „Und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist“ (Arabische Transliteration: wa ash hadu anna muhammadun rasulullah).

Es mag den Sunniten und Schiiten als eine große Überraschung vorkommen, aber diese Shahadah ist eigentlich die Shahadah der Munafiks. Gott offenbarte dem Gesandten, dass dies eigentlich die Shahadah der Heuchler ist (Arabisch: Munafiq).

9:101 Und unter den Arabern, die in eurer Gegend wohnen, gibt es auch Heuchler, wie im Volk von Al-Madina. Sie sind verstockt in ihrer Heuchelei. Du kennst sie nicht; Wir aber kennen sie. Wir werden sie zweimal bestrafen. Hierauf werden sie einer gewaltigen Strafe zugewiesen werden.

Hier sagt Gott Seinem Gesandten, dass Heuchler sich um ihn sammeln und dass er nicht weiß, wer sie sind. Nur Gott kennt die Heuchler. Aber Gott verspricht:

29:11 Und GOTT macht gewiss kenntlich diejenigen, die glauben, und ER macht gewiss kenntlich die Ableugner.

Die Heuchler um den Propheten sind darüber ebenso besorgt:

9:64 Die Ableugner fürchten, dass ihnen eine Sura hinabgesandt wird, die sie darüber in Kenntnis setzt, was in ihren Herzen ist. Sag: „Spottet nur! Gewiss, GOTT wird das hervorbringen, was ihr fürchtet.“

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Bloßgestellte Heuchler

Gott sagt auch, dass die Heuchler an ihrer eingebildeten Rede erkannt werden können.

47:30 Und wenn Wir es wollten, Wir könnten sie dir zeigen, so dass du sie an ihren Merkmalen erkennen würdest. Und du sollst sie gewiss am Klang der Rede erkennen. Und Gott kennt euer Tun.

Daher verspricht Gott die Heuchler bloßzustellen. Einer dieser Methoden ist im Koran in 63:1 aufgezeichnet.

63:1 Wenn die Heuchler zu dir kommen, sagen sie: „WIR BEZEUGEN, DASS DU DER GESANDTE ALLAHS BIST.“ Doch Gott bezeugt, dass die Heuchler (im Herzen) Lügner sind.

Das Arabische ist unfehlbar. Die Munafiks oder Heuchler kommen und sagen ’nash hadu innaka rasuulillah‘. Die wichtige Sache hier ist, dass die hervorgehobenen Wörter des Verses den zweiten Teil der Shahadah Abu Hurairas bilden, welches nun von allen mohammedanischen Sunniten und Schiiten rezitiert wird. Wie wir in Vers 63:1 sehen, ist diese Shahadah die Shahadah der Heuchler!

Was die Heuchler sagen ist eingebildete Rede, weil Gott in der Tat weiß, dass der Prophet bereits sein Gesandter ist ‚…Und Gott weiß, dass du wahrhaftig Sein Gesandter bist…‘ (63:1). Gott braucht niemanden, der Ihm wieder bestätigt, was Er so oder so von Seinem eigenen Gesandten weiß! Der Koran sagt: „Wir haben dich als einen Gesandten geschickt und GOTT GENÜGT ALS ZEUGE…“ (4:79).

Dies ist genau das, was der Gesandte den Leuten gesagt hat. Es besteht kein Bedarf, den Gesandten zu bezeugen, da Gott dies schon getan hat und das genügt. … Gott wiederholt diese wichtige Botschaft erneut in 4:166:

4:166 Doch Gott bezeugt durch das, was Er zu dir hinabgesandt hat, dass Er es mit Seinem Wissen sandte; auch die Engel bezeugen es; Und Gott genügt als Zeuge.

Und wieder, dies ist was der Gesandte seinen Gefährten gesagt hat: Gott genügt als Zeuge. Gott verneint sogar Versuche, andere Gesandten zu bezeugen:

28:44 Und du warst nicht an der Seite des westlichen (Berges bzw. Tales), als WIR für Moses die Angelegenheit bestimmten. Und du warst nicht von den Bezeugenden.

Also können Menschen nicht die Gesandtschaft der Gesandten bezeugen. Wir waren nicht Zeugen. Um zu wiederholen: Gott sagt, Er wird wahrlich die Heuchler bloßstellen (29:11). Gott sagt dann, dass der Gesandte sie von der Art ihrer Rede erkennen kann (47:30). Wenn die Heuchler nun kommen und darauf bestehen, den Gesandten zu bezeugen (63:1), stellen sie sich selbst als Heuchler bloß.

