Koran

Die Rhetorik von „Terror“ und „Cihad“

Eine Philosophische und Theologische Bewertung [1]

übersetzt aus dem Türkischen von Kerem A.

Koran 13:25 Diejenigen aber, die den Bund Gottes brechen, nachdem (sie) ihn geschlossen haben, und zerreißen, was Gott zu verbinden geboten hat, und Unheil auf Erden stiften – auf ihnen lastet der Fluch, und sie haben eine schlimme Wohnstatt.






Der Zweck dieser Abhandlung ist, die durch die rhetorische Verwendung der Begriffe „Terror“ und „Cihad“ [Anm. d. Übers.: ausgesprochen als Jihad mit einem ‚J‘ wie in Jalousien] entstandenen Probleme aufzuzeigen und ebenso, dass diese Rhetoriken die Entstehung des kommunikativen Prozesses zwischen den Kulturen verhindern. In dieser Untersuchung wird mit dem Wort „Rhetorik“ seine Verwendung angesprochen, bei der die Sprache auf eine überzeugende Art und Weise gebraucht wird, um bestimmte Interessen, besonders auch politische Ziele zu verwirklichen.

Hinsichtlich des Endes des Kalten Krieges verbunden mit der Aufhebung aller Hindernisse für eine Globalisierung herrschte eine aufrichtige Atmosphäre der Zuversicht. Jedoch wurde am 11. September 2001 die Büchse der Pandora geöffnet; zusammen mit den zwei Türmen im Herzen Amerikas, das in einer globalisierenden Welt wie der Leviathan[2] erscheint, ist auch die Atmosphäre des Optimismus zusammengebrochen. Mit diesem Ereignis und aufgrund des in 1991 eingetretenen Golfkrieges ist die Sichtweise derjenigen mehr in den Vordergrund getreten, die der herrschenden Atmosphäre der Zuversicht skeptisch gegenüberstehen und die die These vom „Kampf der Kulturen“ vertreten. Die durch dieses Ereignis ausgelösten Diskussionen betreffen viele verschiedene Bereiche von der Religionsphilosophie bis zur Politikphilosophie, von der Sprachphilosophie bis zur Ethik und Hermeneutik, von den internationalen Beziehungen bis zur Theologie.

Wir möchten diese Abhandlung mit dem Übertragen eines Zitats von den während den Deutungen der Anschläge des 11. Septembers gemachten Erklärungen von Derrida beginnen:

„Ein Philosoph sollte eine Person sein, die ein neues Kriterium sucht, um ‚Einsicht‘ und ‚Legitimation‘ voneinander zu unterschieden. Eine Person kann eine bestimmte Ereigniskette oder Institution, die den Weg zu Krieg oder Terror bereiten, ohne sie irgendwie zu rechtfertigen, sogar sie verdammend oder versuchend neue Institutionen aufzubauen; beschreiben, begreifen und erklären. Eine Person kann bestimmte Terrorhandlungen (sei es Regierungsterror oder nicht), die sie auslösenden, sogar legitimierenden Bedingungen außer Betracht lassend, bedingungslos verdammen.“ [3]


Die rhetorische Verwendung des Begriffs „Terror“

Bei einer Untersuchung wurden 109 verschiedene Definitionen von Terror ermittelt.[4] Heutzutage treffen wir ziemlich häufig auf Äußerungen dieser Art: „Die richtige Bestimmung von Terror…“, „Der wahre Terrorist macht…“, „Sie nennen uns Terroristen, jedoch…“. In all diesen Definitionen wird „Terror“ wie eine Platonische „Idee“ und derjenige, der seine „wahre Bedeutung“[5] garantiert, wie „seine Idee“ behandelt. Wir sollten nicht vergessen, wie ursprünglich Wittgenstein gezeigt hat, dass die Sprache eine in der Gesellschaft geteilte und in der Gesellschaft gelernte Sammlung von „Instrumenten“ ist und dass wir alle ein Teil eines großen Sprachspiels sind.[6] Nachdem die soziologische Beschaffenheit der Sprache begriffen wurde, können wir unsere Sätze hinsichtlich der Definition des Terrors auf diese Weise korrigieren: „Die Menschen meinen mit dem Wort Terror im Allgemeinen dies…“, „Nach der Definition von FBI sind Terroristen…“ oder „Laut der Bestimmung von Hisbollah sind Terroristen…“. Diese Art von Äußerungen werden es uns ermöglichen zu bemerken, dass die Definitionen von Terror nicht harmlos sind und dass diese im Zusammenhang mit bestimmten Belangen und Ideologien stehen. Wie Foucault sagte: „Wir stehen der Produktion mittels Macht der Wahrheit gegenüber“.[7] Einer der Wege, die Macht als Mittel zu gebrauchen, ist das Diktat des erforderlichen Sprachgebrauchs.

Der Begriff „Terror“ tauchte erstmals während der Französischen Revolution 1789 auf.[8] Entgegen unserer heutigen Verwendung trug der Begriff „Terror“ hier in der Verwendung von den Jakobinern eine positive Bedeutung, denn die Jakobiner sahen die als „Terror“ bezeichneten gewaltvollen Handlungen als notwendig an, um zu einer friedvollen Umgebung zu gelangen. Heutzutage jedoch trägt „Terror“, wie alle von uns sehr gut wissen, eine negative Bedeutung. Aufgrund dieser negativen Bedeutung von „Terror“ versuchen alle im Kampf ihre Gegner als „Terrorist“ zu bezeichnen. Diese Situation wird zum Grund, weshalb eine Person für den einen als „Freiheitskämpfer“ und für den anderen als „Terrorist“ wahrgenommen wird. Beispielsweise sagt Fadlallah, der Gründer der Organisation Hizbullah, welche von vielen Personen eine terroristische genannt wird, folgendes: „Wir sehen uns selbst nicht als Terroristen, denn wir glauben nicht an den Terrorismus. Es ist kein Terror, gegen diejenigen zu kriegen, die in unsere Heimat eindringen. Wir sehen uns als für einen heiligen Krieg kämpfenden Krieger an.“ [9] Fadlallah hat die Aktivitäten seiner Organisation als „kämpfen für die Freiheit“ bezeichnend legitimiert.

Andererseits definiert FBI hingegen Terror wie folgt: „Terror ist die gesetzwidrige Benutzung von Macht und Gewalt gegenüber einer Person oder einem Besitz, um gewisse politische oder gesellschaftliche Zwecke willen, um eine Regierung, die gesamte oder Teile der zivilen Bevölkerung zu bedrohen oder zu nötigen.“ [10] Dass in der Definition von FBI die Äußerung „zivile Bevölkerung“ statt „unschuldige Menschen“ verwendet wird, oder dass die gegen die Regierung (Staat) durchgeführten Aktivitäten betont werden, steht im Zusammenhang mit der Stellung des FBI. Der Begriff Terror wurde geschichtlich gesehen erstmals in der Französischen Revolution gebraucht, um den von der Regierung begangenen Terror zu beschreiben. Andererseits zeigen internationale Abkommen wie die am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterzeichneten Hague Abkommen und in 1949 unterschriebenen Genfer Konventionen, dass sich auch die Regierungen in strafvolle Aktivitäten einmischen können. Also ist Terror ein moralisches Problem, das nicht von den Persönlichkeiten der Benutzer, sondern von der Natur der Methoden und seinen Opfern entsteht.[11] Die Zivilisten anzugreifen, wird in ethischer Hinsicht als böse akzeptiert, denn während die Truppen mit mächtigen Waffen und Bomben ausgerüstet sind, können die Zivilisten ihnen nur schwach und mit den bloßen Händen entgegnen. Doch andererseits sind auch viele Soldaten oder Militanten gegenüber den mit hohen Technologien ausgerüsteten Truppen eigentlich in nicht einer allzu unterschiedlichen Situation als die Zivilisten gegenüber den Truppen anzusehen, denn auch sie sind in Anbetracht von entwickelten Bombardierungsflugzeugen in derselben macht- und hoffnungslosen Situation. Habermas hat die Aufmerksamkeit auf das diese Asymmetrie ergebende moralische Problem wie folgt gelenkt: „Jedoch bleibt die Asymmetrie des elektronisch kontrollierten Konstruktionswunders und mit der vernichtenden Macht in der Luft der für den Mehrzweckgebrauch geeignete Raketenmengen mit den mit Kalashnikovs ausgerüsteten, primitiven, bärtigen Kämpfergruppe wie eine moralisch widerwärtige Erscheinung.“ [12]

Eines der interessantesten Beispiele der rhetorischen Verwendung des Begriffes „Terror“ wurde im Benehmen der Amerikaner gegenüber den afghanischen Kämpfern gesehen. Amerika hat die afghanischen Kämpfer als „heilige Krieger“ verkündet und ihnen im Krieg gegen die Besitznahme der Sowjets geholfen.[13] Nachdem jedoch die Angriffe der Taliban begonnen hatten Amerika als Ziel zu nehmen, wurden die „heiligen Krieger“ zu „Terroristen“ und im „Krieg gegen den Terror“ die ersten Angriffsziele.

Jede gewaltvolle Handlung erschwert die Dialogbildung zwischen den Parteien; jeder Tod eines zivilen oder unschuldigen Menschen heizt das Rachegefühl der Nationen oder die Mitglieder des Stammes der Opfer an und auf diese Weise werden in Aneinanderkettung die rachsüchtigen Reaktionen zum Grund für die Gewaltwellen. Derrida sagt, dass er jede Aktivität eines „Terroristen“ auf der Welt, doch noch viel mehr den von der Regierung verwirklichte „Terrorismus“ – ein von Terrorismus unterschiedliche Namen erhaltenden Terrorismus und dessen Glaubwürdigkeit mehr oder weniger unter der Legitimation verborgen ist – als persönliche Abwehr erwidert.[14] Das im Artikel „Die Moral des Terrorismus“ von Coady zitierte Gedicht hinterfragt die Rhetorisierung des Begriffs „Terror“ auf eine ironische Weise wie folgt:

Bomben abzuwerfen ist schlecht,
Bombardierung jedoch ist gut,
Kurz und gut; die Bedeutung von Terror,
Hängt davon ab, wer sich mit der Macht krönt.[15]


Coady sagt, dass die hinter den „sprachlichen Verwendungen“ liegende Motivation der Gewaltanwender, die darauf zurückgreifen, um ihre Handlungen zu rechtfertigen, abhängig davon ist, ob „sie“ mit „uns“ sind oder nicht.[16] Der amerikanische Philosoph Tomis Kapitan legt die Schäden der rhetorischen Verwendung von Terror sehr schön offen:

„Die Rhetorik dient der Beschwichtigung bei der sinnvollen, politischen Diskussion. Diejenigen, die bei normalen Bedingungen „wieso?“ fragen würden, befürchten als jemand etikettiert zu werden, der im Thema Terror einen nachgiebigen Ansatz pflegt. Jene, die die Rhetorik auf militante Weise gebrauchen, verwenden die Rhetorik, um willentlich den Unterschied zwischen dem kritischen und dem beschwichtigenden Ansatz zu entstellen. Diejenigen, die der Rhetorik erliegen, tragen zum Kreislauf von Rache und Vergeltung bei, indem sie die gewaltvollen Aktivitäten ihrer eigenen Regierungen billigen, die sich nicht nur gegen jene richten, die terroristische Handlungen begehen, sondern auch gegen die Völker, aus deren Reihen die Terroristen hervorkommen, aus dem einfachen Grund, weil die Terroristen häufig selbst Zivilisten sind, die inmitten unter nicht dermaßen engagierten Zivilisten leben. Das Ergebnis ist, dass die politisch motivierte, gegen zivile Ziele gerichtete Gewalt – unter irgendeinem anderen Namen des Terrorismus, unter dem Namen ‚Wiedervergeltung‘ oder ‚Anti-Terrorismus‘ – sich vermehrt. Die Rhetorik bezüglich Terror kennt nur die Sprache der Macht. Jene, die sich als Opfer der unerträglichen Ungerechtigkeiten betrachten und sehen, dass die Unterdrücker unwillig sind, mit akzeptablen Kompromissen zur Verständigung zu gelangen, versuchen der Gewalt mit noch mehr Gewalt zu antworten.“ [17]


Eine Untersuchung über die Selbstmordattentäter hat ergeben, dass die Mehrheit dieser Attentäter im Krieg einen nahen Verwandten oder eine Person verloren, die sie liebten.[18] Diese Untersuchung bestätigt, dass der Weltfrieden als Ergebnis von Gewaltakten – da diese Handlungen am laufenden Band Rachegefühl erwecken – immer mehr gefährdet wird.

Das mögliche schädliche Ergebnis der rhetorischen Verwendung des Begriffs „Terror“ hinsichtlich der Anwender der Rhetorik ist die Erleichterung der Vereinigung und der gemeinsamen Koalitionsgründung voneinander unterschiedlicher, sogar feindlicher Gruppen in der Gegend der Gewaltakten. Beispielsweise hat die Al Kaida „Cihad“ und andere Islamische Begriffe gegen die Schiiten genauso wie gegen die USA rhetorisch gebraucht und in Afghanistan ein Massaker gegen Schiiten verübt. Wenn die Schiiten und Al Kaida unter einem Titel wie „Islamische Terroristen“ vereint werden und das oppositionelle Lager als „Krieg gegen Terror“ bezeichnet wird und wenn der Iran, von dem geglaubt wird, dass er Massenvernichtungswaffen besitze, beschließt, diese mit Al Kaida zu teilen, könnte dies nicht für diejenigen, die diese Gruppen unter demselben Titel vereinigten, neue Katastrophen mit sich bringen? Außerdem begegnet mensch selten politischen Themen, bei denen die Regierungen, deren Völker in der Mehrheit Muslime sind, in politischen Angelegenheiten zu einer Übereinstimmung gelangen konnten; einer dieser selten anzutreffenden Themen ist die Haltung, dass im Palästinenser Problem dem palästinensischen Volk Unrecht angetan wird. Die gegen Israel kämpfenden palästinensischen Gruppen unter dem Titel „Terrorist“ mit Al Kaida über einen Kamm zu scheren, kann auf der einen Weltseite der Auslöser für härtere Reaktionen gegen Palästinenser sein, jedoch gleichzeitig auch in vielen Bereichen der Welt für das Wachsen der Anhängerzahl von Al Kaida dienen.

Formulierungen wie „Krieg gegen Terror“ oder „Cihad“ zu verwenden, während gewollt wird, dass die Richtigkeit der Handlungen diskussionslos akzeptiert wird, ist in ethischer Hinsicht nicht annehmbar. Jene, die mit dieser Art Rhetoriken Gewalt anwenden, behaupten, dass ihre Handlungen über alle Zweifel erhaben seien. Doch mit den Bezeichnungen oder mit der den Interessen angepasste Beschreibung der Begriffe können die Diskussionen bezüglich der gemachten Handlungen, ob sie gerechtfertigt sind oder nicht, nicht ausgeblendet/unterdrückt werden. Es ist erforderlich, jede „Aktion“ von den anderen auseinanderzuhalten und mit einer analytischen Sichtweise zu untersuchen. Alle Aktionen mit einer einzigen Überschrift in eine Schublade zu stecken, ist infolge der Unterschiedlichkeit aller einzelnen Gründe und Ziele falsch. Zudem sollten jene, die der Meinung sind, dass diese Methode in der Führung der Öffentlichkeit dienlich ist, nicht vergessen, dass dies, ohne sich dessen bewusst zu sein, die Anzahl der Feinde vermehren kann.

 

Die rhetorische Verwendung des Begriffs „Cihad“

Zweifellos wurden viele der Islamischen Religion zugehörigen Begriffe – besonders auch „Cihad“ – rhetorisch verwendet. Doch für die Muslime gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen den ontologischen Status [Anm. d. Übers.: plural] der Koranischen Begriffe und den von den Menschen angefertigten ontologischen Bezeichnungen der Begriffe. Wir können versuchen, die Bedeutung des Ausdrucks „Terror“ lediglich mit einer soziologischen Untersuchung festzustellen. Eine soziologische und geschichtliche Untersuchung zu machen und die politisch-gesellschaftlichen Beziehungen zu bestimmen ist auch ein Muss, um zu verstehen, wie die Islamische Terminologie verwendet wird. Doch Islamische Begriffe, die von „Terror“ unterschiedlich sind, wurden in einem Text – dem Koran – verwendet, worin wir die „wahren Bedeutungen“ der Ausdrücke lernen können. Es kann versucht werden, diese Begriffe mit einer folgerichtigen, hermeneutischen Vorgehensweise am Korantext zu dechiffrieren. Der Koranische Islam ist der Text, mit dem Gott mit den Menschen einen Kontakt herstellt, und die zentralste Aufgabe Mohammeds war, diese Botschaft den Menschen weiterzuleiten. Der Koran ist wegen der Göttlichen Quelle übermenschlich; doch seine Sprache, Buchstaben und Sätze sind für den Menschen. Die übermenschliche Dimension von ihm ist ein Garant für die „wahren Bedeutungen“ der religiösen Begriffe. Dass er für die Menschen ist, erfordert zwanghaft eine konsequente Vorgehensweise zu erschließen, damit diese „wahren Bedeutungen“ verstanden werden können. Jedoch sollten bei diesem Thema die Untersuchungen gemacht werden, ohne zu vergessen, dass menschliche Deutungen nicht wie die Göttliche Offenbarung unter Garantie stehen.

Auch wenn menschliche Belange, Missverständnisse, Einfluss alter Bräuche und politische Bedürfnisse zum Grund wurden, den Koran falsch zu verstehen, seine Bedeutung zu verwässern oder dass andere religiös gemachte Quellen (erfundene Ahadith oder Fatwas) den Vorrang erhalten; der Koran behält sein Dasein als das, die „wahren Bedeutungen“ tragendes Buch bei. Welch wichtige Unterschiede zwischen ihnen auch sein mögen, eine gemeinsame Eigenschaft der meisten Denker des Islam in der modernen Ära besteht darin, zu kritisieren, dass die Ahadith gegenüber der Autorität des Koran Vorrang erhält. Seyyid Ahmed Han, Muhammed Abduh, Resit Riza, Mehmed Akif, Ahmed Emin, Tevfik Sidki, Mahmud Ebu-Reyye, Muhammed el-Gazali und Fazlurrahman sind nur ein Teil dieser Denker.[19] Eigentlich lesen wir aus Islamischen Quellen, dass diese in der modernen Ära gemachten Kritiken auch in den ersten paar Jahrhunderten nach dem Tod des Propheten intensiv stattgefunden haben. Der hier zu beachtende Punkt ist, dass es nicht das von diesen Individuen kritisierte, elementare Thema ist, dass die Worte des Propheten Vorrang vor dem Koran erhalten oder ihn ersetzen; denn nach dem Islamischen Glauben macht der Prophet keine dem Koran widersprüchliche Aussage. Der kritisierte Punkt ist, dass die Menschen drei Jahrhunderte nach dem Ableben des Propheten selbst in die angefertigten, berühmtesten Hadith-Bücher fälschlicherweise, wissentlich oder aus politischen Gründen mehrere themenrelevante Gerüchte eingeschoben haben. (Unserer Meinung nach ist der entscheidenste Beweis dafür, dass ein Hadith erfunden ist, wenn er dem Koran widerspricht.) Der einzige Weg, die Probleme zu lösen, ist es eine folgerichtige, hermeneutische Vorgehensweise vorzubringen und dadurch besonders die aus politischen Gründen fabrizierten falschen Korandeutungen, Fatwas und erfundene Ahadith zu eliminieren, um die Haltung gegenüber den Themen des Islam wie Cihad, Krieg und Religionsfreiheit zu verdeutlichen.

Hasan Sabbah und die Haschaschinen (12. bis 13. Jahrhundert) sind ein berühmtes Beispiel dafür, wie die religiöse Terminologie für politische Zwecke rhetorisiert wird.[20] Auch in naher Vergangenheit wurden viele Beispiele der Rhetorisierung von religiösen Begriffen beobachtet. Die Führer der muslimischen Länder, die während dem Golfkrieg in 1991 an der von Amerika angeführten Koalition gegen Saddam Hüseyin teilnahmen, haben von Religionsgelehrten Fatwas eingeholt, um ihr Verhalten zu legitimieren.[21] Andererseits hat Usame bin Ladin den mit den Fatwas der Religionsgelehrten geführten Golfkrieg als einer der Gründe für seinen Kampf (Cihad) gegen Amerika gezeigt.[22] Diese Ereignisse sind nur wenige der unzähligen Beispiele der rhetorischen Verwendung von „Cihad“ und anderen Islamischen Begriffen. Überhaupt ist es sehr schwer, dass im Mittleren Osten, ohne die Verwendung der Islamischen Legitimationen, ein Krieg eröffnet, ein Kampf geführt wird. Der Grund hierfür ist, dass der Islam in der Kultur dieses Gebiets von der Annahme des Islam bis heute durchgehend das wichtigste Merkmal war. Selbst die Säkularsten haben religiöse Begriffe rhetorisch verwendet, um für sich die Unterstützung des Volkes zu erschließen, wenn das Gesprächsthema Krieg ist. David Rapoport schildert wie folgt, obgleich Saddam Hüseyin ein gegen die Fundamentalisten Krieg führender, säkularer Anführer war, wie er „Cihad“ gebraucht hat, um das irakische Volk zu mobilisieren, als es erforderlich wurde:

„Um die Heiligen Stätten Saudi Arabiens von den Teufeln und der Einnahme zu befreien und um die Kafir (die Westlichen) von diesen Ländern zu vertreiben, hat er einen Aufruf zum Cihad ausgerichtet. Während der Rede Hüseyins wechselte der Hintergrund seinen Platz, wobei ein farbiges Foto, das Hüseyin zeigt, wie er ohne Hemd die Moschee in Mekka küsst, zusammen mit einem anderen, worauf er in der heiligsten Moschee des Islam in Soldatenuniform betet, zu sehen ist. Die seit dem Beginn der Krise in August 1990 verwendete Sprache erhielt größere Intensität an religiösen Referenzen. Diese Fakten beinhalten sehr viele Ironien: Die von den Christen gegründete Partei Hüseyins hat seriöse Bemühungen gehabt, Irak zu einer säkularen Regierung zu bilden, und währenddessen Hüseyin diese Reden hielt, kam er erst kürzlich aus einem ziemlich kostspieligen Krieg gegen die Fundamentalisten heraus.“ [23]


Die koranische Bedeutung des Begriffs „Cihad“

Im Koran wird der Begriff „Cihad“ in den Bedeutungen „streben, bemühen“ verwendet. Die Äußerung „Cihad“ besitzt auch psychologische, intellektuelle und soziale Dimensionen. Die im Namen Gottes geführten Kriege werden auch als „Cihad“ benannt, weil diese Kriege das gegen die Feinde gezeigte Streben beinhalten.[24] Ein Koranvers, in dem das Wort „Cihad“ in dieser Bedeutung verwendet wird, lautet wie folgt:

9:41 Brecht ausgerüstet auf zum leichten und schweren Krieg und betreibt Cihad auf dem Wege Gottes mit eurem Vermögen und eurem Leben. Das ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet! [25]


Auch die im Koran vorkommenden Wörter „Kital“ und „Harb“ werden gebraucht, um den Krieg zu beschreiben, doch in den über dieses Thema geschriebenen Artikeln und Büchern hat das Wort „Cihad“ einen Vorrang erhalten und die im Namen des Islam geführten Kriege wurden im Allgemeinen unter dieser Rubrik untersucht. Doch jemand, der im Islam das Thema „Krieg/Cihad“ untersucht, muss alle Verse im Koran berücksichtigen, in denen diese Wörter vorkommen.

