Start Koran Fehler in Koranübersetzungen Juden und Christen sind keine Freunde der Gottergebenen?

Aus dem Koran

25:63 Die Diener des Barmherzigen sind die, die bescheiden auf der Erde umhergehen, und wenn die unwissenden törichten Ungläubigen sie unbotmäßig ansprechen, sagen: "Friede sei mit euch!"

13:22 ... und das Böse durch das Gute abwehren - diese erhalten den Lohn.

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Geschrieben von: Kerem A. und Ayman T.   
Dienstag, den 23. Dezember 2008 um 14:46 Uhr
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Juden und Christen sind keine Freunde der Gottergebenen?
Freunde?
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Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verstoßenen Teufel,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen
5:51 O ihr Gläubigen! Nehmt nicht die Juden und die Christen zu Freunden. Sie sind Freunde gegeneinander. Und wer von euch sie zu Freunden nimmt, der gehört fürwahr zu ihnen. Wahrlich, Gott weist nicht dem Volk der Ungerechten den Weg.

Ich wurde schon des Öfteren nach Vers 5:51 befragt, welcher davon spricht, die Juden und die Christen nicht zu Freunden zu nehmen, wenn wir Muslime, d.h. Gottergebene, seien. Dieser Vers brachte bereits Reaktionen wie folgende hervor: "Bin ich überhaupt nicht mit einverstanden! Überhaupt "Juden und Christen" in einen Topf zu schmeißen und dann noch "Volk der Ungerechten" zu nennen! Dieser Vers sät tatsächlich Zwietracht!" Hier sei noch einmal die Vorgehensweise beim Verstehen des Korans erinnert:

  1. Die Sprache ist kein Hindernis
  2. Den ganzen Vers anschauen
  3. auch die umliegenden Verse anschauen
  4. sich über mehrdeutige Wörter bewusst sein
  5. Verse gleichen Themas zusammenstellen
  6. Nach Beispielen im Koran suchen
  7. Geduldig sein und Gott um Hilfe und Rat bitten
Für ein besseres Verständnis dieses Verses analysieren wir als Erstes, wie sich die fünfte Koransure "entwickelt":

5:1-2 Verbote bei der Pilgerfahrt
5:3-5 nur vier Nahrungssorten sind verboten worden
5:6-7 Die Waschung vor dem Gebet
5:8-10 macht keine falschen Zeugenaussagen
5:11 Gott beschützt und verteidigt Seine Diener (die Gläubigen)
5:12 Bedingungen um unter Gottes Schutz stehen zu dürfen
5:13 Konsequenzen der Missachtung des Bundes mit Gott
5:14 Auch Christen müssen dem Gesandten Gottes gehorchen
5:15-16 Koran: Gottes Botschaft für die Christen und die Juden
5:17-18 die gravierende Blasphemie
5:19-20 wie habt ihr den Gesandten, der zu euch kam, aufgenommen
5:21-23 Gott gibt das Heilige Land den Juden
5:24-26 Trotz all den Wundern, welche die Juden gesehen hatten
5:27-30 der erste Mord
5:31 die Lehre des Raben
5:32 der Wert eines Individuums - die Grobheit des Tötens
5:33-35 Todesstrafe: wann ist sie legitim?
5:36-37 Der Preis des Ableugnens
5:38-40 das Abschneiden der Hände der Diebe
5:41-43 die Verzerrung des Kontextes der Schrift durch die Juden
5:44 Tora: Weisheit und Licht für das Volk der Juden durch muslimische Propheten ("Muslim" ist keine besondere Bezeichnung, sondern bedeutet schlicht "(Gott-)Ergebener")
5:45 Das Gesetz der Äquivalenz (Leben um Leben, Auge um Auge...)
5:46-47 Das Evangelium JESU: Weisheit, Licht und Rechtleitung durch Jesus überliefert.
5:48-50 Koran: letzte und einzige Quelle
5:51-53 Gewisse Juden und Christen können keine Freunde sein
5:54 Wenn Gläubige von ihrer Religion abfallen...
5:55-56 Die wahren Freunde
5:57-63 Das Verhalten gewisser Juden und Christen
5:64 Blasphemie gegenüber Gott
5:65 Erlösung für Juden und Christen
5:66 Sie sollten an diesen Koran glauben
5:67 Der Gesandte muss nur überliefern
5:68 Folgt den Schriften, die zu euch gesandt wurden!
5:69 Minimale Anforderungen für eine Erlösung
5:70-71 Der Bund Gottes mit den Kindern Israels
5:72-76 Das heutige Christentum ist nicht die Religion Jesus'
5:77-78 Wählt eure Freunde sorgfältig aus


usw. usf.