Und die fiktive Person Abu Huraira (nach 1400 Jahren kennt keiner unter der Ulema der Ehli-Sunna seinen wahren Namen) täuschte Millionen von Ehli-Sunniten und Schiiten (jeden Tag ihres Lebens) die gleiche Heuchlerei zu rezitieren. Der Koran sagt:

3:18 GOTT bezeugt, dass Er der einzige Gott ist, außer Dem es keinen Gott gibt. Das bezeugen die Engel und die Wissenden. Er ist es, Der die Gerechtigkeit aufrecht erhält. Außer Ihm gibt es keinen Gott. Er ist der Allmächtige, der Weise.

Gott genügt als Zeuge

Gott sagte, dass Sein eigenes Zeugnis ausreicht:

6:19 Sprich: „Wessen Zeugnis ist am gewichtigsten?“ Sprich: „ALLAH IST ZEUGE ZWISCHEN MIR UND EUCH. Und dieser Koran ist mir offenbart worden, auf dass ich euch warne damit und jeden, den er erreicht. Wolltet ihr wirklich bezeugen, dass es neben Gott andere Götter gibt?“ Sprich: „Ich bezeuge es nicht.“ Sprich: „Er ist der Einige Gott, und ich bin wahrlich fern von dem, was ihr anbetet.“

Und weil „… Gott als Zeuge genügt…“ (4:79 und 4:166), ist die Shahadah von Abu Huraira eine Lüge – eine Erfindung von wem auch immer der ‚Hadith‘ geschrieben wurde. Trotz den Beweisen aus dem Koran, welchen sogar die Ehli-Sunna nicht als wahrste Lehre des Gesandten annehmen werden, bestehen die Heuchler darauf, auf Mohammed zu bezeugen. Sie bestehen darauf, obwohl Gott sagt, dass Er keinen Bezeugenden außer Ihm selbst braucht.

Am wichtigsten ist, dass die Shahadah von Abu Huraira in seinem Kern gegen 72:18 und 39:45 geht, da sie Mohammeds Namen neben Gott beigesellt. Ohne Mohammed zu bezeugen, sagen die Sunniten, sei ihr rituelles Gebet und ihr Glauben ungültig, obwohl der Koran beweist, dass dies Götzentum ist, „shirk“ höchsten Grades. Jedes Mal, wenn die Shahadah von den Sunniten rezitiert wird, begehen sie Beigesellung, „shirk“, die unverzeihbare Blasphemie, für welche sie in der Hölle landen werden.

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Die Wahre Shahada – Es gibt keine Gottheit außer Ihm

Was ist dann das wahre Bezeugnis, welches Muslime (Gottergebene) rezitieren können um ihren Glauben zu bestätigen? Vielleicht antwortete der Gesandte, als seine Gefährten ihm diese Frage stellten, mit folgendem Vers:

6:115 Das Wort deines Herrn ist vollendet in Wahrheit und Gerechtigkeit. Keiner vermag Seine Worte zu ändern, und Er ist der Allhörende, der Allwissende.

Deswegen ist die Antwort auf die Frage definitiv im Koran. Gott gab uns die Shahadah komplett, klar und einfach in 3:18:

GOTT bezeugt, dass Er der einzige Gott ist, außer Dem es keinen Gott gibt. Das bezeugen die Engel und die Wissenden. Er ist es, Der die Gerechtigkeit aufrecht erhält. Außer Ihm gibt es keinen Gott. Er ist der Allmächtige, der Weise.

Den Namen Mohammeds in diese Shahada Gottes, der Engel und der Wissenden hinzuzufügen, ist ein großes Zeichen der Heuchlerei.

63:1 Wenn die Heuchler zu dir kommen, sagen sie: „WIR BEZEUGEN, DASS DU DER GESANDTE GOTTES BIST.“ Doch Allah bezeugt, dass die Heuchler Lügner sind.

Die Ehli-Sunna und Schiiten wurden von ihrer Ulema getäuscht, den Munafiks zu folgen. Sie wurden selber zu Heuchlern.