Auch wenn es sich in der Praxis zumeist anders ergeben hat, so kann doch ausgesagt werden, dass die Muslime eine gemeinsame Überzeugung besitzen in den Kriegen zu kämpfen, die allein im Namen Gottes geführt werden, und dass sie nicht für ihre eigenen Interessen kriegen können. Der wichtigste Unterschied ergibt sich jedoch in der Frage, ob „Cihad“ ein von Muslimen angewandter Verteidigungskrieg oder ob er ein Angriffskrieg gegenüber anderen Religionsanhängern – nur aus dem Grund, dass sie dieser Religion angehören – ist. Wenn wir den Koran in seiner Gesamtheit behandeln, kann leicht verstanden werden, dass die Kriegsverse im Koran im Zusammenhang mit jenen steht, die gegenüber Muslimen den Krieg eröffnet haben. Zwei relevante Verse lauten wie folgt:

2:193 Und kriegt gegen sie, bis es keinen Unfrieden mehr gibt. Und wenn sie aufhören, dann gibt es keine Feindseligkeit außer gegen die Ungerechten. [26]

22:39 Erlaubnis zum Krieg wurde denjenigen erteilt, die bekriegt werden, weil ihnen Unrecht zugefügt wurde. Gewiss, Gott ist doch allmächtig, ihnen zum Sieg zu verhelfen. [27]


Wie gesehen werden kann, wurde im Koran nur der Krieg gegen den Angreifer erlaubt. Die Madhab [Anm. d. Übers.: Rechtsschule im Sunnismus] Hanafi und einige Fuqaha [Anm. d. Übers.: Rechtsgelehrte] der Hanbali und Maliki Madhabs teilen dieselbe Sichtweise. Nichtsdestoweniger haben die Schafi Madhab gemeinsam mit anderen Fuqaha der Madhabs Hanbali und Maliki die Angehörigkeit zu einem Glauben außerhalb des Islam als ausreichenden Kriegsgrund angesehen.[28] Die Religionsgelehrten der Schafi haben versucht, ihre Ansichten in diesem Thema mit dem 5. Vers aus der 9. Sure des Koran zu unterstützen:

9:5 Wenn die verbotenen Monate verflossen sind, dann tötet die Polytheisten, wo ihr sie trefft, ergreift sie, umzingelt sie und schneidet ihre Wege ab. [29]


Wenn dieser Vers jedoch in der Gesamtheit der zugehörigen Sure gelesen wird, so kann es leicht verstanden werden, dass dieser Vers sich gegen diejenigen richtet, die mit den Muslimen Krieg führen und die sich nicht an die Bedingungen der Abkommen halten. Schon den ersten Vers aus der Sure Tauba zu lesen, gewährleistet das Verständnis, dass die Kriegserlaubnis in dieser Sure sich nicht gegen alle außerhalb des Islam richtet, sondern gegen eine bestimmte Masse, die gegen den Propheten und seine Freunde kämpft:

9:1 Dies ist eine ausdrückliche Verwarnung Gottes und Seines Gesandten gegenüber den Polytheisten, mit denen ihr ein Abkommen unterzeichnet habt. [30]


Aus den späteren Versen der Sure Tauba wird klar verstanden, dass die erwähnten Personen den ersten Angriff verwirklicht haben:

9:12-13 Und wenn sie aber nach ihrem Abkommen ihre Eide erneut brechen und euren Glauben angreifen, dann bekämpft die Führer des Unglaubens. Denn sie sind solche, die keine Eide halten; vielleicht lassen sie ab. Wollt ihr denn nicht ein Volk bekämpfen, die ihre Eide brechen, versucht hatten, Gottes Gesandten aus seiner Wohnstätte zu vertreiben und zuerst mit Krieg begannen? Fürchtet ihr euch etwa vor ihnen? Gott ist es, Den ihr fürchten solltet, wenn ihr Gläubige seid. [31]


Wenn die Schafi Fuqaha den Vers nicht aus der Gesamtheit der Sure entrissen hätten, wären sie leicht zur Überzeugung gelangt, dass „Kafir“ zu sein kein Kriegsgrund sein kann.[32] Das wichtigste Prinzip, um eine folgerichtige, hermeneutische Vorgehensweise beim Koran darzulegen, ist, die Gesamtheit des Koran zu berücksichtigen und die Verse gemeinsam mit den früheren-späteren (siyak-sibak) Versen zu bewerten. Die Schafiiten haben versucht, ihre Thesen dadurch zu unterstützen, indem sie sagten, dass die Verse, welche das Kriegführen der Muslime an die Bedingung des Angegriffenwerdens festbinden, abrogiert worden seien (ihre Bestimmungen aufgehoben seien) und indem sie einige Ahadith benutzten.

Ahmet Özel äußert, dass die Aussage, die Verse bezüglich Cihad abrogierten einander, überhaupt keine wissenschaftliche Seite hat.[33] Die Behauptung, ein Teil des Koran hebe die Gültigkeit eines anderen auf (nasikh-mansukh), und die Rolle, welche die ahad-Ahadith in der religiösen bestimmenden Verfügung annehmen, gehört heutzutage zu den am intensivsten diskutierten Problemen im Islam. Da wir in unseren Händen keine Liste halten, die besagt, welche Verse abrogiert wurden oder nicht, haben diejenigen, die die Abrogation behaupten, das Auswahlrecht den Imamen [Anm. d. Übers.: religiöse Führer] der Madhabs überlassen. Muhammed Esed sagt, dass es für die Behauptung, im Koran gäbe es nasikh-mansukh, gar keine Koranische Quelle gibt und dass selbst nicht einmal ein diese Idee vertretender, zuverlässiger Hadith existiert.[34] Eine weitere, zu beachtende Vorschrift an diesem Punkt ist, dass aufgrund der Nasikh-Behauptungen versucht wurde, der Bestrafung ehebrechender Frauen durch Steinigung eine Grundlage zu geben, obwohl sie dem Koran vollkommen widerspricht. Falls wir in unserer hermeneutischen Vorgehensweise akzeptieren, beim Koran als Grundprinzip die Gesamtheit des Koran zu bewahren – wir denken, dass es so erforderlich ist -, so ist es nötig, sich gegen die Nasikh-Mansukh-Verfechter aufzulehnen, die sagen, dass ein Teil des Koran einen anderen Teil aufhebt, und die kein Kriterium hervorbringen, das alle annehmen können, um zu bestimmen, welche Teile abrogiert wurden. Damit einige Verse im Koran andere aufheben können, braucht es zwischen den Koranversen Uneinigkeiten. Diese Hypothese widerspricht den Versen, die bekunden, dass es im Koran keine Gegensätze gibt:

4:82 Denken sie etwa immer noch nicht gründlich über den Koran nach?! Und wäre er von einem anderen als Gott, hätten sie darin zweifellos viele Gegensätze (Widersprüche, Uneinigkeiten) gefunden.[35]


Außerdem gibt es, wie wir bereits zuvor betonten, sogar in den „zuverlässigsten“ Hadith-Büchern sehr viele erfundene Ahadith. Dieses Thema ist im Hinblick auf die Besprechungen in dieser Untersuchung besonders wichtig. Die Autorität der Fuqaha hat in der Praxis dem Koran gegenüber Vorrang erhalten. Denn sie meinen, dass die Verse abrogiert seien, die aber eigentlich ihren Auffassungen widersprechen, und sie wählen aus Bändern in einem viel größeren Volumen als der Koran Ahadith aus, die aus politischen Zielen erfunden wurden und die ihre eigenen Meinungen unterstützen. Die Deutungen dieser Fuqaha sollten wir unter Berücksichtigung der politischen Bedingungen zu ihrer Lebenszeit bewerten. Zu den Anfangszeiten des Islam wollten die Politiker das Potenzial der Menschen, die aufgrund Sippenstreitereien aufeinander herfielen, für neue Eroberungen ausnützen und diese Menschen gegen den Außenfeind Krieg führen lassen. Schließlich können wir sagen, dass die Entstehung der „Cihad“ Rhetorik eng mit den entwickelten, politischen Angelegenheiten zusammenhängt. Diese Rhetorik wurde nicht nur gegen Muslime verwendet; in vielen Situationen haben die Muslime einander als Kafir bezeichnend sich der „Cihad“ Rhetorik bedient, um die Massen gegen die Feinde zum Krieg bewegen zu können. Die Nasikh-Mansukh Behauptungen und die erfundenen Ahadith haben bei der Verschiebung der Bedeutung von „Cihad“ von der wahren Bedeutung im Koran zu „Krieg mit den Kafir“ eine wichtige Rolle gespielt; dies bedeutet in der Praxis hingegen dauerhafter Krieg.

Ein anderer Bereich der durch die erfundenen Ahadith, die Fatwas und die Behauptungen der Nasikh-Mansukh ermöglichten Probleme betreffen die Religionsfreiheit; Die Tötung der Muslime, die ihre Religion wechseln und es ablehnen, das Kontaktgebet zu verrichten und das Schlagen derjenigen, die Gottesdienste wie das Fasten nicht einhalten, sind von den besagten Lehren nur einige wenige. Hingegen lauten die Koranverse, die von der Grundlage der Religionsfreiheit sprechen, wie folgt:

2:256 In der Religion gibt es keinen Zwang. [36]

88:21-22 Nun aber ermahne-erinnere. Du bist nur ein Ermahner-Erinnerer. Du hast keine Gewalt oder Zwang über sie. [37]


Wenn es klar verstanden werden kann, dass es gemäß Islam kein Kriegsgrund ist, ein Angehöriger anderer Religionen zu sein und dass es im Islam keinen Zwang gibt, so wird dies für die Entwicklung der Kommunikation zwischen den Kulturen förderlich sein. Der Grund fürs erstere ist klar und deutlich, denn diese Behauptung (die Notwendigkeit, gegen Angehörige anderer Religionen Krieg zu führen) bedeutet, dauerhaft im Kriegszustand zu sein, was die Kommunikation unmöglich macht. Der Grund des zweiten hingegen ist gemäß dem ersten Grund indirekt. In erster Hinsicht erscheint dies als ein nur in islamischen Gesellschaften auftauchendes, inneres Problem. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es eine religiöse Pflicht ist, die Menschen zum Weg Gottes zu rufen (teblig).[38] Wenn einerseits die „Anderen“ zum Islam gerufen und andererseits die Apostaten in muslimischen Ländern getötet werden, kann es unter diesen Bedingungen nicht möglich sein, eine Kommunikation aufzubauen. (Einen zum Christentum Konvertierten wollte mensch Anfangs 2006 in Afghanistan wegen dieser Art von Verständnis töten.) Das falsche Verständnis von Cihad und der Glaubenszwang, die trotz der Koranverse in einer religiösen Verpackung präsentiert wurden, führen uns zur kommunikativen Pathologie. Dass eine Welt, in der zwischen den Kulturen keine Kommunikation hergestellt werden kann, eine mit Gewallt gefüllte sein wird, ist nicht allzu schwer vorauszusehen.

 

Koran und Kriegsethik

Es werden viele Diskussionen darüber geführt, ob die Koranische Vorgehensweise beim Krieg in ethischer Hinsicht annehmbar ist oder nicht. Die Haltung gegenüber des „Anderen“ – außer dem Ansatz des Friedenszustands – kann, wie wir bald zeigen, auf vier verschiedene Arten erfolgen. Eine Person, die die Ansicht vertritt, dass die Koranische Vorgehensweise nicht annehmbar ist, sollte zeigen, welche der anderen Alternativen richtiger ist. Wir sind der Überzeugung, dass die Haltung des Koran gegenüber Krieg -nicht die durch die gesamte Geschichte erlebte Haltung aller Muslime – aus ethischer Sicht akzeptabel und für einen gesunden Menschenverstand die angemessenste Vorgehensweise ist. Die besagten vier unterschiedlichen Vorgehensweisen sind wie folgt:

1- Ohne einen rationalen oder plausiblen Grund Krieg zu führen: Diese Situation steht, wie wir zuvor gezeigt haben, im Widerspruch zum Koran. In der Geschichte stehen die Thuggee mit einem entsprechenden Beispiel für diese Art von Benehmen. Sie haben nebst Verwandten und vielen Unschuldigen jene, die sie als Gelübde für die Göttin Kali fingen, getötet.[39] Es wird geschätzt, dass sie in den 1200 Jahren, in denen die Thugs ihre Existenz fortführten, bis zu einer Million Menschen getötet haben.[40]

2- Für rationale Gründe Krieg zu führen: Es besteht kein Zweifel, dass im Allgemeinen rationale Gründe wie ökonomische Interessen den wichtigsten Grund für die Kriege bilden. Jene, die aus rationalen Gründen Krieg führen, abgesehen von ihrer Sorge um Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit, kämpfen hauptsächlich, um Macht zu gewinnen und die gewonnene Macht aufrechtzuerhalten. Obwohl diese Vorgehensweise durch die Geschichte hindurch weit verbreitet Anwendung fand, wurde sie im Generellen aus philosophischer Sicht nicht gutgeheißen. Machiavelli wurde durch die offenkundige Unterstützung dieser Vorgehensweise berühmt[41] und nach ihm wurden in vielen philosophischen Ansätzen ähnliche Ideen ausgedrückt (z. B. im Sozialdarwinismus). Die Koranverse, die nur die Erlaubnis zum Krieg gegen einen Angriff erteilen (wie 22:39), sanktionieren diesen Ansatz nicht. Doch wie es in den Beispielen, die wir bislang untersucht haben, zu sehen war, wurde die Autorität des Koran, als Ergebnis seiner Verwendung für politische Belange der Religion, durch die Deutungen der Fuqaha und ihren Nasikh-Mansukh Behauptungen und ihr Gebrauch erfundener Ahadith überschritten. In vielen Situationen, bei denen das Volk zum Krieg ermutigt wurde, wurden die immer an Interessen angelehnten rationalen Gründe mit der religiösen Rhetorik verschleiert und es wurde verfochten, dass der Krieg an vernünftige Gründe anlehne.

3- Pazifismus unter allen Bedingungen: Der Koran gibt der Vergebung gegenüber der Bestrafung Vorrang und ist gleichzeitig gegen einen absoluten Pazifismus. Dies können wir aus den unten zitierten Versen verstehen:

41:34 Gut und Böse können nicht gleich sein. Wehre (das Böse) in bester Art ab und du wirst dann sehen, dass derjenige, zwischen dem und dir Feindschaft war, wie ein warmer Freund wird. [42]

42:43 Wer sich in Geduld übt und verzeiht, gewiss, dies gehört zur sich lohnenden Entschiedenheit in den Angelegenheiten. [43]


Der Koran gibt der Vergebung Vorrang, billigt jedoch nicht, in jeder Situation passiv zu sein. Der individuell – wie im Beispiel von Ghandi – oder der von einer kleinen Gesellschaft angewandte Pazifismus sollte vom Pazifismus einer Gesellschaft, die total zu vernichten versucht wird, unter unterschiedlichen Perspektiven behandelt werden. Als die Muslime angegriffen wurden, mit der Absicht, sie zu vernichten, wurden sie zum Krieg aufgerufen. Ein absoluter Pazifismus wird die Widerspenstigkeit der Angreifer erhöhen und bedeutet auch, zu erlauben, dass Kinder, Frauen und Ältere getötet werden. Deshalb ist solch ein Pazifismus sowohl gegen den gesunden Menschenverstand als auch problematisch in ethischer Hinsicht.

4- Für vernünftige Gründe Krieg zu führen: Die Koranverse erlauben den Krieg in einer Situation, in der vernünftige Gründe vorhanden sind, und dieser vernünftige Grund ist, angegriffen zu werden. (Jene, die den Krieg gegen alle Nichtmuslime für legitim erachten, haben die Suche nach vernünftigen Gründen sinnlos gemacht und haben dadurch die Freiheit erlangt, den Krieg gegen diejenigen zu führen, gegen die sie wollen.) Die Koranische Haltung, die Kriegserlaubnis abhängig von Angriff zu erteilen, ist aus ethischer Sicht innerhalb der oben aufgezählten Möglichkeiten die für den gesunden Menschenverstand geeignetste und folgerichtigste. Auch im internationalen Recht wird die Notwehr unter den natürlichsten Rechten der Menschen aufgezählt. Laut Artikel 51 im Abkommen der Vereinten Nationen besitzen diejenigen, die angegriffen werden, das Recht zur Notwehr.[44]

Es hat sicher solche gegeben, die sich darüber wunderten, wieso im Koran, selbst wenn es im Kriegszustand sein sollte, Formulierungen über die Erlaubnis zum Töten von Menschen vorkommen. Dass eine realistische Religion Aussagen über ungewollte aber manchmal unvermeidbare Situationen wie Krieg macht, ist sehr wichtig. Der Islam hat das Töten verboten; wenn folglich im Koran der Krieg nicht als eine Ausnahmesituation bezüglich Töten gezeigt worden wäre, dann hätte mensch zur Schlussfolgerung gelangen können, dass der Islam einen absoluten Pazifismus unterstützt.

Nebst der Bedingung, dass zuerst die andere Seite angreift, um Krieg führen zu dürfen, gibt es auch weitere wichtige Punkte, die das Thema „Krieg“ betreffen. Einer dieser wichtigsten ist es, dass es außerhalb Mohammed keinen Mensch gibt, dessen Entscheidungen mit Offenbarung bestätigt werden. Deshalb kann kein Mensch behaupten, in einer epistemologisch unterschiedlichen Lage zu sein, und verfechten, dass seine Entscheidungen bezüglich Krieg unantastbar seien. In der Geschichte haben viele religiöse Autoritäten unterschiedlicher Religionen behauptet, dass sie vom Rest des Volkes eine differierende epistemologische Stellung haben. Zum Beispiel hat die Kirche erklärt, dass ihre epistemologische Position von der Gesellschaft anders sei, indem sie behauptete, unter dem Schutze des Heiligen Geistes (Gabriel) zu stehen, und damit versucht, die Richtigkeit all ihrer Entscheidungen und Ansichten zu fundieren. Obwohl der Koran solch ein Benehmen nicht billigt, gab es sicher auch in der Islamischen Welt jene, die ähnliche Behauptungen aufstellten. Einige Menschen wurden als Heilige angesehen und dass sie deshalb ein in ihren epistemologischen Stellungen vom Volk unerreichbares, spezielles Wissen besitzen, und es wurde verfochten, dass alle Entscheidungen dieser Personen unumstritten angenommen werden sollten. Wenn eine Person nebst der Behauptungen der Heiligkeit auch noch als Mahdi akzeptiert wird, dann wird sich die Anhänglichkeit ihm gegenüber noch vergrößern. Diese Glaubensarten wurden und könnten auch zukünftig zum Grund werden, dass die Kriegserklärungen dieser in einer speziellen Position geglaubten Personen unumstritten als richtig akzeptiert und die Diskussionen unterlassen werden, ob diese Kriege gegensätzlich/übereinstimmend zum Koran oder gerecht/ungerecht sind.

Der Glaube, dass eine Persönlichkeit wie der Mahdi gegen das Weltende erscheinen wird und den Islam zum Sieg führen wird, indem er gegen die Ungläubigen kämpft, gibt es sowohl im Sunnismus als auch im Schiitentum. Die Schiiten – generell gesehen – behaupten, dass sich diese Persönlichkeit seit einer langen Zeit von über 1100 Jahren versteckt. Die Angelegenheit des Mahdi ist im Schiitentum dermaßen wichtig, dass diese selbst im Glauben, dass Khomeini sein Vertreter sei, bis der Mahdi erscheint, eine Rolle gespielt hat. Dies, damit ‚Ayatollah‘ Khomeini in Wahrheit genug Macht besitzt, eine Revolution zu führen. Im Sunnismus hingegen haben Tausende Führer von verschiedenen Gemeinden sich selbst als Mahdi ausgerufen. Die Person, die als Mahdi angesehen wird, gewinnt über seine Anhänger eine große politische Macht. Aus der Weberschen Perspektive betrachtet sind die Mahdi die absolutesten Modelle von charismatischen Autoritäten. Der bei Diskussionen über die Ursprünge des Terrorismus immer erwähnte Hasan Sabbah hat auch diesen Glauben ausgenutzt.[45] Im Koran gibt es dagegen nicht einen einzelnen Vers über den Mahdi. Die meisten der modernen Untersuchungen über die Ahadith haben bewiesen, dass die Ahadith bezüglich Mahdi erfunden sind und für politische Zwecke aufgeworfen wurden.[46] Wenn wir in Erinnerung halten, dass Gerüchte verbreitet werden, dass Usame bin Laden der Mahdi sein könnte, dann kann die Wichtigkeit des Themas vielleicht besser verstanden werden.[47] Letzten Endes genehmigt der Koran nicht, dass irgendein Mensch nach Mohammed epistemologisch gesehen eine Sonderstellung einnehme. Folglich kann eine ungerechte Kriegserklärung nicht dadurch legitimiert werden, indem einigen Menschen gehobene epistemologische Eigenschaften zugeschrieben werden.

Zusammen mit den Bedingungen für eine Kriegseröffnung im Hinblick auf die Kriegsmoral ist auch die Art der Kriegsführung (jus in bello; Recht im Krieg) wichtig. So wie in einem, trotz aus vernünftigen Gründen begonnenen Krieg ungerechte Aktionen begangen werden können, so kann auch ein ungerecht begonnener Krieg trotzdem auf eine gerechte Weise fortgeführt werden. Folgender Koranvers sollte berücksichtigt werden, wenn auf das Thema der Art der Kriegsführung aufmerksam gemacht wird:

2:190 Und kämpft auf dem Weg Gottes gegen jene, die euch bekämpfen, doch überschreitet das Maß nicht, denn Gott liebt die Maßlosen nicht.[48]


Wie deutlich gesehen werden kann, sagt der Koran nicht, während er die Erlaubnis zum Krieg gegen die Angreifer erteilt, dass nach Kriegsbeginn alle Wege zulässig sind, sondern ermahnt im Gegenteil dazu, im Kriegszustand das Maß nicht zu übertreten. Jeder Krieg bildet ein neues Phänomen. Auch der Unterschied zwischen alten und neuen Kriegsmitteln erschwert die Diskussion, wie der Krieg geführt werden soll. Dass der Koran hinsichtlich der Kriegsführung außer bestimmten Grundprinzipien keine Einzelheiten gibt, ermöglicht die Flexibilität, für die Bedingungen der Zeit angemessene Methoden zu entwickeln. Wie es John Kelsay, der das Thema „Islam und Krieg“ aus der vergleichenden Sicht der Arbeiten über Moral behandelt, sagt: „Der Beitrag der Islamischen Welt für die Bedingungen, wie der moderne Krieg geführt werden sollte, ist immer noch in Entwicklung.“[49] Die Formulierungen im Koran, die wir auf den kommenden Seiten behandeln werden und die zeigen, dass Abkommen mit allen „Anderen“ gemacht werden kann, können mit dem Thema bezüglich der Kriegsführung vereint werden.

So wie es im Koran Prinzipen bezüglich Kriegseröffnung und -führung gibt, wird auch ausgesagt, dass der Krieg nicht fortgeführt werden soll, wenn die Gegnerseite den Frieden will. Zwei Verse hinsichtlich dieses Themas lauten wie folgt:

8:61 Und wenn sie zum Frieden geneigt sind, so sei auch du ihm geneigt und vertraue auf Gott. Er ist der Allhörende, der Allwissende. [50]

60:8 Gott verbietet euch nicht, gegen jene, die euch des Glaubens wegen nicht bekämpfen und euch nicht aus euren Heimstätten vertreiben, gütig zu sein und gegen sie gerecht zu handeln. Denn Gott liebt jene, die gerecht handeln. [51]


Wir können sagen, dass der Islam in derselben Richtung Befehle erteilt hat, wie es John Rawls – die meisten, die über Kriegsmoral schrieben, teilen dieselben Ansichten – sagt: „Keine Regierung hat das Recht zum Krieg aufgrund rationaler Gründe, außer wenn vernünftige Gründe existieren.“[52] Wir müssen allerdings zwischen den Muslimen und dem Islam eine klare Unterscheidung vornehmen. Ganz gleich, wie sehr die Muslime die Folger der Religion des Islam sein können, haben auch sie schlussendlich rationale Interessen, die bei den meisten häufig vor die religiösen Pflichten treten; eigentlich waren es meistens die Interessen der politischen Elite, die das Volk mobilisiert haben. Die Fuqaha und Muftis haben auch in vielen Situationen, in denen der Krieg rationale Gründe hatte, Fatwas erteilt, die besagen, dass die Kriege aus religiösen Gründen notwendig seien. Diese Fatwas zu erhalten war wichtig, denn dadurch konnte der Krieg in den Augen des in den Krieg ziehenden Volkes legitimiert werden. Außerdem nutzten sie die Ontologie und die Eschatologie des Islam aus, um die Menschen zu mobilisieren. Laut der Islamischen Ontologie und Eschatologie gibt es nur Einen Gott, der alles erschaffen hat und allmächtig ist. Gott hat nach dieser Welt im Jenseits ein ewiges Leben vorbereitet und jedermanns Platz im Leben im Jenseits wird durch die in dieser Welt begangenen Taten bestimmt. Gemäß Islam wird den Märtyrern, die im Krieg fallen, der im Namen Gottes geführt wurde, im Jenseits das Paradies verheißen. Abschließend beinhaltet der Islam eine Ontologie und Eschatologie, welche die aus den weltlichen Belangen gegründeten schädlichen Absichten bewältigt. Nach dem Islamischen Glauben werden die Märtyrer die Möglichkeit gewinnen, ein vollkommenes ewiges Leben zu führen, indem sie ihr kurzes weltliches Leben aufgeben. Diejenigen, die wegen ihrer rationellen Macht Krieg führen wollen, haben diese Ontologie und Eschatologie benutzt, um zu versuchen, die Massen für den Krieg zu mobilisieren. Als Ergebnis wurde Cihad als ein Überzeugungsmechanismus verwendet und dies ist der Grund, wieso wir sagen, dass Cihad als eine Rhetorik benutzt wurde.

 

Abkommen und kommunikative Handlung gemäß Koran

Kant, der das Verständnis von Hobbes verfolgt, sagt: „Der Friedenszustand unter Menschen, die neben einander leben, ist kein Naturstand (status naturalis), der vielmehr ein Zustand des Krieges ist, das ist wenn gleich nicht immer ein Ausbruch der Feindseligkeiten, doch immerwährende Bedrohung mit denselben. Der fortwährende Friedenszustand muss also gestiftet werden.“[53] Es ist unmöglich, in einer Welt, in der die Kriege die schmerzhaften aber unvermeidbaren Wahrheiten der Menschheit sind, die Entwicklung einer friedlichen Umgebung zu gewährleisten und die Kriege zu überwinden, wenn keine ergiebige Kommunikation vorhanden ist. Deswegen ist es äußerst wichtig, die Ansichten über das Thema im Islam, eine Kommunikation mit den „Anderen“ und besonders mit dem Feind herzustellen, zu verstehen.

