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Aus dem Koran

18:110, 41:6 Sprich: "Ich bin nur ein Mensch wie ihr, doch mir ist offenbart worden, dass euer Gott ein Einziger Gott ist..."

2:256 Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist nun klar erkennbar geworden gegenüber dem unrichtigen...

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Demut PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Kerstin   
Mittwoch, den 24. Dezember 2008 um 18:36 Uhr

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

In unserer heutigen Zeit hat Demut leider sehr viel an Bedeutung verloren, da sie fälschlicherweise oft mit Demütigung, Unterdrückung und Selbsterniedrigung verbunden wird. In dem nachfolgenden Text möchte ich aufzeigen, dass dem nicht so ist, sondern Demut viel mehr mit Dankbarkeit, Mut und Befreiung zu tun hat und dass sie vor allem auch eine Geistes- und Lebenshaltung ist.

Albert Schweitzer bezeichnete die Demut einmal als "die Fähigkeit auch zu den kleinsten Dingen des Lebens" emporzuschauen. Um dies zu tun, müssen wir uns im geistigen Sinne nach unten begeben und Bescheidenheit üben. Wenn wir unsere Ansprüche zu hoch setzen und unseren Blick nur nach oben richten, werden wir die kleinen Dinge nicht wirklich sehen können, sie werden uns verborgen bleiben.

Sind wir aber demütig, erweist sich das, was auf den ersten Blick klein scheint oft als wunderbar und groß. Dann werden wir diese Kleinigkeiten als etwas Besonderes ansehen, auch in dem Wissen um unserer eigene Geringfügigkeit und Kleinheit, verglichen mit der Größe Gottes. Zum Beispiel ein kleiner Stein, eine blühende Blume oder ein Schmetterling - das alles sind auf den ersten Blick kleine Dinge, von welchen aber jedes einzelne Gottes wunderbare Schöpfung offenbaren kann. Ebenso sollten wir, wenn wir vielleicht einen hohen Rang oder viel Wissen haben, nicht auf andere Menschen herabschauen und sie als geringer als uns selbst erachten. Jeder Mensch ist auf seine Weise einmalig und jeder hat besondere Talente oder Fähigkeiten. In der Fähigkeit, auch zu den kleinen Dingen emporzuschauen, erkennen wir an, dass wir von jedem und aus allem etwas lernen können. Niemand ist so groß, dass er nicht von dem Geringsten noch etwas lernen könnte. Allerdings sollte das nicht dazu führen, sich zu entwerten oder sich gar selbst zu verachten, denn das wäre falsche Demut. Vielmehr soll die Demut uns davor bewahren, uns selbst zu überschätzen und hochmütig und stolz zu sein.


Demut und Hochmut

Die Demut steht im Gegensatz zu Hochmut und Stolz. Wenn wir Demut üben, müssen wir unser Ego ablegen und erkennen, dass kein Mensch wirklich vollkommen ist. Wir dürfen uns selbst nicht zu wichtig nehmen, sondern müssen lernen, unsere eigene Begrenztheit anzuerkennen und nicht zu meinen, alles hänge nur von uns alleine ab. Wenn wir stolz sind auf unser Wissen, unseren Reichtum, unsere Talente oder unsere Erfolge ohne gleichzeitig dankbar zu sein und demütig anzuerkennen, dass nichts aus uns alleine kommt, so kann das dazu führen, dass wir hochmütig werden. Hochmut führt zu Selbstüberschätzung und Selbsterhöhung. Durch Hochmut entsteht Distanz im zwischenmenschlichen Bereich. Wenn wir uns, unser Können und unsere Erfolge überbewerten und uns für besser halten, grenzen wir uns zu unseren Mitmenschen ab und erhöhen uns selbst. Im Gegensatz dazu schafft Demut Nähe, da sie den Wert des anderen achtet. Sie schützt uns davor, uns über andere zu erhöhen und sie verleiht uns die nötige Erdhaftung.

Der Größte unter euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.Bibel, Matth. 23,11-12

 

Demut ist Mut

Demut ist Mut – Mut zur Demut, Mut zum Dienen, Mut zur Einsicht, Mut zur Menschlichkeit.

In Demut Gott zu dienen beinhaltet ebenfalls den selbstlosen Dienst am Nächsten. Dies bedeutet achtsam zu sein gegenüber unseren Mitmenschen und der ganzen Schöpfung.

Ihr Gläubigen! Kniet euch hin, werft euch nieder, dienet eurem Herrn und tut Gutes, auf dass ihr Erfolg haben möget!Koran, 22:77

Demut ist auch Mut zur Selbstlosigkeit. Das heißt, unser Denken und Handeln sollte nicht nur von Eigeninteresse und Eitelkeit geleitet sein. Wir müssen vielmehr auch dazu bereit sein, uns selbst zurückzustellen und dort wo es nötig ist, selbstlos zu helfen und solidarisch zu handeln, ohne viel Aufhebens darum zu machen.