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Kommentar des Übersetzers

Die als erste Säule des Islam bekannte Shahadah (Bezeugung) dient dazu, sich zum Glauben zu bekennen, dass es keine andere Gottheit außer Gott gibt. Die Formulierung „la ilahe illa Allah“ kommt im Koran 30 mal vor und wird nirgends mit einem anderen Namen zusammen erwähnt bzw. ergänzt. Sich mit dieser Shahadah nicht zu begnügen, während wir uns zum Glauben des Einzigen Gottes bekennen, Gott allein nicht für ausreichend zu empfinden und neben Seinem Namen irgendwelche andere Namen zu erwähnen, stellt eine Form des Shirks (Beigesellung) dar. Jahre nach dem Tode des Propheten Mohammed wurde dem gemeinsamen Spruch aller göttlichen Religionen (Es gibt keinen Gott außer Gott, siehe auch 3:64) der Name Mohammed beigefügt. Mit dieser Handlung haben jene, die seinen Namen hinzugefügt haben, gegen viele Grundsätze des Korans verstoßen.

In gewissen Moscheen wurde neben Gottes Namen (nebst dem Namen Mohammed) die Namen wie Abu Bekr, Omar, Osman, Hali, Hassan und Hussein und andere, idolisierte Namen beigefügt. Die Schiiten haben eine andere Form der Götzenkollektion und haben ihre Moscheen mit den entsprechenden Namen versehen. Es gibt vier Verse im Koran, welche Mohammeds Namen beinhalten; es kann Einwände geben, ob es denn falsch sei, diese Verse an die Wand der Moschee zu hängen. Wie wäre es, wenn man die Verse über die Huris im Paradies an die Wand hängt? Oder Verse, die von der Hölle berichten? Was ist mit den Versen über Jesus oder Moses? Was ist mit den Versen über die Heuchler und Lügner? Wenn die Wände der Gebetsstätten mit dem ganzen Koran verziert wären, gäbe es kein Problem. Aber wenn gewisse Verse des Koran ausgewählt werden, dann kommt es darauf an, welche Absicht dahintersteckt. Wenn aus dem Koran Verse ausgewählt werden sollen, sollten wir nur die Verse nehmen, die nur über Gott berichten. Zum Beispiel 39:44-45 oder 39:11-12…. Nebenbei: es gibt keine Pflicht, an die Wand der Moscheen Verse anzuhängen!

2:285 Der Gesandte glaubt an das, was von seinem Herrn zu ihm herabgesandt worden ist, und (mit ihm) die Gläubigen. Alle glauben an Gott, seine Engel, seine Schriften und seine Gesandten: „Wir machen bei keinem von seinen Gesandten (den anderen gegenüber) einen Unterschied.“ Und sie sagen: „Wir hören und gehorchen, (dies ist) Deine Vergebung, Herr! Bei dir wird es (schließlich alles) enden.“

So wie die Christen bereits haben die Muslime ihre Gesandte unterschiedlich bewertet und stellten dem Koran widersprechende Behauptungen auf. Es wurden Hunderte von Ahadith und Wundergeschichten erfunden, um den Propheten Mohammed über alle anderen Propheten zu erheben. Beispielsweise wurde das Geschwätz des „Qudsi Hadith“, welcher besagt, dass das gesamte Universum nur wegen Mohammed erschaffen worden sei, Gott zugeschrieben (lewlake lewlake lema khalaqtul eflake). Andererseits existieren zahlreiche Ahadith, die Mohammed als Sex-Psychopathen darstellen. Allen voran ist das „sahih Hadith-Buch“ Bukhary voll mit abscheulichen Übertreibungen über das sexuelle Privatleben des Propheten. Die verherrlichten Gelehrten, die ihre eigenen Sexfantasien dem Propheten Mohammed untergejubelt haben, werden ihre Taten zu rechtfertigen haben (6:112).

39:45 Wenn Gott ALLEIN genannt wird, schrecken die Herzen derjenigen, die nicht ans Jenseits glauben, zusammen in Abstoßung. Aber werden Idole neben Ihm genannt, beginnen sie sich wieder zu freuen.