Der Prophet Mohammed hat das Abkommen von Hudeybiye mit den Polytheisten unterzeichnet und trotz einiger Unzufriedenheiten der Muslime in seiner Umgebung hat er dieses Abkommen eingehalten.[54] Aber als die Polytheisten das Abkommen brachen, haben auch die Muslime aufgehört, den Vertrag zu erfüllen. Selbst in dieser Situation haben die Muslime nicht den Vertrag gegenüber allen Polytheisten gebrochen und sich gegenüber den Polytheisten, die sich immer noch ans Abkommen hielten, dem Abkommen entsprechend verhalten.[55] Diese Situation wird in diesem Vers deutlich gesehen:

9:4 Davon sind diejenigen Polytheisten ausgenommen, mit denen ihr ein Abkommen habt und die nichts ausgelassen und die keine anderen gegen euch unterstützt haben. Diesen gegenüber haltet den Vertrag bis zum Ablauf der Frist ein. Gott liebt die Rechtschaffenen. [56]


Die Koranverse, welche die Muslime ermahnen, ihre Versprechungen/Eide zu erfüllen, sind sehr wichtig, da sie die Bedeutung zeigen, dass die Muslime gegenüber ihrem unterzeichneten Abkommen treu bleiben müssen. Der untere Vers ist auch ein Beispiel dafür:

17:34 Und seid euren Verträgen treu! Denn die Verträge sind eine Verantwortung. [57]


Dass die Muslime die gemachten Abkommen erfüllen müssen trägt eine dermaßen große Bedeutung, dass selbst dann die vorher gemachten Abkommen berücksichtigt werden müssen, wenn sie anderen Muslimen helfen wollen. Zwei relevante Verse lauten wie folgt:

4:90 Nur diejenigen, die Zuflucht bei einem Volk suchen, mit denen ihr ein Abkommen habt, oder die zu euch kommen, weil ihre Herzen davor zurückschrecken sowohl gegen euch als auch gegen ihr eigenes Volk zu kämpfen, sind unverletzlich. Und hätte Gott gewollt, hätte Er sie gegen euch aufgebracht, damit sie sicherlich gegen euch gekämpft hätten. Darum, wenn sie sich von euch fernhalten und nicht gegen euch kämpfen, sondern euch Frieden bieten, dann hat Gott euch keinen Grund gegen sie gegeben. [58]

8:72 Wahrlich, die Gläubigen und die Auswanderer und jene, die mit ihrem Gut und ihrem Leben auf dem Wege Gottes Cihad betreiben, und jene, die den Auswanderern Herberge und Hilfe geben – diese sind einander Freund. Für den Schutz derjenigen aber, die glaubten, jedoch nicht ausgewandert sind, seid ihr keineswegs verantwortlich, bis sie auswandern. Aber wenn sie in Glaubensangelegenheit eure Hilfe suchen, dann ist das Helfen eure Pflicht, (es sei denn) gegen ein Volk, zwischen dem und euch ein Bündnis besteht. Und Gott sieht euer Tun. [59]


Es wurde nicht ausreichend verstanden, dass die über die Abkommen gemachte Betonung im Koran für die heutigen Angelegenheiten sehr wichtig sein kann. Dies zu betonen ist einer der Gründe für das Schreiben dieses Artikels. Aus den Koranversen ist zu sehen, dass sogar mit denen ein Abkommen gemacht wurde, die die Feinde des Propheten waren, und dass die Muslime sich den Bedingungen dieses Abkommens angepasst haben. Das davon abzuleitende Prinzip ist es, dass es keinen Feind gibt, mit dem die Muslime niemals zu einer Übereinkunft gelangen könnten; die Identität des Feindes kann nicht als Grund akzeptiert werden, kein Abkommen zu machen.

Laut Islam war der Prophet unter dem besonderen Schutze Gottes und seine Richtigkeit gegen seinen Feind wird mittels Offenbarung (Koran) von Gott bestätigt. Die Ansicht, dass es außer ihm jemanden gäbe, der eine epistemologische Sonderstellung besitzt, kann nicht mit dem Koran unterstützt werden. Das daraus ergebende Fazit ist, dass kein Mensch mit seinem Charisma über die Massen an die Stelle der Koranangaben treten, die den Frieden dem Krieg vorziehen, und die Abkommen, die bei der Herstellung und Sicherung einer friedlichen Umgebung ein Hilfsmittel sein kann, aussetzen lassen darf. Dass diese Person eine aus der Geschichte stammende Person oder dass sie eine lebende charismatische Persönlichkeit ist, ändert nichts an der Situation.

Außerdem ist jede Uneinigkeit ein neues Phänomen. Die Ähnlichkeiten vorhandener Uneinigkeiten zu den im Koran geschilderten Ereignissen müssen auf jeden Fall berücksichtig und bewertet werden. Es sollte allerdings nicht vergessen werden, dass diese Ereignisse nicht vollkommen mit den im Koran besprochenen geschichtlichen Phänomenen übereinstimmen. Die Kriegserklärung im Notfall ist nur dann möglich, wenn die Hauptprinzipien im Koran als Grundlage eingehalten werden. Doch die Kriegserklärungen zur Zeit des Propheten und die außerdem gemachten menschlichen Behauptungen, dass der Krieg nötig sei, sind nicht mit derselben Sicherheit richtig, denn beim Zweiten gibt es keine Göttliche Offenbarung. Da mit dem Koran die Offenbarung, die zu den Muslimen kam, beendet wurde, kann fortan keine Cihaderklärung wie die zur Zeit des Propheten unbestreitbar sein. Das aus diesem Zustand abzuleitendes Ergebnis ist die Notwendigkeit, dass die Muslime eine kritische Haltung entwickeln müssen gegenüber Kommentaren, dass der Krieg nötig sei. Diese Sichtweise ist äußerst wichtig, damit die rhetorisierte Verwendung der religiösen Begriffe wegen politischen und individuellen Belangen vermieden werden kann.

Die Muslime glauben aufgrund ihrer Ontologien und ihrer epistemologischen Annäherung gegenüber der Offenbarung an die Existenz universaler Wahrheiten. An diesem Punkt ist die Vorgehensweise der Muslime unterschiedlich zu der von Habermas, der die übermäßigen ontologischen Wahrheiten nicht akzeptiert. Doch auch die Muslime wissen, dass die von ihnen akzeptierten universalen Wahrheiten nicht von jedem als Wahrheiten akzeptiert sein werden. Ist es dann möglich, dass die Muslime mit den „Anderen“ eine Kommunikation aufbauen? Die oben zitierten Verse zeigen, dass dies möglich ist und wenn erforderlich, selbst mit dem Feind eine Kommunikation hergestellt werden kann. Abkommen zu machen bedeutet, mit dem „Anderen“ mittels Sprache in Kontakt zu treten, zu akzeptieren, dass der „Andere“ als der „Andere“ bleiben wird (dies widerspricht dem Verständnis der Schafi vollkommen), trotz der verschiedenen Ontologie und Epistemologie des „Anderen“ einen Kompromiss einzugehen und den übereingekommenen Punkten treu zu bleiben. In der Philosophie ist die Formulierung „kommunikative Handlung“ am meisten durch Habermas berühmt geworden; seiner Meinung nach sollte die Sprache für die „kommunikative Handlung“ als Instrument gebraucht werden, um zur Lösung zu gelangen, und die Parteien sollten es anstreben, zu einer Einigung zu gelangen.[60] Zur Einigung zu gelangen ist der geforderte, am Schluss des kommunikativen Prozesses zu erreichende Zweck. Deswegen ist es von besonderer Wichtigkeit, dass im Koran die Möglichkeit des Abkommens mit den „Anderen“ betont wird, denn dadurch wird die Legitimität und Notwendigkeit des Ablaufs vor der Übereinkunft auf eine klare Weise verdeutlicht.

 

Der Unterschied zwischen Quelle und mobilisierendes Merkmal zu sein

Rapoport hat Recht, wenn er sagt, dass Religionen sowohl Gewalt vermindernde als auch Gewalt fördernde Aspekte haben.[61] Dennoch denken wir entgegen vieler Leute, dass die Behauptung, die Quelle der meisten Kriege in der Geschichte seien die Religionen, ungerechtfertigt ist. Der erste zu beachtende Punkt ist, dass ein Großteil der geschriebenen Geschichte eine Geschichte der Kriege ist und dass es zweifellos viele mutmaßlich vorhandene Kriege gibt, die aufhörten, doch davon wird in den Geschichtsbüchern nicht geschrieben. Falls die Schuld der ausgebrochenen Kriege den Religionen zugeschrieben wird, sollten dann nicht auch die Religionen für die verhinderten Kriege gelobt werden? Wenn religiöse Institutionen verantwortlich für die Kriege sind, sind sie dann nicht auch verantwortlich für den Frieden? Jene, die die Schuld der geführten Kriege den Religionen zuschreiben, verweigern den Religionen das Lob für die gestoppten/verhinderten Kriege; weil die Geschichtsbücher sowieso fast keine Informationen der verhinderten Kriege beinhalten, ist dies auch nicht allzu möglich. Da nur die Geschichte der eingetretenen Kriege bekannt ist, ist es aus diskursiver Sicht schwer, eine unterschiedliche Sichtweise zu entwickeln. Zudem ist der zu erinnernde Punkt der, dass das 20. Jahrhundert die Zeit war, in der die Religionen in der bekannten Geschichte den kleinsten Einfluss auf das Volk hatten, in der aber die Anzahl der Menschen, die in den Kriegen gestorben sind, die höchste ist. Im Großteil der Menschheitsgeschichte war das wichtigste Merkmal, das dem menschlichen Leben eine Richtung gab, die Religion. Aus diesem Grund ist es, dass mensch sich gezwungen sah, religiöse Rhetorik zu gebrauchen, um die Massen zum Krieg zu mobilisieren, ganz gleich, welche die wahren Gründe für die Kriege waren. Wäre in vielen Situationen diese Rhetorik nicht gewesen, wäre Krieg unmöglich gewesen. So wie es die Historiker in unzähligen Ereignissen gezeigt haben, liegt die Hauptursache für viele aus religiöser Rhetorik geführte Kriege im Wunsch, die ökonomische und politische Macht zu erweitern. Wie bereits Hans Morgenthau mit seiner Theorie des „politischen Realismus“ (political realism) vorgebracht hat, sind die Machtkalküle der Menschen, die nicht rational, objektiv und emotional sind, die wahre Quelle des Krieges geworden.[62]

Die Religionsmoral, welche die Vorgehensweise des die ethischen Besorgnisse nicht mitberücksichtigenden politischen Realismus behindert, wurde im Allgemeinen mit den Interpretationen der „Religionsgelehrten“ überwunden und die engen Beziehungen zwischen diesen „Religionsgelehrten“ und den politischen Autoritäten haben darin eine wichtige Rolle gespielt. Kant nimmt die Unterscheidung zwischen dem „moralischen Politiker“ und dem „politischen Moralisten“ vor. Der erstere von beiden ist die Person, die die politischen Prinzipien der Moral so kommentiert, dass sie der Moral entspricht. Der andere hingegen ändert die moralischen Regeln so, dass sie zu seinem eigenen Vorteil sind.[63] Die Hauptabsichten der „politischen Moralisten“ sind die Maxime die Macht des „politischen Realismus“ zu sichern und zu erweitern. Die rhetorisch verwendeten religiösen Begriffe wurden in den Händen der „politischen Moralisten“ als Instrumente des „politischen Realismus“ gebraucht. Deshalb können wir sagen, dass in vielen Beispielen, von denen geglaubt wird, dass die Kriege im Namen der Religion geführt wurden, eigentlich die religiöse Rhetorik verwendet wurde, um die Massen lediglich zu mobilisieren. Obwohl es Fälle gibt, in denen die ethischen Werte gesiegt haben, wurde die Gegebenheit, wie bereits oben erwähnt, dass die Geschichte eigentlich eine Geschichte der Kriege ist, zum Grund, dass diese Beispiele nicht so sehr Aufmerksamkeit erlangt haben. Nach unserer Auffassung ist die religiöse Vorgehensweise gegenüber der des „politischen Realismus“ in der Absicht, den Weltfrieden herzustellen, um einiges vorteilhafter. Denn die erste besagt, dass es wichtigere Belange gibt als weltliche Interessen, wohingegen die zweite aussagt, dass wenn nötig Krieg geführt werden soll, um Macht zu erlangen, und dass das Ziel des Machtgewinns in dieser Welt ohne die Berücksichtigung emotionaler Vorgehensweisen wie ethische Werte verwirklicht werden soll. Deshalb ist es eine Notwendigkeit, dass im kommunikativen Prozess, der für die Entstehung der für das Herstellen und Sichern des Friedens nützlichen Institutionen erforderlich ist, aus allen großen Weltreligionen Nutzen gezogen wird, entgegengesetzt zur Vorgehensweise der „politischen Realisten“. Denn diese scheut sich nicht davor, den Weltfrieden in Gefahr zu bringen wegen rationalen Berechnungen wie ökonomische Interessen.

Wir denken, dass das Thema, ob der Islam in Gewalthandlungen die Quelle oder das Mobilisierungsmerkmal ist, gut differenziert werden sollte. Wir beobachten, dass viele Personen ohne diese Differenzierung vorzunehmen den Islam in vielen Ereignissen als Quelle der Gewalt zeigen, bei denen der Islam als Bestandteil der Mobilisierung verwendet wird. Dass der Islam die Quelle der Gewalt ist, heißt, dass die Gewalt nur aufgrund dessen ersteht, weil sie vom Islam befohlen wird. Denn der Islam ist für die Muslime die Quelle bezüglich vieler Handlungen und Verbote, wie z. B. der Befehle wie „verrichtet das Kontaktgebet“ und „fastet“ und der Verbote wie „esst kein Schweinefleisch“; der „ausreichende Grund“ der erwähnten Befehle ist der Islam. Die einzige Quelle, welche gewährleistet, dass das besagte Benehmen der Muslime eingehalten wird und dass sie von den Verboten fern bleiben, ist der Islam. Wenn wir allein die von Muslimen geführten Verteidigungskriege außer Acht lassen, können wir sagen, dass beinah hinter allen Kriegen ein ökonomischer oder politischer Grund lag. Selbst bei den vielen Verteidigungskriegen, welche die Muslime führten, können wir nicht sagen, dass der Islam wie im Sinne der Befehle „beten“ und „fasten“ die Quelle war. Wenn auch viele angegriffene Völker nicht Muslime waren, kann allemal gesagt werden, dass diese bei einem Angriff einen Verteidigungskrieg beginnen werden. Wenn außerdem bestimmte politische oder ökonomische Probleme nicht erlebt worden wären, wären die meisten der Kriege, von denen angenommen wird, sie seien im Namen des Islam geführt worden, gar nicht eingetroffen. Das heißt, der Islam ist nicht der „ausreichende Grund“ dieser Kriege. Eigentlich ist der Islam meist nicht die Quelle der mit der islamischen Rhetorik geführten Kriege und Gewalthandlungen; jedoch wurde er als Mobilisierungselement verwendet.

Nebst den auf dem Weg der Kommunikationsherstellung zwischen den Kulturen unter die Lupe zu nehmenden theologischen, moralischen und philosophischen Problemen, sollte auch versucht werden, die konkreten Fragen der zentralen Probleme zu lösen. Laut Huntington ist das Hauptproblem zwischen den Kulturen nicht ökonomischer Herkunft, sondern kultureller und religiöser, das heißt, der Grund für den Zusammenprall der Kulturen ist, verschiedenen Religionen anzugehören.[64] Dieser Ansatz ist eine Ursache dafür, dass die ökonomische Dimension der Probleme zwischen dem Westen und den muslimischen Ländern nicht ausreichend verstanden werden kann. Habermas lehnt die Vorgehensweise von Huntington ab, denn er ist der Überzeugung, dass der Grund der aus der Globalisierung entstandenen Kommunikationsprobleme nicht die Kultur, sondern die Ökonomie ist.[65] Die muslimischen Länder sind unter den ärmsten Ländern der Welt, obwohl sie im Besitz der reichsten Erdgas- und Erdölquellen der Welt sind. Obwohl 22% der Weltbevölkerung muslimisch ist, werden nur 3.8% der Erträge auf der Welt von Muslimen produziert.[66] Bei einem wichtigen Teil der Muslime, die denken, dass sie ökonomisch gesehen ausgebeutet werden und dass ihnen in Palästina Unrecht getan wird, hat sich gegen den Westen ein Gefühl des Hasses gebildet. (In diesem Artikel wird nicht darüber diskutiert, ob die Muslime ökonomisch ausgebeutet werden oder nicht oder ob ihnen in Palästina Unrecht getan wird oder nicht. Es ist aber klar, dass ganz egal, wie die Vorgehensweise in diesen Themen auch aussieht, ohne die allgemeine Mentalität der Mehrheit der Muslime zu verstehen, kein kommunikatives Verfahren entwickelt werden kann, das die Probleme lösen wird.) Das Hassgefühl beschädigt die Kommunikation zwischen den Kulturen und dieses Gefühl wird von den Gewalthandlungen verwirklichenden Gruppen oder Regierungen genutzt.

So wie auch Habermas darauf aufmerksam macht, können wir sagen, dass die elementarsten Probleme der gegen muslimische Regierungen gerichteten oder im Namen des Islam begangenen Gewalthandlungen ökonomische Angelegenheiten sind. Wird aus aus der Perspektive der Glaubens- und Kulturerben betrachtet, entstammen alle beide dem abrahamitischen Brauch. Die westliche und islamische Kultur sind einander viel näher, als viele der anderen Kulturen der Welt. Wenn einige islamische Gruppen gegen den Westen – wie Huntington andeutete – nur aufgrund des Religions- und Kulturunterschieds Gewalt anwenden würde, wäre es dann nicht erforderlich gewesen, dass sie zuerst Japan oder China angreifen, die im religiösen Sinne um einiges unterschiedlicher als sie selbst sind? Oder würden sie Gewalt gegen einige Länder anwenden, nur weil sie westlich oder christlich sind, müssten sie ihr Benehmen gegenüber Amerika und England nicht auch gegen die Schweiz und Brasilien richten? Gemäß Huntington ist das Hauptproblem des Westens nicht der islamische Fundamentalismus, sondern der Islam selbst. Jene, die seinen Ansatz teilen, könnten versuchen, die Kultur der muslimischen Welt gewaltsam zu ändern oder alle Möglichkeiten nützen, ihr ihre eigenen Kulturen aufzuerlegen. Doch derartige Bemühungen werden nur der Auslöser neuer Gewalthandlungen sein. Wie Abdul Aziz Said und Meena Sharify Funk in einem ihrer Artikel sagen: „Huntingtons Modell ist voll von Behauptungen, welche die kulturell-vorrangige Bedingung voraussetzen, dass die gesamte Welt sich den Normen des Westens anpassen muss für eine geordnete, sichere und stabile Welt. Falls die anderen es nicht schaffen, sich anzupassen, dann werden die Probleme und/oder Zusammenstöße unvermeidlich werden.“[67] Andererseits versuchen jene, die wie Habermas denken, die ökonomischen Probleme zu lösen. Wenn die Quelle des Problems falsch bestimmt wird, wird auch die angewandte Behandlung falsch sein. Viele Personen versuchen, den Islam als wahres Problem darzustellen und die These der „Zusammenprall der Kulturen“ wird als Mittel gebraucht, um den Zusammenprall der Kulturen auftreten zu lassen.

 

Außergewöhnliche Dringlichkeitsausnahme

Jene, die die Gewalt nicht aus den Händen geben wollen, gebrauchten und gebrauchen manchmal „Terror“ und an anderer Stelle „Cihad“ als Rhetorik, damit die Massen die Legitimität der Kriege akzeptieren und damit sie gegen den Feind mobilisiert werden. Während die Einen auf der einen Seite der Welt von den Medien, der ökonomischen Macht und den mit der letzten Technologie hergestellten Waffen Nutzen ziehen, versuchen die Anderen auf der anderen Seite der Welt den elektronisch ausgerüsteten Truppen mit der Guerilla Kriegstaktik zu antworten. Diejenigen, die „Terror“ als Rhetorik verwenden, wollen, dass all ihre Handlungen diskussionslos akzeptiert werden. Ebenso versuchen diejenigen unbestreitbar zu sein, die „Cihad“ als Rhetorik verwenden, mit der Behauptung, dass gegen sie vorzugehen gleich sei wie gegen den Islam vorzugehen. Beide Seiten versuchen die Einwände mit ihren eigenen Rhetoriken („Terror“ und „Cihad“) zum Schweigen zu bringen. Die eine Seite, die den Ländern den Krieg eröffnet, um ihren gebrochenen Stolz wiederherzustellen, da sie die unter den Zivilisten versteckten Täter nicht fangen konnten, wird zum Anlass, dass Zivilisten sterben. Die andere Seite hingegen wird zum Grund, dass Tausende von Zivilisten sterben, da sie Angriffe auf zivile Ziele arrangieren, um Rache an ihren Gegnern zu nehmen, deren technologische Überlegenheit unumstritten ist. Abschließend sterben auf beiden Seiten Kinder, Frauen und Menschen, die vom Geschehen nichts mitbekommen. Das Kantsche Prinzip „Es soll sich kein Staat im Kriege mit einem andern solche Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Zutrauen im künftigen Frieden unmöglich machen müssen.“[68] wird ständig gebrochen. Die eigentliche Gefahr ist, dass die heutigen Erlebnisse in der Zukunft Auslöser für noch größere und unaufhaltbare Ereignisse ist. Um sich aus dieser ziemlich gefährlichen Sackgasse zu befreien, scheint es keine andere Lösung als die Herstellung eines fruchtbaren Kommunikationsprozesses zwischen den Kulturen zu geben.

Jene, die mit der Rhetorik von „Cihad“ bzw. „Krieg gegen Terror“ zum Anlass für das Sterben der Zivilisten werden, schieben verschiedene Gründe vor, damit ihre Verhaltensweisen akzeptiert werden. Dies sind generell mit dem Ausdruck von Michael Walzer „mit dem Rücken zur Wand“ (back to the wall) Argumente; wenn es also im Krieg hoffnungslos und unpraktisch wird, mit den gewohnten Wegen der Abwehr zu widerstehen, dann wird jeder Weg zum Sieg zulässig.[69] Das von Walzer gegebene Beispiel aus der Geschichte ist das England der 1940er: Aufgrund der Wahrscheinlichkeit, dass die Nazi Drohung sie vernichten könnte, ist die Situation der „außergewöhnlichen Dringlichkeit“ entstanden, die es erfordert, dass die Rechte der unschuldigen Menschen außer Acht gelassen werden und das Kriegsabkommen gebrochen wird.[70] Walzer sagt: „Sie konfrontieren uns mit der Notsituation und die Not kennt keine Regel.“[71] Und Rawls erkennt die „außergewöhnliche Dringlichkeitsausnahme“ an. Rawls sagt: „Diese Ausnahme erlaubt uns – in einigen speziellen Situationen – die definitiv bestimmten Zustände der Zivilisten wegzulegen, welche sie unter normalen Bedingungen daran hindern, während einem Krieg unmittelbar einem Angriff zu begegnen.“[72] Wie auch Andrew Fiala darauf hinwies, eine der philosophischen Thesen ist der Ansatz der „außergewöhnlichen Dringlichkeitsausnahme“, die verwendet wird, um „Krieg gegen Terror“ durchsetzen zu können.[73] Doch im Zustand „mit dem Rücken zur Wand“ können ebenso die Verfechter von „Krieg gegen Terror“ wie die Verfechter von „Terror“ die These der „außergewöhnlichen Dringlichkeitsausnahme“ gebrauchen, um ihre Aktionen zu rechtfertigen. Andererseits sind für die Vertreter der „Ausnahmen nicht akzeptierenden“ Kantschen Moral[74], ganz gleich aus welchem Grund auch immer, beide Parteien im Unrecht, die zum Anlass wurden, dass Zivilisten sterben. Diese Darstellung wird aus philosophischer Sicht zu ironischen Schlussfolgerungen führen: Während der Rawlssche Ansatz der „außergewöhnlichen Dringlichkeit“ eine These ist, welche von beiden Seiten beim Versuch gebraucht werden kann, um die eigene Berechtigung zu fundieren, kann der Kantsche Ansatz zu einer These werden, welche von beiden Parteien gebraucht werden kann, um die jeweils andere zu beschuldigen. Eigentlich kann aus der Sicht des praktischen Ergebnisses kein Unterschied gesehen werden zwischen dem, wenn beide kriegenden Gruppen ihre eigene Rechtfertigung legitimieren, und dem, wenn entschieden wird, dass alle beide im Unrecht sind. Es ist natürlich aus philosophischer Sicht erforderlich, die ethische Lage der angewandten Gewalthandlungen zu besprechen. Doch es scheint nicht sehr wahrscheinlich zu sein, am Schluss dieser Besprechungen zu übereinstimmenden Meinungen zu gelangen und Schlussfolgerungen zu erhalten, die in der Praxis die Gewalt stoppen. Deshalb wird es nützlicher werden, die philosophischen Diskussionen auf Bereiche zu konzentrieren, in denen mehr Ergebnisse zu erwarten sind. Vorrangig ist es erforderlich, sich der Frage zuzuwenden, wie die Kommunikation zwischen den Kulturen hergestellt werden soll und dann zur Frage überzugehen, was die konkreten Organisationen sein könnten, welche den internationalen Frieden herstellen und schützen werden, und wie diese gegründet werden sollen.

