| Ein Land mit 72 Millionen potentiellen Hodschas (Theologen) |
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| Geschrieben von: Kerem Adıgüzel |
| Sonntag, den 11. April 2010 um 11:37 Uhr |
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Die Türken sind wahrhaftig ein sehr interessantes Völkchen. Ein Türke zu sein ist für mich selbst eine echte Ehre. Türkisches Blut in mir zu haben erfüllt mich mit Stolz und Freude. Doch so manches Mal kann ich nicht anders als über die meisten meiner Landesgenossen zu schmunzeln oder den Kopf zu schütteln. Es ist kein Geheimnis, dass die Türken ein in der Mehrheit sunnitisch-muslimisches Volk sind. Nicht nur das, sie sind auch im allgemeinen „potentielle Anwärter“ als Theologen, die den Glauben dem Anschein nach am besten kennen. Ich bin persönlich der Meinung, dass man als Muslim auf jeden Fall den Koran ernst nehmen und ihn auch lesen sollte. Ansonsten sollte man sich nicht als Muslim bezeichnen. Wenn man von Nichtmuslimen nach Begründungen für diese oder jene Regel gefragt wird, sollte man mit Koranversen antworten können. Aus dem Stand heraus. Jedoch machte ich auch die Erfahrung, dass gerade dieses Können oft in meinem Gegenüber ein mulmiges Gefühl erzeugt. Es ist am Gesicht abzulesen, was gedacht wird: der treibt es doch zu weit in seiner Religion! Im Anschluss entstehen dann Gespräche, die sich immerzu wiederholen. Es spielt lediglich eine Rolle, mit wem man es zu tun hat. Ob es beispielsweise ein Alevit oder Sunnit ist. Man bräuchte gar kein Buch, Gott zeige einem den Weg schon. Man müsse nicht zu festgelegten Zeiten beten, wichtig ist dass man zu der Zeit betet, in der es einem schlecht geht. Man kann jeder Zeit beten. Wozu Gebete zu bestimmten Zeiten? Gott verlange von uns dies und das, aber nicht jenes und dieses. Glaube allein reiche doch aus. Oder auch das andere Extrem: nicht nur die Gebete sind Pflicht, man hat auch die Toilette mit dem rechten Fuß zu betreten und beim Gähnen den Mund mit der Hand abzudecken, damit der Teufel nicht rein kann. Den Koran solle man wie etwas behandeln, dass man fast nicht berühren könne. Es sei „mehr als ein Buch“ (aber darin lesen, nie im Leben!). Eine gesamte Theologie wird aufgefahren. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Glaube, der nicht durch Vernunft und empirische Hinweise unterstützt wird, vollkommenes Wunschdenken ist. Man macht sich einfach selbst etwas vor. Das Gebet ist für die Gläubigen eine für bestimmte Zeiten festgesetzte Vorschrift. 4:103 Meinen die Menschen etwa, sie würden in Ruhe gelassen, wenn sie nur sagen: "Wir glauben!" ohne geprüft zu werden? 29:2 Und sagt nicht von dem, was eure Zungen lügnerisch behaupten: »Dies ist erlaubt, und dies ist verboten«, um gegen Gott Lügen zu erdichten. Denen, die gegen Gott Lügen erdichten, wird es nicht wohl ergehen. 16:116 Ich selbst halte die Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf für heilig. Ich möchte nicht dazwischen treten. Aber ich scheue auch nicht meine Meinung zu sagen. Doch meistens weiß ich, dass ein Diskutieren nichts bringt und deshalb lasse ich der Seele meines Gegenübers freien Lauf. Ich möchte niemanden ändern und selbst werde ich durch solche Dinge auch nicht geändert. Ich freue mich lediglich darüber, dass manchmal gewisse Inhalte des Koran wiederholt werden. Eine kleine Erinnerung und Ermahnung für mich. Manchmal, aber wirklich nur manchmal kommen neue Punkte hinzu in diesen Gesprächen. Kein Mensch ist perfekt und so hat jeder seine Unzulänglichkeiten und Eigenschaften im Charakter, die nicht positiv sind. So ist es also auch mal geschehen, dass meine menschlichen Fehler der Religion zugeschrieben wurden. Ich sei nur deshalb so in meinen Fehlern wegen der Religion. Es gibt wirklich Menschen, die in der Religion eine Zuflucht suchen. Zuflucht vor ihren Problemen und ihren Unzulänglichkeiten. Für mich persönlich ist aber die Religion schon immer ein Weg gewesen, mein Inneres zu verbessern. Den Umgang mit meinen Menschen freundlicher und friedlicher zu gestalten. Auf die Menschen zuzugehen und Verständnis zu zeigen. Wenn ich so zurück blicke, habe ich die meisten meiner Fehler mit Gottes Hilfe dank Seinen Weisungen in Seiner Schrift ausradieren können. Seine Religion war für mich eine Heilung. Aber auch, weil ich wusste, dass ich die Fehler anpacken muss und nicht träge auf Gottes Hilfe warten soll. Oder anders gesagt: “Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass Gott sich darum kümmert.” O ihr Menschen, zu euch ist nunmehr eine Ermahnung von eurem Herrn gekommen und eine Heilung für euer Inneres, eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für die Gläubigen. 10:57 Wir senden im Koran Offenbarungen hinunter, die für die Gläubigen eine Heilung und Barmherzigkeit sind. Aber die Frevler haben dadurch nur noch mehr Schaden. 