Die große Mehrheit der „Muslime“ beharren trotz der in Vers 3:18 mitgeteilten Shahadah darauf, Mohammeds Namen im Glaubensbekenntnis miteinzuschließen. Dieses Kriterium stellt klar, dass diejenigen, die sich nicht daran erfreuen können, dass Gottes Name allein erwähnt wird, und auf jeden Fall Mohammeds Namen (oder auch irgendeinen anderen Namen) äußern möchten, in Wahrheit nicht ans Jenseits glauben. Jene, die nicht wirklich ans Jenseits glauben, sagen aus, dass der Koran zum Verstehen zu schwer sei und dürfen laut Koran den Koran nicht verstehen (17:46).

Einige Leser fragen sich sicher auch, was es mit dem folgenden Vers auf sich habe, ob er nicht bestätige, dass wir Mohammeds Gesandtschaft zu bezeugen hätten.

3:86 Wie soll Gott ein Volk leiten, das ungläubig wurde nach seinem Glauben und nachdem es bezeugt hatte, dass der Gesandte wahrhaftig sei, und nachdem die deutlichen Zeichen zu ihnen gekommen waren? Und Gott leitet die Ungerechten nicht.

Es steht in der Tat eine Ableitung der Wurzel shahada im Vers. Diese Art von Bezeugung, von der in 3:86 die Rede ist, bezweckt eine andersartige Bezeugung. Es geht mehr um eine Überzeugung: dass man überzeugt ist, dass Mohammed ein Gesandter war aufgrund seiner Botschaft, die er übermittelt hat. Genauso kann man sagen, dass man zuerst zu bezeugen hat, dass der Koran wahrhaftig ist, um überhaupt ein Gottergebener sein zu können. Es geht um die innere Einstellung der Sache gegenüber. Nicht, dass man irgendwelche Formeln über die Lippen bringt. Diese Glaubensformel wurde nämlich bereits in 3:18 unabänderlich festgelegt.

Wir sagen nicht, dass es ein Shirk sei, den Propheten Gottes als Diener und Gesandter zu sehen, sondern ihn oder irgendjemanden und nur in der Bezeugung (Shahadah), die nur Gott alleine gebührt, zu erwähnen. Die Shahadah; das erste Gebot Gottes, soll der ganzen Welt sagen, dass es nur einen Gott gibt, der immer existierte und für immer bleibt. Gott erwähnte ja den Propheten als Seinen Diener und als Seinen Gesandten im Koran. Deshalb glauben wir ohne Zweifel an diese Worte, die von Gott direkt kommen. Doch bezeugen, kann weder ich noch du, denn der einzige Zeuge, der es mit Sicherheit weiß, ist GOTT alleine.

2:133 Oder wart ihr Zeugen, als der Tod bei Jakob anwesend war. Da hat er zu seinen Kinder gesagt: Wem dient ihr nach meinem Ableben? Sie sagten: Wir dienen deinem Gott, dem Gott deiner Väter Abram, Ismael und Isaak, einem einzigen Gott und wir sind Ihm ergeben

Hier antworten wir: Nein Gott, wir waren nicht Zeuge, aber wir glauben alle Deiner Worte.

Zwischen Glauben und Bezeugen liegt ein großer Unterschied. Das Zeugnis Gottes entnehmen wir aus dem Koran, denn das ist die richtige Lehre ohne Zufügung oder Verminderung und wer ist dann wahrhaftiger als Gott und Seine Lehren.

3:18 Gott bezeugt, dass es keinen Gott gibt außer Ihm – ebenso die Engel und jene, die Wissen besitzen; es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen.

So bezeugt es Gott und die Engel und die Wissenden. Doch die, die nicht wissen, fügen ihre Ahnen zu diesem allerwichtigsten Ansatz hinzu.

Wir sagen, dass Menschen blind das wiederholen, was sie von ihren Vätern gelernt haben. Das ist aber nicht der Sinn des Lebens. Denn sonst wären wir christlich jüdisch, buddhistisch oder in irgendeiner Gemeinde aufgewachsen, dann würden wir das gleiche wiederholen, ohne dabei nach zu denken, was richtig oder falsch ist. Der Grundsatz des Zeugnisses ist hier im Vers deutlich zu sehen

7:172 Und als dein Herr aus den Kindern Adams – aus ihren Lenden – ihre Nachkommenschaft hervorbrachte und sie zu Zeugen wider sich selbst machte (indem Er sprach): «Bin Ich nicht euer Herr?», sagten sie: «Doch, wir bezeugen es.» (Dies,) damit ihr nicht am Tage der Auferstehung sprachet: «Siehe, wir waren dessen unkundig.»