Wie Hannah Arendt darauf hindeutete, ist eine der besten Lösungswege, um die Einzelpersonen vor Schaden zu schützen, die aktive Teilnahme am politischen Prozess.[75] Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Muslime dort, wo sie in der Minderheit sind, und dass auch in den mehrheitlich muslimischen Staaten diejenigen, die in der Minderheit leben, in diesen Ländern in politischen/öffentlichen Bereichen teilnehmen. Ein noch wichtigerer Punkt ist allerdings, dass sich die mehrheitlich muslimischen Länder an den internationalen Abläufen intensiv beteiligen. Dadurch können die mehrheitlich muslimischen Länder noch mehr vom Schutz dieser Organisationen profitieren, während diese Organisationen in den Augen der muslimischen Massen legitim werden und somit ihre Fähigkeit erweitern können, die Probleme zu lösen. Besonders die Reformen, die hinsichtlich der Vetorechte der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats gemacht werden müssen, sind wichtig, um zeigen zu können, dass diese Organisation nicht neben dem Mächtigen, sondern dem Gerechten ist. Nachdem konkrete Schritte gemacht wurden, welche die Legitimität dieser Organisation verstärken werden, müssen Abkommen ausgearbeitet werden, welche die muslimischen Länder als aktive und gleichwertige Partei umfassen und vom Konsens abhängen, auf welche Art und Weise der Krieg verhindert und geführt werden soll.

Der kommunikative Prozess kann auch bei den außerhalb der Vereinten Nationen gegründeten Institutionen und Milieus auf viele verschiedene Arten ausgeführt werden. Es wird auf beiden Seiten solche geben, die keine Kommunikation herstellen wollen, doch die Entschlossenen sollten sich ohne die Anderen zu beachten darum bemühen, diesen Prozess zu entwickeln. Wir können den kommunikativen Prozess entwickeln, indem wir die auf ökonomisch bestimmten Interessen fußenden Kriege kritisieren und anstelle der Sprache der Gewalt die Sprache des Dialogs fördern. Wenn wir uns von den Rhetoriken befreien können, welche im Gewaltbazar als Mittel verwendet werden, werden wir ein sehr großes Hindernis überwunden haben in der Suche nach Dialog und Frieden. Der zu verwirklichende erforderliche, nützlichste philosophische Erfolg in Bezug auf dieses Thema ist es, selbst in den Zeiten, in denen die „politischen Moralisten“ an der Macht sind, beschreiben zu können, wie die konkreten Institutionen sein könnten, die den Weltfrieden auf beste Art und Weise schützen werden, und das Konzept des kommunikativen Verfahrens zu entwickeln, welche diese Institutionen gründen werden.

 

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Fußnoten

[1] Einen wichtigen Teil dieser Abhandlung habe ich während meiner Zeit als Gastdozent (visiting scholar) an der Universität Tokio fertiggestellt. Ich danke der Universität von Tokio, den wertvollen Lehrbeauftragten Masataka Takeshita und Harun Anay, die zur Verwirklichung meiner Arbeit beigetragen haben.

[2] Leviathan ist ein im Alten Testamen erwähntes Seemonster. In der Politikwissenschaft und Philosophie hingegen ist er als Name eines Buchs von Thomas Hobbes berühmt. Hobbes legitimiert mit „Leviathan“ die absolute Macht des souveränen Herrschers, indem er sagt, dass es schlechter ist, dass das Volk von Chaos beherrscht wird.

[3] Jacques Derrida, Autoimmunity: Real and Symbolic Suicides, A Dialogue with Jacques Darrida, Interview mit Giovanna Borradori, Philosophy in a Time of Terror, Übers.: Pascale-Anne Brault and Michael Nass, Revident: Jacques Derrida, (The University of Chicago Press, 2003), s. 106-107

[4] Nezih Tavlas, Terörü Tanimlamak, (Strateji Dergisi, Sayi 2, 1995), s. 125

[5] Obwohl viele Menschen ohne die Bedeutung von Terror zu kennen das Wort so gebrauchen, denke ich nicht, dass irgendjemand in einer platonischen Welt behaupten wird, dass es eine dem Terror entgegnende „Idea“ gibt.

[6] Ludwig Wittgenstein, Philosophical Investigations, (Blackwell Publishing, 2001). Dieses Buch ist das Werk, das die Philosophie von Wittgenstein in seiner zweiten Phase zeigt.

[7] Michel Foucault, Power, Right, Truth, ed. Robert E. Goodin and Philip Pettit, Contemporary Political Philosophy içinde, (Blackwell Publishers, 2002), s. 543

[8] Bruce Hoffman, Inside Terrorism, (Columbia University Press, 1998), s. 15

[9] Bruce Hoffman, ibid, s. 31

[10] Terrorism Definitions, www.fbi.gov/publications/terror/terror2000_2001.htm, Code of Federal Regulations 28. Artikel, Absatz 0.85, (20. April 2006)

[11] Tomis Kapitan, „Terrorism“ as a Method of Terrorism, ed: G. Meggle, Ethics of Terrorism and Counter Terrorism‘, (Ontos-Heusenstamm, 2004), s. 23

[12] Jurgen Habermas, Fundamentalism and Terror, A Dialogue with Jurgen Hobermars, Interview mit Giovanna Borradori, Philosophy in a Time of Terror içinde, Übers.: Luis Guzman, Revident: Jurgen Habermas, (The University of Chicago Press, 2003), s.28

[13] Mehmet Ali Civelek, Küresellesme ve Terör, Saldirganlik Gerçegi, (Ütopya Yayinevi, 2001), s. 288

[14] Jacques Derrida, Ibid, s.103

[15] C.A.J. Coady, The Morality of Terrorism, (Philosophy 60, 1985), s. 47

[16] C.A.J. Coady, ibid, s.63-64

[17] Tomis Kapitan, ibid, p.28, siehe außerdem; Tomis Kapitan, The Rhetoric of Terrorism and Its Consequences, (Journal of Political and Military Sociology, Summer 2002)

[18] Deniz Ülke Aribogan, Tarihin Sonundan Barisin Sonuna, (Timas Yayinlari, 2003), s.78

[19] M. Hayri Kirbasoglu, Islam Düsüncesinde Hadis Metodolojisi, (Ankara Okulu Yayinlari, 1999), s. 14-15

[20] Abdülkerim Özaydin, „Hasan Sabbah“ maddesi, Türkiye Diyanet Vakfi Islam Ansiklopedisi, 16. Cilt (Türkiye Diyanet Vakfi, 1997) s. 348-350

[21] John L. Esposito, Unholy War, (Oxford University Press, 2002), s. 34

[22] Michael S. Swetham, Yonah Alexander, Bir Terörist Aginin Profili: Usame Bin Laden, (Güncel Yayincilik, 2001), s. 129-130

[23] David C. Rapoport, Some General Observations on Religion and Violence, (Journal of Terrorism and Political Violence, no:3, 1991), s. 122

[24] Bekir Karliga, Cihad ve Terör, (Karizma, Mart, 2002), s. 118-119

[25] Kuran-i Kerim, çev: Ali Bulaç, (Bakis Yayinlari), s. 119

[26] Kuran-i Kerim, ibid. s. 30

[27] Kuran-i Kerim, ibid. s. 201

[28] Ahmet Özel, „Cihad“ maddesi, Türkiye Diyanet Vakfi Islam Ansiklopedisi, Cilt 7, (Türkiye Diyanet Vakfi Yayinlari, 1993), s. 528-529

[29] Kuran-i Kerim, ibid. S. 116

[30] Kuran-i Kerim, ibid. S. 115

[31] Kuran-i Kerim, ibid. S. 116

[32] Hasan Elik, Dini Özünden Okumak, (Marmara Üniversitesi Ilahiyat Fakültesi Yayinlari, 2004), s. 165-182

[33] Ahmet Özel, ibid, s. 529

[34] Muhammed Esed, Kuran Mesaji, çev: Cahit Koytak, Ahmet Ertürk, (Isaret Yayinlari, 1996), s. 30-31

[35] Kuran-i Kerim, ibid, s. 62

[36] Kuran-i Kerim, ibid, s. 37.

[37] Kuran-i Kerim, ibid, s. 358

[38] Ismail Al-Faruqi, The Nature of Islamic Da’wah, Christian Mission and Islamic Da’wah, (The Islamic Foundation, 1982), s. 33-38

[39] Walter Reich, Origins of Terrorism, (Woodrow Wilson Center Press, 1990), s. 121

[40] Bruce Hoffman, Inside Terrorism, (Columbia University Press, 1998), s. 89

[41] Niccollio Machiavelli, Discourses, Übers.: Leslie J. Walker, (Penguin Books, 1955), s. 135

[42] Kuran-i Kerim, ibid, s. 284

[43] Kuran-i Kerim, ibid, s. 289

[44] Hüseyin Pazarci, Uluslararasi Hukuk, Turhan Kitabevi, (2005), s. 512-513

[45] Ali Coskun, Mehdilik Fenomeni , (Iz Yayincilik, 2004), s.343-345

[46] M. Hayri Kirbasoglu, Alternatif Hadis Metodolojisi, (Kitabiyat, 2004), s. 369-370

[47] Timothy R. Furnish, Bin Laden: The Man Who Would Be Mahdi, (The Middle East Quarterly, Spring 2002)

[48] Kuran-i Kerim, ibid, s. 30

[49] John Kelsay, Islam and War, (John Knox Press, 1999), s.76

[50] Kuran-i Kerim, ibid,s. 114

[51] Kuran-i Kerim, ibid, s. 329

[52] John Rawls, The Law of Peoples, (Harvard University Press, 2002), s. 91

[53] Immanuel Kant, Sürekli Baris Üstüne Felsefi Bir Deneme, çev: Nejat Bozkurt, Seçilmis Yazilar içinde, (Remzi Kitabevi 1984) s. 233

[54] Muhammed Hamidullah, „Hudeybiye Antlasmasi“ maddesi, Türkiye Diyanet Vakfi Islam Ansiklopedisi, Cilt 18, (Türkiye Diyanet Vakfi Yayinlari, 1993) s. 297-299

[55] Elmalili M. Hamdi Yazir, Hak Dini Kuran Dili, Cilt 4, (Zehraveyn), s. 278-279

[56] Kuran-i Kerim, ibid, s. 115

[57] Kuran-i Kerim, ibid, s. 166

[58] Kuran-i Kerim, ibid, s. 63

[59] Kuran-i Kerim, ibid, s. 115

[60] Jurgen Habermas, The Theory of Communicative Action, Übers.: Thomas McCarthy, Band 1, (Beacon Pess, 1985)

[61] David Rapoport, ibid, s. 118

[62] Hans J. Morgenthau, Politics Among Nations: The Struggle for Power and Peace, (Alfred A. Knopf, 1978)

[63] Immanuel Kant, ibid, s. 128

[64] Samuel Huntington, The Clash of Civilizations and The Remaking of World Order, (Simon and Shuster, 1997)

[65] Giovanna Borradori, Philosophy in a Time of Terror, (The University of Chicago Press, 2003), s. 65

[66] Ahmet Sözen, Küresellesmenin Getirdikleri ve ABD’nin Ikilemi, (Karizma, Ocak-Mart 2002), s. 55

[67] Abdul Aziz Said, Meena Sharify-Funk, Dynamics of Cultural Diversity and Tolerance in Islam, Cultural Diversity in Islam içinde, ed. Abdul Aziz Said, Meena Sharify-Funk, (University Press of America, 2003), s. 19

[68] Immanuel Kant, ibid, s. 230

[69] Michael Walzer, Just and Unjust Wars, (Basic Books, 1992), s. 252

[70] Michael Walzer, ibid, s. 259

[71] Michael Walzer, ibid, s. 254

[72] John Rawls, ibid, s. 98

[73] Andrew Fiala, Terrorism and The Philosophy of History: Liberalism, Realism and Supreme Emergency Exemption, (Essays in Philosophy, April 2002)

[74] Immanuel Kant, Critique of Practical Reason, Übers.: James Creed Meredith, (Clarandon Press, 1978)

[75] Hannah Arendt, The Origins of Totalitarianism, (Harvest Books, 1973)

Wissenschaftliche Analyse der Schöpfungsgeschichte

Teil 1: Entstehung und Schöpfung des Menschen

Wissenschaftlich-philosophische Analyse der Schöpfungsgeschichte

Obwohl die Evolutionstheorie von der Orthodoxie geleugnet wird und jegliche Versuche zu deren Widerlegung und Manipulation der Massen unternommen werden, gibt es mehrere Verse im Koran, die diese Theorie stützen. Allerdings wird ebenfalls die wissenschaftliche Annahme, die Schöpfung basiere ausschließlich auf dem Prinzip des Zufalls und der Notwendigkeit verworfen (siehe auch: Göttlich kontrollierte Evolution). Im Folgenden werden die Verse aufgelistet, die von einem Prozess, der in mehreren Stufen verlief, berichten und somit auf einen Evolutionsprozess hinweisen.

71:13-14 Was ist euch, dass ihr von Allah nicht Weisheit und Gesetztheit erwartet, da Er euch doch in verschiedenen Stufen und verschiedenen Formen erschaffen hat?

82:7-8 Der dich erschuf und dann dich vollendete und gestaltete? In der Form, die Ihm beliebte, hat Er dich gebildet.

76:1 Wahrlich, es kam über den Menschen eine Zeit, da er nichts Nennenswertes war.


Natürlich ist es möglich diese Verse auf die Embryologie zu beziehen, denn auch dies wäre zutreffend. Allerdings gibt es auch Aussagen darüber, welche Voraussetzungen für die Entwicklung gegeben sein mussten. Wir finden Referenzen zu einer Entwicklung aus:

  1. Wasser (24:45; 21:30)
  2. Lehm, Schlamm, Erde, Staub (6:2, 7:12, 15:25, 15:28, 15:33, 20:53-55, 23:12, 37:11, 18:37)

Auch die moderne Wissenschaft bestätigt mit der Theorie zur Mikroevolution eine Entwicklung von Leben im Wasser aus anorganischen Bestandteilen (Erde/Schlamm/Staub) und die Katalysation der chemischen Reaktion an feuchten Lehm- und Tonmineralien, an denen konstante biochemische Verbindungen entstanden, nachdem der Lehm austrocknete. Ist es ein Zufall dass im Koran einmal von feuchtem Lehm und dann wieder von trockenem Ton die Rede ist oder ein Hinweis auf die Richtigkeit dieser noch relativ neuen Erkenntnisse?

Lehm als Voraussetzung für die Entstehung höherer Lebensformen

Amerikanische Wissenschaftler der University of California entdeckten einen Zusammenhang zwischen dem Auftauchen größerer Mengen von Lehm- und Tonmineralien und den ersten komplexeren Lebensformen. Ihrer Theorie zufolge verhinderten die Tonmineralien die Oxidation von organischen Bestandteilen aus dem Meer. Als Folge dessen wurde weniger Sauerstoff verbraucht, welcher sich in der Atmosphäre und im Meer anreichern konnte und die Voraussetzung für das Auftauchen komplexerer Organismen war.

Die Orthodoxie sollte sich Gedanken darüber machen, ob die Notwendigkeit zur Leugnung der Herrlichkeit Gottes und seiner Schöpfung weiterhin bestehen muss und ob das Wunder der Schöpfung durch wissenschaftliche Beweise an Intensität verliert. Ist es nicht ein größeres Wunder, dass Gott im Koran das bestätigt, was wir erst heute zu verstehen beginnen?

Teil 2: Die Erkenntnis, der Sündenfall und das Ziel

Der zweite Teil dieser Analyse soll sich mit der geistigen Entwicklung, welche ebenfalls auf mehreren Stufen verlief, beschäftigen.

2:30 Und als dein Herr zu den Engeln sprach: „Wahrlich, Ich werde auf der Erde einen Nachfolger einsetzen“, sagten sie: „Willst Du auf ihr jemanden einsetzen, der auf ihr Unheil anrichtet und Blut vergießt, wo wir doch Dein Lob preisen und Deine Herrlichkeit rühmen?“ Er sagte: „Wahrlich, Ich weiß, was ihr nicht wisst.“


Gott entschied sich, auf der Erde ein Lebewesen zu erschaffen, welches sich von allem bisher da gewesenen unterschied. In folgenden Versen erfahren wir, wo dieser Unterschied lag.:

2:31-33 Und Er brachte Adam alle Namen bei, dann brachte Er diese vor die Engel und sagte: „Nennt mir die Namen dieser Dinge, wenn ihr wahrhaftig seid!“ Sie sprachen: „Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen außer dem, was Du uns gelehrt hast; wahrlich, Du bist der Allwissende, der Allweise.“ Er sprach: „O Adam, nenne ihnen ihre Namen!“ Und als er ihnen ihre Namen nannte, sprach Er: „Habe Ich nicht gesagt, dass Ich das Verborgene der Himmel und der Erde kenne, und dass Ich kenne, was ihr offenbart und was ihr verborgen gehalten habt.“


Der Unterschied bestand offensichtlich in der Fähigkeit zur Abstraktion von Gedanken. Im Gegensatz zu anderen Lebewesen war der Mensch in der Lage, Dinge eindeutig zu identifizieren und seine Gedanken insofern zu abstrahieren, dass er dem Erkannten Bezeichnungen zuschrieb. Er konnte „ihre Namen nennen“. Es wird hier demnach ein bestimmter evolutionärer Entwicklungsstand beschrieben. Diese Angaben beinhalten die Aussage über die Definition des Menschlichen, was ihn von anderen Lebewesen/Materien unterscheidet. Auf dieser Entwicklungsstufe befand sich der Mensch noch in einem Zustand, der als Garten (Garten Eden als synonym für Paradies) bezeichnet wird.
Interessanterweise ist auch im Koran von einem Zustand die Rede, was uns zeigt, dass der „Garten“, welcher hier beschrieben wird, kein Synonym für einen anderen Ort oder eine andere Dimension darstellt.

2:36 Doch Satan ließ sie dort straucheln und brachte sie aus dem Zustand heraus, in dem sie waren.


Durch die Fähigkeit zur Abstraktion erlangte der Mensch auch die Möglichkeit in gewissen eng gelegten Grenzen eigenständige Entscheidungen zu treffen. Ein Beispiel an anderen Lebewesen und Materie soll dies verdeutlichen. Bis auf den Menschen fügen sich alle Lebensformen (unter diesen Begriff soll in unserem Fall alles Existierende fallen; z.B. Tiere, Planeten, Steine etc.) ohne Ausnahme und ohne die Möglichkeit selbstständig zu handeln in ein göttliches System ein. Ein jedes erfüllt in diesem System bestimmte fest definierte Aufgaben und befindet sich in einem Kreislauf, aus dem es nicht ausbrechen kann und innerhalb dessen es keine Möglichkeit besitzt eigenständig zu handeln. Ein Asteroid wird seine Umlaufbahn nicht verlassen, bis nicht ein Ereignis eintritt, welches ihn dazu zwingt, dies zu tun. Hierauf hat er jedoch keinen Einfluss, denn das von Gott erschaffene immanente System legt die Regeln fest, nach welchen sich der Asteroid verhalten wird.
Ebenso handelt ein Tier lediglich nach seinen von Gott gegebenen Instinkten. Allein aufgrund des Umstandes, dass eine Maus eine Maus ist, lassen sich Voraussagen darüber treffen, wie sich diese in einer bestimmten Situation verhalten wird. Auch sie hat nicht die Möglichkeit, aus dem System auszubrechen, denn die Voraussetzungen hierfür sind nicht vorhanden.

Das, was den Menschen von den anderen Lebewesen unterscheidet, ist die Fähigkeit, aus dem System in wiederum definierten Grenzen „auszubrechen“, was durch seine Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen und nach diesen aufgrund seines begrenzt freien Willens zu handeln oder sie zu unterlassen, verursacht wird. Ursprünglich existierte der Mensch ebenfalls in dem System in den gleichen Grenzen, wie die anderen Lebewesen, mit dem Unterschied der höheren Intelligenz und Abstraktionsfähigkeit (paradiesischer Zustand). Um zu verstehen, was nun zu dem Fall aus dem Paradies führte müssen wir uns von der Vorstellung freimachen, dass dies, wie im betrachteten Fall bereits erläutert wurde, eine andere Dimension oder einen anderen Ort darstellt. In 2:30-35 wird der Zustand Paradies, in dem sich die Menschen als Teil des göttlichen Systems begriffen, beschrieben.

Der Sündenfall

2:35 Und Wir sprachen: „O Adam, verweile du und deine Gattin im Garten und esst uneingeschränkt von seinen Früchten, wo immer ihr wollt! Kommt jedoch diesem Baum nicht nahe, sonst würdet ihr zu den Ungerechten gehören.“


Ein Prozess, welcher im Koran als Einflüsterung Satans beschrieben wird, führte zum Verlassen des Paradieses. Gott ließ es zu, dass Mensch ungehorsam wurde, indem er Iblis die Möglichkeit eröffnete, ihn zu verführen. In diesem Fall wurde die dem Menschen zugestandene Besonderheit auf die Probe gestellt. Die verbotene Frucht, welche im Koran nicht näher definiert wird, laut Bibel jedoch vom „Baum der Erkenntnis“ stammen soll, was in 7:20-22 indirekt bestätigt wird ( die Scham wurde ihnen offenbar), macht deutlich, dass der Prozess, welcher zum Fall aus dem Paradies führte, die Menschwerdung im eigentlichen Sinne beschreibt. Der Mensch verließ das Paradies, indem er nach Erkenntnis strebte und diese erlangte, durch die Fähigkeit das Gute vom Schlechten zu unterscheiden (die Nacktheit als Beispiel hierfür).

Das Ziel

2:38-39 Wir sprachen: „Geht hinunter von hier allesamt! Und wenn dann zu euch Meine Rechtleitung kommt, brauchen diejenigen, die Meiner Rechtleitung folgen, weder Angst zu haben, noch werden sie traurig sein.“ Diejenigen aber, die ungläubig sind und Unsere Zeichen für Lüge erklären, werden Bewohner des Feuers sein, in dem sie auf ewig verweilen sollen.


Durch die Erkenntnis lud Mensch sich die schwere Bürde auf, in einen dem ursprünglichen Zustand äquivalenten Zustand, zurückzukehren. Dieser Zustand kann deshalb nicht als gleich, sondern nur als äquivalent bezeichnet werden, da er in letzterem Fall nach Erkenntnis und auf einer anderen Bewusstseinsebene erreicht wird, als der ursprüngliche Zustand, bei dem dieses Bewusstsein in geringerem Maße oder gar nicht vorhanden war. Sollte Mensch dieses Ziel erreichen, kann er auf höherer Ebene in das göttliche System als vollständiger Teil dessen zurückfinden, indem er Gottes Willen ausführt. Voraussetzung hierfür ist eine wiederum höhere Erkenntnisstufe, die Gotteserkenntnis, die nicht auf Nachahmung sondern auf selbstständiger Reflexion beruht und deren Richtlinien in den Heiligen Schriften beschrieben werden.

Viele Gläubige berichten davon, dass das Paradies für sie bereits in diesem Leben beginnt. Ungläubige Menschen hingegen sind oft mit allem unzufrieden, depressiv und schaffen es nicht, das „Paradies auf Erden“ zu erlangen. Somit fügt sich ein Gesamtbild zusammen, welches die meisten Zweifel beseitigt und eine logische Erklärung für die im Koran dargestellten Zusammenhänge liefert.

Zeitpunkt der Stunde

aus „Kuran Çevirilerindeki Hatalar“ (Fehler in den Koranübersetzungen) von Edip Yüksel, übersetzt von Kerem A.

Vorbemerkung: dieser Artikel darf nur als Meinung von Edip Yüksel angesehen werden. Wir veröffentlichen seinen Artikel lediglich, um auf die fehlerhaften Übersetzungen hinzuweisen und um Informationen anzubieten. Auf keinen Fall sind die Betreiber oder andere Autoren der Seite pauschal mit den Inhalten des Textes einverstanden.

20:15 Die Stunde ist zweifellos im Kommen. Ich halte sie fast verborgen, damit jede Seele das erhält, was sie gewirkt hat.

Ekadu: fast/beinahe ich. Uhfiha: halte sie verborgen

Mit den obigen zwei Wörtern gibt Gott bekannt, dass Er das Ende der Welt – die Stunde – darlegt.

Der Koran gebraucht das Wort „Stunde“, um das Ende der Welt zu beschreiben. Das Wort „Qiyamat“ wird hingegen für das Auferstehen der Toten, d. h. für das Ereignis der Auferweckung gebraucht. Doch das Wort Qiyamat wurde im Türkischen falsch übernommen [Anm. des Übers.: Dieses Wort wird in der türkischen Sprache als „Weltuntergang“ verstanden]. Diese ghalat mashhur (verbreitete Falschheit) ist der Grund, wieso die türkischen Koranübersetzungen die Wörter „Stunde“ und „Qiyamat“, welche voneinander völlig verschiedene Begebenheiten bezeichnen, mit einem einzigen Wort „Qiyamat“ übersetzen. Dadurch haben sie Verwirrungen in den Koranübersetzungen ermöglicht.