Die Sure behandelt also reichlich das Interreligiöse. Kommen wir zur Hauptfrage: Was meint Gott mit "nehmt keine Juden und Christen zu Freunden"?

Diejenigen Juden und Christen, mit denen es verboten ist, Freundschaften zu schließen haben ganz bestimmte Absichten, wie wir aus der Liste sehen können. Diese werden in 5:57 erläutert. Innerhalb der Schriftbesitzer (Juden + Christen) gibt es auch gute Menschen (3:113). Das Essen dieses Volkes kann gegessen werden (5:5) und ihre Frauen können geheiratet werden. Die Verse 5:57 und 60:8-9 geben uns die Ermahnungen und legen die Hauptprinzipien fest, mit welchen Menschen und Völkern wir Beziehungen pflegen sollen.

5:57 O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die zu Beschützern - von jenen, denen vor euch die Schrift gegeben wurde, und von den Ungläubigen -, die mit eurem Glauben Spott und Scherz treiben - und fürchtet Gott, wenn ihr Gläubige seid.
4:140 Und Er hat euch schon in dem Buch herabgesandt, dass - wenn ihr hört, dass die Zeichen/Verse Gottes geleugnet und verspottet werden - ihr nicht bei ihnen sitzt, bis sie zu einem anderen Gespräch übergehen; ihr wärt sonst wie sie. Wahrlich, Gott wird die Heuchler und die Ungläubigen allesamt in der Hölle versammeln.
3:113 Sie sind aber nicht (alle) gleich. Unter den Leuten der Schrift gibt es (auch) eine Gemeinschaft, die stets die Verse Gottes zur Zeit der Nacht verlesen und sich dabei niederwerfen.
60:8-9 Gott verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht des Glaubens wegen bekämpft haben und euch nicht aus euren Häusern vertrieben haben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren; wahrlich, Gott liebt die Gerechten. Doch Gott verbietet euch, mit denen, die euch des Glaubens wegen bekämpft haben und euch aus euren Häusern vertrieben und (anderen) geholfen haben, euch zu vertreiben, Freundschaft zu schließen. Und wer mit ihnen Freundschaft schließt - das sind die Missetäter.
3:64 Sprich: "O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Gott allein dienen und nichts neben Ihn stellen und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen außer Gott." Und wenn sie sich abwenden, so sprecht: "Bezeugt, dass wir (Ihm) ergeben sind."
Wie wir sehen, reicht diese Methode allein schon aus, um diesen Sachverhalt zu klären. Dennoch sollte die Wahrheit die oberste Priorität sein. Deshalb wollen wir diesen Vers noch philologisch analysieren.




Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 31. Dezember 2008 um 02:23 Uhr
 
Kommentare (2)
1Sonntag, den 03. Mai 2009 um 15:36 Uhr
Suchende
"4:140 Und Er hat euch schon in dem Buch herabgesandt, dass - wenn ihr hört, dass die Zeichen/Verse Gottes geleugnet und verspottet werden - ihr nicht bei ihnen sitzt, bis sie zu einem anderen Gespräch übergehen; ihr wärt sonst wie sie. Wahrlich, Gott wird die Heuchler und die Ungläubigen allesamt in der Hölle versammeln."

Ach komm, welcher GLÄUBIGE Christ und GLÄUBIGE Jude, würde Gott "verspotten" ?

Ich finde das keine sehr gelungene Erklärung für diesen doch sehr drastischen Vers "nehmt keine Christen unt Juden zum Freund".

Hätte Allah nicht vorab wissen können, dass dieser Vers hauptsähclich "falsch verstanden" werden MUSS ?
Montag, den 04. Mai 2009 um 17:16 Uhr
Kerem Adıgüzel
Salâm liebe Suchende,

In der Tat, die intuitive Vorstellung eines gläubigen Menschen ist jemand, der Gott ehrt und respektiert. Allerdings sind Gläubige keine Engel und sind auch der menschlichen Neigung untergeordnet, ihr eigenes Weltbild lieber zu haben als eine konkurrierende oder entgegengesetzte. Es gibt z.B. Christen, die Jesus für Gott halten und deshalb vom Koran in die Kategorie der Ableugner fallen. Es gibt auch Juden, die in ihren Untaten zu den Weltklasse-Terroristen gehören können. Und umgekehrt gibt es Christen und Juden, die punkto Rechtschaffenheit und Glauben ein Vorzeigemodell sind und ebenso zur Weltklasse gehören.