17:82 … Gott verändert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie selbst ihren eigenen Zustand verändern. … 13:11 Religion als der Sündenbock. Eigentlich ein altbekanntes Spiel. In solchen Momenten frage ich mich immer wieder, was die Rechtleitung genau bedeutet, von der im Koran immer wieder die Rede ist. Denn um Religion als Sündenbock bezeichnen zu können, wo man sogar selbst eigentlich dem Papiere nach Anhänger derselben Religion ist, muss man etwas missverstanden haben. Der Satz „Gott leitet recht, wen er will, und führt in die Irre, wen er will.“ kommt nicht nur einige Male vor. Der Satz wird oft wiederholt. Die Antwort hatte ich – Gott sei gepriesen – diesen Freitag gelesen, bei der Lektüre des Koran (ja, ich gehöre wirklich zu denen, die tatsächlich im Koran lesen): Wem Gott das Herz für die Hingabe (Islam) weitet, der wandert in einem Licht von seinem Herrn. So wehe denen, deren Herzen gegen die Ermahnung Gottes verhärtet sind! Sie befinden sich in einem offenkundigen Irrtum. 39:22 Gott hat den besten Hadith (Botschaft) herab gesandt: ein Buch mit einheitlichen, sich wiederholenden Versen, vor dem die Haut derer, die ihren Herrn respektieren, erschauert. Dann werden ihre Haut und ihr Herz weich und neigen sich dem Gedenken Gottes zu. Das ist die Rechtleitung Gottes. Er leitet damit recht, wen Er will. Und wen Gott irreführt, der hat niemanden, der ihn rechtleiten könnte. 39:23 Natürlich haben die Menschen in vielen Dingen auch Recht. Ein mechanisch ausgeführtes Gebet bringt einem selbst nichts. Ein Gebet, das man inhaltlich nicht versteht, hat keinen Sinn. Ein Gebet, das nicht in Demut und im Bewusstsein des Kontakts mit Gott geschieht, ist ein verlorenes Gebet. Es ist tatsächlich so, dass diese Dinge bei den meisten Menschen zutreffen. Moscheen sind oft voll von Menschen, die eigentlich eher ein schlechtes Licht auf sich selbst werfen. Deshalb mag ich persönlich Moscheen nicht sehr. Da ist es besser, man bleibt zuhause und macht andere Dinge. Kümmert sich lieber um seine Familie. Gott hat unsere Gebete nicht nötig. Wir sind es, die Gott nötig haben. Denn „die Gebete ändern nicht Gott, sondern den Betenden“. Und gerade deswegen haben wir auch die Pflichten einzuhalten, die Gott uns auferlegt. Weil sie besser für uns sind, wenn wir nur wüssten. Es ist weniger das Problem, dass diese Menschen zu leichtsinnig mit ihrer Religion umgehen, sondern mehr, dass die Kritik, die sie anbringen, bereits der Koran auf bessere Art und Weise macht. Stell dich niemals in ihr (zum Gebet) hin! Eine Gebetsstätte, die vom ersten Tag an auf die Rechtschaffenheit gegründet worden ist, hat wahrlich ein größeres Anrecht darauf, dass du dich in ihr hinstellst. In ihr sind Leute, die es lieben, sich zu reinigen. Und Gott liebt die sich Reinigenden. 9:108 Und gedenke deines Herrn in deinem Inneren in Demut und Furcht und ohne lautes Aussprechen, am Morgen und am Abend. Und sei nicht einer von denen, die (dies) unbeachtet lassen. 7:205 Und ruft euren Herrn in Demut und im Verborgenen an. Er liebt die nicht, die Übertretungen begehen. 7:55 Sprich: Mein Herr würde sich nicht um euch kümmern, würdet ihr nicht (zu Ihm) rufen. Ihr habt doch (alles) für Lüge erklärt, und nun wird es unabwendbar. 25:77 Unter den Menschen gibt es den einen oder den anderen, der über Gott ohne Wissen, Rechtleitung und ein erleuchtendes Buch debattiert. 22:8 Wohl ergeht es den Gläubigen, 23:1 Seht, ihr liebt sie, sie aber lieben euch nicht. Ihr glaubt an das gesamte Buch. Wenn sie euch treffen, sagen sie: »Wir glauben.« Wenn sie allein sind, beißen sie sich gegen euch die Fingerspitzen vor Groll. Sprich: Sterbt an eurem Groll. Gott weiß über das innere Geheimnis Bescheid. 3:119 … Glaubt ihr denn nur an einen Teil des Buches und verleugnet den anderen? Die Vergeltung für diejenigen unter euch, die dies tun, ist nichts als Schande im diesseitigen Leben, und am Tag der Auferstehung werden sie der härtesten Pein zugeführt werden. Und Gott läßt nicht unbeachtet, was ihr tut. 2:85 O ihr Menschen, ihr seid es, die Gottes bedürftig sind. Und Gott ist der, der auf niemanden angewiesen und des Lobes würdig ist. 35:15 Nehmen wir uns das Buch Gottes als Gottergebene (Muslime) zu Herzen und seien wir nicht wie die früheren Juden, welche die Inhalte der Thora missachteten. Seien wir nicht wie Esel, die einfach nur aus Tradition Bücher auf ihrem Rücken tragen, sondern nehmen wir das Buch in die Hand und lesen darin! Das Gleichnis derer, denen die Thora auferlegt wurde, und die ihr dann nicht nachlebten, ist wie das Gleichnis eines Esels, der Bücher trägt. Übel steht es um Leute, die Allahs Zeichen leugnen. Und Allah weist dem Volk der Frevler nicht den Weg. 62:5 |
| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 11. April 2010 um 16:10 Uhr |





























































Ich dachte man ist stolz ein muslim zu sein. Ist dieser Satz nicht nationalistisch ich kenne sowas von Grauen Wölfe und Turanisten.