Der Koran erwähnt nicht, dass Gott den Zeitpunkt der „Stunde“ nicht bekanntgeben wird; er sagt nur aus, dass die Kenntnis darüber bei Ihm ist. Gemäß Koran ist die einzige Informationsquelle über das Ende der Welt Gott. Abgesehen von Gott kann sie auf keine Weise in Erfahrung gebracht werden, weder mit einer astronomischen Berechnung noch mit einem Traum noch mit einer Prophezeiung.

Die Interpreter, die aus der in Vers Lokman 34 vorkommende Formulierung „innellahe indehu ilmus saati“, d. h. „das Wissen über die Stunde ist bei Gott“, die Bedeutung abgeleitet haben, dass Gott dieses Wissen niemandem geben wird, haben dies für verbindlich genommen, da sie unter der Wirkung der erfundenen Ahadith geblieben sind. Jedoch kommt dieselbe Äußerung „innellahe indehu ecrun azim“, d. h. „der große Lohn ist bei Gott“ in Vers 9:22 vor und es wird auch angekündigt, dass dieser große Lohn den Gläubigen zuteil wird (4:146).

Auf dieselbe Weise kann Gott, sofern Er will, den Zeitpunkt der „Stunde“, der bei Ihm ist, mittels Koran den Menschen bekanntgeben. Denn mit dem Vers 20:15 bemerkt Er, dass Er die „Stunde“ offen legt. Die Derivate des im Vers vorkommenden Wortes „ekadu“ kommen im Koran an 24 Stellen vor und bekunden an allen Stellen, dass das vorkommende Ereignis fast verwirklicht werden würde, aber schließlich nicht stattgefunden hat. Wenn Sie wünschen, können Sie folgende Verse betrachten: 2:71; 2:20; 7:150; 17:73,74; 68:51.

Die Interpreter und Übersetzer, die unter der Wirkung der Gerüchte der erfundenen Ahadith standen, welche besagten, dass der Zeitpunkt der Stunde nicht gewusst werden kann, bemühten sich darum, dem Vers 20:15 andere Bedeutungen zu geben. Während einige nach rechts zogen, haben manche nach links gezogen; während der Eine nach oben zog, zog der Andere nach unten. Dass sie sich bei einem überaus einfach zu verstehenden Vers in Uneinigkeit verloren und schwankten, ist ein exemplarisches Beispiel.

Diyanet Übersetzung: Damit alle das erhalten, was sie gewirkt haben, wird die Qiyamat, deren Zeitpunkt ich verberge, zweifellos kommen.

Die Diyanet Übersetzung überspringt das Wort „ekadu=beinahe ich“ im Vers und bringt ein völlig gegensätzliches Ergebnis hervor.

Süleyman Ateş: Die (Qiyamat) Stunde wird zweifellos kommen. Damit alle mit dem bestraft werden, dem sie (Wohltat oder Schlechtigkeit) hinterher sind, halte ich sie beinahe verborgen (ich werde es nicht sagen, dass sie kommt. Aber da dies den Menschen nützt sage ich, dass sie kommt, und warne die Menschen).

Süleyman Ateş verschiebt mit seiner letzten Satzklammer die Bedeutung, obwohl er außerhalb der Klammern richtig übersetzt. Im Koran behandeln die gestellten Fragen über die „Stunde“ stets über den Zeitpunkt der Stunde. Natürlich wurden diese Fragen von den Fragenden nicht gestellt, um zu lernen und zu glauben, sondern um herauszufordern.

Die Übersetzung des unter der Leitung von Dr. Ali Özek stehenden Gremiums: Der Zeitpunkt der Qiyamat wird zweifellos kommen. Damit alle die Gegenleistung von dem erhalten, wonach sie trachten, werde ich sie beinahe darlegen.

Das aus Ali Özek, Hayreddin Karaman, Ali Turgut, Mustafa Çağırıcı, Ibrahim Dönmez und Sadreddin Gümüş bestehende Gremium hat ein Wort im Vers in seiner Bedeutung ins Gegenteil gekehrt, damit sich [der Vers] nicht mit den erfundenen Ahadith widerspricht, und es hat mit einer Fußnote eine angeblich wissenschaftliche Rechtfertigung gefunden.

Die Übersetzung von Hikmet Neşriyatın: Die Qiyamat wird zweifellos ausbrechen. Damit alle das sehen, was sie gewirkt haben, hätte Ich sie beinahe vor mir selbst verborgen gehalten.

Hingegen wird in dieser Übersetzung, welche die Wörter „beinahe“ und „verbergen“ nicht einspart, die im koranischen Text nicht vorkommende Äußerung „vor mir selbst“ eingeschoben und die Bedeutung des Verses verzerrt. Diese Übersetzung, welche Gott als eine Person mit doppelten Persönlichkeiten vorstellt, hat wie auch immer die Phantasie, dass „Gott den Zeitpunkt der Qiyamat sogar vor sich selbst beinahe verborgen hält“ der klaren Bedeutung des Verses vorgezogen.

Ich hoffe, dass das Bild „des doppelte Persönlichkeit besitzenden, sich selbst nicht einmal vertrauenden Gottes“ in der mir vorliegenden vierten Auflage der Übersetzung des aus Hasan Karakaya, Kadir Kabakçı, Mehmet Süslü, Kerim Aytekin und Kenan Seyithanoğlu bestehenden, fünfköpfigen Gremiums, welches die Anerkennung und den Beifall von Emin Saraç genießt, bei der nächsten Auflage verbessert wird.

Ali Bulaç: Kein Zweifel, die Stunde der Qiyamat naht herbei. Damit jeder das Entgelt vom aufgebrachten Bestreben erhält, halte ich sie fast verborgen.

Ali Bulaç hat ohne den Versuch zu unternehmen, die Bedeutung zu verzerren, diesen Vers so übersetzt wie er ist. Dass er auch keine Intentionen hat, Klammern zu gebrauchen, ist bemerkenswert.

Osman Nebioğlu: Schau, die ‚Stunde‘ wird zweifellos kommen. Ich werde sie bald offen legen, damit alle die Gegenleistung von dem erhalten, was sie getan.

Auch wenn die obige Übersetzung von Osman Nebioğlu nicht Wort für Wort übersetzt wurde, so ist sie als Bedeutung des Textes angebracht.

 

Koran nennt den Zeitpunkt der Stunde

In einem Magazin namens „El-ilm vel iman“, das in 1985 in Tunesien veröffentlicht wurde, wurde der Text eines in Tunesien gehaltenen Vortrags von Dr. Rashad Khalifa (Fn1) veröffentlicht. Am Schluss des Textes kündigte Dr. Khalifa an, beim nächsten Vortrag den Zeitpunkt der „Stunde“ aus dem Koran abzuleiten. Obwohl ich mich sehr dafür interessierte, konnte ich die nächste Ausgabe des Magazins nicht erhalten. Ich habe im Koran eine Nachforschung angestellt. Ich habe ein Datum gefunden. Dies hab ich Rashad Khalifa weitergeleitet. Rashad hat mir zusammen mit einem Brief sein Artikel namens „The End of the World“ (Das Ende der Welt) geschickt. Unsere Ergebnisse waren dieselben. Mit dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen Dr. Rashad Khalifas Artikel, zusammengefasst und mit einigen Notizen versehen, vorlegen:

Den letzten Vers der 31. Sure legt er wie folgt dar:
Das Wissen über die Stunde (das Ende der Welt) ist bei Gott. Er sendet den Regen hinab und Er weiß, was in der Gebärmutter ist. Niemand weiß, was ihm morgen passieren wird und niemand weiß, an welchem Ort er sterben wird. Wahrlich, Gott ist der Allwissende und der Allkundige (31:34).

Das heißt, dass zwei Erkenntnisse verneint werden:

  1. Die Fähigkeit zu wissen, was uns morgen passieren wird
  2. Die Fähigkeit zu wissen, wo wir sterben werden

Drei Erkenntnisse werden jedoch nicht verneint:

  1. Das Wissen über die Stunde (das Ende der Welt)
  2. Das Wissen über den Regen
  3. Das Wissen über das Innere der Gebärmutter

Heute können wir mit der entwickelten Technologie den Regen vermuten. Auf dieselbe Weise können wir den physikalischen Zustand des Embryos und sein Geschlecht bereits Monate vor der Geburt mittels sonografischer oder genetischer Analysen wissen.

 

Die Zukunft kennt nur Gott

Bei Ihm sind die Schlüssel des Verborgenen (ghayb); keiner kennt sie als Er allein. Und Er weiß, was auf dem Lande ist und was im Meer. Und nicht ein Blatt fällt nieder, ohne dass Er es weiß. Kein Körnchen ist in der Finsternis der Erde und nichts Feuchtes und nichts Trockenes, das nicht in einem deutlichen Buch (verzeichnet) wäre (6:59).

Sprich: „Niemand in den Himmeln und auf Erden kennt das Ungesehene (ghayb), außer Gott. Und sie wissen nicht, wann sie auferweckt werden.“ (27:65)

Pferde, Maultiere und Esel erschuf Er für euch, damit ihr darauf reiten könnt und als Zierde. Und Er erschafft auch, was ihr (noch) nicht kennt. (16:8)

Vor einigen Jahrhunderten wusste niemand etwas über Automobile, Jet-Flugzeuge, Fernsehen oder Kommunikationssatelliten, nur Gott wusste davon. Zu den Anfangszeiten der Offenbarung des Koran hatte Gott allein gewusst, wann der Zeitpunkt des Weltendes ist.

Sie fragen nach der „Stunde“ (das Ende der Welt): wann sie denn eintreffe. Sprich: „Das Wissen darüber ist nur bei meinem HERRN. Keiner als Er kann den Zeitpunkt bekanntgeben. Schwer lastet sie auf den Himmeln und auf der Erde. Sie wird ganz plötzlich über euch kommen.“ Man fragt dich (nach ihr), wie wenn du über sie genau im Bilde wärst. Sprich: „Das Wissen darum ist bei Gott. Doch die meisten Menschen wissen es nicht.“ (7:187)

Die Leute fragen dich nach der Stunde. Sprich: „Das Wissen um sie ist bei Gott.“ Und wie kannst du wissen? Vielleicht ist die „Stunde“ nahe. (33:63)

Niemand einschließlich Mohammed kann vom Zeitpunkt der Stunde wissen, bevor Gott ihn nicht bekannt gibt. Dieselben Formulierungen werden auch in den Versen in Bezug auf die Wunder verwendet. Mohammed kann kein Wunder zeigen (6:35,109). Alle Wunder sind bei Gott (29:50). Gott hat Mohammed als Wunder den Koran gegeben (29:51). Ähnliche Formulierungen werden auch für „ghayb“ gebraucht. Mohammed kann den Ghayb nicht wissen (6:50; 7:188; 10:20; 27:65; 81:24). Den Ghayb kann nur Gott wissen und dieses Wissen kann nur mittels Offenbarung erlangt werden (3:44; 11:49; 12:102; 30:2; 72:27).

 

Die Welt wird ein unvermeidliches Ende erleben

Wir haben alles, was es auf der Erde gibt, als Schmuck/Zierde für sie geschaffen, damit Wir prüfen, wer von ihnen am besten handelt. Und gewiss, Wir werden alles, was auf der Erde ist, zu einem dürren Boden machen (18:7,8).

Wenn dann in den Sur das erste Mal geblasen wird, und Erde und Berge gehoben, dann mit einem Schlag zerstampft werden, an jenem Tage wird das unvermeidliche Ereignis stattfinden. (69:13-15)

Am Tag, da die Erde gegen eine andere Erde eingetauscht wird. Und auch die Himmel… Sie alle werden in der Gegenwart Gottes stehen, der über alles als einziger die überlegene Autorität besitzt. (14:48)

 

Das Ende der Welt wird nicht geheim bleiben

Die Stunde ist zweifellos im Kommen. Ich halte sie beinahe verborgen. (20:15)

Die Verslaufnummer dieses Verses ist ein Zeichen. Diese Zahl ist der erste Hinweis darauf, wo wir die Erklärung der Stunde (das Ende der Welt) finden. Die Verslaufnummer ist hier 15 und wir können die die „Stunde“ erklärenden Verse in der 15. Sure finden. Denn der 85. Vers der 15. Sure teilt uns mit, dass das ENDE im Kommen ist:

Wir haben die Himmel und die Erde, und was dazwischen ist, in Wahrheit erschaffen. Und die STUNDE wird sicher eintreffen. Darum handle sanft und übe schöne Nachsicht. (15:85)

Der nachfolgende Vers teilt uns mit, dass Gott die Himmel und die Erde erschaffen hat und dass Er weiß, wann das Ende von ihnen eintrifft:

Gewiss, dein Herr, Er ist Der Erschaffende, Der Allwissende. (15:86)

Der folgende Vers hingegen gibt bekannt, wann die Stunde eintreffen wird:

Wir haben dir die sieben Paare und den großen Koran gegeben. (15:87)

Das heißt, dass die sieben Paare der koranischen Einführungen [Anm. des Übers.: gemeint sind die Muqatta’ât, die Initialbuchstaben am Anfang gewisser Suren] die Zeit kennzeichnet, welche Gott der islamischen Religion gegeben hat (Fn2). Die sieben Paare der am Anfang der Suren stehenden Buchstaben geben die Lebensdauer der islamischen Gemeinschaft und folglich die „Stunde“ wieder.

Sieben Paare: 7×2=14
Anzahl der Initialbuchstaben am Anfang der Suren: 14 (7×2)
Anzahl der zusammengesetzten Initialbuchstaben ohne Wiederholung: 14 (7×2)

Der Zusammenhang der Stunde (das Ende der Welt) mit den Koranischen Initialbuchstaben war zur Zeit unseres Propheten bekannt. Zu Zeiten Bukharys wird in den Tafsir von Ibn Kathir und Beydavi eine interessante Diskussion zwischen dem Propheten Mohammed und den medinensischen Juden überliefert.

Die Diskussion dreht sich um die erste Koranische Offenbarung in Medina, d. h. um die Buchstaben „A.L.M“ (Alif, Lam, Mim), welche den ersten Vers der ersten in Medina offenbarten Sure (Baqara) ausmachen. Zu diesen Zeiten gab es noch keine Ziffern. Die Alphabetsbuchstaben wurden gemäß der „Abdschad“-Ordnung als Ziffern verwendet. Diesem System nach ist der Buchstabe ‚A‘ gleichviel wie ‚1‘, der Buchstabe ‚L‘ gleichviel wie ’30‘ und der Buchstabe ‚M‘ gleicht ’40‘. Die Summe dieser drei Buchstaben: 1+30+40=71

Die medinensischen Juden kamen zu unserem Propheten und fragten: „Wie kannst du von uns wollen, dass wir zu einer Religion übergehen, die nur 71 Jahre überleben wird?“ Unser Prophet antwortet: „Diese sind nicht die einzigen Initialbuchstaben im Koran, es gibt noch weitere.“ Laut den Gerüchten werden insgesamt 14 Buchstabenkombinationen einzeln berechnet. Als dann eine lange Dauer erhalten wurde, passte dies den Juden nicht.

Das daraus abgeleitete Ergebnis: Mohammed erkannte es an, dass die Buchstaben am Anfang der Suren die Lebensdauer der Gemeinschaft bezeichnen (Fn3). Da Mohammed der letzte Prophet ist, wird das Ende seiner Gemeinschaft (Umma) das Ende dieser Welt sein (18:98).

Die Lebensdauer der Gemeinschaft Mohammeds wird im 87. Vers der 15. Sure gegeben: Wir haben dir die SIEBEN PAARE und den großen Koran gegeben.

 

LEBENSDAUER DER KORANISCHEN GEMEINSCHAFT

Q
NuN
SS
HH. M
Y. S
TT. S
TT. H
‚A. S. Q
TT. S. M
A. L. M
A. L. R
A. L. M. R
A. L. M. SS
K. H. Y. ‚A. Y. S
100
50
90
48
70
69
14
230
109
71
231
271
161
195
Die Summe der numerischen Werte der sieben Paare:1709

Das Jahr 1709 ist lunar, denn die Koranischen Jahre sind lunar (9:36).

 

Die Rechnung unterstützende Zeichen

Der Zeitpunkt dieser Entdeckung ist auffallend. Die Entdeckung fand im Jahr Hidschra 1400 statt. Dies ist der Anfang des Islamischen 15. Jahrhunderts. Die Stelle, an der die Stunde (das Ende der Welt) erklärt wird, ist die 15. Sure (Fn4).

Die verbleibende Zeit: 1709-1400=309. Diese Zahl kommt auch im Koran vor.

Und sie blieben dreihundert Jahre lang in ihrer Höhle, noch neun (Jahre) hinzugefügt. (18:25)

Die Zahl 309 wird im Koran als 300 plus 9 ausgedrückt. Der Unterschied zwischen 300 Mondjahren und 300 Sonnenjahren beträgt genau 9 Jahre. Das heißt, dass 300 Sonnenjahre 309 Mondjahren entsprechen (Fn5).

Wenn die Gemeinschaft des Propheten Mohammed bis zum Jahr 1709 lebt, wird das Ende der Welt im Jahr 1710 kommen. Dass die Zahl 1710 ein Vielfaches der 19 ist, stellt ein weiteres Zeichen für die Richtigkeit dieser Rechnungen dar.

1710 = 19 x 90

Das Jahr 1710, welche das Ende der Welt ist, entspricht dem Jahr 2280 nach christlicher Zeitrechnung. Diese Zahl ist erneut ein Vielfaches der 19.

2280 = 19×120

Es sind 570 (19×30) Jahre zwischen Jesus und der Geburt des letzten Propheten, somit ist das Datum 1710 auch ein Vielfaches dieser Zahl:

1710 = 570×3

Auch die christliche Zeitrechnung vom Ende der Welt, welche das Datum 2280 ist, ist ein Vielfaches desselben Zeitabschnitts (Fn6):

2280 = 570×4

Die Stunde wird nur über die ableugnenden Ungerechten eintreffen. Die Gläubigen jedoch werden diesen grauenvollen Moment nicht miterleben. Wir sehen, dass das in 13 Versen vorkommende Wort „Baghtatan = plötzlich“ NUR die Nicht-Gläubigen betrifft (6:31,44,47; 7:95,187; 12:107; 21:40; 22:55; 26:202; 29:53; 39:55; 43:66; 47:18).

GOTT KENNT DIE WAHRHEIT AM BESTEN!

 

Antwort auf die von einem Leser per E-Mail gestellte Frage

„Laut Vers 42/18: ‚… Diejenigen, die über die Stunde streiten, sind ja völlig im Irrtum. ‚ Als ich sah, dass Sie die Stunde der Qiyamat berechnen, und auch wenn keine Folgewidrigkeit in Ihrer Vorgehensweise zu sein scheint, habe ich den obigen Vers zufällig gefunden. Was werden Sie demnach für eine Erklärung geben?“

Sie geben den Vers unvollständig wieder. Der Vers spricht von denen, die die Stunde (die Qiyamat) ableugnen. Er spricht über die, die über die Verwirklichung (und vielleicht den Zeitpunkt) der Stunde zweifelnd diskutieren. Im Koran werden in vielen Versen diese Diskussionen der Leugner zur Sprache gebracht. Wenn Sie diese Verse lesen, [sehen Sie,] dass die Leugner das Ereignis der „Stunde“ mit Zweifel betrachten und nicht daran glauben, dass solch ein Ereignis verwirklicht werden wird. Es ist falsch diejenigen, die daran glauben, dass die Stunde zu einem bestimmten Zeitpunkt verwirklicht wird, mit denen über einen Kamm zu scheren, die die Stunde ableugnen und darüber streiten. Im Gegenteil, diejenigen, die ableugnen, dass die im Koran angegebene Stunde zu einer BESTIMMTEN Zeit eintrifft, sind es eher würdig, zu dieser Kategorie zu gehören.

Gemäß Ihrem Verständnis werden diejenigen, die behaupten, dass die Stunde im Jahr 2280 sein wird, mit denen im Vers ZUSAMMEN angesprochen, die diese Behauptung [der Stunde] kritisieren. Denn beide Gruppen DISKUTIEREN über die Stunde. Wie Sie wissen braucht es zwei Gruppen, damit eine „Diskussion“ stattfinden kann. Um es kurz auszudrücken, spricht der Vers, auf den Sie sich stützen, nicht irgendwelche Diskussionen an, sondern die Diskussionen der Leugner.


Notizen:

1- Dr. Rashad Khalifa, der in der Moschee von Tucson ermordet wurde, weil er „Koran, der ganze Koran, nichts als den Koran“ sagte und die Tausende von Lügen beinhaltenden Hadith-Bücher ablehnte, hatte weltweit die Bewegung der Rückkehr zum Koran, zum ursprünglichen Islam gestartet.

2- Diejenigen, die die echte Bedeutung von „Seban minel mesani=paarige sieben“ in Zeiten des Unfriedens verloren, haben Jahrhunderte nach dem Propheten durch die Erfindung von Hunderten Ahadith dieser Formulierung Zuschreibungen gemacht. Laut den in Hadith- und Tafsir-Büchern vorkommenden Gerüchten beschreibt „seban minel mesani“:

  1. die Sure Fatiha.
  2. die sieben längsten Suren.
  3. die sieben Suren, welche mit den Buchstaben Ha.Mim. beginnen.
  4. sieben Paradiese.
  5. sieben Wunder. etc.

Wenn wir den Vers 15:87 aufmerksam betrachten, so ist zu verstehen, dass diese Gerüchte Erfindungen sind. Außerdem zeigen dies die Widersprüche unter den Gerüchten. Ich werde für jene nur einige Fragen als Hinweis stellen, die diesen Vers untersuchen wollen.

Wenn ich „Ich habe dir sieben Paare Orangen und zusätzlich eine Kiste Früchte gegeben“ sagte, sind dann die Orangen in der Kiste inbegriffen, oder nicht?

Wenn „Seban minel mesani“ die Fatiha oder die sieben langen Suren oder die sieben Suren mit Ha Mim wäre, müssten sie dann nicht laut der erwähnten Satzstellung außerhalb des Koran sein? Außerdem „Seban minel mesani“ ist nicht nur „7“, sondern „2×7“. Wenn „Seban minel mesani“ hingegen der numerische Wert der 14 Initialbuchstaben und demzufolge die der Umma gegebenen Lebensdauer ist, ist dies etwas außerhalb des Koran. Wäre dann das Verstehen der Beifügung (?) im Vers nicht einfacher?

Dass in den Versen vor „Seban minel mesani“ vom Ende der Welt und im folgenden Vers von dem gesprochen wird, was den vergangenen Gemeinschaften gegeben wurde und von der Gemeinschaft des Islam gesprochen wird, formiert welche Bedeutungsgesamteinheit?

Obwohl das in Vers 15:87 in der Formulierung „ateynake=wir gaben dir“ vorkommende Verb ETY häufig für die Torah und die Evangelien gebraucht wird, kommt sie abgesehen von dieser Stelle nie in Bezug auf den Koran vor. Für den Koran werden stets die Derivate der Verben NZL (hinabsenden) und WHY (offenbaren) gebraucht. Wieso wurde im Vers, in welcher die Formulierung „seban minel mesani“ vorkommt, eine Ausnahme vorgenommen? Ist „Zeit“ etwas, das vom Himmel hinabgesandt wird, oder etwas, das gegeben wird?

Kommt dazu nicht zusätzlich die Richtigkeit des Hadith-Gerüchts auf, das die numerischen Werte der 14 Buchstabenkombinationen als die Lebensdauer der Gemeinschaft des Islam kommentiert?

3- Einige könnten erstaunt darüber sein, dass wir diese Gerüchte überliefern und als echt ansehen. Wir nehmen diese Gerüchte nicht als Quelle und Beleg an. Die Koranverse belegen die Richtigkeit des besagten Gerüchts. Selbst wenn die Hadith-Gelehrten und Ausleger das fragliche Gerücht als Erfindung behaupteten, werden wir die Richtigkeit dieses Gerüchts aufgrund unseres Koranischen Wissens als sahih [authentisch] akzeptieren. Wir erkennen die Hadith-Bücher und die Biografien über die Propheten, Gelehrten und Khalifen nicht als zweite Religionsquelle an, in welchen die Wahrheit mit dem Falschen vermischt ist.

4- Als Beginn der Gemeinschaft des Islam kann auch das Datum der ersten Offenbarung angenommen werden. In diesem Falle müssen 12 Jahre subtrahiert werden. Selbst der Tod unseres Propheten kann als Anfangspunkt akzeptiert werden. In diesem Falle müssen 11 Jahre addiert werden. Doch wenn wir die zahlenmäßigen Übereinstimmungen bewerten, neigen wir dazu, die Hidschra als Anfangspunkt anzunehmen.

5- Das zu Beginn der 18. Sure Kehf vorkommende Ereignis der Bewohner der Höhle („Kehf Ashab“) besitzt einen engen Zusammenhang mit der „Stunde“. Wenn Sie vom neunten Vers der Sure Kehf bis zum 26. Vers die 18 Verse aufmerksam lesen, werden Sie viel Ghayb (Verborgenes) wittern. Diese werden nur dann ans Licht kommen, wenn Gott der Erhabene es wünscht. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf einige der Zeichen lenken:

Die Übersetzung des 12. Verses lautet wie folgt:

„Dann weckten Wir sie auf, um zu wissen, welche von den beiden Gruppen die Zeit, die sie blieben, besser berechnen kann.“

Der 21. Vers hingegen ist sehr interessant:

„Solcherart ließen Wir sie entdecken, damit sie wissen, dass das Versprechen Gottes wahr ist, und dass es über das Eintreffen der Stunde keinerlei Zweifel gibt.“

Der Zusammenhang zwischen Kehf Ashab und der Auferstehung nach dem Sterben ist vorhanden und ein Beispiel dafür. Doch was ist ihr Zusammenhang mit der „Stunde“? Das Zeichen dieses Verses ist wichtig.