Solidarisch zu handeln könnte beispielsweise bedeuten, dass wir, wenn wir erkennen, dass jemand an seinem Arbeitsplatz gemobbt oder ungerecht behandelt wird, nicht einfach aus Angst vor Repressalien oder davor den Arbeitsplatz zu verlieren, stillschweigend zusehen, sondern dagegen einschreiten. Das kann viel Mut erfordern.

Ein Beispiel für die Eitelkeit: Wenn wir ein Ehrenamt in erster Linie nur deshalb ausführen, um öffentliche Anerkennung zu erhalten, so ist das die falsche Motivation, die nur uns selbst in den Mittelpunkt stellt.

Demütig zu sein, bedeutet also auch, nicht uns selbst in den Mittelpunkt unserer Handlungen zu stellen, sondern selbstlos zu dienen.

Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbstBibel, Philipper 2,3

 

Demut befreit

Demut beinhaltet auch die Bereitschaft, uns selbst zu erkennen und anzunehmen, mit all unseren Ängsten, Fehlern und Schattenseiten, aber auch mit unseren Stärken, Fähigkeiten und Talenten, die Geschenke Gottes sind. Demut führt uns zu einer realistischen Selbsteinschätzung und lässt uns somit nicht die Bodenhaftung verlieren, indem wir uns höher oder geringer einschätzen, als wir wirklich sind. Wir müssen uns nicht vergleichen und sollten uns immer bewusst sein, dass niemand von uns vollkommen ist oder sein muss. Dies kann uns frei machen, denn wir dürfen sein, wie wir sind. Wir müssen uns nicht verstellen oder eine Rolle spielen, unsere Fehler und Schwächen hinter einer Fassade verstecken und in ständiger Angst leben, dass jemand hinter diese Fassade schauen könnte und unsere Schwächen entdeckt. Demut befreit uns von unserer Ichbezogenheit und dem Hochmut, zu meinen, alles selbst und aus eigener Kraft machen zu müssen. Wir müssen nicht perfekt sein, sondern dürfen unsere Grenzen und unsere eigene Bedürftigkeit anerkennen. Wir müssen nicht alles selbst können, sondern brauchen auch selbst die Hilfe anderer. Jeder Mensch sollte das tun, was ihm möglich ist, nicht mehr und nicht weniger. Gott fordert von keinem Menschen mehr als er leisten kann. Den Rest dürfen wir vertrauensvoll in Gottes Hände legen.

So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit! Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.1.Petrus 5, 6-7

 

Demut vor Gott

Demut ist auch eine innere Einstellung zu Gott. Dies bedeutet, Gottes Allmacht anzuerkennen, uns Gott zu ergeben, uns zu beugen, geduldig ertragen zu können, auf Gott zu vertrauen und zu erkennen, dass letztendlich nichts ohne Gottes Willen geschieht. Dies schützt uns wiederum vor Überheblichkeit, da uns bewusst wird, dass nichts aus uns selbst kommt.
Indem wir demütig sind vor Gott, erkennen wir unsere eigene Begrenztheit an. In dem Wissen davon können wir uns Ihm anvertrauen, frei werden zum Gebet und unsere Ängste und Sorgen loslassen in dem Vertrauen, dass Gott für uns sorgt und uns trägt.

Und auch damit diejenigen, denen Wissen zuteil geworden ist, erkennen, dass es sich gewiss um die von deinem Herrn offenbarte Wahrheit handelt, so dass sie fester daran glauben und ihr ihre Herzen voller Demut zuwenden. Gott leitet die Gläubigen gewiss zum geraden Weg.Koran, 22:54

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wahre Demut keine erzwungene Erniedrigung ist, sondern dass Demut mit Mut, Dankbarkeit und vor allem mit dem Vertrauen auf Gott zu tun hat. Demut bewahrt uns davor, uns selbst allzu wichtig zu nehmen. Es sollte uns immer bewusst sein, dass auch wir nur ein kleiner Teil eines großen Ganzen sind. Dabei hilft es schon, ab und zu einmal die Perspektive zu wechseln. Eine Ameise mag uns winzig erscheinen und wir für sie riesig sein. Aber wie groß sind wir in einem Vergleich mit einem Baum, einem Berg, unserer Erde oder des gesamten Universums? Jedesmal, wenn ich auf einem Berggipfel stehe und erkenne, wie all das, was uns oft so groß und wichtig erscheint, auf einmal ganz klein ist und in den Hintergrund tritt und dann im Vergleich dazu die Weite sehe, die sich vor mir auftut, fühle ich eine große Demut in mir und gleichzeitig eine unheimliche Freiheit.
Wenn wir demütig sind vor Gott, dann wissen wir um unsere eigene Begrenztheit. Dadurch werden wir frei von Stolz und Überheblichkeit, aber auch frei von Angst und frei von zu hohen Erwartungen. Im Vertrauen auf Gott brauchen wir keine Angst zu haben, zu kurz zu kommen oder nicht zu genügen. In der Demut lernen wir, den Versuchungen zu widerstehen und solidarisch zu sein mit den Schwächeren. Aus der Demut vor Gott kann uns Kraft erwachsen, die Kraft und der Mut zum Dienen.