danke
Stolz zu empfinden kann mehrere Gründe haben. Ich würde, was den Stolz angeht, Türke zu sein, nicht nationalistisch oder wegen den Grauen Wölfen begründen. Es hängt mehr mit der Geschichte zusammen, die die Türken vereint. Dass die Türken eben auch Fehler gemacht haben und heute noch merkwürdige Mentalitäten in sich haben, beschreibe ich ja gerade auch in meinem Artikel.
Stellen Sie sich vor, dass wenn man Stolz wäre Muslim zu sein, für jemand anderen bedeutete ein Taliban oder sonst etwas in der Richtung zu sein, wäre das ja genauso absurd, nicht?
Und dennoch bin ich stolz, Muslim also Gottergeben zu sein.
Vielen Dank für den Kommentar!
MfG und in Frieden,
Kerem
Toller Artikel, wie immer
Nur komme ich leider nicht umhin diesen STOLZ anzusprechen. Ich bin selbst Türkin aber konnte noch nie verstehen warum ein Türke Stolz ist ein Türke zu sein
Für mich ist das Nationalistisch.
Meine Abneigung kann natürlich daher kommen,dass es mich wahnsinnig ärgert, dass in der Türkei, in Schulen z.B., dieser Spruch NE MUTLU TÜRKÜM DIYENE von allen Schülern aufgesagt werden muss. Ungeachtet dessen, dass unter den Schülern auch Kinder anderer Nationalitäten sind. Das ist für mich Rassistisch.
Mann kann Stolz sein, wenn jemand den man kennt oder man selbst etwas gutes Zustande gebracht hat. Aber nicht, weil man Deutsche oder Türke ist.
Ich finde Ihren Artikel schön,(Sie können Stolz darauf sein) aber Sie hätten nicht betonen müssen, dass Sie Stolz sind türkisches Blut in sich zu haben
Wünsche alles Gute
In Frieden
Natürlich gibt es verschiedene Arten von Stolz. Die verbreitetste Form ist die nationalistische. Es gibt aber auch andere Arten. Natürlich kann ich nichts dafür, als Türke geboren zu sein. Ich kann aber etwas dafür, mich als Türke zu fühlen. Mich mit der Geschichte meines Volkes zu identifizieren, mich aber auch zu ermahnen nicht dieselben Fehler wie meine Vorfahren zu wiederholen. Ich werde aber meinen Kindern so Gott will diesen Stolz nicht aufzwingen. Es geht darum, für sich selbst zu wissen, was man ist und wieso man so ist. Meine äußere Erscheinung ist definitiv türkisch, innerlich bin ich aber auch ein Schweizer. Nicht nur Türke. Und genauso bin ich auch Stolz, ein Bürger der Schweiz zu sein: ein Schweizer. Ich konnte es mir auch nicht aussuchen, dass ich in der Schweiz zur Welt kam. Gott hat Seine Gründe und ich bin zufrieden mit Gottes Entscheidung.
Man kann auch Stolz sein, zu einer Nation zu gehören, wenn man die Taten von Mitmenschen sieht.
Ich glaube sogar, dass wir eigentlich sehr ähnliche Vorstellungen davon haben, was gesunder Stolz ist, nur unterschiedliche Worte dafür gebrauchen. Aber um das Thema nicht noch weiter auszudehnen, möchte ich auch sagen, dass ich nicht ständig mit dem Gedanken in der Gegend laufe, dass ich Stolz bin ein Türke/Schweizer zu sein. In erster Linie bin ich ein Mensch und meine erste Absicht ist es, menschlich zu bleiben in allen Situationen.
Danke für den Kommentar und die Gedanken.
mfG und in Frieden,
Kerem