Der letzte Abschnitt des 24. Verses und der 25. Vers lauten wie folgt: „Sprich: Ich hoffe, mein Herr wird mich zu einem richtigen, noch näheren Wissen als dies führen. Sie blieben dreihundert Jahre lang in ihrer Höhle, noch neun hinzugefügt.“ Das Arabische des Verses ist auffallender. 26. Vers: „Sag: Gott weiß besser Bescheid darüber, wie lange sie verweilten. Ihm gehört das Verborgene (ghayb) der Himmel und der Erde.“

6- Zwischen dem Sonnenjahr 2280 nach Christus und dem Datum unseres Propheten liegen genau 2280-570 = 1710 Sonnenjahre.

Wir wissen, dass das Mondjahr 1710 nach Hidschra nicht nach der Geburt unseres Propheten, sondern nach seiner Hidschra begonnen wurde. Das heißt, dass der 53 jährige Unterschied zwischen dem Geburtsdatum unseres Propheten und der Hidschra in genau 1710 Mondjahren geschlossen wird. Wenn Sie anhand einer Grafik ein wenig untersuchen, werden Sie herausfinden, dass diese kaum Zufall sind.

Außer der unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehenden Periode von 570 Jahren kann überlegt werden, dass [diese Zahl] die Einheit der vergangenen Dauer zwischen einigen Propheten sei. Zum Beispiel ist das Datum des Propheten Moses vor Jesus als 1100 und 1200 bekannt, und die Zahl 1140 unter diesen ist ein zweifaches Vielfaches von 570. Welche Propheten kamen wohl 570 oder 1710 oder 2280 Jahre vor Jesus?

Vorstand

Strafjustiz und Gerechtigkeit

Ich suche Zuflucht bei meinem Herrn vor dem verfluchten Teufel,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Justitia

 

Die Waage – Das Symbol der universellen Gerechtigkeit

Das Prinzip der Polarität in allen Formen, die Gott erschuf, ist der Lernprozess, zu dem sich jeder entweder zufügt oder sich dagegen abwehrt.

 

55:1-9 Der Gnädige ist der Lehrer des Korans. Er hat den Menschen erschaffen, lehrte ihn das Artikulieren. Die Sonne und der Mond folgen genauen Berechnungen. Die Pflanzen und die Bäume unterliegen Gottes Willen. Den Himmel erschuf Er hoch und stellte die Waage der Gerechtigkeit auf, damit ihr die Waage der Gerechtigkeit nicht überschreitet. Bei allem sollt ihr gerecht sein, genau auf Gewicht und Maß achten und nichts vermindern.

 

Die Waage ist das Messgerät, mit dem wir nicht nur unsere Abgaben und Annahmen, sondern auch unsere Gedanken und Taten wiegen. Wer die Waage nicht achtet, der hat sich selbst Unrecht getan. Die universelle Gerechtigkeit überdeckt alle Lebewesen mit dem Verdienten. Sie sieht in der Gottesschöpfung keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, Rassen, der Schönheit und den Reichtümern. Sie sind nur Werte, die entweder zu dieser oder zur anderen Schale der Waage gehören. Sie wiegt unsere Selbstachtung und Verachtung bei jedem Atemzug, den wir machen, ab. Die Wahrheit, die in uns Menschen existiert, kann aus diesem Grund nicht abgeleugnet werden. Denn das Ableugnen ist gleichzusetzen mit der Verachtung.

 

30:8-9 Denken sie denn nicht über sich selbst nach? Gott hat die Himmel und die Erde und was dazwischen ist gemäß der Wahrheit nur für eine bestimmte Frist geschaffen. Viele Menschen aber leugnen die Begegnung mit Gott im Jenseits. Sind sie nicht auf der Erde umher gegangen, um zu sehen, welches Ende den trotzigen Völkern vor ihnen beschieden war? Sie waren viel mächtiger als sie, haben die Erde gepflügt, ausgebeutet und bebaut und längere Zeit darauf gelebt als sie. Ihre Gesandten kamen zu ihnen mit den klaren Beweiszeichen, die sie abschlugen. Gott wollte ihnen nicht unrecht tun, sondern sie haben sich selbst unrecht getan.

 

In der universellen Gerechtigkeit wiegt eine gute Tat zehnfach mehr als die schlechte:

 

6:160 Wer eine gute Tat vollbringt, erhält zehnfachen Lohn, und wer eine böse Tat begeht, erhält nur eine gleichwertige Strafe. Keinem wird Unrecht getan.

 

Jeder Mensch trägt seine eigene Last, die kein anderer tragen wird. Das ist die Verordnung unseres Allmächtigen, Gütigen Herrn.

 

6:161-165 Sprich: „Gott hat mich auf den geraden Weg geleitet, zur rechten Religion Abrahams, dem Monotheisten und der kein Heide war.“ Sprich: „Mein Gebet, mein Gottesdienst, mein Leben und mein Tod gelten Gott allein, dem Herrn der Welten. Ihm darf nichts beigesellt werden. Das hat Gott mir befohlen, und ich bin der Erste, der sich Ihm vollkommen hingibt.“ Sprich: „Sollte ich mir einen anderen Herrn als Gott suchen, Der doch der Herr über alles ist? Kein Mensch wird für die Taten anderer belangt, sondern nur für die, die er selbst begangen hat. Kein Mensch trägt die Schuld eines anderen. Ihr werdet nach dem Tod auferweckt und am Jüngsten Tag zu Gott geführt werden; und Er wird euch über eure Streitigkeiten aufklären und richten. Er ist es, Der euch zu den Nachfolgern von früheren Völkern auf der Erde (die ihr zu bebauen habt) bestimmt hat; und Er hat in Rangstufen einen über den anderen gestellt, um euch durch die von Ihm bescherten Gaben zu prüfen. Wahrlich Gott bestraft schnell. Er ist voller Vergebung und Barmherzigkeit.

 

Strafjustiz im Koran

Handabhacken

5:38 Schneidet dem Dieb und der Diebin die Hände ab; als Vergeltung für das, was sie begangen, und als abschreckende Strafe von Allah.

 

Wenn ein Dieb 1000 Euro von Ihnen stiehlt und der Staat ihn ins Gefängnis steckt, was haben Sie dann davon? Wenn der Dieb Kinder und Frau hat: Was ist ihre Schuld? Wieso sollten sie von ihm beraubt werden?

Der Koran löst dieses Problem genauso wie die Probleme, die mit der weit verbreiteten Strafjustiz der heutigen Welt verbunden sind. Das Gesetz sieht die Äquivalenz vor (2:178-179). Gemäß koranischer Strafjustiz muss der Dieb, der für Diebstahl verurteilt wurde, für Sie arbeiten, bis der Schaden (inkl. weiterer Schaden durch den Diebstahl) kompensiert wurde. Gleichzeitig sind die unschuldigen Kinder und die Frau des Diebes nicht von ihrem Mann beraubt und das teure Gefängnissystem wird aufgehoben. Die Gefängnisstrafe ist eine grausame und unmenschliche Strafe, welche keiner Partei dient.

Im Gegensatz zum allgemeinen Verständnis darf die Hand des Diebes nicht abgeschnitten werden. Dank Gottes Gnade haben wir nun mehrere Betrachtungsweisen. Der entsprechende Vers wird in 5:38 erwähnt. 5+38=43. Die andere Stelle im Koran, wo auch „die Hand geschnitten wird“, ist in 12:31. Hier sehen wir die Frauen, die Josef dermaßen bewundert haben, dass sie ihre Hände „schnitten“. Es ist offensichtlich, dass sie ihre Hand nicht abgehackt haben. Als Denkanreiz sollte man sich folgendes überlegen: 12+31=43; Die gleiche Summe wie in 5:38. Dies könnte uns zur Deutung heranbringen, die Hand des Diebes zu kennzeichnen.

Nehmen wir diesen Vers sprachlich näher unter die Lupe unter Berücksichtigung bekannter Tatsachen, ist die Bedeutung klar, dass ein Schadensersatz in Form sozialer Arbeit geleistet werden muss. Die Strafe im Islam basiert auf Gleichwertigkeit und sozialem Druck (2:178, 5:38, 24:2).

 

Strafe für Unzüchtige – Peitschen?

24:2 Geißelt die Unzüchtige und den Unzüchtigen mit je hundert Hieben (dschaldah). Lasst euch nicht durch Mitleid davon abhalten, Gottes Gesetz auszuführen, wenn ihr an Gott und den letzten Tag glaubt. Und der Strafvollzug soll von einer Gruppe aus Gläubigen bezeugt werden.

 

Das arabische Wort für Hiebe lautet dschaldah, abgeleitet von dschild – Haut und hat mit Peitschen nichts gemeinsam. Daraus ist abzuleiten, dass die Wirkung der Hiebe auf die Haut beschränkt bleiben muss, dass die Hiebe also nicht bleibende Wirkungen im Fleisch verursachen dürfen. Dies, damit sich die Haut so einfach wie möglich von den kurzfristigen Schmerzen erholen und den üblichen Zustand wiedereinnehmen kann. Denn im Vers wird der Fokus auf den sozialen Aspekt der Bestrafung gelegt.

Die Blasphemien „Hadith & Sunna“ richteten jedoch trotz den klaren Bestimmungen Gottes die teuflische Todessteinigung ein, als eine Strafe für verheiratete Ehebrecher. Dieses von verirrten Männern eigens aufgestellte und pervertierte Gesetz von Gelehrten aus dem Mittelalter, die sich eher durch Missdeutungen der Bibel inspirieren ließen als durch Gottes Wort, ist nicht das Gesetz Gottes. Nein, darüber hinaus widerspricht es dem Gesetz Gottes: die Lesung sieht für unfreie (bspw. Sklaven) Ehebrecher die Hälfte der Strafe von freien Ehebrechern vor (4:25). Was bitte ist denn die Hälfte der Todesstrafe??

Wie in 24:2 erwähnt wird, besteht die Strafe für Ehebrecher aus öffentlichem Geißeln. Hundert symbolische Hiebe, die beim Bestraften keinesfalls nachträgliche Schäden anrichten dürfen. Wie oben bereits erwähnt, besteht die Basis der Bestrafung aus sozialem Druck und der Bestrafende soll eingeschüchtert werden. In der Öffentlichkeit (symbolisch) Hiebe zu erhalten, erzielt diesen erwünschten Effekt.

Das Beschämen (psychologischer Wirkungseffekt), also die Öffentlichkeit als Zeuge der Bestrafung agieren zu lassen, ist ein Teil des islamischen Systems der Bestrafung. Diese Strafe ist also als eine symbolische Strafe zu verstehen, welches vor der Gesellschaft geschieht. Jene, die behaupten wollen, dass die Ehepaare zu Tode gesteinigt werden sollen, meinen, dieser Vers sei unklar. Die ersten zwei Verse des 24. Kapitels stellen eine Antwort für solche irregegangenen Menschen dar.

Damit diese sozio-psychologische Strafe, also das Beschämen, den gewünschten Effekt erwirkt, müssen einige Bedingungen erfüllt sein:

  1. Der/die Schuldige/r sollte Mitglied einer Gruppe sein und aus freien Willen sich den Gesetzen Gottes unterordnen, also die Bestrafung als Folge des eigenen Glaubens akzeptieren.
  2. Die Gruppe sollte die gegebene Strafe beglaubigen.
  3. Die Strafe sollte der Gruppe übergeben werden, und die Gruppe sollte die schuldige Person physisch, emotional und ökonomisch für eine Zeit meiden.
  4. Die zu bestrafende Person sollte im Stande sein (die Möglichkeiten besitzen), das Vertrauen der Gruppe wieder zu erlangen.

Dass für die Unzucht vier Zeugen verlangt werden, stellt eines der Gründe dar, dass der allwissende Gott von uns will, die zeitgenössischen, technologischen Möglichkeiten zu gebrauchen. Bei einer Vergewaltigung kann man mit einem genetischen Test die Vergewaltiger identifizieren (und man kann auch mit diesem Test herausfinden, wem die Kinder gehören). Unsere genetische Beschaffenheit besteht aus Reihen von Kombinationen aus VIER Molekülen; Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin. Diese Moleküle reihen verschiedene Kombinationen in der genetischen Kette eines jeden Menschen. So agieren diese VIER Moleküle unserer genetischen Beschaffenheit stets als unsere Identität tragende ZEUGEN. Der Koran will nicht, dass das Zeugnis NUR durch ein Augenzeugnis geschieht. Wir bezeugen die Existenz und Einheit Gottes ja auch nur mit unserem Wissen und unserem Verstand.

In der Sure Joseph, Verse 26-27, gilt der Zeuge nicht als Augenzeuge. Er sagt nicht „ich habe das Geschehen mit meinen Augen gesehen“. Die Beschuldigung gegenüber Joseph wird mit Menschenkenntnis, Experiment und logischem Denken bezeugt. In anderen Worten gilt sein Zeugnis als ein intellektuelles, auf Informationen basierendes Zeugnis.

 

4:15-16 Und gegen diejenigen von euren Frauen, die dem Abscheulichen nachkommen, lasst dann vier von euch bezeugen. Wenn sie dann bezeugten, so haltet sie fest in den Häusern (z.B. Heilkliniken), bis der Tod sie abberuft oder Gott für sie einen Ausweg macht
Und beeinträchtigt die beiden von euch, die ihm nachkommen. Bereuten sie es und verbesserten sich, dann lasst ab von ihnen. Gewiss, Gott war Reue annehmend, gnädig

 

Der Akt des Ehebruchs in vier verschiedenen Fällen mit vier verschiedenen Partnern stellt eine Gefahr für das soziale Wohlergehen der Gesellschaft dar. Eine promiske Gesellschaft wäre verurteilt, zu Grunde zu gehen. (Es gibt viele soziologische Gründe über die negativen Auswirkungen promisken Verhaltens – diese hier zu erörtern sprengte den Rahmen.) Deshalb wird die Gesellschaft geschützt, wenn solch eine Frau unter Quarantäne gestellt wird. Ein gutes Beispiel eines Ausweges, welches die unter Quarantäne gestellte Frau rettet, ist die Heirat – jemand kann sie heiraten, und so die Gesellschaft und sie schützen.

Öffentliche Bloßstellung der SünderInnen ist ein bedeutendes Abschreckungsmittel, wie wir es in 5:38 und 24:2 sehen. Die Bestrafung, die in 4:16 angedeutet wird, wird in 24:2 erklärt.

 

Der Koran rät definitiv von der Todesstrafe ab

2:178-179 O ihr, die ihr glaubt! Es ist euch die Wiedervergeltung vorgeschrieben für die Getöteten: der Freie für den Freien, der Sklave für den Sklaven, das Weibliche für das Weibliche. Doch wenn jemandem von seinem Bruder etwas vergeben wird, so soll der Vollzug auf geziemende Art und die Leistung ihm gegenüber auf wohltätige Weise geschehen. Dies ist eine Erleichterung von eurem Herrn und eine Barmherzigkeit. Wer nun von jetzt an (die Gesetze) übertritt, dem wird eine schmerzliche Strafe zuteil sein. Die von Gott geregelte Vergeltung sichert euch das Leben. Darüber habt ihr nachzudenken und euch der Frömmigkeit zu befleißigen.

 

Wegen menschlicher Grausamkeit und Ungerechtigkeit können sich viele Leute gar nicht vorstellen, was dieses koranische Gesetz meint. Sie lehnen es ab, die klaren Verfügungen, dass strenge Gleichwertigkeit ausgeübt werden muss, zu akzeptieren – tötet eine Frau einen Mann oder ein Mann eine Frau, oder tötet ein Sklave einen Freien oder ein Freier einen Sklaven, so kann die Todesstrafe nicht vollzogen werden.

Der Begriff „Qesas“ (Gerechte Strafe oder Vergeltung) stammt aus dem Wort „Qassa“, was teilen/mitteilen oder erzählen bedeutet. „Yaqtas“ heißt: Man nimmt sich sein Recht. Eigentlich ist in dieser Hinsicht zwischen dem islamischen und dem jüdischen Gesetz keine großen Unterschiede festzustellen. Doch jede Glaubensform hat ihre eigenen Gesetze (Bücher) und danach sollte gerichtet werden (vgl. 5:44-48). Leider beachten viele Menschen nicht, was am Ende jener Sätze betont wird: das Verzeihen oder Verzichten auf die Vergeltung. Denn durch ein Verzeihen wird ein besserer Gewinn bei unserem HERRN erzielt.

 

5:45 Wir hatten den Juden in der Tora vorgeschrieben: Leben um Leben, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr und Zahn um Zahn; und für Verwundungen gerechte Vergeltung. Wer aber darauf verzichtet, dem soll das eine Sühne sein; und wer nicht nach dem richtet, was Gott herabgesandt hat – das sind die Ungerechten.

 

Der Koran zieht es vor, dass der Mörder die Familie des Opfers entschädigt. Den Mörder umzubringen bringt weder das Opfer zurück noch nützt es der Familie des Opfers. Die Entschädigung aber muss ausreichend sein, um ein Abschreckungsmittel für andere darzustellen (sozialer Druck). Im Islam (Hingabe) sind/ist/ das Opfer und/oder die Familie des Opfers die Richter über die Kriminaltaten. Sie entscheiden, was die Strafe – unter Aufsicht von einer Person, die den Koran kennt – sein soll.

Die frommen Gottergebenen aber streben stets nach Friedfertigkeit und antworten sogar bei den ärgsten Beschuldigungen und Beleidigungen mit „Friede mit euch!“

 

25:63 Die Diener des Barmherzigen sind die, die bescheiden auf der Erde umhergehen, und wenn die unwissenden törichten Ungläubigen sie unbotmäßig ansprechen, sagen: „Friede sei mit euch!“

42:40 Eine böse Tat wird mit einer gleichen vergolten. Wer jedoch verzeiht und sich versöhnt, den wird Gott belohnen. Gott liebt nicht die Ungerechten.

42:43 Geduld zu fassen und dem Täter zu verzeihen, darum soll sich der Rechtschaffene bemühen.

 

Die Strafe für das Töten wird im Koran beschrieben:

4:92-93 Keinem Gläubigen steht es zu, einen anderen Gläubigen zu töten, es sei denn aus Versehen. Und wer einen Gläubigen aus Versehen tötet: dann soll er einen gläubigen Sklaven befreien und Blutgeld an seine Erben zahlen, es sei denn, sie erlassen es aus Mildtätigkeit. War er (der Getötete) aber von einem Volk, das euer Feind ist, und ist er (der Getötete) gläubig: dann soll er einen gläubigen Sklaven befreien; war er aber von einem Volk, mit dem ihr ein Bündnis habt: dann soll er Blutgeld an seine Erben zahlen und einen gläubigen Sklaven befreien. Wer (das) nicht kann: dann (soll er) zwei Monate hintereinander fasten – (dies ist) eine Vergebung von Gott. Und Gott ist Allwissend, Allweise. Und wer einen Gläubigen vorsätzlich tötet, dessen Lohn ist die Hölle, worin er auf ewig bleibt. Gott wird ihm zürnen und ihn von Sich weisen und ihm eine schwere Strafe bereiten.

17:33 Und tötet nicht das Leben, das Allah unverletzlich gemacht hat, es sei denn zu Recht. Und wer da ungerechterweise getötet wird – dessen Erben haben Wir gewiss Ermächtigung (zur Vergeltung) gegeben; doch soll er im Töten nicht maßlos sein; denn er findet (Unsere) Hilfe.

 

Steinigung

Kurz nochmal zur Steinigung: Viele der LeserInnen interessiert wohl die Frage, woher das Gesetz der Steinigung entstammt. Darauf gibt es eine einfache Antwort: Aus dem alten Testament und den Ahadith. Der Koran jedoch widerlegt die Steinigung gleich zweifach:

Steinigung wird im Koran nur im negativen Sinne gebraucht

  • Die Ungläubigen bedrohen Noah mit der Steinigung (26:116)
  • Abrahams Vater droht Abraham mit der Steinigung (19:46)
  • Die Männer in der Höhle haben Angst, von den Ungläubigen gesteinigt zu werden (18:20)
  • Die drei Gesandten werden durch die Ungläubigen bedroht, gesteinigt zu werden (36:18)
  • Die Ungläubigen bedrohen Shu’aib mit Steinigung (11:91)

Die Hälfte der Todesstrafe

4:25 … Und wenn sie, nachdem sie verheiratet sind, der Unzucht schuldig werden, dann sollen sie die Hälfte der Strafe erleiden, die für freie Frauen vorgeschrieben ist…

 

In diesem Vers wird für die Frauen, die in ihrem Leben eine Sklavenschaft hatten, die Hälfte der Strafe vorgeschrieben. Das bedeutet: 50 Hiebe. Die beste Frage an die Hadith-Verteidiger bzw. Traditionalisten lautet: Wie sieht die Hälfte der Todesstrafe aus?

Es sei nebenbei bemerkt, dass der orthodoxe Islam viele Praktiken aus der Bibel, die ihren Weg in Ahadith gefunden haben, entnommen hat. Sunniten können also als „aktiv praktizierende Christen/Juden“ bezeichnet werden. Praktiken im orthodoxen (M-)Islam, die im Koran nicht vorkommen:

  • Das Kopftuch ist aus der Bibel
  • Die Todesstrafe ist aus der Bibel
  • Die falsche Opferung von Abrahams Sohn wurde von der Bibel übernommen (aus Genesis)
  • Viele Verbote bzgl. Nahrung kommen aus der Bibel
  • Die Beschneidung ist aus der Bibel
  • Die Sklaverei ist aus der Bibel (für die Quellen im orthodoxen Islam, siehe: Al Muwatta von Imam Malik, der ein Kapitel über Sklaverei detailliert beschrieben hat, wie sie zu kaufen und zu verkaufen sind etc.)
  • Die Vorurteile gegenüber Frauen in der Menstruation kommen ebenfalls aus der Bibel
  • Bilder/Bärte-Kommentare kommen aus der Bibel
  • Das „Amen“ kommt aus der Bibel
  • Heilige Schriften an die Wand zu hängen kommt aus der Bibel…

Das sind nur einige Beispiele der Riesenunterschiede zwischen Koran und Bibel. Hier sei, wobei wir uns aber von der polemischen Form distanzieren, folgende Seite erwähnt, die Tatsachen enthält, die zum Nachdenken anregen sollten: My Journey From the Christianity of Ahlul Sunnah Wal Jamaah to the Islam of the Prophet (englisch)

Gepriesen sei der Herr aller Welten für die hohen moralischen Standards, die Er uns offenbarte!

Frucht ist nicht gleich Frucht

Salam

Durch unsere Beobachtungen während den Koran-Übersetzungen entdeckten wir unzählige Fehler – leider, die wir nach und nach, so Gott will, zeigen möchten. Diese Fehler haben einige Probleme verursacht, so dass manches im Koran falsch verstanden wurde. Bei unserem Beispiel handelt es sich um zwei Begriffe, die von den Übersetzern mit gleichem Inhalt wiedergegeben worden sind: فاكهة “Fakihah”, was Obst oder Frucht bedeutet und in diesem Sinn kein Verb hat und ثمرة “ßamarah”. Dazu wollen wir ihre Wurzel genauer anschauen:

Nom.
ثمرة [ßamarah] (Singular) Frucht, Ertrag,
ثمرات [ßamarat] (Plural) Früchte,
إستثمار [istißmar] Investition,
مستثمر – ة [mustaßmir-ah] Investor/in,

Verb
ثمر [ßamara] Ertrag bringend sein, ergiebig sein,
اثمر [aßmara] fruchten, blühen, erbringen, resultieren,
إستثمر [istaßmara] investieren, Nutzen ziehen, auswerten,

Adj.
مثمر [mußmir] ergiebig,
إستثماري [istißmary] investierend,

Man sieht hier, dass der Begriff nicht nur unbedingt von Frucht als Obst handelt, sondern von dem, was aus dem Boden wächst und essbar ist. Auch, so wie im Deutschen, kann es sich um die Frucht einer Arbeit handeln (gemeint: das Resultat einer guten Arbeit).

Die Übersetzer haben eigentlich bei diesem Begriff keinen Fehler gemacht, auch beim ersten oben aufgeführten Begriff, wo es sich nur um Obst handelt (Fakihah), doch dabei hätten sie lieber Obst schreiben sollen, da es sich um zwei verschiedene Begriffe im Koran handelt, die beide von den Übersetzern gleich übersetzt wurden.

Ein Vers (55:52), der von dem Begriff “Fahihah” handelt:

  • Khoury
    Darin gibt es von jeder (Fakihah) Frucht ein Paar.
  • Paret
    (Gärten) in denen es von jeglicher Fruchtart (faakiha) zwei Arten gibt.
  • Azhar
    Dort gibt es von jeder (Fakihah) Fruchtart ein Paar.
  • Rasul
    Darin wird es von jeglicher (Fakihah) Fruchtart zwei Arten geben.
  • Zaidan
    In denen es von jeder (Fakihah) Obstart Zweiheit gibt.
  • Ahmadeyyah
    Darinnen wird es jegliche Art (Fakihah) Frucht in Paaren geben.