Der Glaube an den Propheten Mohammed als Gesandter Gottes sowie der Glaube an alle Propheten ist der Grundsatz der Religion und darf nicht fehlen, doch das Bezeugen gebührt nur Gott alleine, denn ER hat ja die Welt erschaffen, und nicht Mohammed noch irgendein Engel.

Ahadith hin oder her. Die Religion ist Gottes und nicht in den Geschichten der Ahnen. Wenn wir etwas über Mohammed oder einen anderen Propheten wissen wollen, dann entnehmen wir aus einer sicheren Quelle: Vermutungen können die Wahrheit niemals ersetzen.

10:36 Und die meisten von ihnen folgen bloß einer Vermutung; doch Vermutung nützt nichts gegenüber der Wahrheit. Siehe, Gott weiß recht wohl, was sie tun.

Solche Vermutungen wie Hadithe, die nach dem Tode des Propheten entstanden sind, enthalten leider viel Shirk. Wir wollen auch nicht die Religion Gottes nach unserer Vorstellung definieren, wir fordern nur die Leute, Gottes Buch zu öffnen und mit mehr Verstand zu lesen. Denn nur so kann jeder wissen, ob das Menschengerede der Wahrheit entspricht oder nicht. Und nur so erlangt man die Freiheit des Denkens und der Selbstbestimmung. Denn jede Seele ist für sich verantwortlich, die Gelehrten werden niemandem von der Hölle fernhalten können.

53:23 Das sind bloße Namen, die ihr und eure Väter aufgebracht habt, und wozu Gott keine Ermächtigung herabgesandt hat. Sie gehen nur Vermutungen nach und dem, wonach (ihnen) der Sinn steht, wo doch die Rechtleitung von ihrem Herrn zu ihnen gekommen ist.

An dieser Stelle möchte ich Edip Yüksels Kommentar zu diesem Vers aus dem Türkischen übersetzen: „Die Götzendiener Mekkas besaßen eine abstrakte Auffassung des Polytheismus. Zu Zeiten Abrahams, in denen die Anbetung von Statuen weit verbreitet war, wurden die Formen der Götzendienerei zwangsweise auf Grund der Bemühungen Abrahams verändert. Die Polytheisten, die glaubten, sie würden dem Weg Abrahams folgen, dachten, dass sie Monotheisten seien (6:23; 16:35), während sie die Namen der verstorbenen Heiligen und der Engel, von denen sie glaubten, dass sie Gott nahe stünden, zwecks Fürsprache gedachten (39:3). Die Götzendiener haben nach Mohammed behauptet, dass die mekkanischen Polytheisten Statuen anbeteten, um die Ähnlichkeit zwischen ihnen und der mekkanischen Götzendiener zu vertuschen. Sie gedenken auf ähnliche Art und Weise die Namen von Mohammed, seinen Gefährten und „Heiligen“ erneut zwecks Fürsprache. Laut Koran fasteten, pilgerten und beteten die Götzendiener Mekkas (8:35; 9:19,45,54; 2:199).

Eine Geschichte

Die Weltreligionen kann man als Pyramide sehen. Jede Religion besetzt eine Seite der Pyramide. Breit und mächtig stehen sie da. Sie sind ganz anders als die Religion auf der anderen Seite, sie stehen einander gegenüber, konfrontativ, die Seiten sehen sie nicht.

Manche bleiben nicht unten an der Basis, sie gehen die Stufen nach oben. Der Weg der Leute im Süden ist ein ganz anderer Weg als der Weg der Leute im Norden. Im Süden ist es heiß, die Sonne brennt, man dürstet, kann sich nicht vorstellen, dass man bis oben kommt.

Aber Stufe für Stufe gehen manche Leute höher, die Stufen werden schmaler, aber es sind auch weniger Leute, die hoch gehen.

Und irgendwann einmal kommen Menschen an die Spitze der Pyramide, es sind nicht viele, nur wenige haben die Strapazen geschafft.

Aber die, die dann ganz oben auf der Spitze stehen, die sind dann nicht mehr zu unterscheiden voneinander und es ist egal, ob sie von Süden, von Norden, von Osten oder von Westen kamen.

Denn oben zählt nur Gott.