"Wie wird das Meer zum König aller Flüsse und Ströme?
Weil es niedriger liegt als sie."

Lao Tse

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 29. Mai 2010 um 15:01 Uhr
 
Kommentare (2)
1Mittwoch, den 29. September 2010 um 16:12 Uhr
jerusalem21
das ist ein erstaunlicher text, als hätte ihn Gott selbst geschrieben. Daumen hoch!
Mittwoch, den 29. September 2010 um 22:05 Uhr
Kerstin
Hallo und Frieden, jersualem21!

Es freut mich, dass Ihnen der Text gefällt Smile

Herzliche Grüße, Gott segne Sie!
Kerstin
2Dienstag, den 14. Dezember 2010 um 19:55 Uhr
Michael
Dies ist wirklich ein sehr erhellender Bericht.

Im Moment bin ich auf dem Weg demütig zu werden. Wenn es mir gesundheitlich besser geht (ich habe starke Schmerzen), dann fällt es mir leichter, als wenn es mir schlecht geht. Von daher scheine ich nocht nicht wirklich demütig zu sein. Im Kopf vielleicht schon, aber noch nicht ganz im Herzen. Ich hoffe, dass ich auch mit starken Schmerzen auf Gottes Hilfe vertrauen werde und dann hoffentlich auch gesunden werde.

Viele Grüße
Michael
Mittwoch, den 15. Dezember 2010 um 03:00 Uhr
Kerstin
Frieden lieber Michael,

Zunächst einmal Danke für Ihren Kommentar.

Ja, ich kann gut verstehen, dass es nicht immer leicht ist demütig zu sein, wann man von starken Schmerzen geplagt oder schwer krank ist. Man verliert dann (verständlicherweise) oft den Blick für all die Dinge, für die man dankbar sein kann. Ich möchte Ihnen gerne einen Rat weitergeben, den mir einmal mein bester Freund gegeben hatte, zu einer Zeit, als es mir nicht so gut ging. Er sagte ich solle einmal jeden Tag all die Dinge aufschreiben, für die ich dankbar bin. Ich habe das gemacht und ich war selbst erstaunt wie viel ich jeden Abend aufgeschrieben hatte und ich hätte manchmal unendlich weiter schreiben können. Smile Dort standen dann einige große Dinge und schöne Begebenheiten, aber vor allem standen da all die vielen vermeintlich "kleinen", normalen Dinge, die wir oft für selbstverständlich halten, die es aber nicht sind. Es aufzuschreiben und auch immer wieder einmal lesen zu könne, hat mich wirklich demütiger gemacht und mir eine neue Sichtweise geschenkt.
Ich möchte Sie dazu animieren, dies auch einmal eine Zeit lang zu tun. Ich bin mir sicher, dass auch Sie erstaunt sein werden, für wie vieles Sei dankbar sind. Dadurch fällt es leichter, Krisenzeiten zu überstehen und zu vertrauen.

Ich hoffe, dass ich auch mit starken Schmerzen auf Gottes Hilfe vertrauen werde und dann hoffentlich auch gesunden werde.

Ich bin mir sicher, dass Sie das werden, denn im Grunde ihres Herzens wollen Sie es, sonst hätten Sie nicht hier geschrieben Smile Manchmal müssen wir gewisse Dinge (er)leiden um daran zu wachsen und unser Leben noch einmal neu zu betrachten und um vielleicht etwas zu verändern was nötig ist, was wir aber sonst nie gesehen hätten. Vieles verstehen wir auch erst im Rückblick.Gott hilft uns nicht immer am Leiden vorbei, aber er hilft uns hindurch. (Johann Albrecht Bengel). Vertrauen Sie darauf Smile

Den nachfolgende Text eines unbekannten Soldaten finde ich sehr schön und mutmachend und hat mich manche Dinge in einem andern Licht sehen lassen. (Vielleicht kenne Sie ihn ja auch schon):

Ich bat Gott um Stärke, aber er machte mich schwach,
damit ich Bescheidenheit und Demut lernte.

Ich erbat seine Hilfe, um große Taten zu vollbringen,
aber er machte mich kleinmütig, damit ich gute Taten vollbrächte.

Ich bat Gott um Reichtum, um glücklich zu werden.
Er machte mich arm, damit ich weise würde.

Ich bat Gott um alle Dinge, damit ich das Leben genießen könne.
Er gab mir das Leben, damit ich alle Dinge genießen könne.

Ich erhielt nichts von dem, was ich erbat - aber alles, was gut für mich war.
Gegen mich selbst wurden meine Gebete erhört.

Ich bin unter allen Menschen ein gesegneter Mensch.

(Worte eines unbekannten Soldaten aus dem amerikanischen Bürgerkrieg)


Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und dass es Ihnen bald besser geht und dass Sie vertrauen können.

Herzliche Grüße
Kerstin
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