Ein Vers (6:11), der den Begriff “ßamarah” beinhaltet:

  • Khoury
    Er läßt euch dadurch Getreide sprießen, und Ölbäume, Palmen, Weinstöcke und allerlei (ßamarat) Früchte. Darin ist ein Zeichen für Leute, die nachdenken.
  • Paret
    Er läßt euch dadurch das Getreide wachsen, und die Ölbäume, Palmen und Weinstöcke, und (sonst) allerlei (ßamarat) Früchte. Darin liegt ein Zeichen für Leute, die nachdenken.
  • Azhar
    Dadurch läßt Er für euch Pflanzen wachsen, Olivenbäume, Dattelpalmen, Weinreben und (ßamarat) Früchte aller Art. Darin sind Zeichen für Menschen, die nachzudenken bereit sind.
  • Rasul
    Damit läßt Er für euch Korn sprießen und den Ölbaum und die Dattelpalme und die Trauben und (ßamarat) Früchte aller Art. Wahrlich, darin liegt ein Zeichen für nachdenkende Leute.
  • Zaidan
    Damit läßt ER für euch Gewächs, Oliven, Dattelpalmen, Trauben und von jeglichen (ßamarat) Früchten hervorsprießen. Gewiß, darin ist zweifelsohne eine Aya für Leute, die sich besinnen.
  • Ahmadeyyah
    Damit läßt Er Korn sprießen für euch und den Oelbaum und die Dattelpalme und die Trauben und (ßamarat) Früchte aller Art. Fürwahr, darin ist ein Zeichen für nachdenkende Leute.

Salam

Sura 102 – Grammatikalische Formen

Im Namen Gottes, Des Ermarmers, Des Gnädigen,

Nachdem ich gemerkt habe, dass mehrere Leute Sura 102 anders verstanden haben als das, was manche Begriffe beinhalten, war es notwendig darüber eine Erklärung abzugeben, vor allem auch um zu zeigen, wie die Übersetzer das Wort [takathor=Vermehrung] nach ihrer Sichtweise anders interpretiert haben, als es ist.

Im ersten Vers von Sura 102 steht gleich der Name dieser Sura. Der Vers beinhaltet nur zwei Wörter الهاكم [alhakom=euch lenkt ab] التكاثر [Altakathor = die Vermehrung] . Vers 1 gibt noch keine Anhaltspunkte, was hier vermehrt wird. Doch Vers 2 gibt eine Annäherung, um was es hier handelt: nämlich um die Toten (Friedhöfe besuchen), was wiederum ein Vergleich zwischen den lebendigen (Vers 1) und den Toten (Vers 2) darstellt.

Ich möchte in erster Linie die verschiedenen Interpretationen der Übersetzer zeigen , um vielleicht selber darauf kommen zu können, dass es hier um einen Verständigungsfehler geht und nicht nur um reinen Übersetzungsfehler. (Die rot markierten Wörter sind im Originalvers nicht vorhanden und sind nur die Sichtweise des jeweiligen Übersetzers.)

  • الهكم التكاثر
  • Khoury
    Der Wettstreit um noch mehr lenkt euch ab,
  • Paret
    Die Sucht, mehr zu haben (als andere), hat euch (so sehr von allem höheren Streben) abgelenkt,
  • Azhar
    Euch hat die Vermehrungssucht so lange abgelenkt,
  • Rasul
    Das Streben nach Mehr lenkt euch solange ab ,
  • Zaidan
    Euch abgelenkt hat (die Sucht) nach Vermehrung,
  • Ahmadeyya
    Der Wettstreit um die Mehrung lenkt euch ab,

Bei der Beschreibung des Wurzelbegriffes [KaThaRa = Mehren – ك ث ر ), von dem das Wort [Takathara= sich (ver-)mehren] herstammt, haben wir mehrere Variationen und ihre grammatikalischen Zusammensetzung gezeigt, um die LeserInnen darauf aufmerksam zu machen, worauf die Logik der arabischen Sprache basiert. Das kann man leicht identifizieren, wenn man mehrere Verben als Vergleich neben einander stellt:

كثر [kathura] viel – zahlreich sein, mehr sein,
تكاثر [takathara] sich (ver-)mehren,

ضرب [D´araba] jemanden schlagen,
تضارب [taD´araba] sich gegenseitig schlagen

شبه [shabbaha] ähneln,
تشابه [tashabaha] sich ähneln,

Wie man hier sieht, wird der Buchstabe ت [Ta] am Anfang des Verbes eingesetzt, dann entsteht eine grammatikalische Form, die das Verb auf sich beziehen lässt.

Und warum soll die Beschäftigung mit der Vermehrung eine schlechte Sache sein?

Das Wetteifern der Religionen nach mehr Massen von Menschen war immer das Verhängnis.

Vers 9:25 verdeutlicht uns, dass nicht bei der Mobilisierung der Massen die Macht liegt, sondern darin, in dem man sich Gott allein ergibt, und dass man sich nicht um die Massen bemüht, sondern um die Wahrheit. In der Zeit der Offenbarung gefiel den Menschen ihre große Zahl und sie meinten, dass sie dadurch nur gewinnen könnten. Doch Gott ließ sie ihren ersten Verlust erleiden, damit sie diesen Fehler erkennen, dass die Macht nur bei Gott liegt:

لقد نصركم الله في مواطن كثيرة ويوم حنين اذ اعجبتكم كثرتكم فلم تغن عنكم شيءا وضاقت عليكم الارض بما رحبت ثم وليتم مدبرين

9:25 Gott hat euch an vielen Orten unterstützt, und auch am Tag von Hunayn, als eure große Zahl [Kathratokom] euch gefiel, von euch aber nichts abwenden konnte. Die Erde wurde euch eng trotz ihrer Weite. Daraufhin kehrtet ihr den Rücken.

Auch Vers 5:100 zeigt uns, dass bei guten Dingen nicht um die Quantität geht sondern um die Qualität, was jeder vernünftige Mensch auch weiß.

5:100 Sprich: “Das Böse und das Gute sind nicht gleich, auch wenn einem die Menge [kathrat] des Bösen imponiert.” Ihr vernünftigen Menschen, fürchtet Gott, auf daß ihr Erfolg erzielen möget!

Salam

Ungläubige nicht verurteilen

Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Teufel,
Im Namen Gottes, Des Gnädigen, Des Erbarmers

Verliert jemand seine Güter, gewinnt sie ein Anderer. Auf diese Weise werden die Ungläubigen ihre Güter am Tage des Gerichts an die Gläubigen verlieren, welche die Güter als Belohnung für ihre Geduld, Verzeihung und Hingabe gewinnen.

45:14-15 Sprich zu denen, die glauben, sie mögen denen vergeben, die nicht mit den Tagen Gottes rechnen, auf dass Er die Leute für das belohne, was sie verdienen. Wer Gutes tut, tut es zu seinem eigenen Vorteil. Und wer Böses tut, tut es zu seinem eigenen Schaden. Zu eurem Herrn werdet ihr dann zurückgebracht.


Gottesworte sind deutlich. Wir sollen nicht über die Ungläubigen schimpfen, wir sollen ihnen vergeben, und uns um unsere eigene Seele kümmern. Die Geschichten der beiden älteren Geschwister, Juden und Christen, dienen uns stets als Beispiel, da sie alles, was wir durchmachen, schon längst vor uns erlebt haben.

45:16-17 Wir gaben den Kindern Israels die Schrift und Herrschaft und das Prophetentum, und Wir versorgten sie mit guten Dingen und bevorzugten sie vor den Völkern. Und Wir gaben ihnen deutliche Weisungen in der Sache. Und sie wurden nicht eher uneins, als bis das Wissen zu ihnen gekommen war – durch selbstsüchtigen Neid untereinander. Dein Herr wird zwischen ihnen richten am Tage der Auferstehung über das, worin sie uneins waren.


Ja, Gott gab den Kindern Israels und uns genaue Anweisung in dieser Sache, dass wir ja keine verschiedenen Wege nehmen, besonders dann, wenn das Wissen Gottes an uns vermittelt wird. Wir dürfen nicht meinen, dass wir besser als Andere dran seien, und deshalb wir uns das Recht nehmen dürften, Andere zu verurteilen.

45:18-19 Dann brachten Wir dich auf einen klaren Pfad in der Sache des Glaubens: so befolge ihn, und folge nicht den Launen derer, die nichts wissen. Sie können dir vor Gott nichts nützen. Diejenigen, die Unrecht tun, sind einander verbündet. Gott aber ist der Verbündete der Rechtschaffenen.


Es ist immer die gleiche Sache im Glauben: es gilt als eine Voraussetzung für den Glauben, dass niemand verurteilt wird, nur weil Gott ihnen den Einblick verbarg. Dass Gott uns aus Seiner Barmherzigkeit Sein Wissen gab, heißt nicht, dass wir Anderen gegenüber überheblich sein dürfen.
Andere zu verurteilen, gilt sicher nicht als Pluspunkt bei unserem Herrn. Nur wer rechtschaffen handelt und sich unter Gotteswillen verbündet, kann von Gott Beistand erhalten.

45:20 Dies sind einsichtbringende Zeichen für die Menschen und eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für Leute, die Gewissheit hegen.


Für dieses Zeichen bedanken wir uns bei Dir, unser Erhabener Herr und Verbündeter!
Möge Gott, Der voller Vergebung ist, uns allen verzeihen.

Salam.

Die Mythologie der Fürsprache

Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Teufel,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Jeremia 17:5-8  Der Herr sagt: „Fluch über alle, die sich von mir abwenden und stattdessen auf die Hilfe vergänglicher Menschen vertrauen! Sie sind wie kümmerliche Sträucher in der Steppe, in steiniger Wüste, in ödem, unbewohnbarem Land. Sie werden niemals Glück erleben. Doch Segen soll über alle kommen, die allein auf mich, den Herrn, ihr Vertrauen setzen! Sie sind wie Bäume, die am Wasser stehen und ihre Wurzeln zum Bach hin ausstrecken. Sie fürchten nicht die glühende Hitze; ihr Laub bleibt grün und frisch. Selbst wenn der Regen ausbleibt, leiden sie keine Not. Nie hören sie auf, Frucht zu tragen.“

Die Mythologie der „Fürsprache“ (arabisch: schafaah) ist einer der am weitesten verbreiteten Glaubensinhalte vieler Religionen. Der Teufel hat die Lüge, dass Mohammed Fürsprache für die ganze Umma einlegen werde, in die Herzen der Muslime gelegt. Der Koran jedoch lehnt diesen teuflischen Glauben entschieden ab:

2:48 Und seid euch gewiss, einen Tag zu erleben, an dem keine Seele für eine andere eine Schuld tilgen darf und von niemand Fürbitte oder Lösegeld angenommen wird; (ein Tag,) an dem sie keine Hilfe (außer Gottes) finden werden!

Mohammed kann niemanden retten. Diejenigen, die daran glauben, dass Mohammed sie vor Gottes Zorn retten wird, indem er für sie Fürsprache einlegt, werden am Jüngsten Tag mit der einzigen Klage Mohammeds konfrontiert werden und die erhoffte Fürsprache wird zu ihrem Nachteil geschehen (25:30). Schafaah bedeutet gemäß Koran: die Wahrheit bezeugen (20:109; 43:86; 78:38). Die „Muslime“, die in ihren täglichen Gebeten mit der Sure Al-Fatiha (Die Öffnung) Gott versprechen, nur Ihn um Hilfe zu bitten, gehen nach ihren Gebeten sofort über, einen sie nicht mehr wahrnehmenden Mohammed um Hilfe zu bitten. Mohammed kann sich selbst nicht einmal Schaden oder Nutzen zufügen (39:30 und 16:20-21). Was für ein Widerspruch! Der Satz „Maliki yewmid-Din“, also „Herrscher am Tage des Gerichts“ in genau dieser Sure reicht aus, um die Thematik der Fürsprachen-Mythologie zu widerlegen (82:17-19).

25:30 Der Gesandte wird sagen: „O mein Herr! Mein Volk hat den Koran verlassen!“

Kurz nach dem Tod des Propheten Mohammed haben diejenigen, denen Gottes Wort allein nicht ausreichte, ihre erfundenen Verboten, Lügen und Geschichten Gott und Mohammed zu unterstellen begonnen (heute bekannt als „Hadith & Sunnah“). Das Volk des Propheten Mohammed begann diesen Lehren zu folgen und errichtete infolgedessen unterschiedliche Rechtsschulen. Dadurch wurde der Koran verlassen. Diejenigen, die diesen Lehren, welche die Wahrheit mit Falschheiten vermischen, folgen, erhoffen sich die Fürsprache Mohammeds. Die Bekundung der Verse 78:38 und 19:87 wird die Klage im Vers 25:30 sein.

2:254 Ihr Gläubigen! Gebt Spenden von dem, was wir euch (an Gut) beschert haben, bevor ein Tag kommt, an dem es weder Handel noch Freundschaft noch Fürsprache gibt! Die Ableugner sind die (wahren) Frevler.

20:109 An jenem Tage wird keinem die Fürsprache etwas nützen – außer jenem, dem der Allerbarmer (dazu) die Erlaubnis gibt und dessen Wort Ihm wohlgefällig ist.

21:28 Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen ist, und sie legen keine Fürsprache ein außer für den, an dem Er Wohlgefallen hat, und sie zagen aus Furcht vor Ihm.

Eine der hinterlistigen Verführungen Satans ist es, machtlosen Geschöpfen wie Jesus und Mohammed das Vermächtnis der Fürsprache zuschreiben zu lassen. Durch den gesamten Koran hindurch und am Jüngsten Tag wird Fürsprache nur deshalb stattfinden, um die Wahrheit zu verkünden. Eine rettende Fürsprache-Macht (außer der Fürsprache Gottes) existiert nicht. Die Klage Mohammeds wird sein, dass sein Volk, welches ihn größtenteils idolisiert, seine Ohren gegenüber dem Koran verschlossen hat. Siehe auch: 72:21 und 79:38.

Der Koran negiert die „rettende Funktion“, die Ungläubige den Gesandten zuschreiben, indem er uns lehrt, dass nur das Wort gelten wird, das in Einklang mit Gottes Entscheiden steht und nur diejenigen Seelen sprechen dürfen, die Gott aufgrund der Wahrheit erwählt hat.

Die Fürsprache-Erfindung ist die effektivste Lockmethode an der Angel Satans.

3:80 Und Er gebietet euch nicht, euch die Engel oder die Propheten zu Herren zu nehmen. Sollte Er euch den Unglauben gebieten, nachdem ihr (Ihm) ergeben geworden seid?

Ein Großteil der Muslime konnte Mohammed nicht mehr „Allahs Sohn“ nennen, aber sie haben ihn mit ihren Bezeichnungen für ihn zu einem Idol/Götzen gemacht, sodass sie selber Ableugner wurden. Sie haben beispielsweise seinen Namen in der Schahadah zu Gottes Namen hinzugefügt, während des Gebets wird sein Name neben Gott gepriesen, sein Name wurde zum Gebetsruf (Adhan) hinzugefügt und sie haben ihn sogar zum höchsten Propheten ernannt. Sie haben mit den Fürsprache-Geschichten ihn als jemanden bezeichnet, der seine Umma vor Gott retten könnte, ihn als einen von Geburt an bis zum Tod sündenlosen dargestellt, die ihm zugeschriebenen falschen Ahadith als Quelle der Religion anerkannt und sie haben sogar behauptet, dass die ganze Welt nur wegen Mohammed erschaffen worden sei. Viele der Namen Gottes haben sie ihm ebenfalls gegeben. Gemäß Koran ist das eindeutiger „Schirk“ (Beigesellung von anderen Gottheiten). Dennoch werden diese „Muslime“ nie meinen, dass sie Ableugner sind (6:23).

5:109 Am Tag (des Gerichts), da Gott die Gesandten (die er zu den einzelnen Völkern und Gemeinschaften geschickt hat, bei sich) versammelt und Er dann sagt: „Was wurde euch (auf eure Botschaft) geantwortet?“ Sie sagen: „Wir haben kein Wissen (darüber). Du (allein) bist es, der über die verborgenen Dinge Bescheid weiß.“

Was sagen diejenigen, die glauben, dass Mohammed sie vor Gott mit seiner Fürsprache retten wird, zu diesem Vers?

6:82 Die da glauben und ihren Glauben nicht mit Ungerechtigkeiten vermengen – sie sind es, die Sicherheit haben und die rechtgeleitet werden.

Schirk bedeutet „Gott auf eine bestimmte Art und Weise Partner beigesellen“. Dies wird im Koran als eine Gräueltat beschrieben (31:13). Wir sollten den Glauben vermeiden, dass der Prophet Fürsprache einlegen könnte; Wir sollten es vermeiden, von Heiligenschreinen um Hilfe zu bitten, während dem Gebet andere Namen neben Gott zu preisen und/oder erwähnen und andere Quellen nebst dem Koran als autoritäre Religionsquelle zu halten.

9:80 Ob du für sie um Verzeihung oder nicht um Verzeihung bittest, oder ob du siebzigmal für sie um Verzeihung bittest, Gott wird ihnen niemals verzeihen. Deshalb, weil sie nicht an Gott und Seinen Gesandten glaubten. Und Gott weist den frevelhaften Leuten nicht den Weg.

19:87 Sie werden kein Anrecht auf Fürsprache haben – mit Ausnahme dessen, der vom Allerbarmer ein Versprechen empfangen hat.

Wie kann Mohammed, der für seine eigenen nahen Verwandten nicht einmal Fürsprache erbitten kann, anderen, ihm völlig unbekannten Menschen Fürsprache gewähren? Abraham konnte für seinen Vater keine Fürsprache einlegen (60:4) und Noah konnte seinen Sohn nicht retten (11:46).

Der Koran lehnt das Verständnis der rettenden Fürsprache vollständig ab (2:48; 10:18). Der Jüngste Tag gehört Gott allein! Die erlaubte Fürsprache, die im Koran erwähnt wird, bewirkt nichts, da eine Fürsprache den Entscheid Gottes (also die Wahrheit) bestätigt (78:38). Propheten und rechtschaffene Menschen können niemanden retten, die die Strafe verdient haben (9:80; 74:48). Die einzige Schafaah, die Mohammed einlegen wird, wird seine Klage gegen diejenigen sein, die bei ihm auf Fürsprache hoffen (25:30).

34:41 Sie sagen: „Gepriesen seist du! (Wie hätten wir so etwas zulassen können!) Dich haben wir zum Freund, nicht sie. Nein, die Djinn haben sie verehrt. Die meisten von ihnen glauben an sie.“

10:29 Gott genügt als Zeuge; Er weiß um das Verhältnis zwischen uns. Wir haben nicht einmal bemerkt, dass ihr uns angebetet habt.“

Den Lehren der Teufeln zu folgen bedeutet zwangsweise auch, den Teufeln zu dienen. Eine Person dient dem Teufel, wenn sie – selbst wenn sie aussagt, sie diene Gott – widersprüchlichen Lehren folgt, welche gegen die Lehren Gottes gehen. Es gibt nur einen Weg, um aus der Hypnose des Teufels befreit zu werden: Die Religion Gott allein zuzuschreiben (15:39-42). Die Ableugner, die von den Propheten, den Heiligen und/oder den Engeln Fürsprache erwarten oder sie zur zweiten Religionsquelle erheben, dienen eigentlich nicht den Propheten, Heiligen oder Engeln; Denn eine Anbetung beruht auf gegenseitige Annahme. Denen zu dienen, welche es selbst äußerst ablehnen, jemandem oder etwas anderem als Gott zu dienen, ist eine widersprüchliche Handlung und erfreut den Teufel. Deswegen dient man auf diese Art und Weise dem Teufel. Am Jüngsten Tag werden die rechtschaffenen Persönlichkeiten, die zu Götzen gemacht wurden, die Anbetung ablehnen (19:82).

Die Menschen, welche die Fürsprache der Propheten und der Heiligen erhoffen, dienen eigentlich nicht ihnen, weil die Angebeteten dies weder befürworteten noch davon wussten. Die Ableugner vollbringen den Wunsch Satans und aus diesem Grund dienen sie in Wahrheit Satan. Siehe auch: 16:60; 40:74; 36:60.

46:6 Und wenn die Menschen versammelt werden, werden sie ihre Feinde sein und ihre Anbetung verleugnen.

Man vergleiche diesen Vers mit den Sätzen aus Matthäus 7:21-23. Jesus ermahnt die Leute, die ihn mit „Herr“ ansprechen, dass sie die Hölle verdienen. Dieser Vers in der Bibel verkündet die Wahrheit klar.

39:3 Steht es Gott (etwa) nicht zu, dass der Mensch ganz allein an Ihn glaubt? Und diejenigen, die sich an seiner Statt Freunde genommen haben(, sagen): „Wir dienen ihnen nur deshalb, damit sie uns in ein näheres Verhältnis zu Gott bringen“. Gott wird zwischen ihnen entscheiden über das, worüber sie uneins sind. Wer ein Lügner und gänzlich ungläubig ist, den leitet Gott nicht recht.

83:11 Die den „Tag des Din“ leugnen!

Es gibt eigentlich keinen Unterschied zwischen den Ableugnern vom damaligen Mekka und den „Muslimen“ von heute, die den Islam mit einer Religion ausgetauscht haben, welche einer Anonymen Gesellschaft (AG) gleicht. Der Mensch gesellt Gott Partner bei, wenn er glaubt, dass Propheten und Heilige Fürsprache einlegen könnten; auch wenn sie es selber nicht zugeben wollen (6:23).

Die Erläuterung von „Tag des Din“ wurde in 82:19 als „Tag des Gerichtes“ sichergestellt. Der Jüngste Tag wird verleugnet, wenn der Mensch glaubt, dass er errettet werden könne, indem lediglich auf Fürsprache von Geschöpfen gehofft wird.


Referenzen

6:23 Verwirrung wird sich ihrer so bemächtigen, dass sie nur sagen können: „Wir schwören bei Gott, unserem Herrn, dass wir Dir keine Götter beigesellt haben.“

10:18 Sie dienen anstelle Gottes Götzen, die ihnen weder schaden noch nützen können und behaupten: „Das sind unsere Fürsprecher bei Gott.“ Sage: „Lasst ihr etwa Gott etwas wissen, was sich Seiner Kenntnis in den Himmeln und auf Erden entzieht?“ Gepriesen sei Er und erhaben über alles, was sie Ihm an Gottheiten beigesellen!

11:46 Er (Gott) sprach: „O Noah, er gehört nicht zu deiner Familie; siehe, dies ist kein rechtschaffenes Benehmen. So frage Mich nicht nach dem, von dem du keine Kenntnis hast. Ich ermahne dich, damit du nicht einer der Toren wirst.“

15:39-42 Er antwortete: „Mein Herr, da Du mich als verloren erklärt hast, will ich ihnen wahrlich (das Böse) auf Erden herausschmücken, und wahrlich, ich will sie alle irreleiten, außer Deinen erwählten Dienern unter ihnen. (Gott) sprach: „Dies ist ein gerader Weg zu Mir. Über meine Diener hast du keine Vollmacht, abgesehen von denen, die abirren und dir folgen.

16:20-21 Die Götzen, die sie anstatt Gott anbeten, können nichts erschaffen, sondern sie sind selbst erschaffen worden. Leblose, nicht Lebende, sind sie. Sie wissen nicht, wann die Auferstehung sich ereignen wird.

16:60 Auf die Ungläubigen, die das Jenseits verleugnen, trifft das Gleichnis des Übels zu, während auf Gott das Beispiel der Vollkommenheit zutrifft. Gott ist der Allmächtige, und Seine Weisheit ist unermesslich.

19:82 Aber nein! Sie werden die Tatsache, dass sie von ihnen verehrt worden sind, abstreiten und gegen sie eingestellt sein.

31:13 Einst sagte Luqmân zu seinem Sohn, indem er ihn ermahnte: „Mein Sohn! Geselle Gott nichts bei! Denn das wäre ein gewaltiges Unrecht.“

36:60-61 Habe ich euch, ihr Kinder Adams, nicht verpflichtet, nicht dem Satan zu dienen, der euch ja ein ausgemachter Feind ist, sondern Mir zu dienen, was ein gerader Weg ist?

39:30 Du wirst sterben, und auch sie werden sterben.

40:73-74 Ihnen wird gesagt: „Wo sind die Gott beigesellten Gefährten, die ihr außer Gott angebetet habt?“ Sie werden sagen: „Sie sind uns entwichen. Eigentlich haben wir nichts angebetet.“ So lässt Gott die Ungläubigen irregehen.

43:86 Und diejenigen, die sie statt Seiner anbeten, haben kein Fürspracherecht, mit Ausnahme dessen, der die Wahrheit bezeugt, und sie wissen Bescheid.