Es gibt also kein monotones Bild eines GLÄUBIGEN. Diese realistische Auffassung wird auch im Koran reflektiert, der von den Gläubigen verlangt, nicht berauscht/betrunken das Gebet anzutreten (4:43), obwohl ja vom Drogen-Konsum von Gott höchstpersönlich abgeraten wird.

Also: weder ist der Vers falsch noch hat Gott vergessen, den Vers passend zu formulieren. Es gibt Gläubige, die nicht so rechtschaffen sind wie andere und deshalb gewisse negative Eigenschaften annehmen können. Auch ist es unterschiedlich von Mensch zu Mensch, wie gläubig derjenige Mensch wirklich ist, also der Botschaft in den Schriften wahrhaftig folgt.

Sie gehen in Ihrer Betrachtung davon aus, dass der Gläubige ein wahrhaftiger Gläubige ist, der die Botschaft Gottes respektiert und akzeptiert. Allerdings ist dies eher eine idealistische Annahme, wenn auch wünschenswert.

Sie müssten im Prinzip einmal die Erfahrung wie viele von uns machen, dass es Christen oder Juden gibt, die sich über den Koran und seinen Inhalt lustig machen. Doch glücklicherweise sind nicht alle so und dies erkennt auch der Koran an (3:113).

mfG und in Frieden,
Kerem
2Sonntag, den 13. Dezember 2009 um 15:08 Uhr
EinSuchender
Salam!

Im Gegensatz zu "Suchende" finde ich die Erklärung sehr einleuchtend. Aber eine Frage habe ich trotzdem: wenn das Wort "Freunden" in der Übersetzung des Verses 5:51 nicht korrekt ist, wie müsste dann die korrekte Übersetzung aussehen? Könntet ihr vielleicht ein Beispiel zu diesem Vers machen, wie z.B. die Beispiele zu den Versen 4:34 und 5:38 im Artikel Schlüssel zum Verständnis des Koran? Danke schon mal im Voraus.
Sonntag, den 13. Dezember 2009 um 21:24 Uhr
Kerem Adıgüzel
Salam Suchender,

Bruder Ayman hat ja bereits die Wurzel W-L-Y erklärt. Da kann man also die Wörter selbst bestimmen, was am besten passt. Es geht nicht um das deutsche Wort an sich, sondern um die Bedeutung dessen, was mit dem arabischen Begriff ausgesagt wird. Man kann also sagen, muss aber nicht: Nehmt nicht die Juden und Christen zu Allianzverbündeten... oder Beschützer. Die genaue Klärung des Begriffs müsste in einer Gemeinschaft auf demokratischer Basis ausdiskutiert werden. Und das ist dann eben Auslegungssache. Smile

Ich wünsche allen Lesern Gottes Segen und verbleibe

mfG und in Frieden,
Kerem
Samstag, den 19. Dezember 2009 um 13:33 Uhr
EinSuchender
Danke für deine Antwort, Bruder Kerem.

Ich habe mir die Übersetzung von Edip Yüksel ins Türkische gelesen, und auch er hat den Vers 5:51 mit "Dostluk = Freundschaft" übersetzt. Im Allgemeinen finde ich die Übersetzung von Edip Yüksel sehr gut (bspw. 4:34, 7:157, 41:44 und 78:33), aber auch noch verbesserungswürdig (bspw. 4:29, 5:38, 51 und 16:44).

Ich hoffe für alle Menschen weltweit, dass sie so früh wie möglich eine gute Koranübersetzung in der Hand halten dürfen inshaAllah.
Samstag, den 19. Dezember 2009 um 13:46 Uhr
Kerem Adıgüzel
Salam Suchender,

Ja, Edip hat schon selbst zugegeben, dass die türkische Übersetzung einige Fehler enthält. Vermutlich verbessert er seine Übersetzung, wenn eine neue Ausgabe erscheint. Seine momentan aktuellste Übersetzung ist aber die auf Englisch und dort übersetzt er z.B. mit dem Wort "allies" (Verbündete).

mfG und in Frieden,
Kerem
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