60:4 Ihr habt bereits ein vortreffliches Beispiel an Abraham und denen mit ihm, da sie zu ihrem Volke sprachen: „Wir haben nichts mit euch zu schaffen noch mit dem, was ihr statt Allah anbetet. Wir verwerfen euch. Und zwischen uns und euch ist offenbar für immer Feindschaft und Hass entstanden, bis ihr an Allah glaubt und an Ihn allein“ – abgesehen von Abrahams Wort zu seinem Vater: „Ich will gewiss für dich um Verzeihung bitten, obwohl ich nicht die Macht habe, bei Allah für dich etwas auszurichten.“ (Sie beteten:) „Unser Herr, in Dich setzen wir unser Vertrauen und zu Dir kehren wir reuig um, und zu Dir ist zuletzt die Einkehr.

72:21 Sprich: „Ich kann euch weder Schaden zufügen, noch euch rechtleiten.“

74:48 So nützt ihnen nicht die Fürbitte der Fürbittenden.

78:38 Am Tag, da der Geist und die Engel in einer Reihe stehen werden, ohne zu sprechen, außer wenn der Barmherzige einem Erlaubnis gibt und er sagt, was richtig ist.

79:38 und das diesseitige Leben (dem Jenseits) vorgezogen hat

82:17-19 Und was lehrt dich wissen, was der Tag des Din ist?! Und wiederum, was lehrt dich wissen, was der Tag des Din ist? Der Tag, da keine Seele etwas für eine andere Seele zu tun vermag! Und der Befehl an jenem Tage ist Gottes.

 

Weitere Verse zum Thema

2:123 Und fürchtet den Tag, da keine Seele als Stellvertreterin dienen soll für eine andere Seele, noch soll Lösegeld von ihr genommen werden, noch Fürbitte ihr frommen; und sie sollen nicht Hilfe finden.

6:51 Und warne hiermit diejenigen, die da fürchten, daß sie vor ihrem Herrn versammelt werden – wo sie außer Ihm keinen Beschützer noch Fürsprecher haben werden -, auf daß sie doch rechtschaffen werden mögen.

6:70 Und verlaßt jene, die mit ihrem Glauben ein Spiel treiben und ihn als Zerstreuung betrachten, und die vom irdischen Leben betört sind. Und ermahne sie hierdurch, auf daß nicht eine Seele der Verdammnis für das anheimfalle, was sie begangen hat. Keinen Helfer noch Fürsprecher soll sie haben außer Allah; auch wenn sie jegliches Lösegeld bietet, wird es von ihr nicht angenommen. Das sind diejenigen, die für ihre eigenen Taten dem Verderben preisgegeben werden. Ein Trunk siedenden Wassers wird ihr Anteil sein sowie eine schmerzliche Strafe, weil sie ungläubig waren.

6:94 Und nun kommt ihr einzeln zu Uns, wie Wir euch zuerst erschufen, und habt, was Wir euch bescherten, hinter euch gelassen, und Wir sehen bei euch nicht eure Fürsprecher, von denen ihr wähntet, sie seien Teilhaber an euren Sachen. Nun seid ihr voneinander abgeschnitten und das, was ihr wähntet, ist euch dahingeschwunden.

7:53 Wollen sie etwa die Erfüllung der koranischen Verheißungen abwarten? An dem Tag, an dem die Erfüllung eintrifft, werden diejenigen, die das bereits vergessen hatten, sagen: „Die Gesandten unseres Herrn haben die Wahrheit verkündet. Haben wir keine Fürsprecher, die für uns Fürsprache einlegen, oder können wir wieder ins Dieseits zurückgeschickt werden, damit wir andere Werke als die, die wir verrichtet haben, vollbringen?“ Sie haben ihre Seelen verloren und gewiß nichts von dem wahr vorgefunden, was sie sich vorgelogen hatten.

10:3 Euer Herr ist Gott, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschaffen hat und dann die höchste Allmacht ausübte. Er gebietet über alles. Es werden keine Fürsprecher zugelassen, es sei denn, Er erlaubt es. Das ist Gott, euer Herr. Nur Ihm sollt ihr dienen. Darüber müßt ihr nachdenken.

13:14-16 Ihm gebührt die wahre Anbetung. Die Gottheiten, die sie an Gottes Statt anbeten, erhören nichts, wie ein Mensch, der mit flach ausgestreckten Händen Wasser in den Mund führen möchte, was ergebnislos bleibt. Das Gebet der Ungläubigen ist nichts anderes als verfehlte Mühe. Vor Gott beugen sich – willig oder unwillig – alle Wesen in den Himmeln und auf Erden, desgleichen alle Schatten mittags und in der Dämmerung. Stelle die Frage: „Wer ist der Herr über die Himmel und die Erde?“ und antworte: „Gott.“ Sprich: „Warum dient ihr denn außer Ihm Götzen, die sich selbst weder nützen noch schaden können?“ Sprich: „Ist der, der sehen kann dem Blinden gleich? Oder gleicht die Finsternis dem Licht? Oder haben sie etwa Gott Gefährten beigesellt, die genauso wie Er schaffen können, weswegen sie die Schöpfungen verwechseln? Sag: „Gott hat alles geschaffen. Er ist der Einzige, der Allgewaltige.“

33:64-68 Gott hat die Ungläubigen verflucht und ihnen eine schreckliche Hölle bereitet. Darin werden sie ewig bleiben, und sie werden weder Beschützer noch Helfer finden. An jenem Tag werden ihre Gesichter im Feuer umgewendet, und sie werden sagen: „Hätten wir doch auf Gott und den Gesandten gehört!“ Sie werden sagen: „O unser Herr! Wir haben auf unsere Herren und Großen gehört, und sie haben uns vom rechten Weg abgebracht. Unser Herr! Gib ihnen doppelt soviel Strafe und belege sie mit einem gewaltigen Fluch!“

34:23 Es nützt keine Fürsprache bei Ihm, es sei denn, Er gibt einem die Erlaubnis dafür. Wenn der Schrecken von ihren Herzen gewichen ist, sprechen sie miteinander: „Was hat euer Herr gesagt?“ Und sie werden antworten: „Die Wahrheit.“ Er ist der Höchste und der Größte.

39:44 Sprich: „Gott allein gehört die Fürsprache. Ihm allein gehört die Herrschaft über die Himmel und die Erde, und zu Ihm werdet ihr zurückkehren.“

53:19-23 Was meint ihr denn (wie es sich) mit al-Laat und al-`Uzzaa (verhält), und weiter mit Manaat, der dritten (dieser weiblichen Wesen)? (Sind sie etwa als Töchter Gottes anzusprechen?) Sollen euch die männlichen Wesen zukommen, und Gott die weiblichen? Das wäre eine ungerechte Verteilung. Das sind keine Götter, sondern Namen, die ihr und eure Väter erfunden habt. Dafür hat Gott keinem eine Ermächtigung gegeben.“ Die Ungläubigen folgen daher nur ihren Vermutungen, ihrer Lust und Laune. Zu ihnen ist nun aber Rechtleitung von ihrem Herrn gekommen.

17:107-109 Und sie fallen bis zu ihrem Kinn nieder

Im Namen Gottes, Des Erbarmers, Des Gnädigen

Hätte ich das Gebet nie vorher gekannt, dann wäre ich nie darauf gekommen, meine eigene Sichtweise hineinzuinterpretieren. Leider versuchen die traditionellen Übersetzer ihre eigene Sicht, so wie sie in ihrer eigenen Tradition gelernt haben, wiederzugeben, statt die Worte des Korans wortgetreu zu übersetzen.

17:107 قل ءامنوا به او لا تؤمنوا ان الذين اوتوا العلم من قبله اذا يتلى عليهم يخرون للاذقان سجدا

17:109 ويخرون للاذقان يبكون ويزيدهم خشوعا


Die Verse 107 und 109 aus Sura 17 aus dem Koran werden von einigen Übersetzern wie folgt geschrieben:

Rasul
17:107 Sprich: “Ob ihr an ihn glaubt oder nicht glaubt, wahrlich, jene, denen zuvor das Wissen gegeben wurde, fallen, wenn er ihnen verlesen wird, anbetend auf ihr Angesicht nieder
17:109 
Und weinend fallen sie anbetend auf ihr Angesicht nieder, und ihre Demut nimmt zu.

Zaidan
17:107 Sag: ‚Bekundet den Iman an ihn oder bekundet keinen Iman, (für Uns ist dies unerheblich)!‘ Gewiß, diejenigen, denen das Wissen vor ihm zuteil wurde, wenn er ihnen rezitiert wird, fallen auf ihr Angesicht in Sudschud nieder,
17:109 Und sie fallen auf ihr Angesicht nieder, sie weinen, und er läßt sie noch mehr Ehrfurcht empfinden.

Ahmadeyyah
17:107 Sprich: «Ob ihr an ihn glaubt oder nicht glaubt, wahrlich, jene, denen zuvor das Wissen gegeben ward, sie fallen, wenn er ihnen verlesen wird, anbetend auf ihr Angesicht nieder.
17:109 Und weinend fallen sie nieder auf ihr Angesicht, und es mehrt in ihnen die Demut.


Bei den ersten oberen drei Übersetzungen sehen wir deutlich, dass sie ihre traditionelle Sichtweise komplett hineininterpretiert und sie so geschrieben haben, wie es ihnen passt, ohne darauf zu achten, was im Koran genau steht. Hier handelt es nämlich um eine Niederwerfung, die sie anscheinend vorher nie gekannt haben, und zwar bis zu dem Kinn oder, wie es im Koran in Pluralform steht, “bis zu den Kinnen“, da die Rede hier von mehreren Personen ist (die Wissenden).

Paret hatte tatsächlich das Wort “Kinn” nicht außer Acht gelassen, müsste dafür aber Wörter hinzufügen wie “den Boden berühren“, was im Verskontext nirgendwo zu finden ist:

Paret
17:107 Sag: Ihr mögt an ihn glauben oder nicht. Diejenigen, denen das Wissen gegeben worden ist, noch ehe er da war, werfen sich, wenn er ihnen verlesen wird, (in Anbetung) nieder, indem sie mit dem Kinn den Boden berühren (yakhirruuna lil-azqaani sudschdschadan),
17:109 Sie werfen sich weinend nieder, mit dem Kinn (am Boden). Und es bestärkt sie noch in ihrer Demut.


Bei der Azhar-Übersetzung sieht man im Vers 107, dass sie das Wort “Kinn” verwendet haben (auch sie haben das Wort “Erde” zugefügt), aber bei der zweiten Stelle Vers 109, wo das Wort wieder auftaucht, haben sie doch ihre Meinung geändert und ihre Tradition lieber hineingesteckt, so dass das Verbindungsstück der beiden Verse verloren gegangen ist, was ich persönlich schade finde, da ich hier eine ganz wichtige Stelle sehe, die uns das Gebet veranschaulicht. Vor allem wird diese Niederwerfung zwei Mal erwähnt. Das ist nämlich dies, was Muslime in ihrem Gebet machen, sich zwei Mal niederzuwerfen.

Azhar
17:107 Sprich: “Glaubt an ihn oder glaubt nicht!” Diejenigen, denen vorher Wissen zuteil wurde, werden sich niederwerfen mit dem Kinn zur Erde, wenn er ihnen vorgetragen wird.
17:109 Und wieder werfen sie sich weinend nieder, das Antlitz am Boden, und Er mehrt in ihnen die demütige Andacht.


Um noch mehr zu bestätigen, dass diese Verse vom Gebet handeln, lesen wir weiter in Vers 110, der bestimmte Anweisungen an den Betenden richtet:

17:110 Sage: “Ruft Gott oder ruft Den Erbarmer an! Wie ihr Ihn auch anruft, ihm stehen die schönsten Namen zu. Und mach dein Gebet nicht zu laut, aber auch nicht zu leise, und schlag einen Mittelweg ein!”


Der nachfolgende und letzte Vers in dieser Sura (Vers 111) sagt uns und zwar bevor wir Gott am Anfang des Gebets verherrlichen (Allahu Akbar), was jeder Moslem aus der Überzeugung sprechen sollte, was leider in der islamischen Welt kaum jemand macht:

وقل الحمد لله الذي لم يتخذ ولدا ولم يكن له شريك في الملك ولم يكن له ولي من الذل وكبره تكبيرا


17:111 Und sage: “Lob sei Gott, Der weder einen Sohn zu sich nahm noch gäbe es neben Ihm einen Partner im Reich, noch bräuchte Er einen Verbündeten aus Schmach.” Und verherrliche Ihn mit aller Kraft.


Salam

christen sagen muslimen

Schlüssel zum Verständnis des Koran: Beispiel 6 – Juden und Christen: Keine Freunde der Ergebenen?

5:51 Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden! Sie sind untereinander Freunde (aber nicht mit euch). Wenn einer von euch sich ihnen anschließt, gehört er zu ihnen (und nicht mehr zu der Gemeinschaft der Gläubigen). Gott leitet das Volk der Frevler nicht recht.129

 

Ich wurde schon des Öfteren nach Vers 5:51 gefragt, welcher davon spräche die Juden und die Christen nicht zu Freunden zu nehmen, wenn wir Gottergebene seien. Dieser Vers brachte bereits Reaktionen wie folgende hervor: „Bin ich überhaupt nicht mit einverstanden! Überhaupt „Juden und Christen“ in einen Topf zu schmeißen und dann noch „Volk der Ungerechten“ zu nennen! Dieser Vers sät tatsächlich Zwietracht!“

Für ein besseres Verständnis dieses Verses analysieren wir als Erstes, wie sich das fünfte Kapitel der Lesung „entwickelt“:

5:1-2Verbote bei der Pilgerfahrt
5:3-5Nur vier Nahrungssorten sind verboten
5:6-7Die Waschung vor dem Gebet
5:8-10Macht keine falschen Zeugenaussagen
5:11Gott beschützt und verteidigt Seine Gläubigen
5:12Bedingungen, um unter Gottes Schutz stehen zu dürfen
5:13Konsequenzen der Missachtung des Bundes mit Gott
5:14Auch Christen müssen dem Gesandten Gottes gehorchen
5:15-16Die Lesung: Gottes Botschaft für die Christen und die Juden
5:17-18Die gravierende Blasphemie
5:19-20Wie habt ihr den Gesandten, der zu euch kam, aufgenommen
5:21-23Gott gibt das heilige Land den Juden
5:24-26Trotz all den Wundern, welche die Juden gesehen hatten
5:27-30Der erste Mord der Menschheitsgeschichte
5:31Die Lehre des Raben
5:32Der Wert eines Individuums – die Grobheit des Tötens
5:33-35Todesstrafe und Krieg: Wann ist sie legitim?
5:36-37Der Preis des Ableugnens
5:38-40Die Ressourcen der Diebe beschlagnahmen
5:41-43Die Verzerrung des Kontextes der Schrift durch die Juden
5:44Thora: Weisheit und Licht für das Volk der Juden durch Gott ergebene Propheten
5:45Das Gesetz der Äquivalenz (Leben um Leben, Auge um Auge…)
5:46-47Das Evangelium Jesu: Weisheit, Licht und Rechtleitung wurde durch Jesus überliefert.
5:48-50Die Lesung: die letzte gültige Quelle
5:51-53Gewisse Juden und Christen können keine „Freunde“ sein
5:54Wenn Gläubige von ihrer Religion abfallen…
5:55-56Die wahren „Freunde“
5:57-63Das Verhalten gewisser Juden und Christen
5:64Blasphemie gegenüber Gott
5:65Erlösung für Juden und Christen
5:66Sie sollten an diesen Koran glauben
5:67Der Gesandte muss nur überliefern
5:68Folgt den Schriften, die zu euch gesandt wurden!
5:69Minimale Anforderungen für das Seelenheil
5:70-71Der Bund Gottes mit den Kindern Israels
5:72-76Das heutige Christentum ist nicht die Religion Jesus‘
5:77-78Wählt eure Freunde sorgfältig aus

 

und so weiter.

Das Kapitel behandelt also reichlich Fragen, welche das interreligiöse Leben betreffen. Kommen wir zurück zur Frage: Was meint Gott mit „nehmt keine Juden und Christen zu Freunden“?

Diejenigen Juden und Christen, mit denen es verboten ist, „Freundschaften“ zu schließen, haben ganz bestimmte Absichten, wie wir aus der Liste sehen können. Diese werden in 5:57 erläutert. Innerhalb der Schriftbesitzer (Juden und Christen) gibt es auch gute Menschen (3:113). Das Essen dieses Volkes kann gegessen werden (5:5) und ihre Frauen können geheiratet werden. Insofern kann nicht die gesamte Gemeinschaft der Juden und Christen als ungerecht eingeordnet werden. Hier stellt sich doch die Frage: Wieso sollte uns Gott erlauben, Juden oder Christen zu heiraten, wenn doch bereits die Freundschaft verboten sei? Die Verse 5:57, 49:13 und 60:8–9 geben uns die wichtigsten Ermahnungen und legen die Hauptprinzipien fest, mit welchen Menschen und Völkern wir Beziehungen pflegen sollen. Nicht nur eine Koexistenz, sondern auch ein aktives Kennenlernen wird von uns Gottergebenen verlangt (49:13).

Es ist also durchaus erlaubt, Juden und Christen als Freunde, ja sie gar als Ehepartner zu haben (5:5).

 

5:57 O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die zu Beschützern – von jenen, denen vor euch die Schrift gegeben wurde, und von den Ungläubigen -, die mit eurem Glauben Spott und Scherz treiben – und fürchtet Gott, wenn ihr Gläubige seid.130

4:140 Und Er hat euch schon in dem Buch herabgesandt, dass – wenn ihr hört, dass die Zeichen/Verse Gottes geleugnet und verspottet werden – ihr nicht bei ihnen sitzt, bis sie zu einem anderen Gespräch übergehen; ihr wärt sonst wie sie. Wahrlich, Gott wird die Heuchler und die Ungläubigen allesamt in der Hölle versammeln.131

3:113-115 Sie sind nicht gleich, unter den Leuten der Schrift gibt es eine aufrechte Gemeinschaft. Sie tragen die Zeichen Gottes im Laufe der Nacht vor, während sie sich unterwerfen. Sie glauben an Gott und an den letzten Tag, sie gebieten das Erkenntliche, unterbinden das Verwerfliche und eilen um der guten Taten willen. Und jene sind von den Rechtschaffenen. Und was sie an Gutem tun, wird ihnen nicht geleugnet werden, und Gott ist wissend über die Achtsamen

60:8-9 Gott verbietet euch nicht, gegen diejenigen pietätvoll und gerecht zu sein, die nicht der Religion wegen gegen euch gekämpft, und die euch nicht aus euren Wohnungen vertrieben haben. Gott liebt die, die gerecht handeln. Er verbietet euch nur, euch denen anzuschließen, die der Religion wegen gegen euch gekämpft, und die euch aus euren Wohnungen vertrieben oder bei eurer Vertreibung mitgeholfen haben. Diejenigen, die sich ihnen anschließen, sind die (wahren) Frevler.132

3:64 Sage: Ihr Leute der Schrift, kommt her zu einem Wort, das gleich ist zwischen uns und euch, dass wir nichts dienen außer Gott, ihm nichts beigesellen und dass wir einander nicht als Herren nehmen anstelle Gottes. Doch wenn sie sich abkehrten, so sage: Bezeugt, dass wir Ergebene sind

49:13 O Menschen! Siehe, Wir haben euch alle aus einem Männlichen und einem Weiblichen erschaffen, und haben euch zu Nationen und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander kennenlernen möget. Wahrlich, der Edelste von euch in der Sicht Gottes ist der sich Seiner am tiefsten bewusst ist. Siehe, Gott ist allwissend, allgewahr.133

 

Wie wir sehen, reicht diese Methode allein schon aus, um diesen Sachverhalt zu klären. Dennoch sollte die Wahrheit die oberste Priorität sein, denn dies ist nicht der einzige Umstand, der in dieser Bedeutung unter den Übersetzungen merkwürdig erscheint. Denn für den aufmerksamen Studenten gibt es auch noch andere Verse, die weiter belegen, dass Gott von uns ein friedliches Zusammenleben mit anderen Kulturen will. Deshalb will ich diesen Vers noch sprachlich analysieren.

 

Sprachlicher Aspekt von „Waliy“

Der arabische Wortlaut des Verses 5:51 ist hier zu sehen:

 

يايها الذين ءامنوا لا تتخذوا اليهود والنصرى اولياء بعضهم اولياء بعض ومن يتولهم منكم فانه منهم ان الله لا يهدي القوم الظلمين

Transliteration:
yā ʾayyuhā al-laḏīna ʾāmanū lā tattachiḏū al-yahūda wan-naṣārá ʾawliyāʾa baʿḍuhum ʾawliyāʾa baʿḍin wa man yatawallahum minkum fa ʾinnahu minhum ʾinna allāh lā yahdī al-qawma aẓ-ẓālimīna

 

Eine weitere Übersetzung dieses Verses:

 

5:51 O ihr, die ihr glaubt! Nehmt nicht die Juden und die Christen zu Beschützern. Sie sind einander Beschützer.134

 

Wie zu sehen ist, gibt es in der Übersetzung bereits unterschiedliche Ansätze, wie das Wort awliyā’ (اولياء) übersetzt wird. In diesem Vers handelt es sich nämlich nicht um Freundschaften, sondern um eine politisch wie auch diplomatisch orientierte Beziehung. Es ist ein Umstand, in dem Macht und Einfluss eine Rolle spielen. Es ist auch unverständlich, weshalb die Übersetzer irrtümlicherweise gerade dieses Wort wählen, obwohl das arabische Wort für Freund (arabisch: ṣadīq) in der Lesung bereits in anderen Versen vorkommt:

 

24:61 Kein Vorwurf trifft den Blinden, noch trifft ein Vorwurf den Krüppel, kein Vorwurf trifft den Kranken oder euch selbst, wenn ihr in eurem Haus, im Haus eures Vaters oder eurer Mutter… oder (im Haus) eures Freundes (ṣadīqakum)…135

26:101 noch einen warmen Freund (ṣadīq).

 

Schauen wir in der Wurzelbeschreibung des Begriffes Waliy nach, lesen wir:

ولىWaliya
المولى – الولي[al-mawlá – al-waliy] Der Gebieter, Der Schutzherr, Der Verbündete
Nomen
مولى[mawlá] Schutzherr,
ولي[waliy] Verbündeter, Treuer,
ولاية[walāyah] Vormundschaft, rechtliche Gewalt,
ولاية[wilāyah] Souveränität, Autorität, Provinz, Staat,
الولايات المتحدة[al-wilāyātu-l-muttaḥidah] Die vereinigten Staaten,
ولي العهد[waliyu-l-ʿahd] Thronfolger,
ولي الأمر[waliyu-l-ʾamr] Sachwalter, Vormunder,
إستيلاء [ʾistīlāʾ] Besitznahme
Verben
ولى [waliya] jmdm beistehen, sich mit jmdm verbünden, zur Seite stehen, jmdm folgen,
ولى [wallá] (von einer Sache) sich abwenden, flüchten,
تولى [tawallá] (Amt) innehaben, bekleiden, übernehmen, in Besitz nehmen, (von einer Sache) sich abwenden,
تولى الحكم[tawallá al-ḥukm] Macht übernehmen,
توالى[tawālá] ununterbrochen aufeinanderfolgen,
إستولى [ʾistawlá] in Besitz nehmen, sich bemächtigen,
يلي[yalī] folgen,
كما يلي[kamā yalī] wie folgt,
فيما يلي [fīmā yalī] im folgenden,
أولى لك[ʾawlá laka] ist dir am aller besten …

 

Wie wir bei unserer Übersetzung des Wurzelbegriffes sehen, kommt das Wort Freund überhaupt nicht vor. Vielmehr geht es beim Wort (waliy, pl. awliyāʾ) um den Bund, den man bei großen Koalitionen mit anderen Organisationen auf politischer Ebene schließt. Es ist auch klar, dass wir als Gottergebene im Falle der Wahrheitsfrage niemals die traditionellen Kirchenträger wie zum Beispiel den Papst um Hilfe bitten sollen, da sie ihren eigenen weltlichen Interessen bzw. Ideologien folgen, die sich nicht mit der Gerechtigkeit für alle Menschen vereinbaren lassen. Außerdem wird zu einem Freund im Arabischen nie Waliy gesagt.

„Wer sie aber trotzdem als Verbündete nimmt, dann ist er einer von ihnen“ lautet der Vers weiter. Wer also in diese Kategorie fällt, so pflegt diese Person ihre eigene Tradition wie alle die anderen vielen religiösen, politisch verdorbenen Organisationen. Ähnlich verhält es sich mit den arabischen Nationen gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die bei ihrer Koalition mit dem Westen gegen das geschwächte osmanische Reich vorgingen, wobei viele unnötige Massaker in der eigenen Bevölkerung und Millionen von Todesfällen verursacht wurden.

Ich hoffe, dass zukünftig Korrekturen an den Übersetzungen vorgenommen werden.

 

59:22-24
Er ist Gott, außer Dem kein Gott ist;
Er ist der Kenner des Verborgenen und des Sichtbaren.
Er ist der Allerbarmer, der Barmherzige.
Er ist Gott, außer Dem kein Gott ist;
Er ist der Herrscher, der Einzig Heilige, der Friede, der Verleiher von Sicherheit, der Überwacher, der Erhabene, der Unterwerfer, der Majestätische.
Gepriesen sei Gott über all das, was sie (Ihm) beigesellen.
Er ist Gott, der Schöpfer, der Bildner, der Gestalter.
Ihm stehen die schönsten Namen zu.
Alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, preist Ihn, und Er ist der Erhabene, der Allweise.